Jugendliche zocken während der Pandemie mehr als vorher – ja, und?

Eine Studie (PDF zum Download) der Deutschen Angestellten-Krankenversicherung (DAK) und des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) untersucht das Online-Verhalten Jugendlicher während des Coronashutdowns. Vordergründiges Ergebnis: Jugendliche verbringen mehr Zeit mit dem Internet, mehr Zeit mit Games und mehr Zeit mit Social-Media-Apps und Messengern. Dass ich (und etliche Kommentatoren auf Twitter und anderen Plattformen) zunächst spontan „No shit, Sherlock!“ dachten, liegt weniger an der Studie, als an der Berichterstattung darüber.

Denn natürlich war den Autoren der Studie vorher klar, dass die Netznutzung höher ausfallen würde, weshalb entsprechende Schlagzeilen von Tagesschau bis Focus als inhaltslose Nullmeldungen zu betrachten sind. Denn was genau sollen Kinder und Jugendliche eigentlich sonst tun, wenn sie in Zeiten der Pandemie weder zur Schule gehen noch Freunde treffen dürfen sowie fast alle Freizeitaktivitäten außerhalb des Hauses einstellen müssen? Es ist ja allgemein bekannt, dass Spaziergänge im Park und eine Runde Mensch-Ärgere-Dich, beides jeweils mit den Eltern, sobald die im Homeoffice Feierabend haben, nicht zu den aufregendsten Aktivitäten gehören, deren ein Jugendlicher so nachgehen kann.

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Tiktok fordert Facebook heraus und will Zugang zum Algorithmus schaffen

In einem Blogpost verkündete Tiktok-CEO Kevin Mayer, ein „Transparency and Accountability Center“ einrichten zu wollen, zu Deutsch also ein Zentrum für Transparenz und Verantwortlichkeit oder auch Rechenschaft. In diesem sollen Experten Einblick in den Code der verwendeten Algorithmen gewährt bekommen sowie in Echtzeit verfolgen können, wie Tiktok-Mitarbeiter die Plattform moderieren.

Dies ist aber weder eine Veröffentlichung noch eine wirkliche Einladung an die Öffentlichkeit: Die Einrichtung eines solchen Centers bedeutet, dass das Setting für die Einblicknahme vollständig von Tiktok kontrolliert wird. Unklar ist, welchen Experten überhaupt Einblicke gewährt werden und im welchem Ausmaß sie Verschwiegenheitserklärungen werden unterschreiben müssen. Mayer spricht davon, Werbern, Kreativen und staatlichen Behörden zeigen zu wollen, wie gut sich Tiktok an US-Gesetze halte. Das ist so formuliert, dass es nicht zwingend bedeuten muss, dass all diese Gruppen wirklich Zugang erhalten und dies nicht einem akkreditierten Kreis etwa von Behördenvertretern vorbehalten bleibt.

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Musik ins Gehirn streamen

Ein schlichtes „Yes“ von Elon Musk auf Twitter zur Frage, ob man mit dem Implantat seines neuen Start-ups „Neuralink“ irgendwann auch Musik direkt ins Gehirn streamen könne, sorgt für gehörigen Wirbel. Kein Wunder, denn da habe Musk etwas behauptet, was derzeit noch technisch unmöglich ist, sagt Enno Park, Vorsitzender des Vereins Cyborg e.V. 

Derzeit könne man zwar mit Gehirnschnittstellen entweder per Implantat oder einfach per EEG Hirnströme auslesen und eine künstliche Intelligenz darauf trainieren, „aus diesen Hirnströmen etwas zu machen“, so Park. „Dann kann ich zum Beispiel per Gedankenkraft einen Roboterarm oder einen Rollstuhl steuern und ähnliche Dinge.“

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Neuralink: Elon Musk will Musik direkt ins Gehirn streamen

Eigentlich war Elon Musk nur dabei, Arbeitskräfte für seine Firma Neuralink auf Twitter anzuwerben, als er eine bemerkenswerte Aussage machte. Auf die Frage, ob wir Musik direkt per implantiertem Chip hören können, wenn Neuralink irgendwann implementiert ist, antwortete Elon Musk mit einem schlichten „Yes“.

Neuralink arbeitet seit 2016 daran, menschliche Gehirne per Implantat mit Computern zu verbinden und hat hierzu vergangenes Jahr einen Roboter und besonders feine Fäden zur minimal-invasiven Hirn-Chirurgie vorgestellt. Die Technik ist an sich gar nicht so neu. Bereits 1963 zeigte der Hirnforscher Jose Manuel Rodriguez Delgado, wie das elektrische Stimulieren bestimmter Gehirnregionen das Verhalten verändern kann, und konnte einen Stier per Knopfdruck dazu bringen, einen Angriff zu unterbrechen. Im gleichen Jahr zeigte die französische Hirnforscherin Denise Albe Fessard, dass die Stimulation bestimmter Regionen des Zwischenhirns den Tremor von Parkinson-Patienten unterdrückt.

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Das Virus und die Digitalisierung

Die Zahlen, sofern es überhaupt schon Statistiken gibt, scheinen eindeutig: Während die Kinos zwangsweise geschlossen haben, konnte der Streaming-Dienst Netflix seine Einnahmen im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent steigern. Und während der Einzelhandel sein größtes Minus seit 2007 wegstecken muss, erzielt Online-Versandhändler Amazon die höchsten Um­sätze seiner Firmengeschichte, er kam zeitweise mit dem Ausliefern nicht hinterher. Der Konzern profitiert gleich dreifach: als Versandhändler, als ­Streaming-Anbieter sowie Anbieter von Cloud-Diensten, die viele der derzeit boomenden digitalen Angebote benötigen.

Während in vielen Geschäftsbereichen der Umsatz zurückgeht, profitieren die meisten großen IT-Konzerne von der Pandemie. Das gilt auch für zahlreiche kleinere IT-Unternehmen, wie etwa Anbieter von Videokonferenz­systemen und Tools für die Teamarbeit über das Internet oder Lieferdienste. Allerdings boomen längst nicht alle Firmen, die mit IT assoziiert werden: Uber, Airbnb und Wework leiden ­darunter, dass viele Menschen zu Hause bleiben und weder Transporte noch Ferienwohnungen oder Büroflächen brauchen.

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Eine geplante Corona-App soll Daten dezentral speichern

Debatten über Sinn und Unsinn von Smartphone-Apps zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie entgleisen häufig, weil die Diskutierenden völlig verschiedene Apps meinen. Etwa die längst veröffentlichte und oft kritisierte »Datenspende«-App des Robert-Koch-Instituts, die einige schon auf ihrem Telefon haben, oder die Anwendung mit dem Namen Pepp-PT, die eigentlich gar keine App ist, sondern eine Referenz-Implementierung, auf deren Basis mal Apps entwickelt werden sollen. Komplett wird das Durcheinander beim Blick ins Ausland, denn die hierzulande genutzten oder diskutierten Apps haben weder etwas mit der österreichischen »Stop Corona«-App zu tun, noch mit der App »TraceTogether« aus Singapur. In Deutschland ist derzeit von vier verschiedenen Apps die Rede.

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Datenklau für Laien

Eigentlich wollten die IT-Sicherheitsexperten Martin Tschirsich und André Zilch sowie Christian Brodowski, Arzt und Mitglied im Chaos Computer Club (CCC), die elektronische Patientenakte und die Telematikinfrastruktur des Gesundheitssystems hacken, um Sicher­heitslücken aufzudecken. Tatsächlich fanden sie Sicherheitslücken, die Angreiferinnen und Angreifern vollen Zugriff auf die Gesundheitsdaten von Patientinnen und Patienten ermöglichen. Doch Hacken war dafür gar nicht nötig, wie Tschirsich, Zilch und Brodowski am vorvergangenen Freitag auf dem jährlich stattfindenden Chaos Communication Congress des CCC darlegten.

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Mein Vortrag über Human Enhancement bei Deutschlandfunk Nova

Radiosendungen lassen sich nicht auf einsame Inseln mitnehmen, aber wenn ich gefragt würde, ob ich nur eine einzige Radiosendung auf eine solche Insel mitnehmen würde, wäre das seit Jahren der „Hörsaal“ bei Deutschlandfunk Nova. Woche für Woche stellt die Redaktion interessante Vorträge zusammen, die Forscherïnnen, Wissenschaftlerïnnen und Expertïnnen zu den unterschiedlichsten Themen gehalten haben. Eins kann sich vorstellen, wie sehr ich mich freute, als die Redakteurin Katja Weber anfragte, ob ich damit einverstanden sei, dass ein Vortrag von mir aufgezeichnet und gesendet würde. Es ging um einen Vortrag über „Human Enancement“, den ich im Oktober für die Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt hielt. Ausgehend von meinem Cochlea-Implantat und anderen konkreten Beispielen für medizinische und nicht-medizinische Körpermodifikationen und Body Hacking spanne ich einen technikphilosophischen Bogen, erkläre was ein Cyborg eigentlich ist und streife Fragen wie Natürlichkeit, Behinderung, Resilienz und die Frage, wie wir auch unter den Bedingungen von Human Enhancement eine gerechte Gesellschaft aufrecht erhalten können.

Der Beitrag kann ab heute auf der Webseite von Deutschlandfunk Nova angehört werden.

Der gläserne Patient

Die gesetzlichen Krankenversicherungen verfügen über eine riesige Menge an Patientendaten. Sie kennen Name, Alter, Geschlecht und Beruf, aber auch die gesamte Krankengeschichte ihrer Versicherten. Sie wissen, wer wann wie lange wegen welcher Erkrankung arbeitsunfähig geschrieben wurde und welche Therapien und Medikamente verschrieben wurden. Gemäß dem am Donnerstag voriger Woche vom Bundestag beschlossenen »Digitale-Versorgung-Gesetz« (DVG) sollen nun alle diese Daten vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen gesammelt und von einem beim Gesundheitsministerium angesiedelten »Forschungsdatenzentrum« verwaltet werden. Das Ergebnis wäre ein umfassender Pool sämtlicher Gesundheitsdaten der rund 73 Millionen gesetzlich Versicherten. Das erscheint zunächst durchaus sinnvoll, hat in der beschlossenen Form aber einen Haken.

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