Konservative

Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass es Konservativen darum geht, Wandel aufzuhalten, um Werte und Erhaltenswertes zu bewahren. Das ist nicht ihr Ding. Folgendermaßen:

Kurz zum Begriff: Mit „Konservative“ meine ich hier im Wesentlichen die CDU, große Teile ihrer Wählerschaft, diverse Mittelstandsvereinigungen, Medien die sie umkreisen, und vielleicht auch noch Teile von AFD und FDP sowie selbstverständlich auch der SPD, wie sich gerade wieder im Wahlkampf zum Berliner Abgeordnetenhaus zeigt. Gemeint ist also nicht Konservatismus im Wortsinn sondern der tonangebende „real existierende“ Konservatismus.

Dieser „real existierende“ Konservatismus hat sich selten gegen Wandel gewehrt sondern ihn oft maßgeblich betrieben. Industrialisierung, Automatisierung, Digitalisierung sind alles Projekte, die auch von konservativer Seite nach Kräften gefördert wurden.

Konservative wollen in erster Linie nur eines bewahren: die gesellschaftliche Hierarchien und ihre eigene (meist gehobene) Stellung darin. Jeglicher Wandel, der diese Hierarchien (oder sie stützende Geschäftsmodelle) gefährdet, wird bekämpft. Alles andere wird begrüßt.

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Smart Glasses: Forschende wollen die Datenbrillen mittels Lasern verbessern

Datenbrillen sind derzeit Nischenanwendungen, doch der Einsatz von Lasern erlaubt kleinere und leichtere Bauformen, die ihnen ein Comeback bescheren könnten.

Derzeit sind Datenbrillen eher schwer, haben eine grobe Auflösung und keine besonders hohe Akkulaufzeit. Das sind neben Datenschutzbedenken im Wesentlichen auch die Gründe, warum Google Glass vor einigen Jahren floppte. Designer von Datenbrillen haben nicht nur mit relativ klobigen Sensoren zu kämpfen, sondern müssen auch verschiedene Parameter beachten, die sich gegenseitig limitieren.

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30 Jahre Linux: Dominant und unsichtbar

Heute vor 30 Jahren erschien Version 0.01 von Linux. Seitdem scheint es überall zu sein und viele von uns kommen täglich damit in Berührung. Trotzdem scheint es keine Rolle zu spielen, weil überall nur Windows oder MacOS zu laufen scheint. Wie kommt es zu diesem Paradox?

Linux hat viele Geburtstage: Im April 1991 begann ein junger Informatik-Student namens Linus Torvalds an der Uni Helsinki sein kleines „Hobbyprojekt“ und als offizieller Startschuss wird ein Usenet-Post von August 1991 gefeiert, in dem er das Projekt erstmals beschrieb und um Feedback bat. Wenig später, am 17. September 1991, erschien die allererste Version 0.01, von der eine Kopie auf GitHub besichtigt werden kann.

Weil Linux als Hobby- und Studienprojekt gedacht war, hätte Linus Torvalds sich niemals träumen lassen, welche atemberaubende Entwicklung das System in den folgenden 30 Jahren durchlaufen sollte. Die Anfänge hingegen waren klein und bescheiden. Linus Torvalds selbst ging nie davon aus, dass sein System mal etwas anderes als AT-Festplatten unterstützen oder gar auf andere Prozessor-Architekturen portiert werden würde. Die Version 0.11 war die erste, die sich selbst kompilieren konnte. Anfang 1992 kam mit dem X-Server eine graphische Oberfläche hinzu. Linux in der ersten Hälfte der 1990er Jahre war eigentlich kein Betriebssystem, um es zu benutzen, sondern um an der Entwicklung eines Betriebssystems teilzunehmen.

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Was passiert wirklich in El Salvador?

Am 7. September 2021 hat El Salvador den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel eingeführt – so heißt jedenfalls die offizielle Verlautbarung, die von den meisten Medien relativ unkritisch so weitergegeben wurde und den Eindruck erweckt, dass nun plötzlich alle ihre Brötchen mit Bitcoin bezahlen. Das war auch zunächst die später zurückgenommen Aussage von Präsident Nayib Bukele: Alle Menschen in El Salvador sollen Bitcoin akzeptieren müssen und damit bezahlen können. Doch einiges spricht dafür, dass diese Bitcoin-Einführung nur Propaganda ist.

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Soft Robotics: Wie aufblasbare Finger Hand-Prothesen auf eine neue Stufe heben

Handprothesen haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Myoelektrische Prothesen – die Silbe „myo“ bedeutet Muskel – messen auf der Haut des Armstumpfes die elektrische Aktivität der vorhandenen Muskulatur und setzen diese in Befehle für die Prothese um. Auf diese Weise können Menschen solche Prothesen quasi mit Gedankenkraft steuern wie eine natürliche Hand.

Allerdings führt ein allzu enthusiastischer Vergleich mit der natürlichen Hand auf eine falsche Fährte: Die aktuellen Prothesen mit ihrem Metallskelett und Elektromotoren sind vergleichsweise steife schwergängige Roboterhände, die ein Pfund und mehr auf die Waage bringen. Zudem geben sie bei Bewegungen ein leises Surren von sich. Wer mit dem Umgang der Prothesen geschickt ist, kann sich damit die Schuhe zubinden oder sie auch – dank 360 Grad-Umdrehungen mancher Hände – wie ein Akkuschrauber benutzen. Dagegen ist an Klavierspiel eher nicht zu denken.

Ein Prototyp, der am MIT und der Jiao Tong Universität von Shanghai entwickelt wurde, versucht der Anmutung einer Hand aus Fleisch und Blut näherzukommen.

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Zu Gast in Carls Zukunft

Zukunftsforscher Michael Carl hat einen kleinen feinen Podcast, der sich mit Zukunftsfragen aller Art befasst. Ausgerechnet in Jubiläumsfolge Nr. 50 durfte ich zu Gast sein und erklären, warum ich nicht glaube, dass Cyberpunk-Visionen Realität werden, uns Technik menschlicher macht und der Verzicht auf Technik unsere Probleme noch verschlimmern wird. Hier entlang.

Von Wahlmaschinen und Wahl-O-Maten

das Wählen hat auf den ersten Blick wenig mit Technik zu tun, dabei gibt es durchaus interessante Alternativen zum gewohnten Setting aus Wahlkabine, Kugelschreiber, Stimmzettel und Wahlurne. Wenn im Vatikan ein neuer Papst gewählt wird, Schreiben die Kardinäle einen Namen auf einen Zettel. Den werfen sie in eine Urne und zugleich eine Kugel in eine Schale, die anzeigt, dass alle genau einmal eine Stimme abgegeben haben. Die Stimmzettel werden vorgelesen und anschließend mit einer Nadeln auf einen Faden gespießt. Vor aller Augen am Faden hängend können sie nicht so einfach manipuliert werden. Gibt es kein klares Ergebnis, werden die Wählenden so lange eingeschlossen, bis schließlich ein Wahlgang einen klaren Sieger hervorbringt. Das Einschließen des Wahlvolkes bis zu einem brauchbaren Ergebnis hätte sicherlich auch Vorteile bei der Wahl zum deutschen Bundestag, deren Ausgang Politikerïnnen vor fast unlösbare Probleme der Koalitionsbildung stellen kann, aber natürlich ist so ein barocker Vorgang nicht praktikabel.

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Die Wahl-O-Matisierung der Demokratie

Der Wahl-O-Mat ist mittlerweile eine Institution. Wenn er für eine Bundestagswahl freigeschaltet wird, ist die Nachfrage so groß, dass schon einmal der eine oder andere Server kurzzeitig unter der Last zusammenbricht. Es ist ja auch verlockend: Beantworte eine Reihe von Fragen und ich sage dir, welche Partei du wählen sollst.

Bei näherem Hinsehen ist dieses Versprechen unhaltbar, was die Bundeszentrale für politische Bildung – die Herausgeberin des Wahl-O-Mat – auch in ihren FAQ schreibt: Das Tool dient der Orientierung und der Auseinandersetzung mit den Inhalten der Parteien und dem Nachdenken über den eigenen Standpunkt. Besonders wird empfohlen, die Begründungen der jeweiligen Parteien zu lesen.

Aber auch mit diesen Einschränkungen im Hinterkopf gibt es einiges zu kritisieren. Zum Beispiel die Auswahl der Fragen. So beklagt die Journalistin Sham Jaff, dass zwar Gendern Thema sei, nicht aber Seenotrettung oder Polizeigewalt.

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Wie Mäuse ihre Glückshormon-Ausschüttung kontrollieren können

Dopamin wird häufig vereinfachend als „Glückshormon“ bezeichnet. Das wird dem Botenstoff kaum gerecht, der eine wichtige Rolle bei der Kommunikation von Nervenzellen untereinander spielt. Bestimmte Nervenzellen schütten Dopamin aus, um bestimmten anderen Nervenzellen ein Signal zu geben, ihre Aktivität zu steigern. Sinkt der Dopamin-Spiegel, fahren diese Neuronen ihre Aktivität wieder zurück. Dieser Mechanismus spielt an vielen Stellen des Nervensystems eine Rolle und reguliert längst nicht nur die Stimmung einer Person, sondern beispielsweise auch die Steuerung innerer Organe.

Dopaminmangel tritt unter anderem bei Parkinson auf und wird mit ADHS in Verbindung gebracht, ein Dopamin-Überschuss hingegen unter anderem mit Schizophrenie. Dopamin-Ausschüttungen sind ein Wirkmechanismus im limbischen System, einem Zusammenspiel mehrerer Hirnregionen, das als Belohnungssystem aufgefasst wird. Manche Drogen führen auch dazu, dass das Gehirn mit Dopamin regelrecht geflutet wird, was häufig als Glückszustand und als besonders motivierend und leistungssteigernd beschrieben wird. Aber auch Verhaltensweisen, sich selbst zu belohnen – von Sport bis Schokolade – wird nachgesagt, dass sie eine Dopaminausschüttung zur Folge haben. Selbst kontrollieren soll man sie hingegen nicht können.

Ein Studienergebnis eines Forschers an der University of California dreht diese Sicht nun womöglich um.

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Digitale Impfzertifikate

Derzeit werden im ganzen Land die Corona-Sicherheitsmaßnahmen zurückgefahren, als sei die Pandemie vorbei, während die Infektionszahlen und die Bettenbelegung wieder steigen und steigen. Dies passiert mehr oder weniger unverhohlen mit dem Argument, selber Schuld, wer sich nicht impfen lässt. Der deutsche Ethikrat lehnt Privilegien für Geimpfte ab. Doch während Debatten auf ethischer Ebene hitzig geführt werden, wird leider ein Haken auf der technischen Ebene übersehen: Die digitalen Impfzertifikate sind leider nicht zuverlässig.

Nach der Impfung stellt die Arztpraxis oder das Impfzentrum ein digitales Zertifikat aus, welches für ein Jahr gültig ist. Wie bei einem klassischen Papierdokument braucht auch ein digitales Zertifikat eine Signatur, eine Unterschrift, aus der hervorgeht, welche Stelle bezeugt, dass da eine Person geimpft wurde. Eigentlich sollte das die Praxis sein oder das Impfzentrum oder die ausstellende Apotheke – praktisch wurde das jedoch unsinnig umgesetzt: Alle digitalen Impfzertifikate tragen die Signatur des Robert-Koch-Institutes.

Das ist, als würde Angela Merkel allen ihr unterstehenden Ämtern ihre Blanko-Unterschrift zur Verfügung stellen und als seien dann sämtliche Bescheide nur noch von Angela Merkel unterschrieben, ohne das klar wäre, wer da im Einzelfall unterschrieben hat.

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