Sozioinformatik – Ein neuer Blick auf Informatik und Gesellschaft

Heute erscheint bei Hanser ein Buch, das Katharina M. Zweig, Tobias D. Krafft, Anita Klingel und ich geschrieben haben. Es handelt sich um eine Einführung in die Modellierung und Analyse digitaler Technikfolgen und wendet sich an Studierende und Forschende in der Soziologie, der Informatik und angrenzenden Fachgebieten sowie auch Journalistïnnen und alle, die sich für das Wechselspiel zwischen Menschen und digitalen Systemen interessieren.

Zweig, Krafft, Klingel, Park: Sozioinformatik, Hanser 2021

Welche Auswirkungen könnte es haben, wenn Technik in den Körper implantiert wird und sich Menschen zunehmend zu Cyborgs entwickeln? Wie kann es passieren, dass sich mazedonische Jugendliche in den Präsidentschaftswahlkampf der USA einmischen? Wann entstehen Filterblasen?

In den letzten Jahren konnten viele gewollte und ungewollte Technikfolgen der digitalen Transformation beobachtet werden. Die in diesem Buch vorgestellte Sozioinformatik befasst sich mit der Modellierung und Analyse solcher Phänomene: Sie untersucht dafür die Folgen der informatischen Gestaltung unter interdisziplinären Aspekten, insbesondere denen der Verhaltensökonomie.

Zentrales Hilfsmittel der Analyse ist der Aufbau eines visuellen Wirkungsgefüges, mit dem verschiedene Dynamiken und Technikfolgen in der digitalen Transformation abgeschätzt werden können. Damit wird erklärbar, wann man eine Filterblase erwarten kann, warum manche digitale Technik unsere Aufmerksamkeit so effektiv bindet, und warum Software dazu verführen kann, Einfluss auf Wahlen in einem anderen Land zu nehmen.

Das Buch eignet sich als Grundlage für »Informatik und Gesellschaft« Vorlesungen in der Informatik, genauso als Grundlage für Seminare in den Gesellschaftswissenschaften oder zur Besprechung digitaler Phänomene in der Schule. Es bietet zudem eine neue Kommunikationsmethode, die im Journalismus, der Politik oder in der Beratung eingesetzt werden kann.

Digitalisierung geht unter die Haut – Perspektiven eines Cyborgs

Die Medizintechnik stellt immer ausgefeiltere Implantate und Prothesen bereit, die Körperfunktionen ersetzen und sogar erweitern. Doch bleibt es nicht nur beim medizinischen Einsatz: Bodyhacker experimentieren mit implantierbaren NFC-Chips und Elon Musk denkt laut über Gehirnschnittstellen nach. Erleben wir eine Cyborgisierung der Gesellschaft? Was ist technisch möglich und was wird Science-Fiction bleiben? Und welche ethischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen zieht das nach sich?

Fürst R. (Hrsg.): Gestaltung und Management der digitalen Transformation. AKAD University Edition. Springer, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-24492-7

Weil es geht. Hacking the body

In meinem Beitrag zur Tagung „Parahuman“ im Rahmen des Forschungsprojektes „Anthropofakte. Schnittstelle Mensch“ des deutschen Hygiene-Museums Dresden untersuche ich die Hacker-Ethik und ihre Anwendbarkeit auf Bodyhacking, Selbstmodifikation, Human Enhancement und Cyborgism.

Karin Harrasser, Susanne Roeßiger (Hrsg.):  „Parahuman – Neue Perspektiven auf das Leben mit Technik“, Böhlau, Köln 2016, S. 143f., ISBN 978-3-412-50518-9

Ethical Issues in Cyborg Technology: Diversity and Inclusion

Abstract: Progress has reached the point where cyborg technology is leaving the sphere of mere science fiction. Whereas society as a whole formed a symbiosis with technology long ago, individuals are now starting to merge with technology as well. The effects can already be studied by looking at the examples of smartphones, computers and the Internet. The idea of ‘repairing’ humans, medical implants more sensitive than our natural, human faculties and even non-medical implants raise a lot of ethical questions, and require the concept of inclusion to be re-thought.

Enno Park: Ethical Issues in Cyborg Technology: Diversity and Inclusion. In Nano Ethics, Volume 8, Issue 3, pp 303-306, Springer Berlin, Dezember 2014, doi:10.1007/s11569-014-0206-x