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Links der Woche

  • Ein Akt der deutschen Behörden:

    Damit es später keine Missverständnisse gibt: Ein deutscher Staatsanwalt ist nicht verpflichtet, Server zu beschlagnahmen – bloß weil ausländische Ermittlungsbehörden das von ihm verlangen.

  • Wuppertal Hbf:

    Sechs Jahre lang wohnte ich unmittelbar über dem Wuppertaler Hauptbahnhof. Ein Haus am Hang, Gleis 6, die Scheiben einfachverglast. Aber ich war stoisch genug, um mich schließlich nur noch über Fahrplanänderungen und Personenschäden zu wundern. Jeder Weg in die Stadt führte durch den langen Bahnhofstunnel, den die Wuppertaler nicht nur aufgrund seiner Fliesen Pissrinne nennen. Der Tabakhändler kannte schnell meine Marke und die Kioskfrau meine Vorliebe für kleine Papiertüten mit sauren Stäbchen und Lakritzschnecken.

  • Debatte: Wo sind die Intellektuellen hin?:

    Ganz anders der neue Typus des Intellektuellen, der seit einigen Jahren auf die Bühne und ins Rampenlicht medialer Aufmerksamkeit tritt: Der Medienintellektuelle. In Frankreich kennt man ihn in Gestalt von Bernhard Henri-Lévy oder André Glucksmann, hierzulande kann man Peter Sloterdijk oder Norbert Bolz dazu zählen, aber auch den derzeit in nahezu jede Talkshow herbeichauffierten und zu jedem x-beliebigen Thema schwadronierenden Arnulf Baring. Wesentliche Merkmale der klassischen Intellektuellen treffen auf die Medienintellektuellen nicht mehr zu: Für sie ist der Maßstab in erster Linie die Prominenz, die sie durch ihre Auftritte und Medienpräsenz erworben haben.

  • Datenschutz ist kein Biedermeier – Die Post-Privacy-Aktivisten kapitulieren vor der Informationsgesellschaft:

    “Es gibt keine graue Eminenz, keinen gottverdammten BigBrother, der uns 24/7 überwacht und kontrolliert. Und wenn schon… was haben wir zu verbergen?”, fragt sich ein Post-Privacy-Protagonist. Das allerdings kann nur jemand fragen, der von Kindesbeinen an das Glück hatte, in einer reichen Demokratie zu leben. Nicht nur in den Ohren von Menschen, die in Ostdeutschland vor der Wende gelebt haben, klingen solche Aussagen weltfremd.

  • ChromeBook: Die Produktionsmittel der Informationsgesellschaft:

    Wir haben es schlichtweg versäumt, die offenen Strukturen und Protokolle, mit denen wir Nerds seit so langer Zeit glücklich sind, für unsere Großeltern, Eltern und Freunde attraktiv zu machen, die aufgrund eines uns unbekannten Defizits keine Freude & Aufregung empfinden, wenn sie ihren eigenen Kernel kompilieren. Sie wollen Rechner, die funktionieren. Ohne Probleme. Das ist ein legitimer Wunsch. Wir haben ihn aus der (korrekten) Überzeugung, dass ein Rechner sich ohne ein Mindestmaß an Kompetenz auch nicht vernünftig nutzen lässt, viel zu lange ignoriert.

  • Anonymous im Interview:

    Da Anonymous als Kollektiv arbeitet, gibt es keinen formell verantwortlichen Pressesprecher. Die Antworten auf die Fragen von le bohémien erarbeiteten rund 15 Anonyme in simultaner Gemeinschaftsarbeit. Die Anonymen sprechen in diesem Zusammenhang auch von einem so genannten Hive-Bewusstsein. Die Aussagen des Hives spiegeln einen möglichen Konsens innerhalb der Vereinigung wieder, können aber, prinzipbedingt, keine Allgemeingültigkeit für Anonymous haben.

  • Der Zeithorizont des Menschen:

    Ein Student der Geologie lernt im ersten Semester, dass es auf unserem Heimatplaneten Erde keine Endlager für radioaktive Abfälle geben kann, welche über Zeiträume vieler 1000 Jahre die Sicherheit bieten, die sie bieten müssen, damit nicht das passiert, was bei Asse II bereits nach wenigen Jahrzehnten der Fall ist.