Konkurrenzkampf ums Metaverse

Wer nicht alles ins Metaverse will! Sogar eine Universität für Kader der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) in Peking soll bald über ein Programm verfügen, in dem in einer künstlichen Realität »Parteiarbeit auf eine flexible und starke Weise« trainiert werden könne. Das meldete die Virtual-Reality-Firma Mengke VR chinesischen Medien zufolge. Parteikader sollen zukünftig mit Avataren an virtuellen Veranstaltungen nach Art von Parteikonferenzen teilnehmen und in 3D in der virtuellen Welt mit anderen Kadern interagieren können.

Eine derart genaue Vorstellung davon, wozu das sogenannte Metaverse zu nutzen sei, haben bisher nur wenige. Von virtuellen 3D-Welten ist die Rede, in denen die Nutzenden sich per Avatar tummeln und allerlei virtuelle Güter konsumieren können. Das klingt bekannt: Second Life, eine Online-Plattform aus dem Jahr 2003, feiert im kommenden Jahr ihr 20jähriges Bestehen und ist heutzutage eher virtuelle Nische als virtuelle Welt.

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Ukraine-Krieg: Videos aus der Game-Engine zeigen gefälschte Kriegsszenen

Die Konturen des Flugzeuges, das von einem Flugabwehrgeschütz beschossen wird, heben sich klar vom dunkelblauen Nachthimmel ab. Die Leuchtstreifen des Artilleriebeschusses verlieren sich im Dunkel, während das Flugzeug am Firmament geradezu Haken schlägt. Vorgeblich soll diese Szene ein Gefecht an der ukrainischen Grenze zeigen, aber in Wahrheit stammt sie aus dem Game „Arma 3“.

Laut Bloomberg tauchten mehr also 90 solcher Fälschungen auf Facebook Games auf, Metas Antwort auf die Streamingplattform Twitch. Die Fälschungen hatten dort mindestens 110.000 Views und sind mehr als 25.000 mal geteilt worden. Nachdem die Bloomberg-Redaktion Facebook kontaktiert hatte, wurden die Videos schnell gelöscht. Mittlerweile hat Facebook ein „Special Operations Center“ eingerichtet, das Kriegspropaganda und Fälschungen auf der Plattform unterbinden soll. Auf anderen Social-Media- Plattformen haben diese Videos kaum größere Verbreitung gefunden und wurden ebenfalls schnell wieder entfernt. Mittlerweile stößt man eigentlich nur noch darauf, wenn man gezielt nach ihnen sucht.

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10 Jahre Raspberry Pi: Gekommen, um zu basteln

Ähnlich wie das Internet oder das Smartphone ist auch der Raspberry Pi eines dieser Dinge, die so selbstverständlich geworden sind, dass man sich fragt, wie man vorher eigentlich ohne auskommen konnte. Natürlich ist der Raspberry Pi kein Massenprodukt wie das iPhone, aber wann immer ein simpler, billiger Kleincomputer benötigt wird, um irgendeinen Dienst zu verrichten, stehen Raspberry Pi und seine Verwandten wie der Arduino bereit. Ohne ihn würden die Hacker- und Maker-Spaces dieser Welt wahrscheinlich weniger bunt sein.

Dabei war der Raspberry Pi ursprünglich fürs Klassen- und Kinderzimmer gedacht. Denn in Groß-Britannien sank die Zahl der Informatik-Studierenden in den 2000er-Jahren und britische Schüler sollten mit dem Einplatinenrechner für den Informatik-Unterricht begeistert werden. Schließlich ist der wesentlich weniger trocken, wenn nicht nur abstrakte Programmierübungen zu absolvieren sind, sondern ein Computer dazu gebracht werden kann, mit einem Sensor beispielsweise die Temperatur oder Luftfeuchtigkeit zu messen. Das jedenfalls war die Idee einer Truppe von Enthusiasten um den Ingenieur Eben Upton, der zuvor unter anderem Hardware beim Netzwerkkarten-Anbieter Broadcom entwickelt hatte.

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Metaversum ohne Meta: Wie kann es mit dem Facebook-Konzern weitergehen?

Ausgerechnet der erste Quartalsbericht nach der Umbenennung von Facebook in Meta löste einen Kursrutsch aus. Mit mehr als 250 Milliarden US-Dollar verlor Meta rund ein Viertel seines Börsenwertes. Dem vorangegangen war die Meldung, dass Facebook zum ersten Mal in seiner Geschichte Nutzer verloren hatte, statt welche hinzuzugewinnen. In den von Facebook als „rest of the world“ bezeichneten Regionen Südamerika und Afrika ging die Zahl der Facebook-Nutzer um etwa zehn Millionen zurück.

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Braune Kanäle

Immer mehr Politiker fordern eine strengere Regulierung oder gar eine Sperrung des Instant-Messaging-Diensts Telegram in Deutschland – dar­unter zuletzt auch die Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Tatsächlich spielt die App hierzulande eine zentrale Rolle bei der Verbreitung von Verschwörungsmythen und rechtsextremer Propaganda. Zunächst wirkt Telegram recht friedlich: Die Mehrheit der Gruppen und Kanäle beschäftigt sich mit harmlosen Themen, tauscht Memes oder lustige Videos aus. Dazwischen finden sich Prominente, Influencer, Werbung und Links zu redaktionellen Inhalten diverser Medien, darunter freilich auch solche, die fake news verbreiten.

Das Bild ändert sich allerdings, betrachtet man die Liste der mitgliederstärksten deutschsprachigen Kanäle. Unter den ersten zehn, die im Schnitt knapp 100 000 Abonnenten haben, finden sich nur zwei unverfängliche: das Wirtschaftsmagazin Kryptokompass, das sich mit Kryptowährungen wie Bitcoin beschäftigt, sowie das »ZDF Magazin Royale« von Jan Böhmermann. Beide scheinen brachzuliegen, in den Kanälen wurde seit Monaten nichts mehr gepostet. Die weiteren acht sind in der einen oder anderen Form als rechtsextrem oder verschwörungstheoretisch einzustufen.

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Welchen Namen gibst du deinem Staubsaugeroboter?

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Wer denkt bei diesem berühmten ersten Satz in Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ nicht notgedrungen an einen verunglückten Staubsaugeroboter, der festgefahren und käfergleich nicht vor, nicht zurück hilflos mit den antennengleichen Bürsten wirbelt, bis auch diese in einem letzten Zucken ersterben?

Ich musste meinen Staubsaugeroboter also „Gregor Samsa“ nennen, obwohl diese Namensgebung eigentlich ungerechtfertigt ist und auf schlechten Erfahrungen mit seinem Vorgänger beruht. Im Gegensatz zu Kafkas Figur macht mein Gregor überhaupt nicht den Eindruck, sich von seiner täglichen Arbeit entfremdet zu haben, die er zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.

Robotern Namen zu geben, scheint ein spielerisches Grundbedürfnis zu sein, sobald das Gerät hinreichend viel Eigenleben an den Tag legt, sodass es auch als Tier durchgehen könnte. Dass Menschen Robotern Namen geben und zu ihnen eine emotionale Bindung aufbauen, ist kein neues Phänomen. So berichten Soldatïnnen von Gefühlen der Trauer, wenn ihr Minen-Such-Roboter bei der Arbeit in die Luft flog.

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Log4j für Dummies

das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat am Wochenende „Warnstufe Rot“ ausgerufen. Eine Sicherheitslücke in der Java-Bibliothek „log4j“ stellt eine große Gefahr dar. Das hat viele Leute und ihre Oma alarmiert: Menschen, die sich überhaupt nicht mit Computern auskennen, schnappen die Meldung in der Zeitung und den Nachrichten auf und können sie einfach nicht dekodieren. Was zum Geier ist denn zum Beispiel eine Java-Bibliothek? Wer sich in Massenmedien darüber informieren möchte, ist bis auf wenige Ausnahmen wie dem „Spiegel“ aufgeschmissen. Das liegt daran, dass auch die Journalistïnnen, die darüber berichten sollen, keine Ahnung haben, wovon sie reden. Eindrucksvolles Beispiel war da die Börsenreporterin Valerie Haller im gestrigen „heute journal“, die „log4j“ als „Server-Software von Java“ bezeichnete, wobei sich fragt, ob das ihre Schuld ist, wenn die Redaktion findet, es sei eine gute Idee, das Thema in den Börsennachrichten unterzubringen.

Alle ITlerïnnen, Computer-Affine und Menschen, die Fachmedien verfolgen, können hier aufhören zu lesen. Für alle anderen folgt ein kleines „log4j für Dummies“.

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Geschichten für den Lockdown

Ein erneuter Corona-Lockdown wurde bisher politisch nicht angeordnet, aber vernünftige Menschen reduzieren ihre Kontakte so weit es geht und gehen in eine Art persönlichen Lockdown, wenn und so weit sie es sich erlauben können. Deshalb habe ich hier ein paar Geschichten für den Lockdown zusammengestellt:

  • Frédéric Valin: Pflegeprotokolle
  • Mario Sixtus: Hyperland
  • The Billion Dollar Code

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Das Märchen vom Computer-Gott

Künstliche Intelligenz und Algorithmen umgeben den Nimbus autonom agierender Wesenheiten, die über uns bestimmen. Dabei wird übersehen, dass solche Systeme von Menschen entworfen und kontrolliert werden, es also weiterhin Menschen sind, die über Menschen bestimmen, auch wenn sie dafür Maschinen benutzen.

Philip Kovce, Birger P. Priddat (eds.): Selbstverwandlung – Das Ende des Menschen und seine Zukunft – Anthropologische Perspektiven von Digitalisierung und Individualisierung, Metropolis, Marburg 2021, S. 295, ISBN 978-3-7316-1441-8