Der Plot für eine Dystopie

Das Jahr 2021 begann mit einem Jubiläum, das nahezu unbemerkt verstrich: 25 Jahre zuvor, im Januar 1996, räumte die damalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger freiwillig ihren Schreibtisch. Sie war zurückgetreten, weil sie den so genannten „großen Lauschangriff“ nicht mittragen konnte, den ihre Regierungskoalition aus FDP und Christdemokraten einführte.

„Großer Lauschangriff“ heißt, dass zu Zwecken der Strafverfolgung private Wohnungen mit Kameras und Mikrofonen überwachten werden können und er gehört seitdem fest ins Repertoire der Ermittler.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

25 Jahre und zahlreiche neue Überwachungsgesetze später gehen solche Gesetzesvorhaben weitgehend geräuschlos über die Bühne. Kein Politiker trat zurück und nur wenige Fachleute protestierten, als die Bundesregierung beschloss, den Einsatz so der genannten Quellen-TKÜ auszuweiten.

Weiterlesen/-hören bei Deutschlandfunk Kultur

Zusammenfassung meiner Analyse von #allesdichtmachen bei Deutschlandfunk Kultur

Der Journalist Enno Park beschäftigt sich mit dem digitalen Wandel und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Für ihn transportieren die Videos selbst schon rechtsradikale Inhalte.

„Wenn man sich alle Videos der Reihe nach anschaut“, so Park, „dann wird klar, dass sie in ihrem Subtext eine Geschichte erzählen. Auch wenn die einzelnen Videos und Personen sicher nicht rechtsradikal sind, werden Dinge erzählt, die sich auf die Schlagpunkte Lügenpresse, Merkel-Diktatur und so weiter bringen lassen.“

Park bezeichnet diesen Subtext als „Dog Whistling“. „Sie sagen etwas und senden gleichzeitig Signale aus, die nur von einer ganz bestimmten Zielgruppe verstanden werden.“ Der ehemalige US-Präsident Donald Trump habe das bis zur Meisterschaft betrieben. Das könne jedoch auch aus Versehen passieren.

Weiterlesen/-hören bei Deutschlandfunk Kultur

Das Märchen vom Computer-Gott

Als Ray Kurzweil, Chef-Entwickler bei Google, gefragt wurde, ob es einen Gott gibt, war seine Antwort kurz und knapp: „Noch nicht.“ Der Gott, den es noch nicht gibt, ist ein Computer und er soll schon in wenigen Jahrzehnten in Erscheinung treten.

Die Idee dahinter ist simpel: Eine intelligente Maschine entwickelt eine noch intelligentere Maschine, die wiederum eine noch intelligentere Maschine entwickelt und immer so weiter. Das Ergebnis wäre eine Intelligenz-Explosion und das Entstehen einer gottgleichen Hyper-Intelligenz weit jenseits des menschlichen Fassungsvermögens. Je nachdem, wen man fragt, wird dieser Computer-Gott das Paradies auf Erden bringen oder aber den Untergang der Menschheit einläuten.

Weiterlesen/hören bei Deutschlandfunk Kultur

Sprachnachrichten: Neue Technik, altes Genörgel

Erinnert sich noch jemand an die frühen 1990er-Jahre, als ein Handy noch unfreundliche Blicke auf sich zog? Wer damals mobil telefonierte, galt als Wichtigtuer oder Businesskasper. Solchen Leuten wurde mindestens ein Minderwertigkeitskomplex unterstellt und bei Männern schloss man von der Nutzung eines Mobiltelefons auf die mangelhafte Größe des Geschlechtsorgans.

Das änderte sich sehr schnell, als Handys schlicht und ergreifend billig genug wurden, um größere Verbreitung zu finden. Plötzlich hatten alle eines – natürlich nur, um im Notfall erreichbar zu sein. Dafür gab es neuen Anlass zur Kritik: Die SMS verderbe das Ausdrucksvermögen der Jugend und galt konservativen Kommentatoren schon mal als Untergang der Sprachkultur.

Heute sind wir ein paar Umdrehungen weiter und befinden uns in der Hochphase der Smartphone-Kritik. Diese technische Errungenschaft mache Brei aus den Gehirnen Jugendlicher. Die Bücher, die diese eher schlichte These vertreten, verkaufen sich wie geschnitten Brot. Aber seit selbst in jeder Seniorenresidenz mit Whatsapp gechattet wird, ist auch dieses Thema wohl bald durch. Da kommt das nächste Hassobjekt gerade recht: Die Sprachnachricht.

Weiterlesen/Hören bei Deutschlandfunk Kultur

Wie uns die Utopie des Internets abhandengekommen ist

Bevor über Bezahlmodelle im Netz diskutiert wurde, war das Internet ein Raum der Informationsfreiheit. Damals dachte noch niemand daran, dass man einmal Zeitungen ins Netz stellen würde. Austausch unter Wissenschaftlern bestimmte den Anfang dieser revolutionären Kommunikationsplattform. Heute steht vor allem noch Wikipedia für diese Utopie des frei zugänglichen Wissens. Doch immer wieder wird versucht, das Internet zu regulieren und zu monopolisieren. Enno Park ist selbst Blogger und schreibt zu Themen wie Digitalisierung und Technikkultur. MDR KULTUR hat mit ihm über Bezahlung im Netz gesprochen.