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Hitchhiker’s Guide to Feminism (Teil 1 oder Einleitung oder so)

tl;dr: Ich habe vermutlich Langeweile und will ein paar Maskutrolle ärgern.

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Dem Feminismus begegnete ich früher mal mit Schulterzucken und leichter Ablehnung. Ich empfand ihn als gestrig. Was Feminist_innen beklagen, entsprach einfach nicht meiner Lebensrealität. Ich bin doch gar nicht frauenfeindlich, möchte doch selber Gleichberechtigung. All die Anklagen und Vorwürfe: das kam in meinem Alltag nicht vor und klang bisweilen hysterisch. Es überrascht mich nicht, wenn Männer (und Frauen) deshalb mit Abwehrhaltung reagieren. Dazu noch den einen oder anderen ZEIT-Artikel über fehlende männliche Vorbilder in Grundschulen voller weiblicher Lehrerinnen oder Väter, die für das Recht kämpfen müssen, ihre Kinder zu sehen – und fertig ist der Maskulist und und vielleicht gar Frauenfeind.

Dieses Schicksal ist mir zum Glück erspart geblieben. Irgendwann fing ich an, mich am Rande mit Feminismus zu befassen (sehr hilfreich dabei: das Blog „Aus Liebe zur Freiheit“ von Antje Schrupp). Schuld war der Eintritt in die Piratenpartei und der dort immer wieder aufflammende Streit um Feminismus. Ihm wurde eine Ideologie des „Postgender“ entgegengesetzt. Unterschreibe ich sofort: Es ist toll, wenn wir uns alle gegenseitig einfach wie Menschen behandeln, ohne auf das Geschlecht zu schauen. Der Witz ist nur: Genau das wollten die Feminist_innen von Anfang an: Gleichberechtigung und Gleichbehandlung. Postgender ist also eine Nebelkerze. Meiner Erfahrung nach wird sie von Maskulisten und Antifeministen benutzt, um ihr frauenfeindliches Weltbild zu verschleiern, und von wohlmeinenden Menschen aufgegriffen, die Feminismus mit Männerhass verwechseln.

Die Heftigkeit, mit der Feminist_innen in der Piratenpartei bekämpft wurden, hat mich erst so richtig auf das Thema aufmerksam gemacht. Da passierte etwas, was in meinem Alltag sonst nicht vorkommt. Das war kein politischer Diskurs: Maskulisten zogen sämtlicher Register von Beleidigung bis Trollerei, um Femnist_innen oder oft auch einfach nur Frauen zu mobben. Keine Anspielung auf Äußerlichkeiten wie Kleidung oder Brüste war zu plump, um nicht vom irgendwem getätigt zu werden. Viele Piraten erschienen mir weniger postgender als vielmehr pubertär. Das vergiftete Klima war sogar Anlass für meinen vorübergehenden Austritt: Ein Admin baute ungefragt einen Filter in die Kommuniaktionskanäle ein, der automatisiert gegenderte Formen wie das „*“ durch die maskuline Form zu ersetzt. Dabei ist gegenderte Sprache nichts weiter als der Versuch, tatsächlich „postgender“ zu sein und Menschen sprachlich nicht mehr nach Geschlecht zu unterscheiden, wo dies nicht nötig ist.

Ein beliebtes Sujet im unnötigen Piratenkrieg der Geschlechter ist das Schimpfwort „Sexist“. Der scheint oft von Leuten zu kommen, die gar nicht so genau wissen, was Sexismus eigentlich ist. Sexismus hat nichts mit Sex zu tun. Es geht nicht darum, ob irgendwelche Darstellungen, z.B. in der Werbung, zuviel Sex enthalten, sondern darum, dass Menschen nach ihrem Geschlecht (Englisch: „sex“) unterschiedlich dargestellt oder behandelt werden. Wenn irgendwo ein „Sexistische Kackscheiße„-Aufkleber drauf ist, dann weil Frauen abwertend dargestellt werden. (Ich weiß, das ist eigentlich Allgemeinbildung, aber die Erfahrung nötigt mich, das an dieser Stelle nochmal klar zu sagen.)

In die Realsatire gleitet die Debatte immer dann ab, wenn Maskulisten behaupten, Feministen seien ja selber sexistisch, wenn sie ihre Forderungen formulieren. Das ist wirklich lustig, denn feministische Forderungen zielen ja auf Gleichbehandlung, also auf die Vermeidung von Sexismus, während das Auftrennen in Maskulisten und Feministen nur neuen Sexismus produziert.

Ja, (Karriere-)Männer müssen um ihre Jobs bangen, wenn Frauenquoten zu erfüllen sind. Eigentlich ist das nur ein Verlust von Privilegien, die ihnen aufgrund ihres Penis zuerkannt wurden, aber Maskulisten wittern Diskriminierung: Schließlich seien die Frauen ja selber schuld, wenn sie nicht genauso hart an ihrer Karriere und Qualifikation arbeiten. Dabei übersehen sie, dass es die gesellschaftlichen Umstände sind, die Frauen genau das erschweren. Muss man sich mal klar machen: Frauen seien also selber schuld, dass sie weniger erfolgreich Karriere machen als Begründung dafür, es Frauen zu erschweren, Karriere zu machen. Ihr merkt es selber, oder?

Oft wird gesagt, Frauen wählen die falschen Jobs und entscheiden sich dann im Zweifel für ihr Kind und Teilzeit. Ich glaube nicht mehr, dass das am XX-Chromosom liegt, sondern eher an der Sozialisation. Barbie-Puppen und Action-Figuren, Pferdezeitschriften und Mickey Mouse, Spielekonsole und Schminkregal: Die Gesellschaft gibt sich wirklich viel Mühe, uns die Rollenbilder anzuerziehen, die wir eigentlich doch überwinden wollen. Ein Stück weit ist die Einstellung zum Feminismus sicher auch eine Altersfrage. An Schulen und Unis sind Frauen etwa gleich erfolgreich (je nach Fach), an die berühmte Gläserne Decke stoßen sie erst, wenn sie im Berufsleben stehen und vielleicht auch noch Kinder haben. Die meisten merken das erst so richtig, wenn sie über 30 sind und viele Leute in meiner Umgebung sind mit zunehmenden Alter feministischer geworden.

Eigentlich wollte ich über einen tendenziösen FAZ-Artikel schreiben, über Rape-Culture, Victim-Blaming und vielleicht noch über Kachelmann. Aber diese „Einleitung“ ist so lang geworden, dass ich sie erstmal so stehen lasse. Die Tage dann.

Update:

P.S.: Noch so eine Plattitüde kleiner Geister: Feminismus sei ja für Frauen, sonst würde er nicht so heißen. Der Name kommt daher, dass zu Zeiten der Frauenrechtsbewegung Frauen so krass diskriminiert wurden, dass er sich zwingend ergab. Wer denkt, Feminismus sei „Anti-Männer“ sollte sich das ganze nochmal in Ruhe bei einem Glas Bier erklären lassen.

P.P.S.: Spannend ist, dass das Postgender-Konzept aus dem Cyborg-Manifesto stammt. Die Visionäre waren der Ansicht, wenn wir unsere Körper modifizieren, können wir auch unser Geschlecht modifizieren. Das ist aber nicht „Postgender“ sondern eher „Postsex“. Klingt für viele nicht so erstrebenswert, daher der Begriff Postgender. Heute bezieht er sich auf das soziale Geschlecht.

P.P.P.S.: Ein schöner Zufall ist, dass mein Blog „Die Ennomane“ heißt, obwohl ich männlich bin. Ich mag dieses Spiel mit Geschlechterzuordnungen. Als der Name entstand, hatte ich damit aber noch nichts am Hut. Das Möbelstück im Logo heißt halt „die Ottomane„. Und ich eben nicht Otto sondern Enno.

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Diskriminierende Wörter

Anatol Stefanowitsch hat auf der Open Mind 12 einen wundervollen Vortrag über diskriminierende Sprache gehalten. Am Anfang geht es kurz und beispielhaft um das N-Wort – der Klassiker für dumme Argumentation à la „Meine Oma hat das Wort auch schon benutzt und ich meine das gar nicht diskriminierend.“ Kennt ihr alle und auch das Gefühl, irgendwann nicht mehr die Kraft, zu haben, das immer wieder neu zu erklären. Hiermit habt ihr dann wenigstens einen Link. (Später geht es dann hauptsächlich die linguistische Analyse von sprachlichem Sexismus und ab und zu darf man sehr lachen.)

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Links der Woche

Reblogged

Ich hab nen ganzen Stapel Blogposts, die ich zu gerne auch hier veröffentlichen würde, was aber im Volltext nicht geht, weil ich sie nunmal beruflich schreibe. Manchmal habe ich sie hier angerissen und mit einem „Weiterlesen“-Link versehen, was aber bei der Leserschaft auch nicht so gut ankam. Also habe ich eine Umfrage gestartet und freue mich, dass die Variante am meisten Stimmen bekam, die mir selber auch am besten gefällt: Eine Zusammenfassung aller Posts als wöchentliche Linksammlung. Manche mögen zwar keine Linksammlungen, aber ignorieren kost nix. Here we go:

Zum Schluss

Im folgenden sehen Sie einen Wahlwerbespot der Christlich Demokratischen Union – CDU. Für den Inhalt der Wahlwerbung sind die Parteien verantwortlich.

(Die meinen das wirklich ernst, oder?)