Auf Durchzug

Seit Monaten lässt sich kaum ein Small Talk mehr führen, ohne dass das Thema Covid-19 eine zentrale Rolle einnimmt. Keine Unterhaltung ohne neue Zahlen, Details der Pandemie, Klagen über das Verhalten von Mitmenschen und Virologen-Fandom. Mit Beginn des Herbstes bildete sich ein neues Subgenre der Coronadebatte heraus: das Thema Lüften und der Ärger, der damit in Büros und Arbeitsstätten einhergeht. Die einen frieren und beklagen sich über Zugluft, die anderen pochen darauf, das Übertragungsrisiko zu minimieren.

Wenn sich Teams auf Regeln einigen oder Vorgesetzte solche vorschreiben, lautet das Ergebnis meistens: einmal stündlich stoßlüften im Büro und alle 20 Minuten im Konferenzzimmer, wenn keine Lüftungsanlage vorhanden ist. So steht es in zahlreichen Ratgebern von Berufsgenossenschaften, Versicherungen oder auch dem Bundesumweltamt. Wer sich als Arbeitgeber daran hält, sollte also alles richtig machen. Wer das dagegen zu wenig findet und häufigeres Lüften verlangt, steht schnell als Querulant und Angsthase da.

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Der Staat hackt mit

Dem Bundesnachrichtendienst, dem Militärischen Abschirmdienst sowie den Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern soll es künftig gestattet sein, die Computer und Telefone der Bevölkerung zu hacken. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, den die Bundesregierung vergangene Woche beschlossen hat und in den Bundestag einbringen will. Der sogenannte Staatstrojaner soll gegen Personen eingesetzt werden, die unter Verdacht stehen, Aktivitäten nachzugehen, die eine Gefahr für die Bundesrepublik Deutschland darstellen.

Eigentlich ist die Bezeichnung »Trojaner« etwas unglücklich für Schadsoftware, mit der Angreifer Computer aus der Ferne übernehmen können. Ursprung für diese Bezeichnung ist der Mythos vom Trojanischen Pferd: Wie einst die Bewohner Trojas angeblich ihre Neugierde nicht beherrschen konnten und das große Holzpferd mit den verborgenen Kriegern darin in die Stadt holten, so verleiten moderne Trojaner dazu, auf E-Mail-Anhänge zu klicken, sofern sie nicht gleich unerkannt als sogenannter Drive-by-Download auf die Geräte gelangen. Die Schadsoftware läuft dann unbemerkt im Hintergrund, beispielsweise um Kreditkartenda­ten auszuspionieren oder um Daten auf dem Gerät zu verschlüsseln, die erst gegen Zahlung eines Lösegelds wieder entschlüsselt werden.

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Über Aufstieg und Fall von Medienmonopolen in der Moderne

Historisch scheint bei neuen Kommunikationstechnologien häufig ein ähnliches Muster abzulaufen. Wenn sie nicht von vornherein staatlich reguliert werden, wie etwa der Rundfunk in Europa, entsteht zunächst eine Vielzahl kleiner Anbieter, die innerhalb weniger Jahre einem Oligopol, wenn nicht gar Monopol weicht. Das lief beim Telefon so, beim Radio, beim Fernsehen und in der Filmindustrie.

Mit dem Internet sollte alles anders werden. Es erschien als anarchistischer Traum, in dem Meinungsfreiheit ohne Kontrolle für alle galt, die sich ans Netz der Netze anschließen. Das einzige, woran man sich halten musste, schienen technische Standards, die jedoch Allgemeingut sind. So würden sich, so hoffte man, keine Monopole bilden und das Internet nicht von Konzernen oder Staaten kontrolliert werden. Es war ein Mythos, dass das Netz jegliche Form von Kontrolle und Zensur als Fehler betrachtet und eben darum herum »routet«. Wie haben sich die Enthusiasten der frühen Stunde getäuscht!

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Ein Browser verschwindet

Im August 2020 entließ Mozilla, der Anbieter des beliebten Webbrowsers Firefox, 250 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen; 70 weitere waren bereits im Januar entlassen worden. Damit schrumpft Mozillas Belegschaft um ein Drittel, mehrheitlich handelt es sich um Entwicklerinnen und Programmierer. Außerhalb von Fachkreisen erregte diese Meldung eher wenig Aufmerksamkeit, die Nutzerzahlen gehen seit Jahren zurück. Vielfach war zu lesen, Mozilla reagiere mit den Entlassungen auf finanzielle Schwierigkeiten infolge der Covid-19-Pandemie, wie sie in den vergangenen Monaten aus vielen Branchen gemeldet wurden. Anzeige

Dabei gibt es eine Reihe irritierender Ungereimtheiten: Der Markt für Online-Werbung, von dem Mozilla indirekt abhängt, schrumpfte während der Pandemie nicht, sondern wächst vielmehr, beispielsweise in Deutschland in diesem Jahr um 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so eine Prognose des Bundesverbands Digitale Wirtschaft. Zudem begannen die Entlassungen bereits vor Ausbruch der Pandemie. Wenige Tage nach den jüngsten Entlassungen wurde bekannt, dass ­Mozilla einen Vertrag mit Google um drei Jahre verlängern konnte, der jährlich mehr als 400 Millionen US-Dollar einbringen dürfte – genug Geld, um die Belegschaft bei gängigen Gehältern zehn Jahre lang zu beschäftigen.

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Wie der EuGH den Überwachungsstaat riskiert

Eigentlich ist es jetzt in der Europäischen Union verboten, dass die Telekommunikationsunternehmen von allen ihren Nutzern speichern, wann sie wo mit wem telefoniert oder Nachrichten ausgetauscht haben. Aber auch nur eigentlich, denn uneigentlich definiert der Europäische Gerichtshof in seinem jüngsten Urteil Ausnahmen. Und auch wenn sich das Urteil auf Verfahren in Großbritannien, Belgien und Frankreich bezieht, ist das Urteil ein Signal: Die in Deutschland seit Jahren ausgesetzte Vorratsdatenspeicherung könnte kommen.

Vorratsdatenspeicherung bedeutet: Die Telekommunikationsunternehmen speichern, wann wer mit wem wie lange telefoniert hat. Dasselbe gilt für E-Mails sowie IP-Adressen. Im Fall von Mobiltelefonen wird auch noch die Funkzelle mitgespeichert, woraus sich ein Bewegungsprofil ergibt. Der eigentliche Inhalt der Kommunikation wird zwar nicht gespeichert, aber die Meta-Daten sind für Ermittler meistens sowieso wertvoller. Was sonst noch alles alles gespeichert werden muss, wie lange die Daten aufgehoben werden und unter welchen Umständen Ermittlungsbehörden auf die Daten zugreifen dürfen, variiert von Gesetz zu Gesetz und Mitgliedsland zu Mitgliedsland.

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Faszinierendes Hirn-Implantat oder Lobotomie 2.0? Elon Musk stellt Neuralink vor

Am Ende des Live-Events erzählten mehrere Neuralink-Beschäftigte, welche Hoffnungen sie mit dem Hirnimplantat verbinden. In diesem Moment schien Science-Fiction zum Greifen nahe. Erinnerungen sollen direkt aus dem Gehirn gespeichert und dort wieder abgespielt werden. Elon Musk selbst kramte seine bereits bekannten Vorstellungen hervor, wonach der Mensch mittels Gehirnimplantat eine Symbiose mit einer kommenden künstlichen Super-Intelligenz eingehen solle. Und überhaupt die ganze Menschheit mit Milliarden zusammengeschalteter Neuralinks kollektiv ihren Willen zum Ausdruck bringen werde. An der Stelle fragte man sich als Zuschauer, wann eigentlich die zunächst durchaus sachliche Präsentation eines Hirnimplantates falsch abgebogen war.

Doch der Reihe nach: Was ist und kann Neuralink? Es handelt sich um ein Gehirnimplantat, das etwa 23 Millimeter groß und 8 Millimeter dick ist und ein entsprechendes Stück Schädelknochen ersetzt. An der Unterseite des Implantates befinden sich 1.024 äußerst feine Elektroden, die mit dem darunterliegenden Hirngewebe verbunden sind und dort elektrische Potenziale auslesen oder selber das Gehirn mit leichten elektrischen Impulsen stimulieren können.

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Jugendliche zocken während der Pandemie mehr als vorher – ja, und?

Eine Studie (PDF zum Download) der Deutschen Angestellten-Krankenversicherung (DAK) und des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) untersucht das Online-Verhalten Jugendlicher während des Coronashutdowns. Vordergründiges Ergebnis: Jugendliche verbringen mehr Zeit mit dem Internet, mehr Zeit mit Games und mehr Zeit mit Social-Media-Apps und Messengern. Dass ich (und etliche Kommentatoren auf Twitter und anderen Plattformen) zunächst spontan „No shit, Sherlock!“ dachten, liegt weniger an der Studie, als an der Berichterstattung darüber.

Denn natürlich war den Autoren der Studie vorher klar, dass die Netznutzung höher ausfallen würde, weshalb entsprechende Schlagzeilen von Tagesschau bis Focus als inhaltslose Nullmeldungen zu betrachten sind. Denn was genau sollen Kinder und Jugendliche eigentlich sonst tun, wenn sie in Zeiten der Pandemie weder zur Schule gehen noch Freunde treffen dürfen sowie fast alle Freizeitaktivitäten außerhalb des Hauses einstellen müssen? Es ist ja allgemein bekannt, dass Spaziergänge im Park und eine Runde Mensch-Ärgere-Dich, beides jeweils mit den Eltern, sobald die im Homeoffice Feierabend haben, nicht zu den aufregendsten Aktivitäten gehören, deren ein Jugendlicher so nachgehen kann.

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Tiktok fordert Facebook heraus und will Zugang zum Algorithmus schaffen

In einem Blogpost verkündete Tiktok-CEO Kevin Mayer, ein „Transparency and Accountability Center“ einrichten zu wollen, zu Deutsch also ein Zentrum für Transparenz und Verantwortlichkeit oder auch Rechenschaft. In diesem sollen Experten Einblick in den Code der verwendeten Algorithmen gewährt bekommen sowie in Echtzeit verfolgen können, wie Tiktok-Mitarbeiter die Plattform moderieren.

Dies ist aber weder eine Veröffentlichung noch eine wirkliche Einladung an die Öffentlichkeit: Die Einrichtung eines solchen Centers bedeutet, dass das Setting für die Einblicknahme vollständig von Tiktok kontrolliert wird. Unklar ist, welchen Experten überhaupt Einblicke gewährt werden und im welchem Ausmaß sie Verschwiegenheitserklärungen werden unterschreiben müssen. Mayer spricht davon, Werbern, Kreativen und staatlichen Behörden zeigen zu wollen, wie gut sich Tiktok an US-Gesetze halte. Das ist so formuliert, dass es nicht zwingend bedeuten muss, dass all diese Gruppen wirklich Zugang erhalten und dies nicht einem akkreditierten Kreis etwa von Behördenvertretern vorbehalten bleibt.

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Musik ins Gehirn streamen

Ein schlichtes „Yes“ von Elon Musk auf Twitter zur Frage, ob man mit dem Implantat seines neuen Start-ups „Neuralink“ irgendwann auch Musik direkt ins Gehirn streamen könne, sorgt für gehörigen Wirbel. Kein Wunder, denn da habe Musk etwas behauptet, was derzeit noch technisch unmöglich ist, sagt Enno Park, Vorsitzender des Vereins Cyborg e.V. 

Derzeit könne man zwar mit Gehirnschnittstellen entweder per Implantat oder einfach per EEG Hirnströme auslesen und eine künstliche Intelligenz darauf trainieren, „aus diesen Hirnströmen etwas zu machen“, so Park. „Dann kann ich zum Beispiel per Gedankenkraft einen Roboterarm oder einen Rollstuhl steuern und ähnliche Dinge.“

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Neuralink: Elon Musk will Musik direkt ins Gehirn streamen

Eigentlich war Elon Musk nur dabei, Arbeitskräfte für seine Firma Neuralink auf Twitter anzuwerben, als er eine bemerkenswerte Aussage machte. Auf die Frage, ob wir Musik direkt per implantiertem Chip hören können, wenn Neuralink irgendwann implementiert ist, antwortete Elon Musk mit einem schlichten „Yes“.

Neuralink arbeitet seit 2016 daran, menschliche Gehirne per Implantat mit Computern zu verbinden und hat hierzu vergangenes Jahr einen Roboter und besonders feine Fäden zur minimal-invasiven Hirn-Chirurgie vorgestellt. Die Technik ist an sich gar nicht so neu. Bereits 1963 zeigte der Hirnforscher Jose Manuel Rodriguez Delgado, wie das elektrische Stimulieren bestimmter Gehirnregionen das Verhalten verändern kann, und konnte einen Stier per Knopfdruck dazu bringen, einen Angriff zu unterbrechen. Im gleichen Jahr zeigte die französische Hirnforscherin Denise Albe Fessard, dass die Stimulation bestimmter Regionen des Zwischenhirns den Tremor von Parkinson-Patienten unterdrückt.

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