Das Märchen vom Computer-Gott

Als Ray Kurzweil, Chef-Entwickler bei Google, gefragt wurde, ob es einen Gott gibt, war seine Antwort kurz und knapp: „Noch nicht.“ Der Gott, den es noch nicht gibt, ist ein Computer und er soll schon in wenigen Jahrzehnten in Erscheinung treten.

Die Idee dahinter ist simpel: Eine intelligente Maschine entwickelt eine noch intelligentere Maschine, die wiederum eine noch intelligentere Maschine entwickelt und immer so weiter. Das Ergebnis wäre eine Intelligenz-Explosion und das Entstehen einer gottgleichen Hyper-Intelligenz weit jenseits des menschlichen Fassungsvermögens. Je nachdem, wen man fragt, wird dieser Computer-Gott das Paradies auf Erden bringen oder aber den Untergang der Menschheit einläuten.

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Sprachnachrichten: Neue Technik, altes Genörgel

Erinnert sich noch jemand an die frühen 1990er-Jahre, als ein Handy noch unfreundliche Blicke auf sich zog? Wer damals mobil telefonierte, galt als Wichtigtuer oder Businesskasper. Solchen Leuten wurde mindestens ein Minderwertigkeitskomplex unterstellt und bei Männern schloss man von der Nutzung eines Mobiltelefons auf die mangelhafte Größe des Geschlechtsorgans.

Das änderte sich sehr schnell, als Handys schlicht und ergreifend billig genug wurden, um größere Verbreitung zu finden. Plötzlich hatten alle eines – natürlich nur, um im Notfall erreichbar zu sein. Dafür gab es neuen Anlass zur Kritik: Die SMS verderbe das Ausdrucksvermögen der Jugend und galt konservativen Kommentatoren schon mal als Untergang der Sprachkultur.

Heute sind wir ein paar Umdrehungen weiter und befinden uns in der Hochphase der Smartphone-Kritik. Diese technische Errungenschaft mache Brei aus den Gehirnen Jugendlicher. Die Bücher, die diese eher schlichte These vertreten, verkaufen sich wie geschnitten Brot. Aber seit selbst in jeder Seniorenresidenz mit Whatsapp gechattet wird, ist auch dieses Thema wohl bald durch. Da kommt das nächste Hassobjekt gerade recht: Die Sprachnachricht.

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Wie uns die Utopie des Internets abhandengekommen ist

Bevor über Bezahlmodelle im Netz diskutiert wurde, war das Internet ein Raum der Informationsfreiheit. Damals dachte noch niemand daran, dass man einmal Zeitungen ins Netz stellen würde. Austausch unter Wissenschaftlern bestimmte den Anfang dieser revolutionären Kommunikationsplattform. Heute steht vor allem noch Wikipedia für diese Utopie des frei zugänglichen Wissens. Doch immer wieder wird versucht, das Internet zu regulieren und zu monopolisieren. Enno Park ist selbst Blogger und schreibt zu Themen wie Digitalisierung und Technikkultur. MDR KULTUR hat mit ihm über Bezahlung im Netz gesprochen.

Das Ende des Internets, wie wir es kennen

Wann immer ein neues Medium in die Welt trat und für Umwälzungen sorgte, gab es eine anarchistische Frühphase, in der dieses Medium völlig unreguliert genutzt wurde und damit die Macht der Herrschenden herausforderte. Von der Erfindung des Buchdruckes bis zum Index verbotener Bücher der katholischen Kirche dauerte es rund 100 Jahre. Rund 50 Jahre lang war das Telefon weitgehend unreguliert. In den USA zogen Farmer einfach ihre eigenen Strippen bis AT&T es 1899 schaffte, eine Monopolstellung zu erlangen und Nutzung und Weiterentwicklung des Telefons zu kontrollieren.

Die Geschichte wiederholte sich mit dem Radio, dem Studiosystem der amerikanischen Filmindustrie und schließlich dem Kabelfernsehen. Immer wurden diese Medien euphorisch als Beginn einer neuen Zeit gefeiert, die der Menschheit mehr Demokratie und Verständigung bringen sollte. Und immer wurden diese Medien reguliert und zentralisiert, wenn technische Vereinheitlichung, wirtschaftliche Interessen angehender Monopolisten und die Forderung nach Zensur unerwünschter Inhalte Hand in Hand gingen.

Es ist nicht bekannt, wann das erste mal ein deutscher Politiker sagte, das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum sein.

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Die Nebenwirkungen der DSGVO Blogger betroffen

Über 300 Blogs in Deutschland hatten ihre Seite abgeschaltet – so die Zahl nur einen Tag nach in Kraft treten der europäischen Datenschutzgrundverordnung. Wahrscheinlich sind es noch viel mehr. Kommt jetzt das befürchtete Blogsterben, das wegen des hohen bürokratischen Aufwands vorhergesagt wurde? Mythos oder Realität? Und warum sind manche US-Zeitungen von Europa aus nicht mehr erreichbar?

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