Notiz über Plattformen

tl;dr: Was passiert eigentlich mit Plattformen, wenn die Grenzkosten zum Erstellen von Plattformen gegen Null gehen?

plattform

Der Begriff der „Plattform“ wird gerade rauf- und runterdiskutiert. Plattformen basieren auf Netzwerken, stellen aber wiederum Netzwerke zur Verfügung. Wer sie kontrolliert, gewinnt staatenähnliche Macht und stellt den Staat in Frage. Der Plattformkapitalismus macht Daten, die über über die Mitglieder gewonnen werden können, zu Geld (sei es durch Einblendung von Werbung oder auch einfach dadurch, seine Dienstleistung besser maßschneidern zu können, wie Netflix das zum Beispiel versucht). Es bilden sich die Begriffe des Plattformkapitalismus bis hin zum Plattform-Monopol heraus (Hallo Facebook!). Also alles dasselbe, wie immer mit dem Kapitalismus, nur eine Umdrehung weiter?

Es besteht einige Einigkeit darüber, dass das Internet Geschäftsmodelle zerstört, weil es die Grenzkosten der Distribution drastisch senkt. Es ist nunmal viel billiger, einen Artikel ins Web zu stellen als ihn zu drucken, und wenn er erstmal drin ist, fallen eigentlich nur noch Fixkosten für Server an, während andere weiter drucken, drucken und drucken müssen – nur ein Beispiel. Plattformen machen sich diesen Effekt durch Entwicklung mal mehr, mal weniger guter Algorithmen zu Nutze.

Die minimalen Grenzkosten führen überhaupt erst in den Plattformkapitalismus und der Weg scheint unausweichlich, mit allem, was gesellschaftlich so dranhängt wie z.B. der Postprivacy. Was aber, wenn die Grenzkosten für Plattformen selber sinken? Wenn es immer billiger wird, durch einmal aufgestellte Frameworks und semi-intelligente Algorithmen immer neue Plattformen zu Grenzkosten gegen Null auf die Beine zu stellen? Dann steht eigentlich nur der Plattform-Effekt („Alle sind auf der Plattform, wo alle anderen auch sind, die anderen verlieren“) einem Erodieren der Plattformen im Wege. Dass dieser Effekt nicht stabil ist, zeigen zahllose Dienste, die mal der heiße Scheiß waren und heute untergegangen sind.

Fressen die Plattformen am Ende sich selbst? Nur ein loser Gedankengang, von dem ich noch nicht so genau weiß, wohin damit.

3 Antworten auf „Notiz über Plattformen“

  1. Die Grenzkosten für Plattformen und auch die markteinstiegshürden sind ja bereits beinahe bei 0. eine App kannst du für 100 Euro entwicklergebühr selber basteln und die serverinsfrastruktur packst du auf Amazon und sie skaliert mit deinem Bedarf ohne Zutun mit. Viele startups wissen schon gar nicht mehr, was sie mit all der cc-Kohle anfangen sollen … Die instagramgründer haben in ihrer plattform 2 Wochen programmiert. Ich sehe nicht, dass das noch irgendwelche Effekte hätte, wenn diese Kosten noch weiter sinken … zumindest in der westlichen Welt. In den Schwellenländern sieht das anders aus, da könnte das noch mal etwas mehr enablen.

  2. Achso und was die Auswirkungen angeht: der Markt ist natürlich wahnsinnig volatil. Der Netzwerkeffizienz (nicht plattformeffekt) ist ja ein positives Feedback. Das heißt also, dass die Nutzung sich in genau der beschnleunigung verringern kann, wie sie sich einst vermehrt hat. Mark Zuckerbrot schläft bestimmt nicht gut.

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