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In memoriam Harvey Pekar

Heute starb Harvey Pekar. Ich kannte ihn gar nicht, bis der Film American Splendor herauskam – bzw. kannte ihn doch und merkte dann erst, dass ich einige seiner Comics ich schonmal in der Hand oder gelesen hatte – er hatte ja selbst kein einziges davon gezeichnet, sondern immer nur Strichmännchen mit Texten, die dann weiterverarbeitet wurden. Illustriert wurden seine Geschichten später von einigen der größten Comic-Talente der USA. American Splendor als Comic ist wegen seiner wechselnden Zeichner und Stile ein unglaublich facettenreiches Vexierspiel – über die Konstanz der autobiografischen Figur Harvey Pekar gelegt. Sieht man Interviews mit ihm, entdeckt man wie echt er ist und wie sehr er sich selbst entblößt hat, sein Phlegma, seine Depressionen, seine Lakonik, seine Angst, seine Wut und seine Liebe. Er war nicht nur einer der ersten Künstler, die Comics das Format großer Literatur geben konnten, sondern vor allem ein Trost für alle, die wieder einmal in die Leere des eigenen Lebens gestolpert sind.

Ich möchte, dass sich die Leser mit mir identifizieren. Es gibt viele Leute da draußen, denen es ziemlich beschissen geht. Und durch mich begreifen sie: Wir haben alle die gleichen Probleme.

Er hat uns gezeigt, dass die Wahrheit im Imperfekten liegt und dass die Wut auf einen unglaublich langsamen Rentner vor uns an der Supermarktkasse okay sein kann. In American Splendor sind die Nerds und Außenseiter die normalen. Er hat uns seine Abgründe gezeigt und uns damit ein klein wenig Angst genommen, in die eigenen zu blicken. Danke, Harvey.

Bild: Flickr / Austin Kleon (CC)