Was passiert wirklich in El Salvador?

Am 7. September 2021 hat El Salvador den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel eingeführt – so heißt jedenfalls die offizielle Verlautbarung, die von den meisten Medien relativ unkritisch so weitergegeben wurde und den Eindruck erweckt, dass nun plötzlich alle ihre Brötchen mit Bitcoin bezahlen. Das war auch zunächst die später zurückgenommen Aussage von Präsident Nayib Bukele: Alle Menschen in El Salvador sollen Bitcoin akzeptieren müssen und damit bezahlen können. Doch einiges spricht dafür, dass diese Bitcoin-Einführung nur Propaganda ist.

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Zu Gast in Carls Zukunft

Zukunftsforscher Michael Carl hat einen kleinen feinen Podcast, der sich mit Zukunftsfragen aller Art befasst. Ausgerechnet in Jubiläumsfolge Nr. 50 durfte ich zu Gast sein und erklären, warum ich nicht glaube, dass Cyberpunk-Visionen Realität werden, uns Technik menschlicher macht und der Verzicht auf Technik unsere Probleme noch verschlimmern wird. Hier entlang.

Von Wahlmaschinen und Wahl-O-Maten

das Wählen hat auf den ersten Blick wenig mit Technik zu tun, dabei gibt es durchaus interessante Alternativen zum gewohnten Setting aus Wahlkabine, Kugelschreiber, Stimmzettel und Wahlurne. Wenn im Vatikan ein neuer Papst gewählt wird, Schreiben die Kardinäle einen Namen auf einen Zettel. Den werfen sie in eine Urne und zugleich eine Kugel in eine Schale, die anzeigt, dass alle genau einmal eine Stimme abgegeben haben. Die Stimmzettel werden vorgelesen und anschließend mit einer Nadeln auf einen Faden gespießt. Vor aller Augen am Faden hängend können sie nicht so einfach manipuliert werden. Gibt es kein klares Ergebnis, werden die Wählenden so lange eingeschlossen, bis schließlich ein Wahlgang einen klaren Sieger hervorbringt. Das Einschließen des Wahlvolkes bis zu einem brauchbaren Ergebnis hätte sicherlich auch Vorteile bei der Wahl zum deutschen Bundestag, deren Ausgang Politikerïnnen vor fast unlösbare Probleme der Koalitionsbildung stellen kann, aber natürlich ist so ein barocker Vorgang nicht praktikabel.

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Die Wahl-O-Matisierung der Demokratie

Der Wahl-O-Mat ist mittlerweile eine Institution. Wenn er für eine Bundestagswahl freigeschaltet wird, ist die Nachfrage so groß, dass schon einmal der eine oder andere Server kurzzeitig unter der Last zusammenbricht. Es ist ja auch verlockend: Beantworte eine Reihe von Fragen und ich sage dir, welche Partei du wählen sollst.

Bei näherem Hinsehen ist dieses Versprechen unhaltbar, was die Bundeszentrale für politische Bildung – die Herausgeberin des Wahl-O-Mat – auch in ihren FAQ schreibt: Das Tool dient der Orientierung und der Auseinandersetzung mit den Inhalten der Parteien und dem Nachdenken über den eigenen Standpunkt. Besonders wird empfohlen, die Begründungen der jeweiligen Parteien zu lesen.

Aber auch mit diesen Einschränkungen im Hinterkopf gibt es einiges zu kritisieren. Zum Beispiel die Auswahl der Fragen. So beklagt die Journalistin Sham Jaff, dass zwar Gendern Thema sei, nicht aber Seenotrettung oder Polizeigewalt.

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Digitale Impfzertifikate

Derzeit werden im ganzen Land die Corona-Sicherheitsmaßnahmen zurückgefahren, als sei die Pandemie vorbei, während die Infektionszahlen und die Bettenbelegung wieder steigen und steigen. Dies passiert mehr oder weniger unverhohlen mit dem Argument, selber Schuld, wer sich nicht impfen lässt. Der deutsche Ethikrat lehnt Privilegien für Geimpfte ab. Doch während Debatten auf ethischer Ebene hitzig geführt werden, wird leider ein Haken auf der technischen Ebene übersehen: Die digitalen Impfzertifikate sind leider nicht zuverlässig.

Nach der Impfung stellt die Arztpraxis oder das Impfzentrum ein digitales Zertifikat aus, welches für ein Jahr gültig ist. Wie bei einem klassischen Papierdokument braucht auch ein digitales Zertifikat eine Signatur, eine Unterschrift, aus der hervorgeht, welche Stelle bezeugt, dass da eine Person geimpft wurde. Eigentlich sollte das die Praxis sein oder das Impfzentrum oder die ausstellende Apotheke – praktisch wurde das jedoch unsinnig umgesetzt: Alle digitalen Impfzertifikate tragen die Signatur des Robert-Koch-Institutes.

Das ist, als würde Angela Merkel allen ihr unterstehenden Ämtern ihre Blanko-Unterschrift zur Verfügung stellen und als seien dann sämtliche Bescheide nur noch von Angela Merkel unterschrieben, ohne das klar wäre, wer da im Einzelfall unterschrieben hat.

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Rabbit-Hole-Effekt: Studie sieht keine algorithmische YouTube-Radikalisierung

Für die Radikalisierung, die in westlichen Gesellschaften zu beobachten ist, werden immer wieder Social-Media-Plattformen und insbesondere Youtube verantwortlich gemacht. Dessen Empfehlungsalgorithmus gepaart mit Autoplay-Mechanismen führe dazu, dass den Zuschauern mit der Zeit immer extremere Videos gezeigt würden.

Die Vorstellung: Wie in „Alice im Wunderland“ geraten sie immer tiefer in den medialen Kaninchenbau einer skurrilen und verstörenden Parallelwelt, aus der sie nur schwer wieder herausfinden, weshalb dieser Vorgang als Rabbit-Hole-Effekt bezeichnet wird. Die These scheint gut belegt zu sein, schließlich wurden in den vergangenen Jahren immer neue, eindrucksvolle Geschichten von Menschen veröffentlicht, die explizit angaben, durch Youtube und immer extremere Videos radikalisiert worden zu sein. Die Vorwürfe führten dazu, dass die Google-Tochter selbst besonders radikale Inhalteanbieter von der Plattform warf und die verwendeten Algorithmen anpasste, sich aber weiterhin nicht immer an die eigenen Richtlinien zu halten scheint.

In einer aktuellen Studie geht die amerikanische Forscherin Homa Hosseinmardi mit ihrem interdisziplinären Team im Bereich der computergestützten Sozialwissenschaften nun der Frage nach, inwiefern der Empfehlungsalgorithmus auf Youtube wirklich zu einer Radikalisierung der Zuschauer führt. Das Team analysierte das Online-Verhalten von rund 300.000 US-Bürgern in den vier Jahren von Januar 2016 bis Dezember 2019. Dabei untersuchten die Forscher mehrere Fragen: Schauten die Personen politische Videos? Wenn ja, welchen politischen Richtungen sind diese Videos zuzuordnen? Kamen sie über eine Suche, einen externen Link oder den Empfehlungsalgorithmus an diese Videos? Und steigerten diejenigen, die rechtsradikale Inhalte ansahen, mit der Zeit ihren Konsum?

Weiterlesen im MIT Technology Review

Luca

Viele glauben, eine Veranstaltung oder ein Ort sei sicher, wenn eins sich mit Luca eincheckt. Das ist ein Trugschluss. Die Verwendung von Luca hat keinerlei Einfluss darauf, ob Infektionen passieren oder nicht. Auch mit Luca senken nur die AHAL-Regeln die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung. Auch mit Luca ist eine Aerosolwolke in einem Innenraum eine Aerosolwolke in einem Innenraum. Auch mit Luca bleibt ein Impfdurchbruch ein Impfdurchbruch.

Es ist nicht plötzlich sicher, eine Kneipe zu öffnen oder eine Feier durchzuführen, weil die Luca-App benutzt wird. Es kann vertretbar sein, eine Kneipe zu öffnen oder eine Feier durchzuführen, weil die Fallzahlen gerade niedrig sind und ein stringentes Hygiene-Konzept vorliegt und dieses sogar von den Anwesenden eingehalten wird.

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Brain Computer Interfaces in der Kritik

Bei Schnittstellen zwischen dem menschlichen Gehirn und Computern denken die meisten von uns zunächst an Gehirn-Implantate, Steckverbindungen ins Gehirn sozusagen. Zahlreiche erfolgreiche Experimente konnten zeigen, dass es mit im Gehirn platzierten Elektroden beispielsweise möglich ist, Schmerzen oder gesprochene Sprache auszulesen. Elon Musks Startup Neuralink erhöht die Anzahl der Datenkanäle solcher Implantate und arbeitet an minimal-invasiven Operationsmethoden.

Angesichts dieser nach Science-Fiction klingenden Meldungen kann leicht übersehen werden, dass Hirnströme auch gemessen werden können, ohne chirurgisch ins Gehirn einzudringen. Sowieso wurde unter dem Begriff Brain-Computer-Interface lange Zeit eine EEG-Haube verstanden, die an einen Computer angeschlossen wird. Diese nicht-invasiven Systeme, die wie eine Haube, eine Mütze oder ein Stirnreif getragen werden können, werden deshalb üblicherweise als eBCI bezeichnet, um sie von Hirn-Implantaten abzugrenzen.

Weiterlesen im t3n-Magazin

Digitale Ethik und Clubhouse

Im Darknet wird eine Datenbank versteigert, die 3,8 Milliarden Telefonnummern enthalten soll und von Clubhouse-Servern stammt. Darunter dürften auch viele dienstliche und private Telefonnummern von Prominenten sein, die häufig auf Clubhouse vertreten sind. Wer als prominente Person, Politikerïn, Aktivistïn usw. Grund zur Sorge hat, Opfer von Doxing, Übergriffen Rechtsradikaler oder anderer Hassgruppen zu werden, sollte sich schonmal eine andere Telefonnummer zulegen.

Das gilt auch für Leute, die selbst Clubhouse gar nicht benutzen. Es genügt, wenn Freunde oder Bekannte es tun, denn Clubhouse kopiert das gesamte Adressbuch des Telefons mit sämtlichen Kontakten auf die eigenen Server. Das passiert nicht nur einmal nach dem ersten Start der App. Clubhouse schaut anschließend auch regelmäßig nach, ob neue Einträge hinzugekommen sind, und lädt auch diese hoch. So erklärt sich, warum eine App, die von einigen zehn Millionen Menschen installiert wurde, 3,8 Milliarden Kontaktdaten erntet.

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Die Rückkehr der Aura

Vor 30 Jahren erfand der Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee das System, das die Websites der Welt miteinander verknüpft. Im vergangenen Monat versteigerte er es beim New Yorker Auktionshaus Sotheby’s für umgerechnet 4,5 Millionen Euro. Wer das World Wide Web (WWW) gekauft hat, wurde nicht bekannt, aber zum Glück steht es weiterhin der Allgemeinheit zur Verfügung. Denn verkauft wurde lediglich ein virtueller Verweis auf ein virtuelles Gut, ein sogenannter Non-Fungible Token (NFT), der dem Käufer bescheinigt, im Besitz des originalen Quellcodes des WWW zu sein, den Berners-Lee 1991 geschrieben hat.

NFTs versetzen auch die Kunstmärkte in Aufruhr, seit immer mehr digitale Werke zu immer höheren Preisen an Sammler gehen. Den Rekord hält eine Collage des Digitalkünstlers Beeple, die im März für 42 Millionen Einheiten der Digitalwährung Ether über die virtuelle Theke ging, was zu dem Zeitpunkt etwa 58 Millionen Euro entsprach. NFTs sind im Kunsthandel angekommen, auch wenn viele Beobachter von einem Hype sprechen und die Verkaufszahlen und Preise derzeit wieder sinken.

Weiterlesen in der Jungle World