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In homöopathischen Dosen

tl;dr: Schlechte Metapher, lieber nicht benutzen.

homöopathie

Immer wieder stolpere ich in Texten darüber, dass etwas in homöopathischen Dosen verabreicht werde. Eine homöopathische Dosis bedeutet: Null, nix, nada. Die Metapher „homöopathische Dosis“ kann immer dann verwendet werden, wenn etwas vorgibt zu wirken, was aber gar nicht wirken kann, weil schlicht und ergreifend kein Wirkstoff drin ist. (Mehr über Homöpathie hier).

Leider benutzen so gut wie alle Autoren/Journalisten diese Redewendung falsch. Sie meinen fast immer einfach nur sehr kleine Dosen. Irgendwas sehr winziges, das dann aber gesammelt doch wirke. (Letztes Beispiel hier). Das ist dann aber keine homöopathische Dosis mehr, sondern einfach eine kleine Dosis. Deshalb ist diese Metapher schlechter Stil, weil sie etwas anderes sagt, als der Autor meint oder von der Leserschaft – ja nach Neigung/Abneigung zur Homöopathie – anders verstanden wird.

Darüber hinaus verbreiten aber Autoren mit jeder Verwendung dieser Metapher das Mem, dass homöopathische Dosen sich irgendwie summieren und wirken würden, obwohl 0 + 0 + 0 = 0 ist. Das sollte kein Journalist oder Autor wollen – es sei denn, natürlich, er oder sie glaubt an Homöopathie.

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Homöopathie

tl;dr: Homöopathie ist jenseits des Placebo-Effektes wirkungslos. Aber sehr unterhaltsam.

homöopathie

Ich hocke gerade krank zu Hause rum und habe alle Verabredungen fürs Wochenende abgesagt. Was passt da besser als die tausendste Homöopathie-Debatte auf Facebook? Was ich dort zusammengeschrieben habe, ist es wert, auch mal hier festgehalten zu werden.

Homöopathen verwenden gerne den abwertenden Begriff „Schulmedizin“, wenn sie von evidenzbasierter Medizin sprechen. Das lustige am Begriff „Schulmedizin“ ist, dass er behauptet, dass Mediziner nur blind das tun, was ihnen ein Lehrer mal erzählt hat, obwohl die Medizin der permanenten wissenschaftlichen Revision unterliegt. Lustig ist das deshalb, weil eigentlich Homöopathie & Co. eine Schulmedizin sind, die sich blind auf das stützt, was ein Lehrer wie Samuel Hahnemann mal postuliert hat, und jede Kritik an ihren Grundlagen vehement ablehnt. Ein sehr schöner Brainfuck, den die Esos sich da ausgedacht haben.

Aber selbst wenn man statt „Schulmedizin“ den Begriff der „Allopathie“ verwendet und ihr eine „alternative Medizin“ gegenüberstellt, ist das ungut. Da wird ein künstlicher Dualismus erzeugt, vereinfacht gesagt eine „gute“ und eine „böse“ Medizin. Welche Seite jeweils gut und welche böse ist, ist dann nur noch eine Frage der eigenen Perspektive. Dabei ist Medizin einfach alles, was wir so unternehmen, um Krankheiten zu lindern oder zu heilen. Selbstverständlich gibt es in der so genannten „Schulmedizin“ wirkungslose Therapien und unter den alternativen Behandlungsmethoden wirkungsvolle. Die Homöopathie gehört allerdings nicht dazu.

Ich setze mich mit der Homöopathie auseinander, seit ich vor Jahrzehnten als Abiturient in einem homöopathischen Fachverlag mit Versandbuchhandlung gejobbt habe, darf also von mir behaupten, mich gut mit Homöopathie auszukennen und das aus einer zu Beginn positiven, unvoreingenommenen, „unverbildeten“ Haltung. Viele Menschen, die Homöopathika einnehmen, glauben, das sei eine Form von Naturheilkunde. Irgendwas mit Heilkräutern und vor allem: Sanft. Damit hat Homöopathie jedoch wenig zu tun. Sie basiert auf zwei Prinzipien: Der Simile und der Potenzierung.

Das Simile-Prinzip ist ein schöngeistiges, metaphysisches Konstrukt. Vermutlich weil Menschen Muster und Symmetrien lieben, wurde versucht, es in vielen verschiedenen Kontexten anzuwenden. Es besagt, dass gleiches mit gleichem zu heilen sei. Es lebt heute in der Homöopathie fort, genauso aber auch in der Impfung. Der wissenschaftliche Stand ist, dass es nur genau da funktioniert, wo das Immunsystem involviert ist, also bei einem Befall des Körper mit krankheitserregenden Mikroorganismen. Lustig ist in diesem Zusammenhang, dass so viele Homöopathie-Gläubige zugleich Impfgegner sind. Noch lustiger wird das ganze, wenn man weiß, wie die Homöopathie versucht, die Wirkungsweise der Mittelchen festzustellen: nämlich im Selbstversuch. Homöopathen stecken alles in den Mund, was nicht bei drei auf den Bäumen ist: von Heilkräutern und Chemikalien über Uran und Urin bis hin zu Hundekot und Menstruationsblut. Nach Einnahme dieser Sachen horchen sie in sich hinein und versuchen, die Symptome, die sich an sich wahrnehmen (oder wahrzunehmen glauben) den Symptomen typischer Erkrankungen zuzuordnen.

Das zweite Prinzip ist Potenzierung, die Verdünnung in Wasser bis hin zur Abwesenheit eines Wirkstoffes. Bei Potenzen wie D3 (1:1000) sind durchaus noch Wirkstoffe im Milligrammbereich im homöopathischen Mittel zu finden und können ggf. auch wirken. Bei (ganz überwiegend verabreichten) höheren Potenzierungen ist aber kein Wirkstoff mehr im Mittel enthalten. Wirken soll das trotzdem, indem Information irgendwie feinstofflich aus dem Wirkstoff auf das Wasser übertragen werden soll. Dann traut sich natürlich keiner mehr, gewöhnliches Leitungswasser zu trinken, weshalb diese Informationsübertragung natürlich nicht einfach so passiert, sondern nur, wenn man die Verdünnung mit rituellem Verreiben und/oder Schütteln verbindet. Anders gesagt: Es handelt sich um eine Form von Magie, weshalb es auch völlig korrekt ist, die Homöopathie der Esoterik zuzurechnen. Derlei magisches Denken ist reine Glaubenssache. Daran zu glauben ist nicht verwerflich, schließlich glauben wir viele Dinge, ohne sie zu wissen.

Der einzig wissenschaftlich nachweisbare Wirkmechanismus in der Homöopathie bleibt der Placebo-Effekt. Der wird immer gerne abgetan, ist aber sehr wichtig in der Medizin und funktioniert gut (übrigens auch bei Tieren). Die besondere Hinwendung des Heilpraktikers zum Patienten kann ebenfalls heilende Wirkung haben, ist aber heute jedoch immer weniger gegeben, da heute Homöopathika am häufigsten von normalen niedergelassen Ärzten ohne tiefere Anamnese verschrieben oder gleich ohne jeden Arztbesuch vom Patienten in der Apotheke gekauft werden.

Trotzdem wird immer wieder um die Wirkungsweise gestritten. Beliebt ist die Story von den „bösen Pharmakonzernen“, die Studien manipulieren. Dass hinter der Homöopathie heute ebenfalls ein Milliardenmarkt mit großen Konzernen steckt, wird dabei gerne übersehen. Homöopathie-Gläubige streiten wahlweise ab, dass die klassische Doppelblind-Studie Aussagekraft hat oder führen eigene Studien ins Feld. (Oft beides von den gleichen Personen.) Derlei Studien sind dann oft von Laien schon sehr leicht zu widerlegen. Zum Beispiel diese Pressemitteilung der Homöopathie-Union, dass ein bestimmtes homöopathisches Medikament innerhalb von 7 Tagen bei 90% der Probanden half, Erkältungskrankheiten zu heilen. Das klingt in der Tat eindrucksvoll. Aber nur solange, bis man sich klar macht, dass der übliche grippale Infekt unbehandelt üblicherweise 7-10 Tage dauert. Es ist eigentlich erstaunlich, dass am Ende der Studie nur 90% wieder gesund waren.

Genau aus diesem Trugschluss stammt auch der Grund, warum so viele (einschließlich mir früher) das Gefühl haben, Homöopathie helfe ihnen. Das ist ein subtiler psychologischer Effekt: Die rote Ampel. Wir haben oft das Gefühl, viel mehr roten als grünen Ampeln zu begegnen. Das liegt daran, dass wir die roten Ampeln als Störung wahrnehmen, während die grünen sofort aus unserem Bewusstsein streichen. Wenn du krank bist, hast du eine 99,9%ige Chance, von alleine wieder gesund zu werden. Du nimmst dann Medikamente (egal ob homöopathisch oder andere) und dir geht es irgendwann besser. Dir wäre auch so wieder besser gegangen, aber das Gefühl „Homöopathie hat mir geholfen“ hat sich als Erfahrung abgespeichert. Daher der verbreitete Glaube an die Wirkung der Homöopathie. Untersuchen wir sie wissenschaftlich, finden wir aber nur gleichverteilte rote und grüne Ampeln. Homöopathie wäre eigentlich harmlos bis hilfreich, wenn manche Leute nicht auf die Idee kämen, sie auch bei ernsten und schweren Erkrankungen einzusetzen und damit sich oder gar andere (z.B. ihre Kinder) zu gefährden.

Natürlich gibt es bornierte Ärzte und bornierte Wissenschaftler und vielleicht auch sinistre Pharmakonzerne, die ebenfalls unwissenschafltichen Bullshit in die Welt blasen. Sobald das genug Leute sehen und rufen: Der Kaiser ist nackt, verschwindet der Quatsch aber wieder in der Versenkung. Der Kaiser „Homöopathie“ läuft seit 200 Jahren nackt herum, aber statt zu rufen, „der ist ja nackt“ erzählen sich einige lieber Gerüchte über sein schönes Gemächt.

 

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Glauben und glauben lassen

Gezänk um die Homöopathie wieder.  Ich habe mich auch dazu hinreißen lassen und schrieb schon: Homöopathie ist empirisch nicht belegt und also reine Glaubenssache. Ich habe nichts gegen Homöopathie-Gläubige. Wirklich nicht. Es ist wie mit Religion: Alles spricht für Atheismus, trotzdem bin ich kein Atheist, sondern habe mir mein irrelevantes Weltbild zurecht gelegt, das einen Glauben einschließt, auch wenn ich keiner Glaubensgemeinschaft angehöre. Glauben ist nämlich etwas, das wir brauchen. Wir können nicht alles wissen und selber empirisch überprüfen. Wir sind ständig darauf angewiesen, Menschen und Institutionen zu glauben. Wir übernehmen, was uns plausibel erscheint, sofern wir demjenigen vertrauen, der es propagiert. Wirklich wissen tun wir individuell nur sehr wenig, oder hat hier irgend jemand einen Teilchenbeschleuniger im Keller?

So gut wie alles, was wir zu wissen glauben, stammt aus Schulbüchern, von Lehrern, Professoren, Zeitungen und anderen Menschen – von Autoritäten. Wir versuchen, so viele Sicherungen wie möglich einzubauen, die diesen Mittlern eine Art objektive Glaubwürdigkeit verleihen – aber schon wenn wir ein paar Länder weiter reisen und uns mit der dortigen Kultur auseinandersetzen, werden wir feststellen, wie anders man die Dinge sehen kann und dass auch Wissen reine Interpretationssache sein kann, ohne deshalb gleich die Gravitation zu leugnen oder die Sonne um die Erde kreisen zu lassen.

Glaube ist verwandt mit Schubladendenken, Bauchgefühl und Intuition, die uns hilft, Entscheidungen zu treffen, ohne die volle Faktenlage zu analysieren, und das sogar sehr erfolgreich. Wir alle – auch die härtesten Rationalisten – tun wirklich sehr viele seltsame Sachen, nur weil wir mal die Erfahrung gemacht haben, dass sie scheinbar funktionieren. Daraus entstehen Rituale und diese Rituale helfen uns sehr häufig, uns in die mentale Stimmung zu versetzen, ähnliche Situationen zu überstehen. Wollten wir permanent und in allen Lebenslagen rational reagieren, wir wären nur noch mit der Analyse von Fakten beschäftigt. Also tun wir viele Dinge intuitiv, was bei positiven Resultaten auch zu positiver Rückkopplung führt. Auch in der heutigen Zeit funktioniert ein ganz großer Teil unseres Lebens so.

Ob jemand Traubenzucker oder Heilsteine während einer Prüfung dabei hat, ist nahezu irrelevant. (OK, der Zucker liefert Energie und hat eine messbare Wirkung, während der Heilstein Hokuspokus ist – in beiden Fällen behaupte ich aber mal, dass der Effekt ganz überwiegend ein psychologischer ist.) Ich glaube, die meisten von uns haben schon die Erfahrung gemacht, dass Rituale seelische Auswirkungen haben. (Seele ist ist hier als Psyche oder Geist gemeint, nicht als religiöses Konstrukt.) Auch die Empirie zeigt uns zum Beispiel im Placebo-Effekt und in der gesamten Psychosomatik, die nichts aber auch gar nichts mit eingebildeter Krankheit zu tun hat, dass der Mensch Effekten unterliegt, denen man mit Empirie nicht oder nur höchst mühsam beikommen kann.

Das wirklich gefährliche am Glauben ist, dass er zur Machtausübung missbraucht werden kann – weil wir die Glaubhaftigkeit von Informationen eben auch anhand der Autorität des Absenders bewerten, und Autorität wiederum etwas ist, das unseren Glauben und unser Vertrauen voraussetzt. Missbrauche ich meine Autorität, dann habe ich das Vertrauen von Menschen verletzt. Der Mullah, der eine untreue Ehefrau zur Steinigung verurteilt, verdient ebenso wenig Toleranz wie eine Schulbehörde, die kreationismuskritische Texte in Schulbüchern zensiert. Glaube ist etwas privates, das im öffentlichen Raum über einen Diskurs hinaus nichts zu suchen hat. Nicht an Schulen, nicht im Gesundheitssystem usw.

Es fällt uns aber sehr schwer, Glauben als Privatsache zu behandeln und Andersgläubigen gegenüber tolerant zu sein. Das Problem ist, dass beide Seiten sehr schnell glauben, sie seien die „Guten“, die die Wahrheit gepachtet hätten. Der Esoteriker, der einen Rationalisten als „spirituell unterentwickelt“ bezeichnet, ist genauso arrogant wie der Atheist, der einen Christen auslacht.

Man könnte auch sagen:

  • Jeder von uns hat das Recht, zu glauben, was er will, egal wie abgefahren es ist. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um komplette Religionen oder den kleinen Aberglauben für zwischendurch handelt.
  • Niemand von uns hat das Recht, einen Mitmenschen aufgrund seines Glaubens, und erscheine dieser noch so absurd, herabzuwürdigen. Zu sagen, wegen seines Glaubens „gehöre jemand therapiert„, ist selbstgerecht und anmaßend.
  • Aber umgekehrt gilt genauso: Ein Glaubender hat niemals das Recht, seinen Glauben für allgemein verbindlich zu erklären oder ihn anderen Menschen zu oktroyieren. Übrigens soweit das möglich ist auch nicht seinen Kindern.

Nein, liebe Glaubenden, das ist kein Text, der eure Weltsicht untermauert, sondern nur ein Plädoyer für Toleranz ganz allgemeiner Art, die schnell enden kann, sobald ein Homöopathie-Gläubiger andere als sich selbst mit seinen Mittelchen traktiert, ein Zeuge Jehovas seinen Kindern die Blutspende verweigert, ein Moslem von Frauen verlangt, die Burka zu tragen oder ein esoterisch angehauchter Chef seine Bewerber nach Sternzeichen und graphologischen Gutachten sortiert.

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Homöopathie ist ein Segen fürs Gesundheitssystem

Nun kocht er im Sommerloch wieder hoch, der Streit um die Homöopathie. Dabei geht es keinesfalls darum, die Homöopathie als solche zu verbieten, sondern nur den Krankenkassen, noch Homöopathie zu bezahlen, damit das so gesparte Geld sinnvoller verwendet werde. Ich halte zwar schlichtweg gar nichts von Homöopathie, aber muss bekennen: Ja, ich habe das Zeug auch mal genommen.

Mein ehemaliger Hausarzt hatte mir vor Jahren ein homöopathisches Antiallergikum verschrieben und ich hatte subjektiv das Gefühl, dass es hilft. Allerdings hat er mir auch einmal ein anderes Mittel gegen etwas völlig anderes verschrieben. Eine ganze Weile später habe ich die Namen verwechselt und versehentlich das falsche Mittel gegen Heuschnupfen eingenommen – bei subjektiv dem gleichem Gefühl, dass es wirke. Und nein, dieses andere Mittel hat nichts, aber auch gar nicht mit Heuschnupfen und Allergien zu tun.

Meine subjektive Erfahrung entspricht also den klinischen Ergebnissen, dass homöopathische Mittel nur als Placebo wirken. In dem Zeug ist nichts drin außer einer esoterischen „Energie“, die der bis zur Nicht-Existenz aufgeflöste Wirkstoff darin hinterlassen haben soll. Eine Wirkung über ein Placebo hinaus konnte in immer neuen Studien nie belegt werden. Homöopathie ist reine Glaubenssache, sonst nichts.

Tatsächlich trägt die Homöopathie alle Merkmale eines religiösen Kultes. Das Prinzip des „Gleiches mit Gleichem heilen“ ist eine klassische Analogiehandlung, versehen mit dem Ritual des Schüttelns und Zerreibens nach bestimmten Regeln und dem Glauben an eine okkulte Kraft der Substanz, das Wasser oder die Globulikügelchen irgendwie zu energetisieren. Da jeglicher wissenschaftlicher Unterbau fehlt, kann Homöopathie nur mit mittelalterlicher Alchemie verglichen werden. Das Problem ist jedoch, dass die Homöopathie den Patienten nicht als Religion oder Esoterik angedreht wird, sondern als Wissenschaft.

Wie für jede Religion und jeden quasi-religösen Glauben gilt die Glaubensfreiheit. Der Homöopathie-Glaube unserer Mitmenschen ist als solcher zu akzeptieren wie jeder andere Glaube auch. Natürlich kann es gefährlich werden, wenn Gläubige lieber ihre Rituale praktizieren, als zum Arzt zu gehen – aber da ist jeder Mensch für sich selbst verantwortlich. Aufregen kann ich mich nur, wenn Eltern ihre Kinder zum Homöopathen schicken, anstatt sie von Empirikern medizinisch behandeln zu lassen.

Problematisch wird das ganze erst im Gesundheitssystem: Niemand käme auf die Idee, die Krankenkassen sollten Weihwassergaben oder Fahrten nach Lourdes finanzieren. Die Solidargemeinschaft hat nicht die Glaubensrituale ihrer Mitglieder zu finanzieren. Karl Lauterbach und alle anderen Politiker, die jetzt eine Streichung von Homöopathie aus den Kassenleistungen fordern, haben also völlig recht. Haben sie?

Seien wir mal ehrlich: Ich weiß nicht, wie es mir in ein paar Jahren gehen wird, aber die allermeisten meiner Arztbesuche und Krankschreibungen drehten sich um grippale Infekte und ähnliches, die so gut wie nie näher untersucht werden. Stattdessen bekommt man Lutschtabletten gegen Halsschmerzen und vielleicht noch Schleimlöser. Genauso könnte man Kamille inhalieren und sich Bier warm machen. Was man vor allem braucht, sind ein paar Tage Ruhe, um sich auszukurieren. Arbeitnehmer holen sich ihren gelben Schein ab, Selbstständige biegen sich ihre Termine irgendwie hin und gehen meist gar nicht erst zum Arzt.

Der Arztbesuch und die gegen die Symptome verschriebenen Mittel verursachen immer Kosten. Und da kommt ein großer Teil der Versicherten daher und ist freudig bereit, sich aufgrund seines Glaubens mit sehr viel preiswerteren Placebos behandeln zu lassen und dafür bei den meisten Kassen auch noch freiwillig Zusatzbeiträge zu bezahlen – könnte dem Gesundheitssystem überhaupt etwas besseres passieren?

Homöopathie ist ein Segen fürs Gesundheitssystem und ich vermute, dass die meisten niedergelassenen Ärzte, die sie praktizieren, das ganz ähnlich sehen. Anderenfalls muss man sich fragen, auf welche Weise sie eigentlich ihr Medizinstudium rezipiert haben und was ansonsten von ihrer ärztlichen Ausbildung zu halten ist. Denn sobald Homöopathie für mehr als nur optionale Symptomlinderung verwendet wird, beginnt sie ganz schnell, gefährlich zu werden.

P.S.: Ansonsten möchte ich allen die vorzügliche Serie „Homöopathie“ von Christian Specht ans Herz legen.

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