Log4j für Dummies

das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat am Wochenende „Warnstufe Rot“ ausgerufen. Eine Sicherheitslücke in der Java-Bibliothek „log4j“ stellt eine große Gefahr dar. Das hat viele Leute und ihre Oma alarmiert: Menschen, die sich überhaupt nicht mit Computern auskennen, schnappen die Meldung in der Zeitung und den Nachrichten auf und können sie einfach nicht dekodieren. Was zum Geier ist denn zum Beispiel eine Java-Bibliothek? Wer sich in Massenmedien darüber informieren möchte, ist bis auf wenige Ausnahmen wie dem „Spiegel“ aufgeschmissen. Das liegt daran, dass auch die Journalistïnnen, die darüber berichten sollen, keine Ahnung haben, wovon sie reden. Eindrucksvolles Beispiel war da die Börsenreporterin Valerie Haller im gestrigen „heute journal“, die „log4j“ als „Server-Software von Java“ bezeichnete, wobei sich fragt, ob das ihre Schuld ist, wenn die Redaktion findet, es sei eine gute Idee, das Thema in den Börsennachrichten unterzubringen.

Alle ITlerïnnen, Computer-Affine und Menschen, die Fachmedien verfolgen, können hier aufhören zu lesen. Für alle anderen folgt ein kleines „log4j für Dummies“.

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Geschichten für den Lockdown

Ein erneuter Corona-Lockdown wurde bisher politisch nicht angeordnet, aber vernünftige Menschen reduzieren ihre Kontakte so weit es geht und gehen in eine Art persönlichen Lockdown, wenn und so weit sie es sich erlauben können. Deshalb habe ich hier ein paar Geschichten für den Lockdown zusammengestellt:

  • Frédéric Valin: Pflegeprotokolle
  • Mario Sixtus: Hyperland
  • The Billion Dollar Code

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Das Märchen vom Computer-Gott

Künstliche Intelligenz und Algorithmen umgeben den Nimbus autonom agierender Wesenheiten, die über uns bestimmen. Dabei wird übersehen, dass solche Systeme von Menschen entworfen und kontrolliert werden, es also weiterhin Menschen sind, die über Menschen bestimmen, auch wenn sie dafür Maschinen benutzen.

Philip Kovce, Birger P. Priddat (eds.): Selbstverwandlung – Das Ende des Menschen und seine Zukunft – Anthropologische Perspektiven von Digitalisierung und Individualisierung, Metropolis, Marburg 2021, S. 295, ISBN 978-3-7316-1441-8

Corona und die „kybernetische Illusion“

„Mütend“ ist ein Kofferwort, das im Frühjahr aufkam um die Frustration, die Mischung aus Wut und Müdigkeit angesichts der Corona-Krise zu beschreiben. Ich habe den Eindruck, dass heute mehr Menschen denn je in diesem Gefühlszustand sind. RKI-Chef Lothar Wieler findet von Pressekonferenz zu Pressekonferenz immer deutlichere Worte. Die Wut geht längst nicht mehr von der verquerdenkenden Minderheit aus. Und die Philosophin Sabine Döring warnt davor, dass irgendwann auch einmal die Geduld derjenigen endet, die sich freiwillig vernünftig und solidarisch in der Pandemie verhalten.

Derzeit wird viel geredet über diese Wut, wie mit ihr umzugehen sei und woher sie komme. „Warum sind alle so wütend?“ fragt zum Beispiel der Podcast „Lakonisch elegant“, und unter der Prämisse, dass es keine dummen Fragen gebe, lässt sich das auch halbwegs anhören. Immerhin verleiht das Thema einem Gefühl Ausdruck, das gerade sehr viele Menschen teilen. Im Podcast versucht Philosoph und Journalist Nils Markwardt diese Frage mit einer These zu beantworten: Wir spürten gerade die „kybernetische Illusion“. Wir hätten eine Vorstellung von Gesellschaft, die so gesteuert werden könne, dass ein Ist-Wert in einen Soll-Wert verwandelt werden kann, zum Beispiel die Zahl der Neuinfektionen und der Bettenbelegung. Und uns frustriere die Desillusionierung von dieser Vorstellung.

Ich halte diese These für falsch und auch problematisch.

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Neun Corona-Mythen und Fehlannahmen

Vor zehn Monaten, im Verlauf der zweiten Corona-Welle, habe ich in meinem Blog 18 Corona-Mythen und Fehlannahmen aufgeschrieben. Denn im Verlauf der Sars-CoV2-Pandemie haben sich allerlei Mythen und Legenden herausgebildet, die es erschweren, sinnvoll über Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung zu debattieren. Die meisten dieser Mythen und Legenden haben den Effekt, dass sie eine sinnvolle Diskussion über die jeweiligen Maßnahmen unterbinden.

An diese Liste musste ich wieder denken, seitdem uns politisches Vollversagen in die vierte Welle manövriert hat und die Gesellschaft einer Person gleicht, die schreiend im Kreis rennt, während die Intensivstationen langsam aber sicher in die völlige Überlastung fahren. Doch seit dem letzten Winter hat sich einiges geändert. Über bestimmte Dinge wird heute nicht mehr geredet, dafür ist anderer Unsinn im Umlauf. Neun weitere Punkte sind hinzu gekommen. Zeit für ein Update also.

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Corona 4

Mit 37.120 Neuinfektionen vergangenen Donnerstag und einer Sieben-Tages-Inzidenz von 191 ist die vierte Corona-Welle die bislang höchste in Deutschland. In den nächsten Tagen und Wochen geraten die Intensivstationen über ihre Kapazitätsgrenze, an der einige sowieso schon arbeiten. Dementsprechend wird sich die Zahl der Todesopfer entwickeln. Bundes- und Landesregierungen bleiben weitgehend untätig. Als Ausweg gilt derzeit die Impfung, während fast alle anderen Schutzmaßnahmen bis auf Reste aufgehoben sind. Das ist fatal:

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Tiktok hat Social Media längst weiter getrieben als Facebook

Die chinesische App Tiktok erlebt einen enormen Aufstieg und hat mittlerweile mehr als eine Milliarde Nutzer weltweit. Damit ist die App im Club der ganz großen wie Facebook, Youtube oder Wechat angekommen. Dies schafft die App, obwohl sie einen schlechten Ruf hat, wie zum Beispiel eine Umfrage des US-Magazins „The Verge“ zeigt. Tiktok löst international immer wieder Debatten um Zensur, Jugendschutz, Datenschutz und Spionage aus.

Dieses Negativ-Image steht im starken Kontrast zu den positiven Erfahrungen, die Menschen offenbar mit Tiktok machen. Fragt man sie, sagen die meisten, dass sie von der App gute Laune bekommen. Manche Menschen finden es schön und zugleich auch ein wenig erschreckend, wie gut Tiktok ihre Vorlieben zu kennen scheint und wie zuverlässig es passenden Content ausspielt. Das wird in diesem Ausmaß keiner anderen Social-Media-App nachgesagt.

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Endzeit, eine Gedichtanalyse

bei unserer regelmäßigen Beschäftigung mit kalter Technik und seelenloser Digitalität muss gelegentlich auch einmal Zeit für etwas Erbauliches sein. Deshalb komme ich heute einer Bitte aus dem Internet nach, eine Gedichtanalyse zu verfassen. Die bemerkenswerte Elegie „Endzeit“ hat der allseits geschätzte Archäologe Mirko „Der Buddler“ Gutjahr bei einer gegenswartsarchäologischen Prospektion in einem Leipziger Schaufenster gefunden. (Zum Betrachten in höherer Auflösung bitte auf das Bild klicken/tappen.)

(Fotos: Mirko Gutjahr)

Der Titel „Endzeit“ öffnet trotz seiner Schlichtheit eine monumentale Rahmung.

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