Links der Woche

  • Wie ich lernte, nicht mehr immer selber einzukaufen:

    “Ich putze nicht, weil ich einen Partner habe, der ein anderes Sauberkeitsbedürfnis hat und in der Zeit, die ich brauche, um etwas als dreckig wahrzunehmen, schon drei Mal drüber gewischt hat. Das war lange Zeit ein großes Konfliktthema, denn für ihn existierte ein Problem, das in meiner Welt nicht existierte. Für ihn existierten sogar zwei Probleme, nämlich erstens, dass es dauernd dreckig war und zweitens, dass ich mich irgendwie nicht dafür interessierte. Es hat überraschend lange gedauert, bis wir verstanden habe, warum wir uns nicht verstanden haben.“

  • EXPERTEN SIND SICH EINIG: DAS ENDE IST NAH!:

    Glaube nicht an die Lügentheorien der Chemtrailer und Volkspfosten. Baue dir deine eigene Verschwörungstheorie!

  • Missverständnisse zum Bedingungslosen Grundeinkommen — ein Rant | Notizblog:

    “Bitte hört auf, über das Bedingungslose Einkommen zu reden. Es ist nicht gut für Euch, es ist nicht gut für die Sache, die ganze Debatte ist eine einzige Zeitverschwendung. Wenn ich an den großen Verschwörer im Hintergrund glauben würde, würde ich sagen: Es ist ein Ablenkungsmanöver. Da ich diesen Verschwörer aber bisher nicht sehe, bin ich zum Urteil gekommen, dass das BGE eine kollektive Selbsttäuschung ist, eine Denkverweigerung, eine Bankrotterklärung des breiten wirtschaftspolitischen Diskurses.“

  • Wo der Tod seinen Platz hat:

    Wenn Frédéric Valin über den Tod schreibt, dann ist das schön, traurig, furchtbar, lehrreich, lakonisch, lustig, echt.

Identitätssedimente ausmisten

Ich ertappe mich dabei, Dinge spontan auf Facebook zu schreiben, die durchaus gebloggt gehören. Das ist doof, schließlich trocknet so die Bloggerkultur aus. Deshalb wiederhole ich den Text noch einmal hier. Eigentlich ist es ein sehr persönlicher Text, nachts um drei in einer bestimmten Stimmung geschrieben, aber er zog dann eine schöne Diskussion nach sich, die auf Facebook nachgelesen werde kann.

Die Desillusionierung schmerzt. Jahr für Jahr miste ich weitere liebgewordene Sedimente meiner Identität aus. Lord of the Rings: Aus heutiger Sicht eine technikfeindliche, rassistische, reaktionäre Geschichte, die immerhin toll erzählt war, was durch die verkitschte Verfilmung endgültig zerstört wurde. Pink Floyd’s The Wall: Freudianische Küchenpsychologie, die die Schuld an Gewalt, Faschismus und eigene Verkorkstheit auf Frauen im Allgemeinen und die Mutter im Speziellen schiebt. Heute ist Waters Antisemit, entschuldigung, „Israelkritiker“. Oder dann die Misogynie im eigentlich heiß und innig geliebten „Braindead“. Dass Jeff Hahnemann von Slayer einen Nazi-Tick hatte, ist ja schon länger bekannt, aber 2016 musste die Band auch noch Donald Trump auf Instagram endorsen. Die Rassismen in Star Wars und das Libertäre in „Ferris Buellers Day Off“. Oder die Rocky Horror Picture Show, einst Symbol für Subversion; doch Frank Furter, die Transe, ist kein Idol sondern das Böse, der verrückte Professor, des es wagt, Naturgegebenes in Frage zu stellen und dafür gemaßregelt wird: Das Musical ist in seiner Aussage genauso piefig wie all die moralingetränkten Horror- und Science Fiction-Filme, die es zu karikieren vorgibt. Das sind nur die Beispiele, die mir spontan einfallen. Teilweise kann man sowas noch genießen, es waren ja schließlich andere Zeiten. Teilweise ist der Spaß verdorben. Teilweise kann ich nicht anders als trotzdem eine Gänsehaut zu bekommen, wenn z.B. die ersten Takte von „Science Fiction Double Feature“ erklingen. Und immer fühlt es sich ein wenig an, wie von einem Freund betrogen worden zu sein. Sorry fürs Spaßverderben — sag ich mir dann manchmal selbst.

In eigener Sache: Wie man eine Ennomane tötet

Es war Zeit. Zwischen dem Namen meines Blogs „Die Ennomane – Sitzgelegenheit für Couch Potentials“ und der Bekanntheit meines bürgerlichen Namens tat sich eine zu große Diskrepanz auf. Je größer das Publikum, desto schwieriger ist es, Nerd-Manierismen und Blogger-Ironien aufrecht zu erhalten. Mittlerweile lebe ich von Artikeln und Vorträgen, und die erscheinen unter meinem richtigen Namen. Deshalb habe ich die Ennomane getötet. Erster Schritt war die Umbenennung meines wichtigsten Kanals: Seit einigen Wochen heißt mein Twitter-Account nicht mehr @ennomane sondern @ennopark. Danach habe ich still und leise Blog und Webseite zusammengeführt, wobei Deeplinks und RSS-Feeds der alten Domain weiterhin funktionieren. Heute bin ich endlich einigermaßen damit fertig geworden, die Seite inhaltlich zu überarbeiten. Zwecks schnöder Selbstvermarktung. Hilft ja nix: Wer mich buchen will, soll sehen, wer ich bin und was ich so mache. Deshalb steht hier jetzt alles an einem Ort. Demnächst werde ich weitere Bezüge zur Ennomane in den sozialen Medien entfernen und sicherlich hier und da noch ein paar Feinheiten an der Webseite verbessern. Also Ende einer Ära nach 12 Jahren. Schnüff? Nee, eigentlich nicht. So ist das mit Cyborgs: Wechseln ihre Identitäten, wie’s ihnen passt.

Links der Woche

  • Arctic stronghold of world’s seeds flooded after permafrost melts:

    Für den Fall einer globalen Katastrophe wurden die Samen vieler Nutzpflanzen im ewigen Eis verbuddelt. Stellt sich raus: So ewig ist das Eis nicht.

  • Ausbeuten statt erfinden:

    “Start-ups entwickeln daher selten neue Technologien, sie erfinden vor ­allem neue Geschäftsmodelle. »Plattformkonzerne« wie Uber zum Beispiel nutzen zwar neue technische Möglichkeiten, haben aber kein neues Produkt und keine neue Dienstleistung zu bieten. Sie zentralisieren lediglich bisher verstreut stattfindende Geschäftstätigkeiten und sorgen so für verschärfte Kontrolle und Ausbeutung der Lohnabhängigen und prekär Beschäftigten.“

  • „Rassismus aus der Zukunft“: Eine rechte Bewegung träumt von Cyborgs und Menschenzucht:

    Natürlich ist es falsch, den Transhumanismus und verwandte Strömungen per se in die rechte Ecke zu stellen. Und genauso natürlich ist es, dass sich da schnell libertäre Ideen von Techno-Evolution und Survival of the Fittest in einem Sozialdarwinismus verkleistert, der gerade dabei ist, in den USA eine unheilige Allianz bei Altright und Neoreaktionären einzugehen. Geld und macht haben diese Leute nicht zu knapp und müssen verschärft beobachtet werden, ganz besonders von denjenigen, die daran glauben, dass technischer Fortschritt Emanzipation, Empowerment und Inklusion dienen kann uns muss.

  • „Erzähl das halt nicht“:

    “Ich bin nicht mehr bereit dazu, nach 39 Jahren Lebenszeit über all das zu diskutieren. Ich möchte darüber reden, dass der Antisemitismus so tief in den Köpfen verhaftet ist, dass wir vermutlich noch mindestens 100 Jahre brauchen, um das zu ändern. Vermutlich länger, wenn wir uns an all diesen Nebensächlichkeiten aufhalten.“

#WannaCry – Die Monokultur ist schuld

Nachdem die Schadsoftware einer kriminellen Hackergruppe mehr als 200.000 Rechner weltweit außer Gefecht gesetzt hatte, unter anderem Computersysteme von Krankenhäusern und Anzeigetafeln von Bahnen sowie Kassenautomaten, begann die Suche nach den Schuldigen – und das sind nicht nur die Hacker. In den vergangenen zwei Wochen wurden auch Microsoft und die NSA für den Angriff mitverantwortlich gemacht. Generell, da sind sich viele Kommentatoren und Experten sicher, seien aber ganz besonders die Nutzerinnen und Nutzer selbst schuld, wenn sie keine Sicherheitsupdates auf ihre Systeme einspielen. Dabei ist die Frage, wie die Wannacry-Attacke passieren konnte, und vor allem, wie sich ein solcher Angriff in Zukunft vereiteln ließe, komplexer, als die Schuldzuweisungen vermuten lassen.

Weiterlesen in der Jungle World

Infowar à la française

Am Freitag vor der Stichwahl um die französische Präsidentschaft wurden neun Gigabyte Daten über Wikileaks und das Webportal 4chan ins Internet gestellt: E-Mails, Dokumente und vielleicht auch kompromittierendes Material von den Servern Emmanuel Macrons. Dahinter steckte wahrscheinlich der russische Hacker »Fancy Bear«, dessen Gruppe auch schon im US-Wahlkampf eine Rolle gespielt hatte und ­direkt oder indirekt für Wladimir Putin arbeiten soll. Was angesichts der Umfragewerte kurz vor dem Wahltag wie eine verzweifelte Attacke der Unterstützer Marine Le Pens wirkte, könnte wegen einer Besonderheit des franzö­sischen Wahlrechts durchaus so geplant gewesen sein. In Frankreich dürfen am Wahlsonntag und am Tag zuvor weder Kandidaten noch Presse politische Äußerungen im Hinblick auf die Wahl tätigen. Gelangen in dieser Zeit Vorwürfe gegen einen Kandidaten an die Öffentlichkeit, hat dieser praktisch keine Chance mehr, sich zu wehren.

Weiterlesen in der Jungle World

Renaissance des „Und was ist mit…?“

Wie staunte man, als Donald Trump im Wahlkampf alle möglichen Vorhaltungen einfach an sich abperlen lassen konnte. Dafür griff er zu einem rhetorischen Taschenspielertrick: Wann immer er angegriffen wurde, attackierte er Hillary Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre. Wer könnte heute noch all die Skandale aufzählen, die Trump im Wochentakt produzierte? Haften blieb stattdessen das böse Wort von „crooked Hillary“ – der unehrlichen Hillary Clinton. Genannt wird dieses Muster „Whataboutismus“.

Weiterlesen/hören bei Deutschlandradio Kultur

Links der Woche

  • Nüsse machen die Schokolade auch nicht männlicher:

    “Die ganze Geschichte fing wohl damit an, dass sich Marketingleute überlegten, wie sie verschiedene Menschengruppen genauer ansprechen könnten. Schön und gut. Diversifikation und Eingehen auf Bedürfnisse Verschiedener ist doch toll. Da Frauen und Männer scheinbar so unterschiedlich sind wie Alien und Predator, müssen daher anders angesprochen werden.”