Schwer verliebt

31. Jan 2002, UCI SmartCity, Hamburg

Hal ist ein ziemlich oberflächlicher Typ, der sich bei Frauen eigentlich nur für Oberweite und derlei Dinge interessiert. Da trifft es sich günstig, dass er mit einem Guru im Fahrstuhl steckenbleibt, der ihn kurzerhand hypnotisiert. Eigentlich sollte ihm das nur ein wenig helfen, die „innere Schönheit“ zu beachten, aber fortan sieht Hal überall da grazile Meerjungfrauen, wo andere etwas sehen, das Greenpeace-Aktivisten ins Meer schleppen, wenn sie es am Strand finden…

Anders gesagt: Für Hal gilt in Zukunft die Devise: Fat is beautiful. Und ab 150 Kilo kommt er erst so richtig in Fahrt: Er verliebt sich unsterblich in die Tochter seines Chefs, und natürlich kommt es, wie es kommen muss: Hal macht sich furchtbar lächerlich, die monströse Grazie fühlt sich zunächst recht verarscht (später ist sie aber recht glücklich, dass sich ein Lover zu ihr ins Bett traut) und last not least denken die Kollegen, er wolle nur einen besonders miesen Karrierezug absolvieren.

Damit wäre die (unfreiwillige?) Kernaussage des Filmes bereits getroffen: Wer fortan im Leben ein netter, in die Tiefe gehender Mensch ist, dürfte auf ein ordentliches Maß an Ablehnung stoßen. Vermutlich sollte die Aussage eine andere sein: Dass nämlich nicht das Aussehen zählt, sondern die inneren Werte. Dumm nur, dass dieser edelmütige Idealismus massiv torpediert und restlos versenkt wird mit Gags auf Kosten wohlbeleibter oder sonstwie hässlicher Mitbürger

Was bleibt, ist neben einer Freakshow von Gürtelrose und Orangenhaut eine typische Farrelly-Komödie („Verrückt nach Mary“) mit derben (aber oft auch treffenden, komischen, jedenfalls angenehm politisch unkorrekten) Witzen über hässliche Menschen, die über weite strecken ungewohnt ruhig und romantisch ausfällt. Spaß macht auf jeden Fall Gwyneth Paltrow als 150-Kilo-Frau. Ausgerechnet sie. Das hat was.

USA 2001, 114 min
mit Gwyneth Paltrow, Jack Black, Jason Alexander, Joe Viterelli, Rene Kirby, Bruce McGill, Tony Robbins, Susan Ward, Zen Gesner, Brooke Burns, Rob Moran, Joshua Li’iBoy Shitani
Regie: Bobby Farrelly, Peter Farrelly

Mr. Undercover

16. Jan 2002, UCI SmartCity, Hamburg

Der Mafia-Clan Romano ist in argen Nöten und versucht, einen Sohn ins FBI einzuschmuggeln. Damit das ganze nicht auffliegt, handelt es sich um Corky, dem schusseligen Dämling, der denkt, sein Vater sei Landschaftsdesigner. Noch dümmererweise ist Corky eine totale Niete. Aber dämlichsterweise ist auch der ihn darstellende Schauspieler eine.

Man kann es sich gut vorstellen, wie dämlich sich Corky beim FBI anstellt, was er z.B. mit konfiszierten Kokainpaketen anstellt oder wie das aussieht, wenn er Nahkampfunterricht hat. Da Corky ungemein dumm und naiv ist, überlebt er natürlich alle Widernisse spielend und erledigt aus Versehen eine Reihe von lang gesuchten Kriminellen. All das könnte ziemlich spaßig sein, wenn nicht Drehbuch, Regie und Hauptdarsteller mindestens ebenso dämlich wie ihr Protagonist wären und alles verderben.

Fazit: Möchtegern-Billigst-Jerry-Lewis-Verschnitt mit wenigen einsamen Lachern und viel Klamauk. Und eine detailliertere Kritik einfachnicht wert.

USA 2001, 85 min
mit Chris Kattan, Vinessa Shaw, Peter Falk, Peter Berg, Chris Penn, Fred Ward, Richard Roundtree, Matthew Glave, Roger Fan, Dave Sheridan, Michael Massee, Vincent Pastore
Regie: Rob Pritts

The Others

13. Jan 2002, Cinestar, Lüneburg

1945. Die schöne Witwe Grace erwacht aus einem Alptraum, braucht einen Moment, sich zu fassen. Wenn wir ihr Haus sehen, können wir vielleicht ahnen, warum sie schwer träumt. Im dichten Nebel tauchen plötzlich drei unheimliche Gestalten auf, die neue Haushälterin, der neue Gärtner und ein stummes Dienstmädchen…

Ach ist das schön. Das Haus sieht nicht verflucht aus, sondern geheimnisvoll. Die Nebel wallen nicht in unrealistischen Schwaden, sondern sind eine dicke Suppe, wie wir sie vielleicht vom Elbufer kennen. Es wird nicht übertrieben, trotzdem ist sie ständig da, diese Beklemmung, diese unterschwellige Spannung, welches Geheimnis sich wohl hinter dem Haus verbergen könnte. „The Others“ ist beileibe kein gewöhnlicher Horrorfilm. Ganz ohne Blut und phantastische Erscheinungen, ohne Effekte und Zombies im Garten baut dieser Film ganz auf klassische Gänsehaut-Effekte. Die Farbgebung, das Design, das Ambiente – zeitweise glaubt man, sich einen Klassiker aus den 60er Jahren anzusehen, wenn sich das Grauen zwischen den Dialogzeilen einnistet. Denn im Grund ist es nichts weiter als ein erzählerisch, psychologisch und visuell perfekt ausgetüfteltes Kammerspiel.

Damit das funktioniert, braucht man eine Diva. Nicole Kidman spielt Grace und erinnert dabei fatal an Grace Kelly und andere Kinogöttinnen längst vergangener Zeiten. Ein weiterer Schritt für sie, sich in die Reihe der großen Damen der Leinwand einzureihen. Um das Grauen zu transportieren, hilft ein alter Trick: In unheimlicher Atmosphäre wird eben nicht gezeigt, was da spukt. Sondern darüber gesprochen. Und man sieht die Angst nur in den Augen der Darsteller. Aber selbst diese Erzähltechnik ist spätestens seit Steven Spielberg ausgereizt. Hier kommt noch ein weiteres Element hinzu: Graces Kinder. Ein Junge und ein Mädchen, die heimlich und angstvoll unter der Bettdecke über die Gestalten tuscheln, die sie sehen. Zu ihnen kriechen wir unter die Decke und erinnern uns an die Angst, die wir selber mal im Dunkeln hatten.

„The Others“ lebt von seinen wunderbaren Dialogen. Die Kinder sind keine altklugen Mini-Erwachsenen sondern echte Kinder, was sie sagen ist oft herrlich komisch, aber ihr Kindermund tut Wahrheit kund – sie sprechen aus, was ihre Mutter lieber nicht wahrnehmen möchte. Und sei es heimlich. So funktioniert es: Die unheilmiche Stimmung ist perfekt, wahre Gänsehaut stellt sich ein, die Spannung steigert sich bisweilen ins Unerträgliche, wird natürlich in extrem erschreckenden, aber kleinen und unblutigen Schockmomenten entladen. Genuss pur.

Verstörend beängstigend z.B. die Szene, in der Grace durch den Nebel hastet wie einst Doris Day in „Mitternachtsspitzen“. Unterschwellig unheimlich, diese Hausangestellten, die sich vielleicht früher um Rosemary und ihr Baby gekümmert haben. Bleibt die Frage, ob es wirklich Geister sind, die hier spuken, ob es die Hausangestellten sind, die Grace in den Wahnsinn treiben wollen, oder ob vielleicht etwas völlig anderes dahinter steckt. Ich gehörte zurecht geschlagen, wenn ich es hier verraten würde. Nur soviel: Das Ende ist ganz besonders überraschend – und der ganze Film ein Gänsehausgrusel vom feinsten.

USA/Spanien 2001, 101 min
mit Nicole Kidman, Christopher Eccleston, Fionnula Flanagan, Elaine Cassidy, Eric Sykes, Alakina Mann, James Bentley, Renée Asherson, Michelle Fairley, Gordon Reid, Keith Allen, Alexander Vince
Regie: Alejandro Amenábar

Nachschlag

Heute kam eine E-Mail von BPForYou. Sie monierte, dass ich sie in meinem X-Mas-Tagebuch gar nicht erwähnt hatte… Zur Erläuterung. BPForYou ist die Frau mit den schönsten Augen in ganz Zwickau. Erinnern etwas an Paola (die von Kurt Felix), diese Augen. Nur dass BPForyou den unbestreitbaren Vorteil hat, nicht zu singen. Da man verständlicherweise nicht dauerhaft den Zorn einer solchen Frau auf sich ziehen möchte und sie sonst ein sehr lieber Mensch ist – hier der Nachtrag:

29.12.2001 Nachdem Bernd leidlich geschult ist, fahre ich nach Schwerin um BPForYou zu besuchen, die ihrerseits dort gerade ihre Eltern besucht. Die Fahrt ist erstaunlich kurz und wie immer geht die meiste Zeit mit dem Verfahren in der fremden Innenstadt drauf. Waren mit ihrer Tochter in der Altstadt spazieren und gewannen so Abstand von der Frage, wer wen gerade be- und heimsucht. Und muss sagen: Schwerin ist eine wirklich schöne Stadt. Nach dem Abendbrot musste BPForYou auf den Laufsteg. Im kleinen Schwarzen mit 2 verschiedenen Nylons: schwarzen und hellen. Damit ich die Chose fachmännisch bzgl. Farbwahl beurteile. BPForYou meint, ich sei schwach geworden, aber das stimmt nicht. Bin nur halbschwach geworden, da sie ja auch nur einen schwarzen Strumpf anhatte. War ein schöner Besuch…

…und ab ins Luci (das bereits erwähnte letzte letzte Mal)… So meine beste, das sei hiermit erledigt. Ich wünsch dir bei Duweißtschonwas alles Gute und viel Glück. Eigentlich freue ich mich auch, dass Du mich veranlasst hast, das hier zu schreiben, so komme ich nämlich drumrum, mich über die biblischen Blähungen auzulassen, die mich nach Neujahr plagten.

Letzter letzter Luci-Abend.

Der allerletzte. Wirlkich der letzte. Ich kanns nicht fassen. Den Stammgästen kommen gegen 5 die Tränen, als zu pathetischer Musik die Luciflagge eingefaltet und von einem Fackelzug eskortiert wird. Auch mein Leben wird jetzt etwas ärmer sein. Am Kofferraum gewesen um mich nachzudeodorieren und dabei Schlüsselbund verloren. Ihn nach ernüchternder halber Stunde im Kulturbeutel gefunden. Die Party geht weiter und weiter – um 8 kann ich nicht mehr. Bin eigentlich zum Luci-Frühstück eingeladen, aber: Mone kann noch fahren. Sagt sie. Ich glaube ihr.

Toms Kino

Wir haben beschlossen, wegen der Wetterlage und der Tatsache, dass wir 350 km gefahren wären, um eine Telefondose innen anders zu verdrahten, nicht mehr nach Westphalen zu fahren. Stattdessen gibt es 1000 Kleinigkeiten, die ich an Bernds Rechnern herumfummeln kann. – Abends Tom im Kino besucht. Er hat für die Alte Brennerei einen Preis für das beste Kinoprogramm in Niedersachsen bekommen! Das muss begossen werden. Leider bin ich nicht mehr dazu gekommen, mir während meines Wendland-Besuches zum dritten Mal „Herr der Ringe“ anzusehen.

Erste letzte Luci-Party

Kaffee in rauhen Mengen und ab ins Wendland. Benötige wegen Schnee und Eis 3 Stunden. Irgendwann da mache ich QV und Mone am Risiko-Brett fertig – werde leider zu übermütig und gebe QV eine Chance, die er gnadenlos nutzt. Die Welt ist fies. Erste letzte Luci-Party. QV kommen die Tränen. Ich kanns verstehen. Mucke geil wie immer.