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Perversion Abwrackprämie

2009. Deutschland in der Krise. Der Staat will helfen, den Konsum anzukurbeln und Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Dafür wurde die so genannte „Umweltprämie“ eingeführt. Leider ist „gut gemeint“ mal wieder das Gegenteil von „gut gemacht“:

  • Leute, die Autos brauchen (oder das glauben), werden sich immer wieder ein neues kaufen. Selbst wenn es nur ein Gebrauchtwagen ist, ist es einer, der woanders durch einen Neukauf frei wurde. Heizen wir jetzt die Autoverkäufe künstlich an, werden kaum zusätzliche Autos gekauft, sondern nur zukünftige Käufe der nächsten Jahre auf dieses Jahr vorgezogen. Die Abwrackprämie ist also nichts weiter als ein Kredit auf die Zukunft.
  • Die Prämie stützt nur die Autobauer und ihre Zulieferer. Anstatt sie über den Markt zu zwingen, endlich preiswerte und umweltfreundliche Modelle auf den Markt zu bringen, dürfen die Autobauer sich auf einer Geldspritze ausruhen. Und das während in China das dort jetzt schon äußerst verbreitete Elektroauto perfektioniert und für den europäischen Markt bereit gemacht wird. Nach wie vor hat unsere Auto-Industrie dem nichts entgegen zu setzen.
  • Es wird immer so getan, als sie die Finanzkrise die Ursache für die Schwierigkeiten der Autobauer. Tatsache ist: Sie bekommen derzeit eine Quittung des Marktes. Autos, wie wir sie heute kennen, sind eine aussterbende Spezies. Nach der Logik der Abwrackprämie müsste es heute noch staatlich geschützte Postkutschenhersteller geben…
  • Ein guter Teil des Geldes fließt über den Import ausländischer Modelle nach Asien, hilft also nicht, unsere Wirtschaft anzukurbeln.
  • Die Abwrackprämie ist keine Investition. Ganz viele Leute haben vorher wie nachher ein Auto. Werte wurden wegen des vorgezogenen Konsums keine geschaffen, wohl aber vernichtet, da Altautos im Wert von bis zu 2500 € pro Fahrzeug abgewrackt wurden. Der Staat bürdet sich also Schulden auf, die mit Zins und Zinseszins zu Buche schlagen, um Werte zu vernichten. Wieviel sinnvoller wäre es, wenn der Staat mit diesem Geld investieren würde. In alles, was sich mit Mehrwert zurückzahlt, z.B. in die Bildung oder Infrastruktur?
  • Die abgewrackten Autos stehen nicht mehr dem Gebrauchtwagenmarkt zur Verfügung. Wer ganz dringend ein Auto braucht, aber wenig Geld hat, ist der Dumme.
  • 600.000 Autos à 2500 € ist die gleiche Summe wie 3 Mio. Arbeitslose à 500 €. Gäbe man jedem Arbeitslosen einen Konsumgutschein über 500 €, wären die Kosten die gleichen. Der Effekt würde sich allerdings nicht auf eine Branche beschränken. Außerdem wären es sehr viel mehr zusätzliche statt vorgezogene Käufe, die mit dem Geld getätigt werden. Die Menschen am unteren Rand der Gesellschaft werden nächstes Jahr auch nicht mehr Geld im Portemonnaie haben als jetzt.
  • In Deutschland gibt es 2 Mio Studierende, von denen ungefähr die Hälfte 1000 € Studiengebühren im Jahr bezahlt. Wer selbst studiert hat und nicht gerade über reiche Eltern verfügt, weiß, wie weh Studiengebühren tun können. Vereinfacht gesagt: Der Staat sammelt Geld bei denen ein, die nichts haben, um davon anderen Leuten neue Autos zu subventionieren. (Wer sich am Beispiel der Studierenden stört, kann sicher vergleichbare Fälle aus anderen Lebensbereichen finden.)
  • Die Prämie ist nicht umweltfreundlich. Zwar wird argumentiert, dass die neuen Automodelle umweltfreundlicher seien, als die alten. Da aber ein Großteil der Umweltschäden schon bei der Herstellung verursacht werden, ist es unter allen Umständen umweltfreundlicher, ein altes Auto länger zu fahren, als ein neues anzuschaffen. Die Abwrackprämie ausgerechnet „Umweltprämie“ zu nennen, ist eine Verhöhnung des Wahlvolkes.

Oder wie Michi es auf den Punkt bringt:

Abwrackprämie

P.S.: Vielleicht findet Familienministerin von der Leyen noch eine sinnvolle Anwendung der Abwrackprämie auf die Geburtenrate…?

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