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Satire darf alles

tl;dr: Auch Satire hat Grenzen.

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Nein, hier geht es nicht um Herrn B. aus K., der gerade Probleme haben dürfte, die ich wirklich niemandem wünsche und der angesichts offenbar ausgesprochener Morddrohungen unsere Solidarität verdient. Hier geht es um ein Tucholsky-Zitat, mit dem gerade massiv um sich geschmissen wird: „Satire darf alles.“

Wenn ich diesen Spruch höre, muss ich an mein Geschichtsbuch denken. Darin waren antisemitische Karikaturen aus dem „Stürmer“ abgebildet. Wer die nicht kennt, google bitte selbst, denn ich möchte solche Abbildung nicht in mein Blog stellen. Auch vieles, nach dessen Löschung wir auf Facebook rufen, ist Satire. Menschenverachtende Satire. Rassistische Satire. Hatespeech-Satire. Satirische Trollerei. Aber eben: Satire.

Ich frage mich, ob die „Satire darf alles“-Fraktion diese Stürmer-Karikaturen kennt. Und gut findet. Offenbar ist sie der Ansicht, man solle wirklich alles im Sinne der Meinungsfreiheit tolerieren. Ich finde das nicht. Selbstverständlich hat Satire Grenzen. Und es würde Debatten um die Meinungsfreiheit gut tun, nicht einfach unterschiedslos „Satire darf alles“ zu rufen. Sondern darüber nachzudenken, ob eine solche Grenze tangiert wurde. Dass Leute mit Tuchosky-Zitaten um sich werfen, die Tucholsky offenbar kaum je gelesen haben, nervt nämlich ein wenig.

Oder um mit einem Tuchosky-Zitat zu schließen:

P.S.: Und nein, „Satire hat Grenzen“ heißt nicht, dass ich Terroranschläge, Morddrohungen oder diesen albernen §103 StGB auch nur im entferntesten gutgeheiße. Auch wenn diese Unterstellung jetzt garantiert wieder kommt.

 

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