Die EU-Urheberrechtsreform

Als das t3n-Magazin mich kurz vor der Abstimmung im EU-Parlament um einen Text zur EU-Urheberrechtsreform bat, ist die Angelegenheit ein wenig eskaliert. Gewünscht war nämlich eine Art „Rundumschlag“ und ich merkte schnell, dass das einen einzigen Artikel völlig sprengen würde. So wurden gleich vier Teile draus, und selbst darin konnte ich bei weitem nicht all die Perspektiven, Argumente, Winkelzüge, Falschbehauptungen und Absurditäten unterbringen, die sich um die Geschichte dieses Gesetzesentwurfes ranken. Deshalb habe ich mich auf eine einzige Frage konzentriert: Verbessert die Reform – wie vielerorts ständig behauptet – die Situation von Urhebern? Die Antwort ist ein klares Nein. Weiterlesen bei t3n:

Teil 1 – Artikel 15: So gefährdet das Leistungsschutzrecht die Digitalwirtschaft
Teil 2 – Artikel 16: Warum Kreative weniger Geld bekommen
Teil 3 –Artikel 17: Mit Uploadfiltern wird das Internet zum Kabelfernsehen
Teil 4 –Die schmutzige Lobbyschlacht um die EU-Urheberrechtsreform

Das Märchen vom Computer-Gott

Als Ray Kurzweil, Chef-Entwickler bei Google, gefragt wurde, ob es einen Gott gibt, war seine Antwort kurz und knapp: „Noch nicht.“ Der Gott, den es noch nicht gibt, ist ein Computer und er soll schon in wenigen Jahrzehnten in Erscheinung treten.

Die Idee dahinter ist simpel: Eine intelligente Maschine entwickelt eine noch intelligentere Maschine, die wiederum eine noch intelligentere Maschine entwickelt und immer so weiter. Das Ergebnis wäre eine Intelligenz-Explosion und das Entstehen einer gottgleichen Hyper-Intelligenz weit jenseits des menschlichen Fassungsvermögens. Je nachdem, wen man fragt, wird dieser Computer-Gott das Paradies auf Erden bringen oder aber den Untergang der Menschheit einläuten.

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Wächter gegen Fake News

Sogenannte Fake News werden unter anderem für den Wahlsieg Donald Trumps und anderer Rechtspopulisten weltweit sowie für den Aufstieg der AfD in Deutschland verantwortlich gemacht. Ob und in welchem Ausmaß Websites, die bewusst unwahre Nachrichten verbreitet haben – teils um gezielt politische Propaganda zu beitreiben, teils um mit reißerischen Überschriften möglichst viele Clicks zu gewinnen –, wirklich Wahlen beeinflusst haben, bleibt umstritten.

Solche Seiten sorgen in Whatsapp-Gruppen und bei Diskussionen in sozialen Medien regelmäßig für Streit, sie sind ein wichtiges Instrument derer, die im Internet hate speech betreiben und Verschwörungstheorien verbreiten. Manche reden sogar von einem Informationskrieg zur Destabilisierung der westlichen Demokratien, in dem unter anderem russische Geheimdienste eine Rolle spielen.

Das US-amerikanische Start-up-Unternehmen News Guard will an diesem Zustand etwas ändern und hat ein Browser-Plug-in entwickelt, das anzeigt, ob es sich bei einer Website um eine vertrauenswürdige Quelle handelt.

Weiterlesen in der Jungle World

Upgrade für mein elektrisches Ohr

Wer Cochlea-Implantate hat, kann grundsätzlich alle paar Jahre neue Prozessoren dafür beantragen. Bei meinen beiden Implantationen 2011 hatte ich das Nucleus N5 (CP810) von Cochlear bekommen. Mittlerweile bietet Hersteller den Nachfolger des Nachfolgers, also das N7 (CP1000), das mich unter anderem wegen der Möglichkeit, sich mit einem iPhone zu koppeln, interessierte. Um den Sprachprozessor zu wechseln, ist kein chirurgischer Eingriff nötig. Der auszutauschende Prozessor wird wie ein Hörgerät äußerlich getragen und versorgt das eigentliche Implantat, das nicht ausgetauscht wird, über eine Sendespule mit Signalen. Also machte ich letzten Herbst einen Termin mit meiner Klinik und durfte das neue Modell ein paar Wochen testen.

Nach der Testphase überprüften wir mein Sprachverständnis, wobei sich insbesondere das Hören in Störschall ein gutes Stück besserte. Mit den Messergebnissen stellte die Klinik einen Antrag auf Kostenübernahme. In der Wartezeit durfte ich auch noch das Vorgängermodell Nukleus N6 (CP910) testen. An das N7 lässt sich nämlich kein analoges Audiokabel mehr anschließen, weshalb ich unsicher war, ob ich wirklich direkt zum N7 oder doch erstmal nur zum N6 wechseln wollte, mit dem das noch geht. Denn das Implantat per Kabel mit einer analogen Klangquelle verbinden zu können, war mir schon sehr wichtig. Letztlich entschied ich mich dann aber doch für das N7.

Heute morgen kam das Paket per UPS zu mir nach Hause. Ich war etwas überrascht, dass ich gar nicht mehr in die Klinik musste, sondern die fertig programmierten Prozessoren direkt erhielt. Ein wenig war das wie ein Überraschungsei, denn in den Schachteln waren lauter Einzelteile, die ich erst einmal zusammenbauen musste. Das dauerte allerdings nur wenige Minuten, sodass ich an der Tagung, die heute auf dem Programm stand, gleich schon mit dem neuen Gehör teilnehmen konnte.

Das Ergebnis war großartig. Der Klang ist wesentlich plastischer, ich konnte den Vorträgen mühelos folgen und mich ebenso mühelos in den Vortragspausen verständingen, ohne ein einziges mal nachfragen zu müssen. An sich funktionierte das auch schon mit dem alten Prozessor ziemlich gut, allerdings nur bei sehr leisen und sehr lauten Störgeräuschen. Sprache aus mittellautem Stimmengewirr etwa in einem Restaurant heraushören war mit dem N5 eher schwierig und geht bei mir mit dem N7 erheblich besser.

Der Scan-Mode passt sich sehr gut an die Umgebung an, ohne ständig auf auffällig hörbare Weise die Lautstärke wegsacken zu lassen, kommt mir allerdings manchmal etwas zu leise vor. Besonders krass wirkt beim N7 der in allen Programmen zuschaltbare Forward-Focus, der radikal alle Geräusche wegschneidet, die von hinten kommen. Im Straßenverkehr womöglich gefährlich, auf Tagungen, in Kneipen und Restaurants ausgeprochen angenehm.

Der Nachteil des CP1000 ist wie gesagt, dass sich keine Audioquellen per Kabel mehr anschließen lassen. Dafür kann ich es drahtlos mit dem iPhone koppeln. Wann immer ich einen Anruf erhalte oder einen Podcast starte, höre ich einen kurzen Signalton und bekomme den Klang des Telefons für außenstehende unhörbar in meinen Hörnerv gestreamt. Die Qualität ist dabei allerdings minimal schlechter als bei einer analogen Kabelverbindung. Gelegentlich kommt es zu klanglichen Artefakten. Da ist also noch Luft nach oben, aber unterm Strich ist es dermaßen komfortabel, dass einem das Hantieren mit dem Audiokabel innerhalb kürzester Zeit als unglaublich fummelig und unpraktisch erscheint.

Ich kann mich also ohne weitere Hilfsmittel nur mit Smartphones oder Tablets verbinden, nicht jedoch mit PCs und analogen Klangquellen. Hierzu verwende ich das Minimic von Cochlear. Dessen Klangqualität lässt allerdings zu wünschen übrig. Gelegentlich rauscht es oder es kommt zu Störungen, die ähnlich klingen wie eingehende SMS in schlecht abgeschirmten Boxen. Außerdem ist der Frequenzbereich nochmal stark eingeschränkt, wie sich zum Beispiel auf Youtube leicht rausfinden lässt. Aber für den Schreibtisch reicht es. Eigentlich ist das schlecht, weil ich gelegentlich halt wirklich ein Audiokabel in guter Qualität benötige. Ich habe deshalb ein wenig damit gehadert, ob das CP1000 nicht ein Fortschritt mit eingebautem Rückschritt ist.

Allerdings war ich in der Testphase auch im Funkhaus und habe dort ganz normale Kopfhörer benutzt. Die verwende ich eigentlich nicht so gerne, weil sie nicht bequem sitzen, wenn sie statt der Ohrmuschel das Cochlea-Implantat beschallen sollen, dessen Mikrofone oberhalb des Ohres sitzen. Allerdings erwies sich die Klangqualität als so gut, dass ich dem Audiokabel nicht nachtrauern sondern mir große, weiche, gut klingende Kopfhörer besorgen werde, sobald ich sie für eine Audioproduktion benötige.

Kopfhörer brauche ich auch aus einem anderen Grund. Spätestens mit dem drahtlosen Streaming vom Telefon aufs Cochlea-Implantat ist für meine Mitmenschen völlig unsichtbar, dass ich gerade Musik oder einen Podcast höre. Das führt immer wieder zu Verwirrung, wenn sie mich ansprechen – etwa um nach dem Weg zu fragen – und ich natürlich nichts verstehe, weil ich gerade was anderes höre. Ich spiele deshalb schon lange mit dem Gedanken, mir möglichst große, weithin sichtbare „Laber mich nicht an“-Kopfhörer zu beschaffen. Attrappen sozusagen.

Die frustrierend falsche Berichterstattung zu Implantaten, Prothetik und Wissenschaftsthemen

Alle paar Tage das gleiche Spiel: Irgend eine Forschungsgruppe macht eine mehr oder weniger bahnbrechende Entdeckung, schreibt ein Paper und veröffentlicht es in einer renommierten Fachzeitschrift. Ist die Meldung sensationell genug, springen Publikumsmedien auf und berichten darüber. Leider in sehr vielen Fällen ohne das Paper verstanden oder überhaupt gelesen zu haben.

Das passiert auch regelmäßig mit „Cyborg-Themen“, wie sehr schön folgende Meldung aus dem Bereich Hirnimplantate illustriert. Forscher:innen der New Yorker Columbia University ist es gelungen, mit einem Implantat zu messen, was im Hörzentrum des Gehirns passiert, wenn Menschen gesprochener Sprache zuhören. Mit Hilfe von Machine Learning schufen sie ein KI-System, dass aus diesen Hirn-Signalen die gehörten Wörter rekonstruiert und wieder hörbar macht.

Das ist eine enorme wissenschaftliche Leistung. Allerdings sollte genau hingesehen werden, was dieses System kann und was nicht. Es kann gehörte Sprache während des Zuhörens aus dem Hörzentrum rekonstruieren. Was wir im Stillen für uns denken, kann das System hingegen nicht entschlüsseln. Das sagen die Forscher:innen in ihrem Paper auch ausdrücklich selbst, und diskutieren ausführlich, ob und wie auch nicht gerade gehörte Sprache aus dem Gehirn rekonstruiert werden könnte. Das Wort „Gedanke“ (thought) kommt im gesamtem Paper kein einziges mal vor.

In Zukunft also. Vielleicht. Aber nicht hier und heute. Kein Gedankenlesen. Doch was schreiben deutsche und internationale Medien?

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Manchmal sind die Artikel schlicht falsch, manchmal haben die Autor:innen völlig korrekt abgeliefert aber Redakteur:innen offenbar den Inhalt des Textes ignoriert und eine Clickbait-Überschrift drübergetackert. Der Verantwortung der Medien wird ein solches Vorgehen jedenfalls nicht gerecht, insbesondere auch, weil der weitaus größte Teil der Leser:innen Überschriften und Schlagzeilen scannt, ohne tiefer hineinzulesen. Eine vernünftige gesellschaftliche Debatte um technischen Fortschritt und seine Folgen für die Gesellschaft wird so unmöglich.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei cyborgs.cc

Hirnforscher rekonstruieren Sprache aus Hirnströmen mithilfe von KI

Es ist ein alter Traum (oder Albtraum) der Hirnforschung, aus den Wellenmustern der Hirnströme irgendwann einmal Gedanken herauslesen zu können. Patienten wie Stephen Hawking, die nicht mehr sprechen können und Sätze mühsam per Cursorsteuerung aneinanderreihen müssen, damit ein Sprachsynthesizer die Worte für sie ausspricht, könnten enorm von einer solchen Technologie profitieren. Noch ist es nicht so weit, aber der Hirnforscher Nima Mesgarani und seine Kollegen vom Neural Acoustic Processing Lab an der New Yorker Columbia University sind diesem Ziel einen Schritt näher gekommen.

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Silicon Saxony: Made in GDR

Am 12. September 1988 wurden im Politbüro des ZK der SED meterlange Papierbahnen ausgerollt. Anlass war die feierliche Übergabe des U61000. Das Kürzel stand nicht für ein U-Boot, sondern für den ersten Ein-Megabit-Chip des Ostblocks, dessen schematische Darstellung zur Feier des Tages auf Papier ausgedruckt worden war. Wenn die Worte »DDR« und »Technologie« damals in einem Satz vorkamen, folgten häufig hämische Witze. Der erste begehbare Computerchip sei im Politbüro präsentiert worden, hieß es anlässlich der Präsentation des U61000.ANZEIGE

Ein anderer beliebter Witz lautete: Woran erkennt man, dass die Stasi einem eine Robotron-Wanze eingebaut hat? Im Zimmer steht ein neuer Schrank und in der Einfahrt ein neues Trafohäuschen. Das Logo des Kombinats Robotron war in den Büros zwischen Eisenach und Greifswald allgegenwärtig. Als eine Art IBM des Ostens produzierte der volkseigene Betrieb mit zuletzt 68 000 Mitarbeitern Schreibmaschinen, Rechner und Büromaschinen aller Art. Sein Vorgängerbetrieb hatte 1966 in Moskau den ersten Großrechner vorgestellt, den Robotron 300, der noch mit Lochkarten programmiert wurde. Um ihn zu bedienen, war ein Team von acht Personen nötig, die im Dreischichtbetrieb arbeiteten, um die teuren Rechengeräte so gut wie möglich auszulasten. Großrechner und Lochkarten waren in den sechziger Jahren auch im Westen noch alltäglich im Einsatz.

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Ist eine Krankschreibung per Whatsapp wirklich legal?

AU-Schein.de funktioniert sehr einfach: Man wähle auf der entsprechenden Website zwischen einer Handvoll angezeigter Symptome, bezahle eine Gebühr von neun Euro mit Paypal, Kreditkarte oder Überweisung und sende die Zusammenfassung per Whatsapp an einen Arzt. Wer das morgens tut, soll „in der Regel“ am Abend eine Kopie einer offiziellen Krankschreibung erhalten – ebenfalls per Whatsapp. Das Original folgt wenige Tage später per Briefpost.

Soweit die Theorie. In der Praxis hat es dann doch nicht ganz so reibungslos geklappt. Ermutigt vom Spruch „Arbeitest du dich noch krank oder AU-scheinst du schon?“ im Werbevideo und bewaffnet mit ein paar echten Erkältungssymptomen versuchte ich, mich für ein Wochenende krankschreiben zu lassen. Die Website präsentiert mir ein paar gängige Symptome wie „Nase verstopft“ oder „Schüttelfrost“ und fragt in einem zweiten Schritt, ob ich schwanger bin oder Fieber habe, um mich im Falle einer ernsthafteren Erkrankungen zu meinem Hausarzt zu schicken, statt mir die Krankschreibung einfach auszustellen. Außerdem kann ich wählen, ob ich einen, zwei oder fünf Tage krankgeschrieben werden will und bezahle anschließend.

An dieser Stelle zeigt sich, dass der Dienst zumindest vom UX-Design her mit heißer Nadel gestrickt ist. Hätte ich das Formular auf meinem Telefon ausgefüllt, würde sich direkt Whatsapp mit einer vorformulierten Nachricht öffnen, die ich nur noch versenden muss. Wer das auf einem PC oder Laptop versucht, muss hier nachhelfen und auf dem Smartphone manuell die Daten in Whatsapp eintippen und an den angegebenen Kontakt senden.

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