Laberbacke Roadkill

tl;dr: Taucht in einem nichtmedizinischen Text das Wort „Autismus“ auf, ist das ein guter Indikator, einfach nicht weiterzulesen.

Lucy

Helene Hegemann hat im Feuilleton der FAZ einen Artikel geschrieben. Was genau sie sagen will, wird nicht so ganz klar, weil sie offenbar nicht in der Lage ist, sich verständlich auszudrücken. Das ist eher tragisch für eine Literatin.

Bemerkenswert ist der Text, weil er mal wieder den Begriff „Autismus“ als Schimpfwort benutzt. Zitat:

Bei dieser neuen, glorifizierten Form von Autismus handelt es sich nicht um unberechenbare Asperger-Kids, die schon im Vorschulalter masturbierend am Kronleuchter hängen.

Was wohl los wäre, würde sie mit ähnlichen Formulierungen Menschen mit Down-Syndrom, Gehörlose, Parkinson-Kranke oder Querschnittsgelähmte diffamieren?

Ich glaube ja, dass Helene Hegemann keine Schuld trifft. Als Quasi-(Ex)Kinderstar der Literaturszene mit wegen Plagiatsvorwürfen abgelaufenem Welpenschutz bleibt ihr zum Gelderwerb halt nur die Möglichkeit, ahnungslos wie merkbefreit rumzumeinen. Schlimm ist vor allem, dass die FAZ sie nicht vor sich selbst schützt und den Scheiß auch noch publiziert. Aber wahrscheinlich braucht die FAZ ebenfalls jemanden, der sie vor sich selbst schützt.

(Foto: Eine hegemannsche Autistin beim Lesen der FAZ.)

Nochmal Autismus

Liebe Journalisten,

bitte denken Sie kurz nach, wenn Sie das Wort „autistisch“ in Ihrem Text verwenden möchten. Und dann denken Sie nochmal nach.

Autismus ist eine angeborene Wahrnehmungsstörung, die – stark vereinfacht – dazu führt, dass Autisten Schwierigkeiten haben, intuitiv Emotionen aus Körpersprache, Gesichtsausdrücken und „zwischen den Zeilen“ zu lesen. Viele haben außerdem Probleme mit der Filterung von Umweltreizen und sind permanenter Überflutung ausgesetzt. Für Autisten ist es deshalb äußerst anstrengend, in unserem normalen Alltagsleben zu bestehen, weshalb sie dazu neigen, sich zurückzuziehen, was Nicht-Autisten gerne falsch deuten.

Autismus ist keine psychische Störung. Autisten sind auch keine Psycho- oder Soziopathen. Sie haben die gleichen Gefühle wie alle anderen auch und sind genauso empathisch wie alle anderen auch.

Autismus hat nicht das geringste mit Egoismus, Egozentrik, Selbstbezogenheit, Ignoranz oder Narzissmus zu tun. Leider wird „autistisch“ in den meisten Fällen synonym zu genau diesen Begriffen verwendet. Wenn der Begriff „Autismus“ zur abwertenden Beschreibung mit moralischem Unterton verkommt, ist das verständlicherweise ein Problem für Autisten. Deshalb sollten Sie das Wort nur verwenden, wenn Sie wirklich über Autismus schreiben wollen.

Es taugt auch nicht zur Metapher, selbst wenn der Autor sie im Sinne seiner Wortbedeutung verstanden wissen möchte. Sie wird von den allermeisten Lesern falsch verstanden.
In den meisten Fällen ist die metaphorische Verwendung solcher Fremdworte sowieso Kennzeichen von Schwafelei, Wichtigtuerei oder soll verdecken, dass der Autor gar nicht so genau weiß, was er sagen will.

Es ist verständlich, dass Sie nur selten über Autismus aufklären können, da noch viele andere Themen ins Blatt wollen. Sie können aber dazu beitragen, das Leben von Autisten angenehmer zu gestalten, indem Sie das Wort nur in seiner korrekten Bedeutung verwenden. Ganz nebenbei werden Ihre Texte klarer und verständlicher.

Angriff der Killerautisten

Anatol Stefanowitsch und ich haben wieder einen Podcast aufgenommen. Zu gast waren die beiden Asperger-Autisten @wendelherz und @h4wkey3 – ganz zufällig, während in den Boulevardmedien ein Zusammenhang zwischen Autismus und dem Amoklauf von Newton konstruiert wird.

Das kann nicht so stehen bleiben: Themen und Köpfe 2 – Angriff der Killerautisten

Mittlerweile hat Themen und Köpfe nicht nur eine eigene Webseite mit Podcastfeed sondern einen Twitter-Account, eine Facebook-Seite und eine Seite bei Google+.