In eigener Sache: Wie man eine Ennomane tötet

Es war Zeit. Zwischen dem Namen meines Blogs „Die Ennomane – Sitzgelegenheit für Couch Potentials“ und der Bekanntheit meines bürgerlichen Namens tat sich eine zu große Diskrepanz auf. Je größer das Publikum, desto schwieriger ist es, Nerd-Manierismen und Blogger-Ironien aufrecht zu erhalten. Mittlerweile lebe ich von Artikeln und Vorträgen, und die erscheinen unter meinem richtigen Namen. Deshalb habe ich die Ennomane getötet. Erster Schritt war die Umbenennung meines wichtigsten Kanals: Seit einigen Wochen heißt mein Twitter-Account nicht mehr @ennomane sondern @ennopark. Danach habe ich still und leise Blog und Webseite zusammengeführt, wobei Deeplinks und RSS-Feeds der alten Domain weiterhin funktionieren. Heute bin ich endlich einigermaßen damit fertig geworden, die Seite inhaltlich zu überarbeiten. Zwecks schnöder Selbstvermarktung. Hilft ja nix: Wer mich buchen will, soll sehen, wer ich bin und was ich so mache. Deshalb steht hier jetzt alles an einem Ort. Demnächst werde ich weitere Bezüge zur Ennomane in den sozialen Medien entfernen und sicherlich hier und da noch ein paar Feinheiten an der Webseite verbessern. Also Ende einer Ära nach 12 Jahren. Schnüff? Nee, eigentlich nicht. So ist das mit Cyborgs: Wechseln ihre Identitäten, wie’s ihnen passt.

Links der Woche

  • Arctic stronghold of world’s seeds flooded after permafrost melts:

    Für den Fall einer globalen Katastrophe wurden die Samen vieler Nutzpflanzen im ewigen Eis verbuddelt. Stellt sich raus: So ewig ist das Eis nicht.

  • Ausbeuten statt erfinden:

    “Start-ups entwickeln daher selten neue Technologien, sie erfinden vor ­allem neue Geschäftsmodelle. »Plattformkonzerne« wie Uber zum Beispiel nutzen zwar neue technische Möglichkeiten, haben aber kein neues Produkt und keine neue Dienstleistung zu bieten. Sie zentralisieren lediglich bisher verstreut stattfindende Geschäftstätigkeiten und sorgen so für verschärfte Kontrolle und Ausbeutung der Lohnabhängigen und prekär Beschäftigten.“

  • „Rassismus aus der Zukunft“: Eine rechte Bewegung träumt von Cyborgs und Menschenzucht:

    Natürlich ist es falsch, den Transhumanismus und verwandte Strömungen per se in die rechte Ecke zu stellen. Und genauso natürlich ist es, dass sich da schnell libertäre Ideen von Techno-Evolution und Survival of the Fittest in einem Sozialdarwinismus verkleistert, der gerade dabei ist, in den USA eine unheilige Allianz bei Altright und Neoreaktionären einzugehen. Geld und macht haben diese Leute nicht zu knapp und müssen verschärft beobachtet werden, ganz besonders von denjenigen, die daran glauben, dass technischer Fortschritt Emanzipation, Empowerment und Inklusion dienen kann uns muss.

  • „Erzähl das halt nicht“:

    “Ich bin nicht mehr bereit dazu, nach 39 Jahren Lebenszeit über all das zu diskutieren. Ich möchte darüber reden, dass der Antisemitismus so tief in den Köpfen verhaftet ist, dass wir vermutlich noch mindestens 100 Jahre brauchen, um das zu ändern. Vermutlich länger, wenn wir uns an all diesen Nebensächlichkeiten aufhalten.“

#WannaCry – Die Monokultur ist schuld

Nachdem die Schadsoftware einer kriminellen Hackergruppe mehr als 200.000 Rechner weltweit außer Gefecht gesetzt hatte, unter anderem Computersysteme von Krankenhäusern und Anzeigetafeln von Bahnen sowie Kassenautomaten, begann die Suche nach den Schuldigen – und das sind nicht nur die Hacker. In den vergangenen zwei Wochen wurden auch Microsoft und die NSA für den Angriff mitverantwortlich gemacht. Generell, da sind sich viele Kommentatoren und Experten sicher, seien aber ganz besonders die Nutzerinnen und Nutzer selbst schuld, wenn sie keine Sicherheitsupdates auf ihre Systeme einspielen. Dabei ist die Frage, wie die Wannacry-Attacke passieren konnte, und vor allem, wie sich ein solcher Angriff in Zukunft vereiteln ließe, komplexer, als die Schuldzuweisungen vermuten lassen.

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Infowar à la française

Am Freitag vor der Stichwahl um die französische Präsidentschaft wurden neun Gigabyte Daten über Wikileaks und das Webportal 4chan ins Internet gestellt: E-Mails, Dokumente und vielleicht auch kompromittierendes Material von den Servern Emmanuel Macrons. Dahinter steckte wahrscheinlich der russische Hacker »Fancy Bear«, dessen Gruppe auch schon im US-Wahlkampf eine Rolle gespielt hatte und ­direkt oder indirekt für Wladimir Putin arbeiten soll. Was angesichts der Umfragewerte kurz vor dem Wahltag wie eine verzweifelte Attacke der Unterstützer Marine Le Pens wirkte, könnte wegen einer Besonderheit des franzö­sischen Wahlrechts durchaus so geplant gewesen sein. In Frankreich dürfen am Wahlsonntag und am Tag zuvor weder Kandidaten noch Presse politische Äußerungen im Hinblick auf die Wahl tätigen. Gelangen in dieser Zeit Vorwürfe gegen einen Kandidaten an die Öffentlichkeit, hat dieser praktisch keine Chance mehr, sich zu wehren.

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Renaissance des „Und was ist mit…?“

Wie staunte man, als Donald Trump im Wahlkampf alle möglichen Vorhaltungen einfach an sich abperlen lassen konnte. Dafür griff er zu einem rhetorischen Taschenspielertrick: Wann immer er angegriffen wurde, attackierte er Hillary Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre. Wer könnte heute noch all die Skandale aufzählen, die Trump im Wochentakt produzierte? Haften blieb stattdessen das böse Wort von „crooked Hillary“ – der unehrlichen Hillary Clinton. Genannt wird dieses Muster „Whataboutismus“.

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Links der Woche

  • Nüsse machen die Schokolade auch nicht männlicher:

    “Die ganze Geschichte fing wohl damit an, dass sich Marketingleute überlegten, wie sie verschiedene Menschengruppen genauer ansprechen könnten. Schön und gut. Diversifikation und Eingehen auf Bedürfnisse Verschiedener ist doch toll. Da Frauen und Männer scheinbar so unterschiedlich sind wie Alien und Predator, müssen daher anders angesprochen werden.”

Cyborgs sind auch nur Menschen

Der philosophische Science-Fiction-Anime »Ghost in the Shell« von 1995 hat das Medium populär gemacht. Der Realverfilmung mit Scarlett Johansson kommt das Visionäre abhanden.

#SPOILER

Major Motoko Kusanagi (Scarlett Johansson) arbeitet als Ermittlerin in der geheimen Cybercrime-Abteilung »Sektion 9« einer nicht näher genannten fernöstlichen Regierung, die in einer Megastadt wie Tokio oder Hong Kong ihren Sitz hat. Die Frau ist ein Cyborg, ein Mischwesen aus Mensch und Maschine, und das ziemlich radikal: Lediglich ihr Gehirn ist noch biologischen Ursprungs, ihr restlicher Körper hingegen vollständig synthetisch. Ihr femininer, aber asexueller Techno-Körper verleiht ihr übermenschliche Fähigkeiten. Während sie ihr Fahrzeug mit der Kraft ihrer Gedanken steuert, kommuniziert sie gleichzeitig mit der Zentrale. Wenn sie nicht gerade einen mysteriösen Hacker jagt, hadert sie mit ihrem Cyborg-Dasein und fragt sich, ob sie eigentlich noch ein Mensch ist. Scarlett Johansson agiert in ihrer Rolle etwas blutleer, was aber nicht verkehrt sein muss, wenn es darum geht, einen fast vollständig synthe­tischen Cyborg darzustellen.

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Wie Cyborgs Filmgeschichte schrieben

Beim Cyborg denken wir vor allem an Terminator und die Borg aus Star Trek. Doch seit wann gibt es eigentlich Cyborgs im Film und wie werden sie dargestellt? Hat sich das Bild vom Cyborg über die Jahrzehnte verändert? Von wohl ersten richtigen Cyborg-Film „Cyborg 2087“ von 1966 bis zum heute im Kino startenden Remake von „Ghost in the Shell“ habe ich für Deutschland-Radio Kultur eine Mini-Kulturgeschichte des Cyborg-Films zusammengestellt und mich mit Timo Grampes darüber unterhalten.