So gefährlich ist Handystrahlung wirklich

Sein Haus ist komplett abgedunkelt, Decken verhängen die Fenster, die Lampen sind aus den Wänden gerissen. Er wickelt sich in Metallfolie, und wer das Haus betreten will, muss das Handy draußen lassen. In der Hit-Serie Better Call Saul leidet der einst gefeierte Anwalt Chuck McGill an den Folgen von Elektrosmog. Alleine die Nähe zu eingeschalteten Elektrogeräten löst bei ihm Krämpfe aus.

In der Serie ist Chuck eine tragische, aber auch absurde Figur – denn wer wickelt sich schon in Metallfolie? Angst vor Elektrosmog haben aber tatsächlich viele Menschen, es muss ja nicht gleich so extrem sein wie in Better Call Saul. Viele fühlen sich gestört von den Strahlen von Handys, Routern und Elektromasten. Online-Ratgeber warnen davor, das Handy in der Hosentasche zu tragen, es könne ja unfruchtbar machen.

Weiterlesen bei VICE Motherboard

Alles neu macht der September (1): Das Nokia N86

Vor rund vier Wochen scheiterte meine Suche nach einem geeigneten Smartphone. Weiter auf das Palm Pre oder das Nokia N900 warten ging nicht, da mein Nokia N95 den Geist aufgegeben hatte und ich umgehend Ersatz brauchte. Viel Geld ausgeben ging auch nicht mangels Budget. Nach einigem hin und her entschied ich mich für das Nokia N86. Es ist ein ganz normales Handy, hat also kein riesiges Display, keinen Touchscreen, keine Quertz-Tastatur usw.

Da ich nicht mehrere Geräte mit mir herumtragen will, ist es mir sehr wichtig, Notizen, Termine und Adressen auf dem Handy immer parat zu haben und vor allem auch mit dem PC abgleichen zu können. Das klappt mit der beiliegenden Nokia-Software wunderbar unter Windows XP und Windows 7. Vista habe ich nicht gestet, sollte aber auch keine Probleme bereiten. Ebenfalls ausreichend war die Synchronisierung mit Mac OS X mit passendem iSync-Modul. Hier bleiben leider die Notizen auf der Strecke. Da ich in einer Phase war, wo ich sowieso alles wichtige auf meinen Laptop verlegt hatte, nicht weiter schlimm. Für etwas mehr Geld gibt es passende Sync-Software, die das auch kann. Vielleicht demnächst mal.

Das N86 verfügt über ein sattes und helles Display, das nur bei strahlendem Sonnenlicht nicht mehr gut lesbar ist. Auch wenn das Gerät zur N80er-Reihe gehört, ist es den großen Brüdern N95 und N96 mindestens ebenbürtig und gleichzeitig schöner und besser verarbeitet. Es ist einem runden, etwas weichen und sehr handschmeichlerischen Kunststoff-Gehäuse eingelassen. Der Slider knackt nicht wie beim N95 sondern fährt butterweich. Er ist mir im Gegensatz zum N95 bisher auch nicht versehentlich in der Hosentasche aufgegangen. Die Tasten wurden in manchen Tests als schwammig bewertet, was ich so nicht bestätigen kann. Lediglich die zentrale OK-Taste, die als Mulde in einen Steuerkranz eingelassen ist, bediene ich gelegentlich fehl. Hier wäre eine andere Tastenform besser gewesen. Die Optik des Gerätes erinnert stark an das iPhone mit einer Front aus gehärtetem Glas (welches kaum verschmiert), eingelassen in einen schwarzglänzenden Metallrahmen. Man hat das Gefühl, ein hochwertiges Gerät in der Hand zu halten, was ich von vielen teureren Handys und Smartphones nicht sagen könnte. Ebenfalls schön, dass auch Nokia endlich auf den Dreh gekommen ist, dass man ein Handy ja auch über den USB-Anschluss aufladen kann.

Eher Überflüssiges Goodie: Auf der Rückseite ist ein kleiner Klappständer eingelassen, mit dem man das Handy hinstellen kann. Dann dient es als digitaler Mini-Bilderrahmen, zum Video-Gucken mit mehreren oder einfach nur als (tatsächlich äußerst schicke) Uhr. Etwas nervig ist der Lagesensor, der den Bildschirm-Inhalt kippt, sobald man das Handy schräg hält. Das passiert öfter, als sinnvoll wäre, und man fängt an zu fuchteln, um den Bildschirm wieder in die Ausgangslage zu bringen. Ist aber nicht schlimm. Einfach abschalten. Querformat stellt sich weiterhin automatisch ein, sobald man den Slider nach unten schiebt oder die Klappe der Kamera öffnet.

Die Benutzerführung ist identisch mit den übrigen Nokia-Telefonen und an vielen Stellen vereinfacht. Wie immer bei Symbian sucht man bestimmte seltene Einstellungen oft ewig in den verzweigten Untermenüs. Am meisten stört mich, dass ich das Anrufprotokoll nicht finden kann. Entweder habe ich etwas übersehen, oder Nokia hat das Protokoll mit den Nachrichten zusammengefasst. Das führt dann dazu, dass mir ein entgangener Anruf nur dann mit Uhrzeit und Absendernummer angezeigt wird, wenn der Anrufer nicht auf meine Box gesprochen hat. Sprach der drauf, bekomme ich stattdessen ausschließlich die Mitteilungs-SMS, der ich diese Daten leider nicht entnehmen kann. Da ich schlecht höre, finde ich es lästig, das erst über die Box herauskriegen zu müssen. Vielleicht habe ich aber auch nur etwas übersehen und oder nicht verstanden. Wer mich kennt, weiß sowieso, dass es sowieso sinnlos ist, mich telefonisch erreichen zu wollen.

Davon abgesehen klappt allerdings fast alles wie gedacht und meist auf Anhieb, auch wenn es darum geht, E-Mail zu konfigurieren oder sich mit dem Internet zu verbinden. Der eingebaute Browser ist weiterhin schwach. Ich habe ihn durch Opera Mini ersetzt, mit dem ich vollauf zufrieden bin, jedenfalls im Rahmen dessen, was auf einem klassischen Slider mit kleinem Display machbar ist. Leider ist es weiterhin nicht möglich, irgendwo einen Standard-Browser einzustellen, so dass Links aus Twibble immer noch im Symbian-Browser statt in Opera geöffnet werden. Dafür spielt der Symbian-Browser mittlerweile Flash-Seiten und Youtube-Filme ohne separate Anwendung ab. Leider tut er das bei voller lautstärke, auch wenn das Handy stummgeschaltet ist. Man sollte also vorsichtig sein, was für Links man in der U-Bahn gerade so anklickt. Das N86 ist das erste Handy, mit dem bei mir Tethering in Verbindung mit der Nokia-Suite einfach, ohne langes Nachdenken und vor allem auch stabil funktioniert: sehr gute UMTS/Edge-Performance (HDSPA 3,6 MBit) auch bei schlechtem Empfang.

Wichtig ist mir die eingebaute Kamera. Ich habe mittlerweile keine eigene Digitalkamera mehr aus einem simplen Grund: Ich habe sie nie dabei, wenn ich ein Foto machen will. Ich brauche ein Handy, das wenigsten einigermaßen brauchbare Bilder produziert. Und das tut das N86 allemal. Leider schlägt hier der Megapixelwahn zu. Geworben wird mit der gigantischen Auflösung von 8 MP. Das führt aber leider zu den üblichen Krankheiten: Die sonst hochwertigen Bilder sind im Vergleich zum N95 oder SonyEricsson K800i öfters mal verrauscht, sobald es etwas dunkler wird. Die Fotoleuchte ist kein richtiger Blitz und kann das leider nicht ausgleichen. Nett ist sind Goodies wie die Möglichkeit, Videos in fernsehtauglicher VGA-Auflösung aufzunehmen oder eine Panorama-Funktion, die mehrere nebeneinander geschossene Bilder automatisch zu einem Panorama-Bild zusammensetzt.

Die Musikfunktion habe ich noch nicht genutzt. Was aber Spaß macht: Das Handy als Radiosender missbrauchen. Es sendet die laufende Musik auf einer UKW-Frequenz, die man dann z.B. im Autoradio einstellen kann. Klingt nicht überragend, ist aber außerordentlich praktisch und fast immer besser, als irgendwelche mitgeführten Brüllwürfel. Will man sich das Gerät mit Musik vollknallen, kommt man natürlich mit den eingebauten 8 GB Flash-Speicher nicht allzu weit. Lässt man es, ist es aber geradezu paradiesisch, sich keine Gedanken darüber machen zu müssen, für wieviele Bilder der Speicher noch reicht und auch Videos von mehr als ein paar Sekunden Dauer sind kein Problem.

Bleibt noch eine der wichtigsten Fragen überhaupt: Wie hält der Akku? Fabelhaft. Telefoniert man nur mit dem Handy, hält er vermutlich tagelang. Ich hatte schon mehrere Tage, an denen ich viel unterwegs war, das Handy permanent Twitter aktualisierte, ich GPS nutzte oder unterwegs was im Netz nachschlug und das ganze teils über UMTS, teils über WLAN tat. Ich habe es bisher nicht geschafft, den Akku bis zum Ende des Tages leer zu bekommen, selbst dann nicht, als sich an einen langen Tag noch eine ebenso lange Nacht anschloss. Das kenne ich so von keinem anderen Gerät mit vergleichbarem Funkionsumfang bei vergleichbarer Nutzung. Der Akku braucht zum vollen Aufladen zwar mehrere Stunden, kennt aber eine Schnell-Ladung, will heißen: eine halbe Stunde bis Stunde ans Netz und der Akku reicht wieder für die nächsten Stunden.

Überhaupt die GPS-Funktion. Was beim N95 noch in Konfigurationsorgien ausartete, funktioniert beim N86 einfach und dazu noch äußerst genau, indem für die Ortung GPS, umgebene WLANS und die Funkzellen kombiniert werden. Das GPS-Programm hat bei mir Google Maps vollständig ersetzt, weil sie einfach schneller und einfacher funktioniert und ohne weitere Software oder Zukauf an Karten als perfekter Zufuß-Navi dient.

Zum Schluss: Telefonieren. Was ich ja eigentlich nie mache. Selbstredend klappt das Koppeln via Bluetooth mit meinem Smartlink völlig problemlos. Die Klangqualität ist dabei besser als beim N95. Über den Klang des eingebauten Höhrers kann ich nichts sagen, nur darüber, dass das Handy eine sehr gute, äußerst laute und äußerst klare Lautsprechfunktion hat, die mir z.B. das Abhören der Mailbox sehr erleichert, wenn ich das Smartlink nicht zur Hand habe.

Nicht getestet, da bisher nicht gebraucht: NGage-Spiele, Quickoffice, 2. Kamera für Video-Telefonie, Sprachsteuerng, Kopfhörer. Ich fürchte, ein kommendes Smartphone wird es – Touchscreen hin, Touchscreen her – schwer haben, mich zu überzeugen, solange es nicht wenigstens die meisten Funktionen so elegant löst wie das N86.

Fazit: Absolut hervorragendes Handy mit sehr sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis.