Der Kontext macht’s

Dass gehörlose und stark schwerhörige Menschen so ihre Marotten haben und in ihrer eigenen Welt leben, darüber schreibt Not quite like Beethoven ja täglich. Dabei muss man sich einfach nur überlegen, dass jedes Stück seltsames Verhalten, das wir – oder in diesem Falle: das ich an den Tag lege, seinen Grund hat. Ich merke oft, dass Menschen, die mich recht gut kennen und genau wissen, wie schlecht ich höre, meinen Gedankengängen einfach nicht folgen können, weil sie den Kontext nicht teilen.

In Bussen und Autos wird mir regelmäßig übel, sobald ich lese oder aus anderen Gründen nicht aus dem Fenster schaue. Nach mehr als ein paar Minuten kann mir das absolut den Magen umdrehen. Und als Schwerhöriger muss ich im lauten Bus meinen Mitfahrer permanent und möglichst frontal ansehen, wenn er mir etwas erzählt, um ihm auf den Mund zu schauen. Neulich sagte ich dort also zu meiner Begleitung während eines Gesprächs: „Ich kann dich nicht länger ansehen, sonst wird mir schlecht.“ Es handelte sich um eine Mitfahrerin. Sie war alles andere als amused.


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