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Das neoliberale Utopia 3: Der vollkommene Markt

(Teil 1: Crisis in a Nutshell)
(Teil 2: Das Versagen der Autobauer)

Schuld an der Krise sind weder die Märkte noch der „Kapitalismus“ als solcher sondern das Versagen der Marktteilnehmer und der Glaube, dass Märkte sich immer selbst regulieren. Neoliberale glauben, dass die völlige Freiheit am Markt einen vollkommenen Markt schafft. Welche Eigenschaften muss aber ein Markt haben, damit es ein freies Spiel von Angebot und Nachfrage gibt?

  • Konkurrenz: Konkurrenz sorgt in der Theorie dafür, dass immer bessere Ware zu immer niedrigeren Preisen angeboten wird.  Konkurrenz bedeutet aber auch, dass einige Anbieter nicht mithalten können und vom Markt verschwinden. Diese werden in der Praxis nicht durch neue Anbieter ersetzt, so lange hohe Markteintrittsschranken bestehen: Ich kann vielleicht eine Bäckerei aufmachen, aber nicht von heute auf morgen Autos bauen und mit Porsche konkurrieren. Am Ende des Prozesses bleiben einige wenige Anbieter übrig, die stark genug sind, um die Preise zu diktieren und damit den Markt aus zu hebeln. Die Freiheit am Markt muss also eingeschränkt werden, um ihn vor sich selbst zu schützen: Kartelle sind zu zerschlagen, Preisabsprachen verboten, ehemaligen Staats-Monopolisten wie der T-Com oder der Bahn werden von den Regulierungsbehörden die Preise diktiert.
  • Rationalität: Als Käufer sollte ich mich immer für das sinnvollste, also preiswerteste Angebot entscheiden, damit das Spiel aus Angebot und Nachfrage funktionieren kann. Das tun wir Konsumenten aber selten. Allein die Existenz von Porsche belegt das. Im vollkommenen Markt müsste Porsche dafür bestraft werden, teure Spritfresser herzustellen, während sich Anbieter von Öko-Autos vor Nachfrage nicht retten können sollten. Genau das war aber bisher nicht der Fall, sonst hätte die Autobauer wie GM nicht so schlimm am Markt versagen können.
  • Vergleichbarkeit: Ich kann mich nur für das für mich günstigste Angebot entscheiden, wenn ich alle Angebote miteinander vergleichen kann. Das ist zwar heute über das Internet wesentlich einfacher geworden, aber wahre Transparenz wird sich niemals herstellen lassen. Selbst wenn ich alle Preise miteinander vergleichen kann, weiß ich nicht wirklich, ob das billige Auto, für das ich mich entscheide, nicht vielleicht häufiger Pannen haben wird, als das teure.
  • Einheitlichkeit: Es hilft mir nicht weiter, dass ich einen Gegenstand im Online-Shop 5 € billiger erhalte, wenn ich Versandkosten in gleicher Höhe zahlen muss. Ich werde wegen einer einzigen Tüte Milch keinen langen Umweg zu Aldi in Kauf nehmen, auch wenn die gleiche Tüte im Tante-Emma-Laden das doppele kostet. Steuern, Abgaben aber auch Umwelt- und Sozialstandards verzerren die Preise: Wir importieren Schnittblumen aus China. Wenn nicht überall dasselbe gilt, wird es keinen funktionierenden Ausgleich von Angebot und Nachfrage geben.

Wir sehen schon an diesen einfachen Beispielen, dass der Markt so, wie wir ihn uns vorstellen, nicht existiert. Ein solcher Markt wäre auch nicht im Sinne der Unternehmen: Bei vollständiger Konkurrenz, Rationalität, Einheitlichkeit und Homogenität würden alle Angebote auf den selben Preis hinauslaufen. Die Anbieter wären gezwungen, zu dem niedrigst möglichen Preis zu produzieren, was bedeutet, dass die Gewinnmarge gegen 0 strebt. Auf einem „vollkommenen Markt“ gibt es so etwas wie Gewinn nicht, und damit auch keine Rendite.

Morgen Teil 4: Der freie Markt ist keiner

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