Schlagwort: Facebook


  • Fick dich, Facebook

    tl;dr: Die Community-Guidelines von Facebook sind sexistisch, rassistisch und noch mehr istisch oder werden so gehandhabt.

    facebook

    Auf Facebook bin ich vor ein paar Wochen auf eine Gruppe gestoßen, die den schönen Namen trägt: „Mein Humor ist so schwarz, er könnte bei mir als Sklave arbeiten“. Ok, ein paar der Witze waren wirklich gut, aber in der Gruppe wird jede Menge widerwärtiger Dreck gepostet. Das geht dann so:

    • Ein arabischer aussehender Mann schreit vor Trauer und reckt die Hände gen Himmel, in mitten von Ruß, Trümmern und Leichenteilen. Ein echtes Foto aus einem Krisengebiet. Bildunterschrift: „And IIIIIIIII will always love youuuuuuuuu.“ 900 Personen gefällt das.
    • Ein Foto von weiblichen siamesischen Zwillingen. Eigentlich handelt es sich um eine Frau mit zwei Köpfen. Dazu der Text: „Blowjobs. Buy one, get one for free.“ 1027 Personen gefällt das.
    • Ein farbiges, offensichtlich behindertes Kind sitzt in einem Rollstuhl. Bildunterschrift: „I don’t see what’s wrong with him other than he stole a wheelchair.“ 441 Personen gefällt das.
    • Eine Frau legt freundlich die Hand auf die Schulter eines Mannes und sagt zu ihm: „This Meme is very offensive to women.“ Im nächsten Bild schlägt der Mann zu mit den Worten „Your face is very offensive to me.“ Blut spritzt ihr aus Mund und Nase. 374 Personen gefällt das.
    • Eine europäisch aussehende Frau geht in leichter Sommerbekleidung eine Straße entlang, an der auch fünf junge Männer in Hiphop-Klamotten rumstehen. Text dazu: „Gang Rape. 5 out of 6 people enjoy it.“ 655 Personen gefällt das.
    • Pedobear fragt in einem Comic ein kleines Mädchen, ob er ein Kondom dabei tragen soll. Das Mädchen sagt: „Hell no, you freak!“ Pedobear freut sich: „Perfect!“ und legt los. 1045 Personen gefällt das.
    • Beliebt auch „Witze“ mit entstellten Menschen. Jede Menge davon, zum Beispiel eine Fotomontage einer Frau, die mit einem Außerirdischen schläft. „9 Monate später…“ dazu ein Foto von einem Kind mit Progerie.

    Ok, ich weiß, das Internet ist wie das Leben: In manchen Ecken gibt es Dreck. Das Zeug stammt wohl fast komplett aus 4chan, wo 14jährige Jungs ihrem pubertärem Humor nachgehen, wie 14jährige Jungs das eben tun. Das Zeug verschwindet da immer gleich wieder und wird durch neues ersetzt und ab und zu gebärt 4chan wirklich großartige Meme.

    Auch in der genannten Facebook-Gruppe gibt es ein paar sehr gelungene Witze, die auf schwärzeste Weise damit umgehen, wie kaputt unsere Welt ist. Vielleicht sind sogar einige meiner oben genannten Beispiele nicht so gemeint, wie ich sie auffasse. Ich habe wirklich viel Verständnis dafür, dass Facebook als globales Unternehmen vor dem großen Dilemma steht, dass in einem Land Dinge als vollkommen harmlos gelten, die in einem anderen Land soziale Ächtung oder eine Steinigung nach sich ziehen. Ich möchte bis auf krasse Ausnahmen keine Zensur, sondern Netzneutralität.

    Wirklich sauer werde ich aber, wenn ich mir ansehe, was Facebook alles so sperrt:

    These pages and images are approved by your moderators, while you regularly remove content such as pictures of women breastfeeding, women post-mastectomy and artistic representations of women’s bodies.  In addition, women’s political speech, involving the use of their bodies in non-sexualized ways for protest, is regularly banned as pornographic, while pornographic content – prohibited by your own guidelines – remains.  It appears that Facebook considers violence against women to be less offensive than non-violent images of women’s bodies, and that the only acceptable representation of women’s nudity are those in which women appear as sex objects or the victims of abuse.  Your common practice of allowing this content by appending a [humor] disclaimer to said content literally treats violence targeting women as a joke.

    Den Finger hatte ich (nicht zum ersten mal) schon auf dem Abmelde-Button, obwohl ich Facebook eigentlich beruflich brauche. Aber ich poste lieber das hier. Vielleicht ist das sinnvoller.


  • Café Absurd (Update)

    [Foto: TravellingStar]

    Ich sitze im Café Absurd und freue mich, dass sie um 17.00 Kerzen auf dem Frühstücksbuffet anzünden, statt es abzuräumen. Durchs Netz geistern gerade die ersten Polizeigewalt-Videos aus dem Wendland, die natürlich nicht annähernd soviel Aufregung verursachen werden wie die S21-Bilder – schließlich scheint es rein optisch mal wieder nur Autonome und Querulanten zu treffen.

    „Castor Schottern“ hat eine Facebook-Seite, die man liken kann. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg behält sich vor, die ganzen „Gefällt mir“-Klicker strafrechtlich zu verfolgen. Erst diese Meldung hat mich auf die Facebook-Seite aufmerksam gemacht und mich veranlasst, meine Sympathie per Klick zu bekunden. Schon alleine aus Gründen der Meinungsfreiheit.

    Wer schonmal längere Zeit im Wendland war, weiß, dass dort die Menschen ihre Scholle verteidigen. Wie die 68er ihre Eltern „Wo wart ihr damals“ gefragt haben, könnten wir das auch mal von unseren Enkeln gefragt werden. Ok, ich will hier keine Äpfel mit Nazis vergleichen, halte aber Protest und Widerstand im Wendland für völlig legitim.

    Und am Rande: Eigene Erlebnisse dort waren es vor 10 Jahren, die mein Bild vom Polizisten als Freund und Helfer nachhaltig erschüttert haben.

    OK, „Castor Schottern“ ist nicht ganz ohne: Sachbeschädigung mit finanziellem Schaden für die Bahn und einkalkuliertem Risiko von Eisenbahnunfällen auf der Strecke – mit Menschen oder Castoren. Klingt ziemlich verboten, aber dann – so meine Meinung – auch wieder längst nicht so schlimm wie wie Einlagerung von hochgefährlichem Atommüll in einem dafür wahrscheinlich nicht geeigneten Salzstock ohne die Risiken überhaupt zu kennen.

    Ich will mich gar nicht  über das alles ärgern müssen und wende mich wieder dem Buffet zu. Und meinem Reader. Dort lese ich, dass Behinderte unter bestimmten Umständen künftig nur noch 80% des Hartz-IV-Satzes erhalten sollen. Überlege, künftig einen medienfreien Tag einzuführen. Ach Mann.

    Update: Hier kann man gerade nachlesen, was im Wendland so los ist. Panzerwagen und Robocops, die sich wie Besatzungstruppen aufführen samt Hubschrauberstaffeln und Quasi-Ausgangssperre für Anwohner entsprechen genau den eigenen Erlebnissen, auf die ich oben angespielt hatte. Nett war auch, dass man mich und andere Autofoahrer damals bei der Heimfahrt auf der B491 von Uelzen kommend hinter Waddeweitz die Weiterfahrt verweigerte, obwohl ich ein DAN-Kennzeichen am Auto hatte und einen Perso, auf dem „Lüchow“ stand. Abgeriegelt halt. (Beim Umweg über Bergen, Salzwedel und Lübbow kam ich dann durch.)


  • Facebook öffne dich

    Facebook nervt und stinkt. Ständig ändern sie die Privatsphäre-Einstellungen, was in eine wüste Klickerei und nervige Sucherei ausartet. Sie geben meinen Social Graph über den Like-Button an x-beliebige Webseiten weiter, sie erlauben Anwendungen, die Freunde von Freunden benutzen, meine Daten auszulesen, sie geben meine Daten ungefragt an externe Partner wie GMX weiter. Es reicht. Das finden nicht nur wir ach so betulichen Deutschen, auch in den USA rumort es. Am 31. Mai ist QuitFacebookDay.

    Ich gehe nicht. Aus zwei Gründen: Ich bin hörgeschädigt und mein Sozialleben findet zu großen Teilen schriftlich im Netz statt. Das Web, die Blogosphäre, Twitter und auch Facebook haben mir unheimlich viel von dem wiedergegeben, was ich mit meinem Gehör zusammen verloren habe. Ich liebe es, über Facebook und Twitter von Veranstaltungen zu erfahren und Einladungen zu erhalten. Außerdem gehören im Büro nicht nur die Firmenblogs zu meinen Aufgaben sondern auch „Social Media“. Da kann ich es mir gar nicht erlauben, keinen Facebook-Account zu haben.

    Vor ein paar Monaten habe ich eine strikte Policy eingeführt: Ich habe alle Menschen „entfreundet“, die ich nicht persönlich kenne – bzw. auch fast alle Kollegen, weil ich finde, dass meine privaten Aktivitäten nichts im Büro zu suchen haben. Jeder einzelne hat eine Mail erhalten, in der ich diesen Schritt freundlich erklärt habe. Ich habe alle meine Einstellungen auf so privat wie möglich gesetzt. Diese Privatheit ist aber eine Illusion. Privat ist nur mein Wohnzimmer und mein E-Mail-Postfach (das richtige, nicht das bei Google). Im Grunde habe ich mir die Mühe gemacht, mein Profil, meinen Social Graph, noch besser herauszuarbeiten, auf dass Facebook mehr Kapital daraus schlage.

    Also mache ich es jetzt genau umgekehrt. Ich habe nahezu alle Einstellungen auf Facebook vollkommen freigegeben. Mein Profil kann jetzt auch von Nicht-Mitgliedern besucht werden. Ab sofort kann jede Person auf Facebook wieder mein „Freund“ werden, egal ob ich sie persönlich, nur aus dem Netz oder gar nicht kenne . Aber: Ich habe aber auch bis auf irrelevanten Kleinkram alles private gelöscht. Es ist doch so: Ich habe mein kleines Stück Netzöffentlichkeit mit einigen 1000 Lesern auf mehreren Blogs sowie 2700 Followers auf Twitter (das ich schon lange als Öffentlichkeit behandele). Facebook reduziere ich auf einen weiteren Kanal für diese Mikroöffentlichkeit. Dadurch geht ein wenig Spaß und Unbefangenheit verloren, was ich aber nicht ändern kann. Entweder ich füttere Facebook gar nicht, oder mit einem irrelevant gewordenen Social Graph.

    Google CEO Eric Schmidt meint: “Hast du etwas, das keiner wissen sollte, solltest du es vor allem gar nicht erst tun.” Ich wandele mal ab in: „…solltest du es vor allem gar nicht erst schreiben.“ Was es auf Facebook also nicht mehr geben wird, ist der private Enno, auch wenn der bei allem, was sich schreibe, natürlich immer zwischen den Zeilen hockt. Den gibts weiterhin in der Margarethe F. und auf der Jour Fitz, per Mail und vielleicht irgendwann mal in der Diaspora oder wo auch immer das Private Web eines Tages Wirklichkeit wird. Bedankt euch bei Zuckerberg.




  • Links der Woche

    Reblogged

    Ich hab nen ganzen Stapel Blogposts, die ich zu gerne auch hier veröffentlichen würde, was aber im Volltext nicht geht, weil ich sie nunmal beruflich schreibe. Manchmal habe ich sie hier angerissen und mit einem „Weiterlesen“-Link versehen, was aber bei der Leserschaft auch nicht so gut ankam. Also habe ich eine Umfrage gestartet und freue mich, dass die Variante am meisten Stimmen bekam, die mir selber auch am besten gefällt: Eine Zusammenfassung aller Posts als wöchentliche Linksammlung. Manche mögen zwar keine Linksammlungen, aber ignorieren kost nix. Here we go:

    Zum Schluss

    Im folgenden sehen Sie einen Wahlwerbespot der Christlich Demokratischen Union – CDU. Für den Inhalt der Wahlwerbung sind die Parteien verantwortlich.

    (Die meinen das wirklich ernst, oder?)


  • Facebook: Frau Aigner spielt Sack Reis

    Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner macht einen auf Datenschutzministerin. Schießt gerne quer, mal in Richtung Google, mal in Richtung Facebook. Löbliche Sache eigentlich, aber ihre lächerliche Drohung, ihr Facebook-Profil zu schließen, wenn sich nichts ändert, ist für Facebook ein Sack Reis, der in China umfällt.

    Weiterlesen es bei Yucca Tree Post