Schlagwort: Erfahrungsbericht


  • Eine Woche voller Palmtage

    Der Palm Pré kommt in einer sehr schön gestalteten Schachtel. Allein das Auspacken ist so sexy, dass man das Telefon mindestens einen Tag lang lieben muss. Dabei mutet es mit seiner Hochglanzoptik ein wenig wie ein „Frauenhandy“ an. So ist z.B. im Slider ein kleiner „Schminkspiegel“ integriert. Ja OK, eigentlich ist der für Selbstportraits gedacht.

    Aufschieben tut man das Gerät ansonsten, weil man Tippen will: Obwohl es einen Touchscreen hat, fehlt die Bildschirmtastatur und man hackt auf winzigen QUERTZ-Knöppen herum. Die sind allerdings so gestaltet, dass Tippen mit westeuropäischen Händen tatsächlich möglich ist. Mit Winztastaturen im Blackberry oder beim Palm Treo bin ich nie klargekommen. Auf dem Palm Pré geht’s, aber trotzdem ist meine Tippfehlerquote z.B. auf Twitter sehr viel höher als zuvor mit klassischem Handy und Zifferntastatur. Speziell einhändiges Tippen ist ziemlich fummelig, aber ich gewöhne mich langsam dran. Das Pré ist immerhin das einzige Handy mit QUERTZ-Tastatur auf dem ich überhaupt einhändig mit nur einem Daumen tippen kann, während ich das Gerät in der gleichen Hand halte. So ein kleines Detail ist in beim Herumtragen von Einkaufstüten oder bei Stehplätzen in der U-Bahn einfach wichtig.

    Als Anfänger schiebt man das Telefon außerdem noch auf, um die Tastensperre aufzuheben, aber nur, bis man verstanden hat, dass dafür der Ein-Ausschalter oben rechts gedacht ist. Ein- und ausschalten kann der natürlich auch, dafür muss man allerdings etwas länger drücken. Und Geduld haben. Das Handy braucht fast 2 Minuten zum Booten. Das ist schlecht, wenn man wie ich die Angewohnheit hat, es während der Arbeit längere Zeit auszuschalten und es in den Pausen zwischendurch dann doch benutzen möchte. Ausschalten tue ich, um Strom zu sparen: Die Akkulaufzeit ist unzureichend. Ich will mindestens von 8 bis 20 Uhr mein Handy benutzen können. Das Nokia N86 z.B. schafft bei intensiver Nutzung locker 24 Stunden bis mehrere Tage. Angeblich soll Update auf Web OS 1.3.1 helfen, was ich nicht getestet. Es erscheint in den nächsten Tagen für deutsche Prés.

    Das Gehäuse insgesamt ist sehr handschmeichlerisch verarbeitet, die Rückseite aber ein wenig zu glatt. Kauft man sich jedoch einen Touchstone zum drahtlosen Laden via Induktion dazu, braucht man auch ein anderes Gehäuseteil, welches matt ist und sehr viel angenehmer in der Hand liegt. Überhaupt der Touchstone: Einfach nur sexy. Ich verspürte spontan das Verlangen, mir ein paar passende Designermöbel dazu zu kaufen. Der Zukauf eines Touchstone ist allerdings kein reiner Luxus: ich empfehle ihn dringend, weil die Ladebuchse sich hinter einer  Abdeckung verbirgt, die äußert friemelig abgefummelt werden muss und nicht den Eindruck macht, als ob die das lange überlebt. Beim induktiven Laden über den Touchstone gibt es noch einen anderen Stolperstein: Es sollten keine metallischen Gegenstände wie z.B. ein Schlüsselbund in unmittelbarer Nähe liegen. Wenn doch, könnte man am nächsten Tag merken, dass der Pré gar nicht (richtig) aufgeladen wurde…

    Palm Pre lädt induktiv auf dem Touchstone

    Das Display ist von äußerst guter Qualität und sogar einen Tick besser als das des iPhone. Es lässt sich auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesen. Auch wenn es etwas kleiner als beim iPhone ist, hat es die gleiche Auflösung. Dadurch ist das Handy insgesamt kleiner, was ich sehr angenehm finde.

    Wenn wir schon beim Design sind: Oft wurde die scharfe Unterkante als „Käsemesser“ verspottet oder gar als Gefahr angesehen. Das ist albern. Das Palm Pré hat einige Schwächen und Nachteile, aber die Gehäusekante gehört definitiv nicht dazu. Insgesamt ist die Verarbeitung sehr gut, kommt aber nicht an die Wertigkeit eines iPhone heran. Der Slider hat geringfügig Spiel, was aber nicht der Rede wert ist – schon gar nicht im Vergleich zu den meisten anderen Slider-Geräten.

    Bleibt an Hardware noch die Kamera: Die Bildqualität ist gerade eben so akzeptabel, vergleichbar mit der vom iPhone. Videos kann man nicht aufnehmen. Vom N86 aus ein klarer Rückschritt, vor allem, wenn man wegen der einigermaßen guten Qualität vieler Fotohandys auf eine separate Digicam verzichtet, weil man die sowieso nie dabei hat. Wenn die Kamera schon nichts kann und niedrig auflöst, so hat Palm sich wohl gedacht, kann auf einen Steckplatz für Speicherkarten zu verzichten. OK, mit den 8 GB komme ich prima hin. Schade ist es aber trotzdem. Wer z.B. viel Musik auf dem Handy mitnimmt, füllt den Speicher im Handumdrehen an die Schmerzgrenze.

    Die Software

    Da ist zunächst das Betriebssystem WebOS von Palm, welches wirklich gelungen ist. Es läuft auf einem Linux-Kernel, welcher sich leicht rooten lässt, sodass man mit dem Handy tatsächlich jeden Mist per Shell anstellen kann. So gibt es z.B. schon eine Anwendung für Tethering, was das Palm Pré offiziell gar nicht kann. Vermutlich wird auch eine Video-App nicht lange auf sich warten lassen.

    WebOS ist allen Smartphone-Systemen, die ich bisher persönlich testen konnte, überlegen. Die Darstellung der verschiedenen Programme als Karten, zwischen denen man per Fingerwisch umschaltet, ist schlichtweg genial. Obwohl WebOS im Detail einige Kinderkrankheiten hat, ist es meiner Meinung nach dem OS X des iPhone überlegen, auch wenn einzelne Dinge im iPhone besser gelöst sein mögen.

    Grundsätzlich, unabhängig vom Modell, hat das Konzept „Touchscreen“ durchaus Schwächen, da der Anwender kein unmittelbares Feedback erhält, wenn er etwas angeklickt hat. Das Feedback muss die Software sofort liefern, oder das Gerät ist nicht benutzbar. Die bis heute einzigen brauchenbaren Touchscreen-Geräte sind deshalb nach wie vor das iPhone und das Palm Pré. (Besonders enttäuscht war ich in diesem Zusammenhang übrigens wegen hoher Latenzen vom Nokia N97.)

    Also: Der Touchscreen ist sexy, aber fummelig. Er reagiert z.B. oft auf die dicke Stelle meines Daumens, obwohl ich eigentlich mit der Spitze klicken will. Ein Touchscreen erfordert Aufmerksamkeit des Anwenders: Man muss schon hinsehen, wenn man das Gerät bedient. Bei klassischen Handys lernt man schnell die Abfolgen von „Rauf-runter-links-rechts-Zahlentasten-OK“ auswendig, was eine quasi-blinde Bedienung ermöglicht. Geräte mit Touchscreen sind also in manchen Situationen prinzipiell weniger praktisch. Editiert man z.B. einen Text, ist es immer eine fummelige Angelegenheit, den Curser nachträglich an einen bestimmte Stelle zu setzen. Hier vermisst man Pfeiltasten wirklich schmerzhaft. Allerdings verbringt man am Anfang auch ein wenig Zeit damit, die sichere Bedienung zu erlernen. So empfand ich das Palm Pré als umständlich gegenüber dem N86, bis ich das N86 doch wieder einen Tag in Benutzung hatte…

    Eines der Highlights von WebOS ist die sehr gute E-Mail-Software. Leider konnte ich sie nicht dazu überreden, via SSL auf meinen IMAP-Account zuzugreifen. Und man sollte vorsichtig sein: Eine Mail löscht man, in dem man sie mit dem Finger nach rechts hinauswischt. Dabei ist es mir schon zwei mal passiert, dass ich versehentlich die falsche Mail gelöscht habe. In einem Fall konnte ich sie aus dem Papierkorb fischen, in einem anderen Fall nicht. (Warum, weiß ich bis heute nicht.)

    Je nach Mentalität ein Nach- oder Vorteil ist, dass der Pré permanent Mails abholt. Die Möglichkeit, das nur bei Bedarf zu tun, wenn man den E-Mail-Client startet, besteht nicht. So wird man immer über eingehende Mails informiert, verbraucht aber auch ein wenig Traffic. Eine UMTS-Flatrate ist aber bei Geräten wie dem Pré sowieso Pflicht. Update: Wie Tom und in den Kommentaren schreibt, kann man dem E-Mail-Programm sagen, wie oft es syncen soll. Dass Nutzer eines Pré eine Datenflaterate haben sollten, gilt aber trotzdem. Mit der nach 200 MB auf GPRS gedrosselten UMTS-Flat von O2 komme ich als Intensiv-Nutzer übrigens prima hin.

    Wichtigste Anwendung nach SMS ist auf meinem Handy natürlich Twitter. Der kostenlose Client „Tweed“ ist sehr luxoriös und hat allerlei Funktionen, die ich sonst nur vom Desktop-Client kannte. Als Twittermaschine macht der Pré sehr viel Spaß.

    Tweed auf dem Palm Pré

    Enttäuschend sind die Business-Funktionen. Gut, dafür gibt es eigentlich andere Geräte, aber trotzdem: Gerade von Palm mit seinen tollen Handhelds und dem immer noch ausgezeichneten Palm Desktop hätte ich da mehr erwartet. Ich kann den Pré nicht ohne Zusatzsoftware mit den Daten auf meinem Mac oder PC abgleichen. (Stattdessen wird ständig ein Backup in der Cloud gespeichert, was sich aber abschalten lässt.) Lustigerweise hat O2 es auch versäumt, seinen ziemlich brauchbaren „Communication Center“ so anzupassen, dass man damit seinen Pré syncen könnte, was etwas seltsam ist, da das Pré in Deutschland exklusiv von O2 vermarktet wird.

    Termine und Aufgaben sind dazu da, sich an sie zu erinnern. So hat eigentlich jedes Telefon einen Startscreen, das die aktuellen Todos und Termine als erstes und immer anzeigt, wenn kein anderes Programm läuft. Das vermisse ich beim Pré schmerzlich und hoffe auf eine entsprechende App, die ich standardmäßig laufen lassen würde. Das einzige, was der Startscreen bietet, ist eine Art Programmstarter für die 5 wichtigsten Programme, was mir eigentlich zu wenig ist. Ein Druck auf einen Pfeil öffnet eine mehrseitige Übersicht über alle Programme, ähnlich wie man sie vom iPhone kennt.

    Kalender und Aufgabenlisten schwächeln noch in anderer Hinsicht. Starte ich die Aufgabenliste, so muss ich als nächstes zwischen verschiedenen Unterlisten wählen. Alles in einer Liste wäre da doch erheblich übersichtlicher, zumal es keine erkennbare Sortierung à la „das wichtigste/dringendste zuoberst“ gibt. Die Aufgabenlisten im Palm Pré sind da eher wie mehrere Notizzettel, die im Portemonnaie herumfliegen.

    Der Kalender ist etwas besser, zeigt aber morgens nicht unbedingt an, dass abends ein Termin ansteht, je nachdem, welcher Bildschirmausschnitt angezeigt wird. Die berühmte Ziehharmonika-Optik wird erst sichtbar, wenn mindestens 2 Termine angezeigt werden. Auch kann der Kalender Termine nicht jährlich wiederholen. Das hatte mich wegen der Geburtstage sehr geärgert, bis ich gemerkt habe, dass man die Geburtstage in den Kontakten speichern kann. Dann werden sie auch im Kalender angezeigt. Viele solcher Kleinigkeiten bekommt man erst mit der Zeit z.B. im Webforen heraus, weil das beiliegende Handbuch ein Witz ist und die Online-Hilfe leider auch. Nicht einmal alle Gesten, die das Gerät erkennen kann, werden dem unbedarften Neuanwender vorgestellt.

    Als großer Vorteil von WebOS wird oft genannt, dass es Daten aus allen möglichen Online-Quellen zusammenführt. Das wird zwar viel gelobt, ist aber in der Praxis irrelevant, weil ich z.B. einen Großteil meiner Facebook-Kontakte nicht unbedingt im Handy speichern will, umgekehrt aber massenhaft Kontakte im Handy stehen, die nicht auf irgendwelche Webseiten gehören. Was auch fehlt, ist eine offene API, damit Anbieter wie Xing einfach auch ihre Kontaktdaten zum Abgleich bereitstellen können. Ich synce meinen Pré also weder mit Google noch mit Facebook oder sonst wem, sondern via Missing Sync mit einem lokalen Rechner.

    Ausgezeichnet hingegen ist der Browser, der wie beim iPhone auf Webkit basiert und sich ganz ähnlich bedienen lässt. Surfen ist mit dem Pré eine Freude. Dass es in Details besser geht, zeigt aber Opera Mini, der zwar spartanischer ist, aber z.B. beim Zurückgehen zur vorherigen Webseite diese einfach fertig gerendert aus seinem Cache liest, während Pré und iPhone da umständlich Sachen nochmal laden und neu rendern. Die Browser im iPhone und im Pré sind da etwas langsamer, aber natürlich schöner und in der Darstellung nicht mobil-gerechter Webseiten anderen Handy-Browsern weit überlegen. Beim Pré versucht der Browser übrigens, Text so intelligent wie möglich lesbar dazurstellen. Das kann manchmal dazu führen, dass Überschriften auf Webseiten kleiner sind als der eigentliche Text. Auf Geräten wie Pré und iPhone erwarte ich eigentlich, dass Webseiten wirklich genau so dargstellt werden wie auf einem PC.

    Das iPhone wurde ja oft belächelt wegen des zunächst fehlenden Copy&Paste, was das Pré von Anfang an konnte. Hier muss man aber relativieren: Copy&Paste ist auf dem Pré leider wesentlich schlechter gelöst als auf dem iPhone. Und es steht nicht systemweit zur Verfügung. So ist es z.B. nicht möglich, einen Absatz aus einer Webseite in eine E-Mail einzufügen. Auch hier soll aber das kommende Update Besserung bringen.

    Dafür ist das Pré aber nicht nur durch sein Multitasking und seine GUI anderen Touchscreen-Smartphones wie dem iPhone überlegen, sondern auch durch eine andere nette Kleinigkeit: Systemmeldungen aller Art (z.B. eine eingehende SMS) unterbrechen den Anwender nicht bei dem, was er gerade tut, sondern werden dezent am unteren Rand eingeblendet. Hier hat Palm mal wirklich darüber nachgedacht, was Benutzer anderer Telefone nerven könnte.

    Fazit

    Das Palm Pré ist das einzige Touchscreen-Smartphone, das es ernsthaft mit Apples iPhone aufnehmen kann. In manchen Punkten ist es unter-, in anderen aber überlegen und bügelt viele Schwächen wie den nicht wechselbaren Akku oder die feste Vertragsbindung an T-Mobile aus. Technisch gesehen und vom reinen Nutzwert her ist es besseren klassischen Telefonen wie dem Nokia N86 deutlich unterlegen. Eigentlich war ich deswegen schon drauf und dran, den Pré wieder zu verkaufen und weiterhin das Nokia zu nutzen. Problem nur: Das N86 macht mir einfach keinen Spaß mehr. Die Meckerei am Pré oder iPhone ist also Vergleichbar mit der Haltung derer, die permanent ihre Linux-Shell benutzen und Windows- oder Mac-Anwender als Mausschubser bezeichnen.

    An die Touchscreen-Bedienung kann man sich dermaßen gewöhnen, dass man normale Handy nur noch als Elend empfindet, wenn man mehr damit macht, als bloß zu telefonieren. Übrigens das einzige, was ich mit dem Pré noch nicht gemacht habe. Die Klangqualität soll aber sehr gut sein.


  • Alles neu macht der September (2): Windows 7

    Ihr dürft es erst nächsten Monat kaufen, wir haben es schon per MSDN bekommen: Windows 7. Ich verkneife mir einen ausführlichen Testbericht: Die Computerzeitschriften und das Internet sind sowieso voll davon. Hier nur ein kleiner Erfahrungsbericht:

    Hardware: Installiert habe ich es auf einem schon etwas älteren IBM Thinkpad R52 mit 2 GB RAM, einem Pentium-M und einer mobilen ATI-Radeon. Installiert habe ich auf eine völlig leere Festplatte (alles andere halte ich sowieso für grob fahrlässig). Die Installation von DVD dauerte etwa 30 Minuten und verlief völlig problemlos. Die wenigen noch fehlenden Treiber besorgte Windows sich über das Internet, sobald Verbindung bestand. Das war das erste mal, dass ich jemals ein Betriebssystem frisch installiert habe und keinerlei Treiber nachinstallieren musste. (Mac OS X zählt nicht, schließlich läuft das ja nativ nur auf einer Handvoll Rechner.) Es fehlt lediglich die Software für den sowieso überflüssigen weil unsicheren Fingerprintreader (der Treiber selbst ist allerdings vorhanden).

    Software: Die Anwendungen musste ich natürlich anschließend frisch installieren und meine Daten zurückkopieren. Das System ist hier seit einem Monat im produktiven Einsatz (Diplomarbeit schreiben, Mail, Internet, diverse Tools, IDE) und lief bis auf eine Kleinigkeit vollkommen stabil. Die Kleinigkeit: Ein einziges mal in diesen vier Wochen hinterließ ein Grafik-Effekt einen Schatten bis zum nächsten Neustart auf dem Display. Vermutlich irgendwas mit dem Grafik-Treiber.

    Performance: Windows 7 ist schnell. Wie die c’t in ihren Testberichten schon mehrfach geschrieben hat, unterscheiden sich Windows XP, Vista und 7 nicht messbar voneinander. Wichtig ist jedoch nicht nur die Messung, sondern auch, wie schnell sich das System anfühlt. Hier hatte Vista vollkommen versagt und hier macht es Windows 7 vollständig wieder gut, meiner Meinung nach sogar noch einen Tick besser als Windows XP, dessen Multitasking etwas unrunder läuft, wenn man mehrere rechenintensive Dinge gleichzeitig auf einer Single-Core-CPU laufen lässt. Ansonsten: Kopieren geht schneller, booten geht schneller, Aufwachen aus dem Schlafmodus geht schneller und in beiden Fällen ist der Desktop sofort bedienbar. Die Windows-typische Gedenkminute scheint passé.

    Die neue GUI: Immer noch für meinen Geschmack zuviel Bombast, obwohl Microsoft hier versucht hat, insgesamt einen Tick dezenter aufzutreten als mit Vista. Dialoge sind häufig immer noch überfrachtet und der ganze Grafikschnickschnack ist doch arg Geschmacksache. Hier sind mir Mac OS X und Gnome wesentlich lieber. Trotzdem ziehe ich die moderne GUI dem tristen Mausgrau von Windows XP vor (egal ob in Bonbon- oder Steinzeit-Optik).

    Kompatiblität: Mir ist keine Anwendung untergekommen, die nicht laufen wollte (was ich allerdings auch nicht allzu intensiv getestet habe). Die eine oder andere Anwendung aus XP-Zeiten läuft sogar anstandslos, ohne irgend einen „Modus“ zu konfigurieren wie unter Vista, obwohl das natürlich weiterhin geht. Den auf einer virtuellen Maschine basierenden XP-Modus habe ich mangels Bedarf noch nicht benutzt. Dasselbe gilt für DOS-Programme.

    Sicherheit: Glaubt man der c’t, ist sie genauso hoch wie bei Vista, wenn man die UAC auf die höchste Einstellung setzt. Direkt nach der Installation ist sie in mittlerer Einstellung. Auch in der höchsten Einstellung nervt Windows 7 erheblich weniger als Vista. Nachfrage-Screens sehe ich außer direkt nach der Installation nur noch sehr selten. Zugriffe auf Programme wie WAMP, die sich gerne außerhalb der gängigen Benutzerverzeichnisse auf C:\ installieren wollen, funkionieren problemlos wie unter XP (in Vista gab es immer entweder Fehlermeldungen oder Dateiänderungen standen wegen virtuell eingeblendeter Verzeichnisse im Nirvana). Und ja: die UAC ist wichtig. Wegen ihr hatte ich bisher gerade Menschen mit geringen Computerkenntnissen grundsätzlich zu Vista geraten.

    Angenehme Kleinigkeiten: Fenster maximieren oder minimieren sich automatisch, wenn man mit der Maus am Titelbalken zieht. Oder sie nehme exakt den halben Bildschirm ein, wenn man sie an den rechten oder linken Rand zieht. Brauche ich eigentlich selten, aber wenn, ist das überaus praktisch. Das Tray ist jetzt nicht mehr so chaotisch zugemüllt. Die neue Taskleiste, die dem Dock von Mac OS X nachempfunden ist, ist wesentlich funkionaler. Das Startmenü hat bei mir weitestgehen ausgedient, aber wenn ich es benuzte, klappen die Unterverzeichnisse jetzt wieder in angemessener Geschwindigkeit auf. Laufende wie nicht laufende Programme passen in die Leiste und das Umschalten zwischen verschiedenen Fenstern ist ebenfalls sehr schlicht und praktisch gelöst.

    Da muss ich – ein alter Microsoft-Basher vor dem Herrn – einmal anerkennen: Microsft hat hier einen sehr guten Job gemacht. (Und nein, ich kriege kein Geld von denen und werde auch nicht mit vorgehaltener Waffe gezwungen, das hier zu schreiben. Echt nicht.)


  • Alles neu macht der September (1): Das Nokia N86

    Vor rund vier Wochen scheiterte meine Suche nach einem geeigneten Smartphone. Weiter auf das Palm Pre oder das Nokia N900 warten ging nicht, da mein Nokia N95 den Geist aufgegeben hatte und ich umgehend Ersatz brauchte. Viel Geld ausgeben ging auch nicht mangels Budget. Nach einigem hin und her entschied ich mich für das Nokia N86. Es ist ein ganz normales Handy, hat also kein riesiges Display, keinen Touchscreen, keine Quertz-Tastatur usw.

    Da ich nicht mehrere Geräte mit mir herumtragen will, ist es mir sehr wichtig, Notizen, Termine und Adressen auf dem Handy immer parat zu haben und vor allem auch mit dem PC abgleichen zu können. Das klappt mit der beiliegenden Nokia-Software wunderbar unter Windows XP und Windows 7. Vista habe ich nicht gestet, sollte aber auch keine Probleme bereiten. Ebenfalls ausreichend war die Synchronisierung mit Mac OS X mit passendem iSync-Modul. Hier bleiben leider die Notizen auf der Strecke. Da ich in einer Phase war, wo ich sowieso alles wichtige auf meinen Laptop verlegt hatte, nicht weiter schlimm. Für etwas mehr Geld gibt es passende Sync-Software, die das auch kann. Vielleicht demnächst mal.

    Das N86 verfügt über ein sattes und helles Display, das nur bei strahlendem Sonnenlicht nicht mehr gut lesbar ist. Auch wenn das Gerät zur N80er-Reihe gehört, ist es den großen Brüdern N95 und N96 mindestens ebenbürtig und gleichzeitig schöner und besser verarbeitet. Es ist einem runden, etwas weichen und sehr handschmeichlerischen Kunststoff-Gehäuse eingelassen. Der Slider knackt nicht wie beim N95 sondern fährt butterweich. Er ist mir im Gegensatz zum N95 bisher auch nicht versehentlich in der Hosentasche aufgegangen. Die Tasten wurden in manchen Tests als schwammig bewertet, was ich so nicht bestätigen kann. Lediglich die zentrale OK-Taste, die als Mulde in einen Steuerkranz eingelassen ist, bediene ich gelegentlich fehl. Hier wäre eine andere Tastenform besser gewesen. Die Optik des Gerätes erinnert stark an das iPhone mit einer Front aus gehärtetem Glas (welches kaum verschmiert), eingelassen in einen schwarzglänzenden Metallrahmen. Man hat das Gefühl, ein hochwertiges Gerät in der Hand zu halten, was ich von vielen teureren Handys und Smartphones nicht sagen könnte. Ebenfalls schön, dass auch Nokia endlich auf den Dreh gekommen ist, dass man ein Handy ja auch über den USB-Anschluss aufladen kann.

    Eher Überflüssiges Goodie: Auf der Rückseite ist ein kleiner Klappständer eingelassen, mit dem man das Handy hinstellen kann. Dann dient es als digitaler Mini-Bilderrahmen, zum Video-Gucken mit mehreren oder einfach nur als (tatsächlich äußerst schicke) Uhr. Etwas nervig ist der Lagesensor, der den Bildschirm-Inhalt kippt, sobald man das Handy schräg hält. Das passiert öfter, als sinnvoll wäre, und man fängt an zu fuchteln, um den Bildschirm wieder in die Ausgangslage zu bringen. Ist aber nicht schlimm. Einfach abschalten. Querformat stellt sich weiterhin automatisch ein, sobald man den Slider nach unten schiebt oder die Klappe der Kamera öffnet.

    Die Benutzerführung ist identisch mit den übrigen Nokia-Telefonen und an vielen Stellen vereinfacht. Wie immer bei Symbian sucht man bestimmte seltene Einstellungen oft ewig in den verzweigten Untermenüs. Am meisten stört mich, dass ich das Anrufprotokoll nicht finden kann. Entweder habe ich etwas übersehen, oder Nokia hat das Protokoll mit den Nachrichten zusammengefasst. Das führt dann dazu, dass mir ein entgangener Anruf nur dann mit Uhrzeit und Absendernummer angezeigt wird, wenn der Anrufer nicht auf meine Box gesprochen hat. Sprach der drauf, bekomme ich stattdessen ausschließlich die Mitteilungs-SMS, der ich diese Daten leider nicht entnehmen kann. Da ich schlecht höre, finde ich es lästig, das erst über die Box herauskriegen zu müssen. Vielleicht habe ich aber auch nur etwas übersehen und oder nicht verstanden. Wer mich kennt, weiß sowieso, dass es sowieso sinnlos ist, mich telefonisch erreichen zu wollen.

    Davon abgesehen klappt allerdings fast alles wie gedacht und meist auf Anhieb, auch wenn es darum geht, E-Mail zu konfigurieren oder sich mit dem Internet zu verbinden. Der eingebaute Browser ist weiterhin schwach. Ich habe ihn durch Opera Mini ersetzt, mit dem ich vollauf zufrieden bin, jedenfalls im Rahmen dessen, was auf einem klassischen Slider mit kleinem Display machbar ist. Leider ist es weiterhin nicht möglich, irgendwo einen Standard-Browser einzustellen, so dass Links aus Twibble immer noch im Symbian-Browser statt in Opera geöffnet werden. Dafür spielt der Symbian-Browser mittlerweile Flash-Seiten und Youtube-Filme ohne separate Anwendung ab. Leider tut er das bei voller lautstärke, auch wenn das Handy stummgeschaltet ist. Man sollte also vorsichtig sein, was für Links man in der U-Bahn gerade so anklickt. Das N86 ist das erste Handy, mit dem bei mir Tethering in Verbindung mit der Nokia-Suite einfach, ohne langes Nachdenken und vor allem auch stabil funktioniert: sehr gute UMTS/Edge-Performance (HDSPA 3,6 MBit) auch bei schlechtem Empfang.

    Wichtig ist mir die eingebaute Kamera. Ich habe mittlerweile keine eigene Digitalkamera mehr aus einem simplen Grund: Ich habe sie nie dabei, wenn ich ein Foto machen will. Ich brauche ein Handy, das wenigsten einigermaßen brauchbare Bilder produziert. Und das tut das N86 allemal. Leider schlägt hier der Megapixelwahn zu. Geworben wird mit der gigantischen Auflösung von 8 MP. Das führt aber leider zu den üblichen Krankheiten: Die sonst hochwertigen Bilder sind im Vergleich zum N95 oder SonyEricsson K800i öfters mal verrauscht, sobald es etwas dunkler wird. Die Fotoleuchte ist kein richtiger Blitz und kann das leider nicht ausgleichen. Nett ist sind Goodies wie die Möglichkeit, Videos in fernsehtauglicher VGA-Auflösung aufzunehmen oder eine Panorama-Funktion, die mehrere nebeneinander geschossene Bilder automatisch zu einem Panorama-Bild zusammensetzt.

    Die Musikfunktion habe ich noch nicht genutzt. Was aber Spaß macht: Das Handy als Radiosender missbrauchen. Es sendet die laufende Musik auf einer UKW-Frequenz, die man dann z.B. im Autoradio einstellen kann. Klingt nicht überragend, ist aber außerordentlich praktisch und fast immer besser, als irgendwelche mitgeführten Brüllwürfel. Will man sich das Gerät mit Musik vollknallen, kommt man natürlich mit den eingebauten 8 GB Flash-Speicher nicht allzu weit. Lässt man es, ist es aber geradezu paradiesisch, sich keine Gedanken darüber machen zu müssen, für wieviele Bilder der Speicher noch reicht und auch Videos von mehr als ein paar Sekunden Dauer sind kein Problem.

    Bleibt noch eine der wichtigsten Fragen überhaupt: Wie hält der Akku? Fabelhaft. Telefoniert man nur mit dem Handy, hält er vermutlich tagelang. Ich hatte schon mehrere Tage, an denen ich viel unterwegs war, das Handy permanent Twitter aktualisierte, ich GPS nutzte oder unterwegs was im Netz nachschlug und das ganze teils über UMTS, teils über WLAN tat. Ich habe es bisher nicht geschafft, den Akku bis zum Ende des Tages leer zu bekommen, selbst dann nicht, als sich an einen langen Tag noch eine ebenso lange Nacht anschloss. Das kenne ich so von keinem anderen Gerät mit vergleichbarem Funkionsumfang bei vergleichbarer Nutzung. Der Akku braucht zum vollen Aufladen zwar mehrere Stunden, kennt aber eine Schnell-Ladung, will heißen: eine halbe Stunde bis Stunde ans Netz und der Akku reicht wieder für die nächsten Stunden.

    Überhaupt die GPS-Funktion. Was beim N95 noch in Konfigurationsorgien ausartete, funktioniert beim N86 einfach und dazu noch äußerst genau, indem für die Ortung GPS, umgebene WLANS und die Funkzellen kombiniert werden. Das GPS-Programm hat bei mir Google Maps vollständig ersetzt, weil sie einfach schneller und einfacher funktioniert und ohne weitere Software oder Zukauf an Karten als perfekter Zufuß-Navi dient.

    Zum Schluss: Telefonieren. Was ich ja eigentlich nie mache. Selbstredend klappt das Koppeln via Bluetooth mit meinem Smartlink völlig problemlos. Die Klangqualität ist dabei besser als beim N95. Über den Klang des eingebauten Höhrers kann ich nichts sagen, nur darüber, dass das Handy eine sehr gute, äußerst laute und äußerst klare Lautsprechfunktion hat, die mir z.B. das Abhören der Mailbox sehr erleichert, wenn ich das Smartlink nicht zur Hand habe.

    Nicht getestet, da bisher nicht gebraucht: NGage-Spiele, Quickoffice, 2. Kamera für Video-Telefonie, Sprachsteuerng, Kopfhörer. Ich fürchte, ein kommendes Smartphone wird es – Touchscreen hin, Touchscreen her – schwer haben, mich zu überzeugen, solange es nicht wenigstens die meisten Funktionen so elegant löst wie das N86.

    Fazit: Absolut hervorragendes Handy mit sehr sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis.