Der Chip in der Hand – bald vom Chef verordnet?

Ich trage meinen Chip jetzt seit fast zwei Jahren. Implantiert hat ihn mir der schwedische Bodyhacker Jowan Österlund in die „Schwimmhaut“ zwischen Daumen und Zeigefinger. Das Ganze dauerte nur wenige Sekunden: Mit einer Injektionsnadel wird der Chip unter die Haut gespritzt. Während ich noch leicht empört war, dass Jowan mir dazu in die Hand kneifen musste, habe ich den eigentlich Piks gar nicht bemerkt. Sich ein Ohrloch stechen zu lassen ist wesentlich schmerzhafter. Mein Chip ist ein NFC-Tag in einer Glashülle, etwa so groß wie ein Reiskorn.

Er besitzt keinerlei eigene Energieversorgung und wird erst per Induktion aktiv, wenn ich ihn sehr nah an ein passendes Lesegerät halte. Theoretisch könnte ich jetzt damit Türen öffnen, wenn ich eine entsprechende Schließanlage hätte, woran praktisch in meinem Berliner Altbau nicht zu denken ist. Haben wollte ich ihn, weil ich mich sehr für Bodyhacking und Human Enhancement interessiere. Immerhin kann ich ganze 868 Bytes darauf speichern. Mehr wäre schon cool.

In den letzten zwei Jahren haben sich solche Chips sehr verbreitet. Angeblich sitzt mittlerweile bei 50.000 Menschen weltweit ein NFC- oder RFID-Tag unter der Haut – eine Zahl, die häufig genannt wird, für die sich aber keine sichere Quelle finden ließ. Doch bereits 2015, als nur wenige Hundert Menschen solche Chips hatten, warnten die ersten Gewerkschafter, dass Arbeitgeber auf die Idee kommen könnten, ihre Mitarbeiter zu chippen. Ein solcher Arbeitgeber ist der Automatenaufsteller „32M“.

Weiterlesen bei t3n

„Gute“ und „böse“ Daten: Wie Heiko Maas Algorithmen kontrollieren möchte

Mein persönlicher Aha-Moment war die Buchung eines Fluges. Als ich die Webseite des Anbieters einige Stunden später erneut aufrief, war mein gewünschter Flug plötzlich ein gutes Stück teurer. Nach einem Wechsel von Browser und IP-Adresse konnte ich den Flug wieder etwas günstiger buchen. Ob der Reiseanbieter wirklich einen Algorithmus verwendet, um personalisiert den Preis hoch zu treiben, oder ich nur eine zufällige Preisschwankung erlebt habe, lässt sich nachträglich nicht klären. Mein Browser-Wechsel könnte einen solchen Algorithmus ausgetrickst haben oder einfach nur Voodoo gewesen sein. Was bleibt ist der unangenehme Verdacht.

Über Algorithmen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft wird schon lange debattiert und dabei wurden auch immer wieder Forderungen an den Staat formuliert. So fordert der Sicherheitsexperte Bruce Schneier schon seit Jahren ein Transparenzgesetz für Algorithmen. Vergangenen Montag nahm sich Justizminister Heiko Maas des Themas an und forderte in einer Rede ein „digitales Antidiskriminierungsgesetz“, Transparenz für Algorithmen und eine staatliche Agentur, von der nicht ganz klar ist, was ihre Aufgaben sein sollen. Leider wiederholt er in seiner Ansprache aber auch die Fehler, die bisher in der Debatte gemacht wurden: Er verrührt so unterschiedliche Dinge wie IT-Sicherheit mit den gesellschaftlichen Auswirkungen des Facebook-Algorithmus, Predictive Policing und Scoring-Verfahren wie etwa bei der Schufa. Wenn er Daten in gut und böse sortiert – er nennt da „positive Daten“, die nützen und „negative Daten“, die schädlich seien – möchte man sich mit Grausen abwenden. Man kann dabei aber nicht mehr überhören, dass er mal wieder die alte, unsinnige Floskel bemüht, dass das Internet „kein rechtsfreier Raum“ sein dürfe.

Weiterlesen bei t3n

Wir hatten ja nix! Ein Techniktagebuch

Mein Telefon ist stummgeschaltet. Immer. Einerseits habe ich so mehr Ruhe (und reagiere auf Anrufe und Mitteilungen, wenn ich dafür bereit bin) andererseits bin ich gehörlos – jedenfalls wenn meine Cochlea-Implantate abgeschaltet sind. Und gehörlose Menschen hassen es, wenn sie versehentlich Krach machen, ohne es selbst zu merken.

Weiterlesen im Techniktagebuch

Die letzten werden die Ärzte sein

dieletztenwerdendieaerztesein

Ein paar meiner Leser wissen ja schon, dass ich einem heimlichen Hobby fröne. Ich bringe mich um den letzten Rest meiner Seriosität, indem ich abseitige Texte auf obskuren Bühnen lese. Aber nur wenn keiner guckt. Das spezielle an meinen Texten: Sie sind für die Bühne geschrieben. Es gibt sie nur auf der Bühne. Woanders veröffentliche ich sie nicht. Nichtmal in meinem Blog.

Jetzt habe ich mal eine Ausnahme gemacht. Vermutlich aus Eitelkeit. In „Die letzten werden die Ärzte sein“ steht der Text „Narkoseschwester“ von mir drin – neben vielen anderen Satiren rund um den Arztbesuch. In dem Buch sind alle derzeit relevanten Geistesgrößen der Gegenwart versammelt. Jedenfalls wenn ich das beurteilen darf, was ich nicht sollte.

„Die letzten werden die Ärzte sein“ mit großartigen Texten von Paul Bokowski, Heiko Werning, Thilo Bock, Horst Evers, Volker Surmann, Uli Hannemann, Bov Bjerg, Mareike Barmeyer, Frank Sorge, vielen anderen und…äh…Enno Park könnt ihr hier bestellen. Die 12,50 Euro dienen wohltägigen Zwecken: Sie kommen darbenden Literaten, Herausgebern und Verlegern zugute. Schließlich steht der Winter vor der Tür.

(Und wann und wo ich das nächste mal lese, steht hier.)