So gefährlich ist Handystrahlung wirklich

Sein Haus ist komplett abgedunkelt, Decken verhängen die Fenster, die Lampen sind aus den Wänden gerissen. Er wickelt sich in Metallfolie, und wer das Haus betreten will, muss das Handy draußen lassen. In der Hit-Serie Better Call Saul leidet der einst gefeierte Anwalt Chuck McGill an den Folgen von Elektrosmog. Alleine die Nähe zu eingeschalteten Elektrogeräten löst bei ihm Krämpfe aus.

In der Serie ist Chuck eine tragische, aber auch absurde Figur – denn wer wickelt sich schon in Metallfolie? Angst vor Elektrosmog haben aber tatsächlich viele Menschen, es muss ja nicht gleich so extrem sein wie in Better Call Saul. Viele fühlen sich gestört von den Strahlen von Handys, Routern und Elektromasten. Online-Ratgeber warnen davor, das Handy in der Hosentasche zu tragen, es könne ja unfruchtbar machen.

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Rant: Warum die DSGVO eine Datenschutz-Karikatur ist

Mein Geduldsfaden riss, als Angela Merkel am Donnerstag ankündigte, nochmal über die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und ihre Umsetzung beraten zu wollen. Also demnächst nochmal alles revidieren? Nachdem wir monatelang versucht haben, die EU-Verordnung und ihre komplexen Wechselwirkungen mit anderen Gesetzen zu verstehen? Wir haben Mustertexte und Generatoren für Datenschutzerklärungen ausprobiert und viel Zeit damit verbracht, uns in die Dokumentationspflichten reinzufuchsen, in denen wir haarklein aufschreiben müssen, welches Datenhäppchen wir zu welchem Zweck auf welcher gesetzlichen Grundlage speichern. Und zwar auch, wenn wir die Daten gar nicht elektronisch speichern sondern im Aktenschrank. Falls wir Websites betreiben, haben wir Auftragsdatenverarbeitungsverträge mit unseren Webhostern abgeschlossen, obwohl die streng genommen gar keine Daten für uns verarbeiten, sondern wir das mit unserer Software auf den gemieteten Servern selber tun. Wenn wir Unternehmer sind, haben wir Datenschutzbeauftragte berufen oder angestellt, die das alles für uns auspuzzeln.

Lasen wir selbst in der DSGVO nach, waren wir erleichtert und hörten erstmal auf zu lesen, weil wir mit weniger als 250 Mitarbeitern nicht unter die Verordnung fallen. Oder vielleicht doch, weil wir mit besonders „risikobehafteten“ Daten hantieren, wobei schwer festzustellen ist, welche Daten überhaupt darunter fallen. Sind wir keine Unternehmer,  können wir uns oft nicht darauf ausruhen, dass wir Privatleute sind, weil irgend ein Aspekt unseres Online-Lebens uns als gewerbliches Handeln ausgelegt werden könnte. Wir haben uns in zahllose Artikel, Blogposts und Webforen eingelesen und jedes-fucking-Mal haben wir den Cookie-Hinweis weggeklickt. Wenn wir dabei ohne Tracking-Blocker unterwegs gewesen sind, haben wir den Werbenetzwerken mehr Information über uns selbst preisgegeben, als die meisten von uns jemals schützen könnten. Wir haben heiße Debatten in den sozialen Medien geführt und dabei alles und sein Gegenteil über die DSGVO gelesen, und zwar durchaus auch von gestandenen Juristen und Datenschutzexperten.

„Wir“, das sind Blogger, Arztpraxen, Fotografen, Onlinehändler, Influencer, Buchhaltungsbüros, Journalisten, Youtuber, kleine und große Vereine, Open-Source-Entwickler, Webdesigner, Coaches, Aktivisten, Berater oder Seelsorger – also genau diejenigen, die ganz offenbar immer wieder durch Datenmissbrauch auffallen und dringend mal strenger reguliert werden müssten.

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Mark Zuckerberg gefällt das

Derzeit bekommen Facebook-Nutzer eine E-Mail, in der sie angefordert werden, die neuen Datenschutzrichtlinien durchzugehen und anzunehmen. Tatsächlich erklärt Facebook zwar höchst unvollständig, aber wesentlich anschaulicher als bisher, welche Daten ge­sammelt werden und was mit ihnen geschieht. Ablehnen kann man diese Richtlinien nicht, sondern nur auf »akzeptieren« klicken. Wer das nicht möchte, kann sich über einen grau ­gefärbten Link in winziger Schrift anzeigen lassen, welche andere Option es gibt: die gesammelten Daten herunterladen und den Account löschen.
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Auf diesem Wege jubelt Facebook seinen deutschen Nutzerinnen und ­Nutzern gleich auch die Zustimmung zur Gesichtserkennung unter. Die wurde bereits vor Jahren eingeführt, war hierzulande bisher aber abgeschaltet. Wem das nicht geheuer ist, der oder die kann das in den Account-Einstellungen wieder abschalten.

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Warum Europas Facebook ein Fintech wird

Wenn es um Digitalwirtschaft geht, ist Lamentieren der Normalmodus: Schlechte Netzabdeckung, kein Breitband auf dem Land, die bestimmenden Software- und Internetkonzerne sitzen in den USA, die Hardware kommt aus China. Das ist zwar alles richtig, übersehen wird aber dabei aber immer, dass Disruption die unterschiedlichsten Branchen betreffen kann und die Karten ständig neu gemischt werden. Das nächste Facebook wird wahrscheinlich nicht aus Europa kommen – zu groß sind die Netzwerkeffekte. Aber was, wenn das nächste Facebook gar kein Facebook ist, sondern ein Fintech?

Einiges spricht dafür, dass genau das eintreten könnte. Gerade in den letzten Monaten kam es in diesem Bereich zu immer neuen, spektakulären Finanzierungsrunden. Die Berliner N26-Bank zieht umgerechnet 130 Millionen Euro an Land und wird derzeit angeblich mit einer halben Milliarde Euro bewertet. Fast zeitgleich nimmt die ebenfalls in Berlin ansässige Solarisbank 56 Millionen Euro ein. Das Frankfurter Insurtech-Startup Clark ist mit 24 Millionen Euro dabei und versucht, die Idee des app-basierten Bankings auf Versicherungen zu übertragen. Allerdings sitzt der momentane Spitzenreiter in London: Der direkte N26-Konkurrent Revolut stieg mit einer Finanzierungsrunde über 250 Millionen US-Dollar zum wertvollsten Fintech Europas auf.

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Die lebendige Speicherkarte

Der Bauplan für das Leben steckt in dem Molekül Desoxyribonukleinsäure, auch bekannt als DNA oder auf Deutsch DNS. In dem sehr langen Kettenmolekül reihen sich die vier Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin in immer neuen Kombinationen aneinander. Man könnte auch sagen: Es ist ein in einem Alphabet aus ihren vier Anfangsbuchstaben A, T, G und C geschriebener Text. In komplexen biochemischen Prozessen bildet eine Zelle anhand dieses Textes all ihre Bestandteile heraus. Das Grundprinzip ist mittlerweile so gut verstanden, dass sich dieser Bauplan ändern lässt – etwa um in der Gentechnik Pflanzen so zu manipulieren, dass sie widerstandsfähiger gegen einen bestimmten Schädling werden.

Die Menge an Daten, die die Menschheit produziert, steigt so rasant, dass ihr langfristig die Festplatten und USB-Sticks ausgehen könnten, allein wegen der Begrenztheit der Rohstoffe, die benötigt werden, um all die Speichermedien zu produzieren. Da ist es gedanklich kein allzu großer Schritt, beliebige Daten als DNA zu speichern. Statt einer endlosen Abfolge von Nullen und Einsen könnten Daten auch als Abfolge der Buchstaben A, T, G und C in der DNA abgelegt werden. Theoretisch ließen sich auf diese Weise gigantische Datenmengen speichern. Ein Gramm DNA entspricht rechnerisch etwa einem Zettabyte an Daten. Um diese zu speichern, bräuchte man eine Milliarde Tera­byte-Festplatten aus dem Elektronikmarkt.

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Was tun mit Facebook?

Zerschlagen, verstaatlichen, wenigstens streng regulieren: Wenn das Gespräch auf Facebook kommt, kursieren allerlei Rezepte. Die sind leider oft wenig durchdacht. Die Forderung, Facebook zu verstaatlichen, klingt nur auf den ersten Blick gut. Zwar würde Facebook so einer demokratischen Kontrolle unterworfen, aber nur so lange, wie besagter Staat auch eine Demokratie ist. Ein deutsches oder europäisches Staats-Facebook hieße, dass der Staat zum Datensammler würde. Er hätte direkten Zugriff auf sämtliche Postings und Nutzungsdaten. Er wüsste genau, wer mit wem kommuniziert und befreundet ist. Darüber hinaus bekäme der Staat auch noch Kontrolle über die Algorithmen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Ein staatliches Soziales Netzwerk darf es aus den gleichen Gründen nicht geben, aus denen es auch keinen staatlichen Rundfunk gibt und Pressefreiheit herrscht.

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Sind Quantencomputer das Ende der Kryptographie?

Quantenmechanik ist eines dieser Themen, die Nichtphysiker schnell an ihre Grenzen bringen. Da ist von Verschränkung und spukhafter Fernwirkung die Rede und ein Teilchen ist in mehreren unvereinbaren Zuständen gleichzeitig, bis jemand nachsieht. Die Quantenmechanik ist nicht nur wegen ihrer komplizierten Mathematik so schwer zu fassen, sondern auch weil ihre Effekte unseren Alltagserfahrungen zu widersprechen scheinen. Esoteriker diverser Richtungen ziehen regelmäßig die Quantenphysik heran, um ihren Hokuspokus zu begründen. Während aber solch esoterischer Hokuspokus nie funktioniert, wenn er im Labor nachgestellt werden soll, ist die Korrektheit der Quantenmechanik bestens untersucht. Ohne Quanteneffekte gäbe es weder Transistoren noch Solarenergie. Die Quantentheorie erklärt Atommodell, Periodensystem und ist Basis für die gesamte Chemie. Doch die Königsdisziplin für die Anwendung der Quantenmechanik wäre ein Quantencomputer.

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Die Zauberlehrlinge von Menlo Park

Sind Daten erst einmal im Umlauf, lässt sich nicht mehr kontrollieren, wer alles was damit anstellt. Und bei Fällen wie dem Cambridge-Analytica-Skandal ist kaum zu klären, wer eigentlich die Verantwortung dafür trägt.

Es gibt dieses Gerücht, wonach Facebook Nutzerdaten verkaufe. Das ist Unsinn. Facebook hütet seine Daten so gut es kann. Sie sind die Grundlage von Facebooks Geschäftsmodell. Was Facebook verkauft, sind nicht die Daten sondern es ist Aufmerksamkeit seiner Nutzer: die Möglichkeit, Werbung und zielgerichtet einem sehr genau ausgewählten Publikum zu zeigen. Das kann Facebook nur aufgrund der gesammelten Daten und würde es diese verkaufen, würde es seinen Rohstoff verkaufen, statt ihn zu vergolden. Deshalb ist der Skandal um Cambridge Analytica auch ein großes Problem, gerade für Facebook. Der Konzern hat einen Teil seiner Nutzerdaten nämlich sehr wohl weggegeben und zwar noch nicht mal gegen Geld. Das fällt Facebook heute auf die Füße. Aber warum sollte der Konzern so etwas dummes tun, wenn klar ist, dass Nutzerdaten sein größter Schatz sind? Die Antwort darauf liegt in der Vergangenheit. Das möglichst zielgenaue Anzeigen von Werbung war nicht von Beginn an Facebooks Geschäftsmodell. Im Gegenteil: Wie etliche andere Internet-Startups auch, hat Facebook zunächst mal Daten und Investorengelder eingesammelt, um erst später genauer zu überlegen, was sich damit anstellen ließe.

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Autonome Fahrzeuge: Lieber Passanten oder einen Kinderwagen überfahren?

Am 19. März 2018 starb eine 49-jährige Frau in einem Krankenhaus in Tempe, Arizona. Sie hatte versucht, eine Straße zu überqueren und wurde dabei von einem selbstlenkenden Auto des Fahrdienstvermittlers Uber erfasst, das sich auf Testfahrt befand. Der Testfahrer hatte Polizeiberichten zufolge keine Chance einzugreifen, da die Frau nachts um 22 Uhr plötzlich aus dem Schatten auf die Fahrbahn getreten sei. Offen ist die Frage, warum das Roboterauto nicht versucht hat, zu bremsen oder auszuweichen und was dessen Sensoren vor dem Unfall wahrgenommen haben. Uber will Hergang und Ursachen genau untersuchen und hat einstweilen alle Testfahrten gestoppt. Die Frau aus Tempe ist bereits der zweite Mensch, der bei einem Unfall mit einem autonomen Fahrzeug tödlich verunglückte. Allerdings hätte beim Zusammenstoß eines Tesla mit einem Lkw im Frühjahr 2016 der Fahrer eingreifen müssen, weil Teslas Autopilot-Software ausdrücklich nicht für vollständig autonomes Fahren gedacht war.

Natürlich hat das tragische Unglück in Arizona die Debatte um künstliche Intelligenz am Steuer erneut angeheizt. Wer trägt bei solchen Unfällen die Verantwortung? Wie könnte ein Robo Law aussehen, das Verantwortlichkeiten und Strafen in solchen Fällen regelt? Welche Mindestanforderungen müssen autonome Fahrzeuge erfüllen, damit sie auf die Straße gelassen werden? Wenn diese Fragen diskutiert werden, kommt früher oder später das Trolley-Problem ins Spiel. Es handelt sich um ein philosophisches Gedankenexperiment: Eine Straßenbahn rast auf eine Gruppe von Menschen zu. Du hast die Chance, sie zu retten, indem du schnell eine Weiche umlegst, allerdings zu dem Preis, dass jemand anderes überfahren wird. Wie wirst du dich entscheiden?

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Ein Netz voller Bären und Schlangen

Ein anonymer Informant aus dem Bundesinnenministerium hatte das mo­natelang gehütete Geheimnis kürzlich den Medien verraten. Am 28. Februar bestätigte das Bundesinnenministerium, dass der »Informationsverbund Berlin-Bonn« (IVBB) gehackt worden sei. Dieses Netzwerk wird von dem Ministerium verwaltet und verbindet Bundesrat, Kanzleramt, Ministerien, Rechnungshof und verschiedene andere Institutionen miteinander. Zunächst klingt das wie der größte anzunehmende IT-Unfall, allerdings dient der IVBB nur dem Informationsaustausch der Behörden untereinander, wobei verschlüsselt kommuniziert wird. Jede ans IVBB angeschlossene Behörde verwendet intern ein eigenes Netz. Ob und in welchem Ausmaß die Hacker Daten einzelner Behörden erbeuten konnten, ist völlig unklar. Bisher bestätigte lediglich das Außenministerium, dass die Hacker Zugriff auf einige wenige Do­kumente gehabt hätten. Um welche Informationen es sich handelt, ist nicht bekannt.

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