Cast Away – Verschollen

Alte Brennerei, Lüchow

In großzügigen Schwenks und langen Einstellungen sehen wir das Paradies: Eine einsame Insel im Nirgendwo der Karibik, ein Paradies, das genauso anziehend wie bedrohlich wirkt. Und darin, fast ein kleines unbedeutendes Nichts: Chuck Nolland gespielt von Tom Hanks.

Bis es soweit ist, erzählt der Film solide aber leider recht flach seine Vorgeschichte: Die von Chuck Nolland, der als Manager bei einem Logistik-Konzern dafür zuständig ist, dass an allen Ecken und Enden Zeit eingespart und optimiert wird, bis er bei einem – verstörend in Szene gesetzten – Flugzeugabsturz auf der genannten Insel strandet.

Alles, was er zum Leben braucht, muss er sich nun selber suchen und kann lediglich auf ein wenig Strandgut aus der Absturzmaschine zurückgreifen. Nahrung bezieht aus Kokosnüssen, rohen Fischen und Krebsen, ein Fischernetz bastelt er sich aus einem Ballkleid, und ein schmerzender Zahn wird auf recht brutale Weise entfernt. Nollands einziger Gesprächspartner ist Wilson, ein mit einem Gesicht bemalter Volleyball. Und es sind wirklich erhebende Momente, wenn es Nolland zum ersten mal gelingt, Feuer zu machen oder wenn er sich aus eigenem Antrieb auf die Heimreise macht.

Der Film ist abermals ein Beweis für das Können des Gespanns Hanks/Zemeckis. Die langen, musiklosen Szenen auf der Insel sind keinen Moment langweilig, ständig ist eine unterschwellige Beklemmung spürbar. Kleinigkeiten, die der Zivilisationsmensch gar nicht mehr wahrnimmt, werden zur Bedrohung, und ich glaube, ich hatte selten in einem Film so viel Angst vor dem dunklen Eingang einer Höhle.

Leider macht der eigentliche Kern des Filmes gerade mal die Hälfte der Dauer aus. Drum herum wird in der Rahmenhandlung Nollands Vorleben sowie sein Leben nach der Inselzeit geschildert, und das leider viel zu breit und ohne allzuviel Tiefgang, wenn auch mit einem wunderschönen philosophischen Ende, das zeigt, wie einsam es auch unter Menschen sein kann. Trotzdem hätte der Film auf der Insel noch viel mehr Zeit verbringen können.

Großes Glück für den trotz allem erstklassigen und sehr sehenswerten Film ist die Schauspielkunst von Tom Hanks. Ich fürchte, in diesem Film hätte sich so mancher andere Star von einem Volleyball an die Wand spielen lassen.

USA 2000, 143 min
mit Tom Hanks, Helen Hunt und einem Volleyball
Regie: Robet Zemeckis

Der Grinch

Alte Brennerei, Lüchow

Jim Carrey is back, diesmal als grünes Zottelmonster, das den Leuten Weihnachten stehlen will. Diese Leute sind freilich eher Gnome als Menschen, leben in dem Dorf Whoville in einer Schneeflocke und veranstalten alle Jahre wieder den totalen X-Mas-Overkill.

Da ist es kein Wunder, dass der Grinch bei alledem nicht mitspielen will und mit kleinen Streichen versucht, das Fest gehörig zu stören. Was leider ob der weihnachtlichen Toleranz der Einwohner nicht so ganz klappt, weshalb der Grinch immer härtere Geschütze auffahren muss. Doch die dörfliche Weihnachtsseele ist härter…

Verfilmt wurde hier ein Klassiker, den außerhalb von Amerika kaum jemand kennt: „How the Grinch stole Christmas“ von Dr. Seuss. Die Geschichte wurde in zuckrigen Bildern umgesetzt, deren Schmalz- und Kitschfaktor leider an vielen Stellen die Schmerzgrenze überschreitet. Bleiben als einziger Trost Jim Carrey, der es trotz dicker Maske schafft, unverwechselbar zu sein, und einige wirklich rüde aber gelungene Lacher.

Eigentlich nur ein Film für die Allerjüngsten, aber gerade die dürften wohl viele der ironischen Anspielungen noch nicht verstehen.

USA 2000, 105 min
mit Jim Carrey, Anthony Hopkins, Jeffrey Tambor, Taylor Momsen
Regie: Ron Howard

Drei Engel für Charlie

Regina, Leipzig

„Charlies Angles“, eine dieser 70er-Jahre-TV-Serien, erlebt ein hübsches Kino-Comeback mit Drew Barrymore, Cameron Diaz und Lucy Liu in den Hauptrollen. „3 Engel für Charlie“ ist ein ziemlich sinnfreies Filmchen, das weitgehend ohne Handlung auskommt — nicht aber ohne Drehbuch, denn die tollen Kampf- und Action-Szenen wollen choreographiert sein. Bill Murray übernimmt auf seine allseits bekannte Ghostbusters- und Murmeltier-Art den Part des Betreuers der Angels. Und nebenbei spielt auch noch Tim Curry (Frank N. Furter aus der Rocky Horror Show) einen der niederen Bösewichter. Sein Spiel war dann aber doch leider etwas uninspiriert, was ich als alter Fan von ihm schade finde.

Die Angels haben vollauf zu tun mit dem Verbrecherjagen, Einbrechen, Autorennen fahren, vor Explosionen durch die Luft fliegen, fernöstlichen Kampftechniken an Bösewichten ausprobieren usw. Was dabei herauskommt, ist ein wirklich spaßiges Popmovie mit viel trockenem Humor im Ami-Stil und einer netten Persiflage oder Selbstparodie auf die Serie, ein kurzweiliger Mix aus hypermodernem Actionkino und 70er-Jahre-Retro, garniert mit einem prima Pop-Soundtrack. Sehenswert.

USA 2000, 98 min
mit Cameron Diaz, Drew Barrymore, Luci Liu, Bill Murray
Joseph McGinty Nichol

Disney’s Dinosaurier

Alte Brennerei, Lüchow

Die erste Viertelstunde ist majestätisch wie wenig, was die letzte Zeit zu sehen war: Wir verfolgen ein verloren gegangenes Dino-Ei, das durch die Landschaft rollt, fällt und getragen wird. Dabei begegnen wir Tieren, wie sie seit 60 Millionen Jahren nicht mehr auf der Erde zu sehen waren: Dinosauriern, wunderschön und extrem realistisch animiert, in idyllischen Urzeitlandschaften. Was der „stern“ schreibt, ist wahr: Diese Eröffnungssequenz ist bereits die Eintrittskarte wert.

Der Rest weniger: Das Ei wird gefunden und ein Dino wird – wie Mogli im Dschungelbuch unter den Wölfen – auf einer abgelegenen Insel von kleinen Affen großgezogen. Die Tiere sprechen. Und das vermasselt vermutlich den meisten doch den Spaß am Film, weil man trotz aller Fotorealistik nichts anderes sieht, als einen Disney-Trickfilm mit einem ziemlich einfallslosem Plott, einem der schlechtesten seit Jahren.

Trotzdem: Technisch ein absoluter Augenschmaus, vor allem auch der Einschlag eines Asteroiden, der dann wohl das Ende der Dinosaurier einläuten soll — alles perfekt bis ins letzte Detail. Sicher gibt es Szenen, die noch reichlich künstlich wirken, vor allem mit Augen scheinen die Animationskünstler noch so ihre Schwierigkeiten zu haben, aber seit „Mäusejagd“, „Djumanji“ oder durchaus auch „Star Wars Ep 1“ hat sich wieder eine Menge getan.

„Dinosaurier“ ist ein Familienfilm „von 6 bis 60“ und alle, die die neusten Computer-Animationen bestaunen wollen, gehen sowieso rein: Der Rest sollte sich überlegen, ob er „Mulan“ oder „König der Löwen“ sehen wollte, und wenn ja: auch reingehen.

P.S.: Für alle, die es so geliebt haben wie ich: Am 14. 12. startet in Deutschland mal wieder das „Dschungelbuch„!

USA 2000, 82 min
Regie: Ralph Zondag, Eric Leighton

Verqueres Denken Folge 27b

Eine Leseratte bin ich (fast), so lange wie ich denken kann. Und als Kind habe ich mir natürlich so meine Gedanken gemacht. Zum Bleistift, dass es eigentlich gar nicht so schwer sein kann, sich all diese Geschichten auszudenken. Ich dachte immer, die eigentliche Kunst der Schriftsteller wäre es, ihre Geschichten so zu schreiben, dass alle Zeilen gleich lang sind und hübsch untereinander stehen.