Warum eine Kirche zur Anbetung künstlicher Intelligenz eine super Idee ist

Am Ende erwacht das ganze Universum zu einem erleuchteten Wesen, durchdrungen von Intelligenz. So steht es in Ray Kurzweils Buch „Menscheit 2.0“ von 2005 (Untertitel „Die Singularität ist nah“). Was Kurzweil, Chefentwickler bei Google, als das unausweichliche Schicksal des Universums sieht, ist der Endpunkt einer explosionsartigen Entwicklung, die wir gerade mit unseren Computern und der Entwicklung künstlicher Intelligenz in Gang setzen.

Anbeten lässt sich diese neue Gottheit schon heute. Dafür hat Anthony Levandowski eine neue Kirche gegründet. Levandowski ist kein Unbekannter: Unter anderem leitete er bei der Google-Tochter Waymo die Entwicklung autonomer Fahrzeuge. Wahrscheinlich denkt er schon lange darüber nach, wohin sich künstliche Intelligenz wohl entwickeln mag. Jedenfalls meldete er bereits vor mehr als zwei Jahren „Way of the Future“ als Non-Profit-Unternehmen zum Aufbau von Religionsgemeinschaft in Kalifornien an. Das Ziel: Eine künstliche Intelligenz erschaffen, diese dann als Gottheit anbeten und für Akzeptanz werben.

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Die Welt aus alter weißer Männersicht

Ich bekenne mich schuldig: Ich gebrauche gerne die Phrase „alte weiße Männer“. Und damit meine ich meinesgleichen. Ich bin zwar nicht ganz so alt, wie viele Leute aufgrund meines ergrauenden Bartes und der fortgeschrittenen Glatzenbildung glauben könnten, aber ich bin schon Teil einer Kohorte. Und ich beobachte, wie oben, unten, links und rechts von mir ansonsten sehr intelligente und gebildete Männer nicht einmal einen Funken gedanklicher Beweglichkeit mitbringen, die Perspektiven ihrer Mitmenschen zu reflektieren.

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Links der Woche

  • FDP: Wie weit reicht der Einfluss der russischen Gaslobby?:

    “Der Fall wirft somit die Frage auf, wie weit der Lobbyeinfluss von Nord Stream in die FDP hinein eigentlich reicht. Auffällig ist, dass führende FDP-Politiker wie Christian Lindner und auch Wolfgang Kubicki sich in letzter Zeit überraschend kritisch zum Thema Sanktionen gegen Russland vor der Hintergrund der Krim-Krise äußerten.”

  • Nicht befriedet:

    “Die Polizei sollte die Klimaschützer möglichst zackig entfernen, und deshalb wurde sie kreativ. Ein solches Vorgehen ist allerdings nicht nur juristisch fragwürdig, sondern trägt auch zur aufgepeitschten Stimmung bei, die wir derzeit erleben. Deswegen müsste die erste Forderung wohl lauten: Nehmt der Polizei die Twitter-Accounts weg!”

  • Bloss nichts falsch machen (Digitale November-Notizen):

    “Von den taktischen Ränkespielen in Berlin verstehe ich zuwenig um einzuschätzen, was genau die FDP dazu trieb, sich in diesen Satz zu versteigen. Ich verstehe aber, dass dieser Satz genau das Gegenteil dessen ist, was im Wahlkampf Teile meiner Timeline dazu brachte, kurzzeitig positiv über die FDP zu denken. Der Gestus, den die FDP mit Slogans wie „Digital First – Bedenken Second“ oder „Schulranzen verändern die Welt – nicht Aktentaschen“ zu imitieren versuchte, richtet sich exakt gegen den Satz, den Lindner nun zum Parteimotto erhoben hat. Die Startup-Mentalität des Ausprobierens, eine positive Fehlerkultur und die Bereitschaft, Dinge „falsch“ zu machen – all dies sind Ideen, die diejenigen schätzen, auf die es die FDP-Kampagne abgesehen hatte. Es gibt keinen Satz, der ihnen klarer machen könnte, dass all dies nur gespielt war, als das Lindner Mantra vom „lieber nicht als falsch“.”

  • Was ich in 10 Jahren Diskussion mit Impfgegner_innen über postfaktische Kommunikation gelernt habe:

    “Ich will nicht behaupten, dass postfaktische Populist_innen und Impfgegner-Eltern eins zu eins übertragbar wären: Aber wie die Kontrafaktischen sich in ihren Verschwörungstheorien einhegen, wie sie „Etabliertes“ und Wissenschaft ablehnen auch gegen ihre eigenen Interessen, wie sie vielen Gegenargumenten hyperaggressiv entgegenhassen und sich oft aus mittleren Einkommensschichten rekrutieren: All das habe ich auch immer wieder in den letzten 10 Jahren in Vier-Augen-Gesprächen, Mailinglisten-Schlachten und Konfrontationen in der Klinik mit impfverweigernden Eltern kennengelernt”.

  • Wollen Rechte mit Dir reden?:

    “Zum Thema „mit Rechten Reden“ eine kleine Erfahrung in einem Facebook-Thread:

    Rechter: „Beruf?“
    Ich: „Warum?“
    R: „BERUF?!?!“
    I: „Geringfügig + Mindestsicherung“
    R: „Mit Leuten die ich durchfüttern muss red ich nicht.“”

Was ist dran am boomenden Bitcoin?

Der Bitcoin legte dieses Jahr eine beispiellose Rallye hin, sein Wert ist von 1000 auf 7000 Euro gestiegen. Aber wie funktioniert die digitale Währung eigentlich – und lohnt sich der Einstieg?

Alles begann 2008, als ein bis heute unbekannter Verschlüsselungsexperte unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto eine Idee veröffentlichte, wie sich digitales Geld schaffen ließe, das sich nicht ohne weiteres kopieren oder fälschen lässt. Kernstück dieser Idee war die Blockchain, eine Art riesige, verteilte Buchhaltung, von der es zahllose Kopien gibt und in die alle jederzeit hineinsehen können.

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Kirche will Künstliche Intelligenz als Gott verehren

„Way of the Future“ heißt eine neue Kirche, in der eine künstliche Intelligenz (KI) die Gottheit sein soll. Ihr Gründer Anthony Levandowski entwickelte unter anderem bei Google selbstlenkende Autos, kennt sich also mit künstlicher Intelligenz aus. Er ist davon überzeugt, dass sich schon in naher Zukunft eine solche KI so weit entwickeln wird, dass sie als gottgleich anzusehen ist. Das zentrale Nervensystem dieser neuen Gottheit wird das Internet, als Sinnesorgane dienen die Sensoren und Smartphones dieser Welt. Dieser Gott hört den Menschen immer zu. Das sind in etwa die Kernaussagen der Kirche „Way of the Future“.

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Links der Woche

  • Fantastic Beasts and How to Rank Them:

    “One of the strangest things about the human mind is that it can reason about unreasonable things. It is possible, for example, to calculate the speed at which the sleigh would have to travel for Santa Claus to deliver all those gifts on Christmas Eve. It is possible to assess the ratio of a dragon’s wings to its body to determine if it could fly. And it is possible to decide that a yeti is more likely to exist than a leprechaun, even if you think that the likelihood of either of them existing is precisely zero.”

  • On Unread Books:

    “How to Talk About Books You Haven’t Read, by Pierre Bayard, a psychoanalyst and professor of literature, is not about how you might know not to read a book but how you can happily talk about a book you haven’t read, even to your students, even when it’s a book of extraordinary importance.”

  • Sexismus, jeden Tag:

    “Das ist Sexismus. Die bewusste oder unbewusste Überzeugung, jemand könne aufgrund des biologischen Geschlechts irgendetwas nicht oder sei für gewisse Dinge besonders gut qualifiziert. Frauen können doch gut dies. Männer können doch gut das. Oder eben nicht.”

  • Opinion | Glasses Are Cool. Why Aren’t Hearing Aids?:

    “Why, I wonder, is it that devices to keep you from being blind are celebrated as fashion, but devices to keep you from being deaf are embarrassing and uncool? Why is it that the biggest compliment someone can give you about your hearing aids is “I can hardly see them”?”

  • Warum so wenige Mädchen Fußball spielen oder das Wissen 8-jähriger Mädchen über Sexismus und Männlichkeit:

    “Ich erinnere mich, wie ich vor einiger Zeit auf dem Schulhof ein Fußballspiel beobachten konnte, als ich meine Tochter abholen wollte. Jungs gegen Mädchen, schlug irgendwer vor. Es waren etwa 6 oder 7 Mädchen und 4 oder 5 Jungs. Die Jungs waren sich sicher, trotz Unterzahl gewinnen zu können. Das Spiel war eine Zeit lang ausgeglichen. Nach wenigen Minuten waren die Jungs frustriert, dass sie noch kein Tor geschossen hatten. Als dann ein Tor für die Mädchen fiel, fingen – ungelogen – zwei Jungs an zu weinen, beschwerten sich bei der Erzieherin und verlangten unter Tränen eine neue Aufteilung der Teams. Jungs gegen Mädchen: ok, aber nur, solange die Jungs gewinnen. Ansonsten ist es unfair.”

  • Unicode Consortium fights over sad Shit:

    “Das Unicode Consortium streitet über Emoji-Scheiße und die Pläne für einen traurigen Kackhaufen. Nicht lachen, die Lage ist ernst!”

  • Digitale Bildungspolitik: Der Staat kommt seinen Aufgaben und Pflichten nicht nach:

    “Panikmache, Halbwahrheiten und die Vermeidung der tatsächlichen Themen, es ist langsam wirklich nicht mehr auszuhalten. Da wird die Sorge geäußert, Google könne über den Calliope Einfluss auf Schüler_innen nehmen (wie das genau passieren könnte, bleibt offen), während eben diese Schüler_innen seit Jahren quasi täglich vor Googles YouTube sitzen, denn die Medienwelt ihrer Eltern hat ihnen nichts mehr zu bieten. Auf YouTube wiederum holen sie sich unter anderem Lerninhalte oder Nachhilfe und Erklärungen, welche ihnen die Schule nicht liefern, und nicht wenige Lehrkräfte greifen ebenfalls auf den Videokanal zu, um sich Material für den Unterricht abzuholen.”

  • Über Löhne, Bürgergeld und warum sich nichts ändert:

    “Vor allem in großen Dienstleistungsunternehmen sei das normal. Man würde immer nur mit der minimalen Personaldecke arbeiten, bzw. bewusst darunter. Ausfälle würden zunächst auf die anderen Mitarbeiter abgewälzt. Bei längeren Ausfällen von Mitarbeitern, die man nicht kündigen könnte, würden dann Leiharbeiter geholt. Im übrigen, so der sehr gut gekleidete Gesprächspartner, sei diese Art mittlerweile fast überall normal.”

Meine alten weißen Mitmänner

Foto: Jakob Weber

Ich bekenne mich schuldig, gerne die Phrase „alte weiße Männer“ zu gebrauchen. Und damit meine ich meinesgleichen. Ich bin zwar nicht ganz so alt, wie viele Leute aufgrund meines ergrauenden Bartes und der fortgeschrittenen Glatzenbildung glauben könnten, aber ich bin schon Teil einer Kohorte. Und ich beobachte oben, unten, links und rechts von mir, wie Typen, die sich ihrer Privilegien kein Stück bewusst sind, nicht einmal einen Funken gedanklicher Beweglichkeit mitbringen, Perspektiven ihrer Mitmenschen zu reflektieren. Oft fehlt ganz einfach der Wille, Empathie zu zeigen und sich in die Lage von anderen Menschen, Gruppen und Minderheiten zu versetzen. In Diskussionen, Debattenbeiträgen und Feuilletontexten posaunen sie mit unerschütterlicher Selbstgewissheit die Perspektive derjenigen hinaus, die sowieso gesellschaftlich die Norm definieren. Sobald wer dran kratzt, fühlen sie sich selbst angegriffen und gar diskriminiert, statt sich auch mal selbst zu hinterfragen. Warum auch: Man ist mit irgendwas irgendwie erfolgreich, findet sich toll, muss also objektiv toll sein und recht haben. Egal ob es um Sexismus, Rassimus, Inklusion oder die vielen anderen Debattenschlachtfelder geht. Wegen der vielen Biase, die auch ich mit mir herumtrage und nur langsam abbaue, benutze ich diese Formulierung so gerne: Es ist eine Provokation an meine alten weißen Mitmänner, wenn ausgerechnet ein anderer alter weißer Mann sie „alte weiße Männer“ nennt. Wie sehr, sehe ich daran, dass es mich jedesmal etliche Follower auf Twitter kostet, wenn ich diese Formulierung verwende.

Warum Refind derzeit noch unbrauchbar ist

tl;dr: Refind ist in der derzeitigen Form nicht für professionelles Recherchieren, Sammeln und Archivieren von Texten im Netz geeignet.

Symbolbild: Käseauswahl

Bei meinen Studien und Recherchen begegnen mir bergeweise Links zu Artikeln, Blogposts, Videos oder interessanten Webseiten, die ich irgendwie verwalten muss. Das mache ich bisher mit Pocket (früher bekannt als „Read it Later“) das nebenbei auch noch wie ein soziales Netz funktioniert. Ich hatte meine Leser, Freunde und Bekannten schonmal dazu aufgefordert, sich über Pocket mit mir zu vernetzen.

Das next big Thing in dieser Richtung ist Refind, eine App zur teilautomatisierten Verwaltung von Links und Bookmarks, die viele Funktionen mitbringt, die Pocket nicht kennt. Auf den ersten Blick sieht Refind sehr interessant aus, weshalb ich es einige Zeit intensiv (Web und iOS-App, jedoch noch nicht Android) getestet habe. Ergebnis: Für meine Zwecke ist Refind in der jetzigen Form unbrauchbar. Das hängt natürlich vom jeweiligen Use Case ab. Meiner ist so:

Startpunkt meines Workflows ist, dass ich alle Links, die via RSS-Feed, in Mails, auf Webseiten, Twitter usw. mein Interesse wecken, auf meinem Telefon oder in meinem Desktop-Browser zu Pocket hinzufüge und regelmäßig die so gesammelten Artikel lese, oftmals abends im Bett. Pocket verwöhnt mich hier mit einer Lese-Ansicht, die das Drumherum der jeweiligen Webseite samt Werbung weglässt, einen augenfreundlich invertierten Nachtmodus hat und auch offline funktioniert. Ich habe auch im Funkloch oder wenn mein Telefon im Flugmodus ist, immer etwas zu lesen.

Einen Text lesen in Pocket
Einen Text lesen in Pocket
...und in Refind
…und in Refind

All das funktioniert in Refind nicht. Per Default öffnet Refind die Artikel im Browser mitsamt Werbung, Grafiken und typografischen Sünden, die üblicherweise verhindern, dass man eine Webseite auch liest. Refind kennt zwar einen Offline-Modus, aber in diesen gelange ich nur, wenn ich manuell über die Settings umschalte. Solange ich mich in diesem Modus befinde, bekomme ich zwar tatsächlich eine lesefreundliche Ansicht eines Teils der gesammelten Texte, aber es ist es nicht möglich, Artikel zu taggen oder zu sharen. Gefühlte 80% der Funktionalität von Refind liegen im Offline-Modus brach, während sich Pocket ganz normal weiternutzen lässt und sich synchronisiert, sobald es wieder online ist. Einen Nachtmodus gibt es in Refind auch nicht: Im Bett möchte man diese App nicht nutzen. Außerdem ist das Ablegen in Refind unpraktischer. Wo bei Pocket ein Tap/Klick reicht, brauche ich bei Refind immer zwei, weil ich mich entscheiden soll, ob ich den jeweiligen Link erstmal nur der „Read“-Liste hinzufügen will oder mit „Save“ öffentlich teilen möchte, was nicht nur unpraktisch ist sondern auch unintuitiv. Klingt nach Meckerei, aber es sind solche Kleinigkeiten, die mit darüber entscheiden, wie gerne ich eine bestimmte App nutze.

Teil zwei meines Workflows: Taggen. Die meisten Texte lösche ich direkt nach dem (an)Lesen, einige poste ich auf Twitter und Facebook oder empfehle sie meinen Pocket-Followern. Wichtige Links tagge ich allerdings, um sie für Recherchen zu sammeln. Das können thematische Tags für längerfristige Studien sein oder für Artikel oder Radiobeiträge, die ich demnächst schreibe. Wenn ich mich dann dransetze, einen Text zu Thema XY zu schreiben, kann ich mir in Pocket alle Links mit dem Tag „XY“ anzeigen lassen. Zugleich dient mir das als Archiv. Ich habe mittlerweile eine große Sammlung von Texten zu bestimmten Themen, die mich interessieren und die ich leicht auffinden kann. Oder ich setze Tags wie „TODO“, weil es auf der Webseite etwas gibt, das ich erledigen möchte, z.B. ein Video auf dem großen Bildschirm und mit Ton ansehen. All das funktioniert in Refind nicht. Ich kann Tags setzen. Wenn ich anschließend in der iOS-App nach dem betreffenden Tag suche, bekomme ich eine leere Liste. In der Web-Version findet Refind zwar den Begriff in allen möglichen Webseiten, jedoch nicht das von mir selbst gesetzte Tag. Ich vermute, dass es sich um einen Bug handelt bzw. die App hier einfach noch nicht zuende programmiert wurde.

Bei den beiden wichtigsten Aufgaben, die eine Link-/Bookmark-Verwaltung meiner Meinung nach haben sollte, versagt Refind also völlig. Bleibt die Funktion als soziales Netzwerk: In Pocket kann man sich gegenseitig folgen. Dabei bekommt man aber nicht alle Bookmarks der Freunde und Bekannten zu sehen, sondern nur diejenigen, bei denen jemand explizit auf „empfehlen“ geklickt hat. Das Durchsehen dieser Empfehlungen ist in der Pocket-App leider ziemlich schlecht gelöst. Das Handling ist bei Refind tatsächlich wesentlich praktischer, allerdings bekomme ich keine handverlesene Auswahl explizit empfohlener Texte, sondern eine Flut von Links, die per Algorithmus zusammenstellt wurden. Eine Link-Empfehlung einer bestimmten Person, die sich nicht groß im Netz verbreitet hat, für mich aber sehr relevant sein kann, geht in Refind völlig unter. Zum Austauschen von wirklich relevanten Links im kleinen Kreis taugt Refind deshalb nicht. Wer die Empfehlungsfunktion nicht mag, aber sich für gut kuratierte Links interessiert, sollte sich statt Refind besser mal piq.de ansehen. Dafür stellt Refind ein sehr gutes Summary dessen zusammen, was in meiner Filterblase die letzten Stunden so an Links auf Twitter & Co. gepostet wurde. Dafür hatte ich bisher Nuzzel benutzt, aber die Ergebnisse von Refind sind tatsächlich besser. Es ist die einzige Funktion von Refind, die ähnlichen Diensten nicht unterlegen ist.

Kommen wir zur namensgebenden Funktion: Nur bedingt  brauchbar ist Refind, wenn es darum geht, einen Link wiederzufinden, den man neulich auf Twitter o.ä. gesehen hatte aber nicht nicht mehr finden kann. Manchmal funktioniert das in Refind sehr ordentlich, oftmals jedoch nicht und dann führt eine Suche auf Twitter, Facebook oder einfach nur Google schneller ans Ziel. Egal ob Tags oder frei gewählte Suchbegriffe: Selbst seine namensgebende Funktion erfüllt Refind nur unvollkommen.

Allerdings hat Refind zwei echte Alleinstellungsmerkmale. Das eine ist die Newsletter-Funktion. Refind versendet täglich oder wöchentlich ein Summary der eigenen in sozialen Medien geposteten Links per E-Mail an Leute, die das als Newsletter abonnieren möchten. Wer Newsletter mag, findet das praktisch. Wer selbst Newsletter redaktionell betreut, wird jedoch die Möglichkeit vermissen, den Newsletter um eine Einleitung oder Kommentare zu ergänzen. Also auch wieder nicht für die professionelle Nutzung geeignet.

Das zweite Alleinstellungsmerkmal ist Reward-Funktion. Wer bei Refind aktiv ist, wird mit „Coins“ belohnt, die man irgendwann mal in eine Cryptowährung umtauschen können soll. Die meisten Coins gibt es dafür, neue Nutzer anzuwerben. Das ist mir eher unangenehm. Ich gehe nicht davon aus, dass diese Coins irgendwann mal einen signifikanten Wert haben. Das Belohnungssystem droht aber, Masse statt Klasse zu fördern. Ich brauche keine monetäre Belohnung für die Teilnahme an einem solchen sozialen Netz. Die Funktionalität von Pocket und die Links, die ich über dessen Empfehlungsfunktion reinbekomme sind meine eigentliche Belohnung. Ich möchte nicht, dass Leute anfangen, einen Dienst zu fluten, weil sie irgendwelche Coins dafür bekommen. Ich möchte Leuten folgen, die etwas posten, weil sie es relevant finden und dazu was zu sagen haben.

Der Vollständigkeit halber: Pocket hat auch noch eine algorithmische Empfehlungsfunktion dessen, was weltweit auf Pocket gerade besonders beliebt ist. Den Bereiche meide ich, weil darüber fast nur Unsinn der Sorte „Was die Manager der größten IT-Konzerne zum Frühstück essen“ verbreitet wird. Hier ist der Algorithmus von Refind besser. Wer also eine Art automatisch zusammengestellte Zeitung möchte und mit den Ergebnissen von Instapaper oder Flipboard nicht so recht zufrieden war, sollte sich Refind ansehen. Eine weitere Stärke von Refind ist, dass dort im deutschsprachigen Raum derzeit wesentlich mehr Leute aktiv sind als auf Pocket.

Fazit: Refind hat eine Fülle von Funktionen, kann sehr viel, aber fast nichts davon gut. Für bestimmte Use Cases mag Refind sehr nützlich sein, wer aber professionell Links und Texte zu Recherche- und Studienzwecken sammelt, kommt weiterhin um Pocket nicht herum. Refind ist hierfür in der derzeitigen Form ungeeignet. Wer Nuzzel nutzt, findet in Refind einen besseren Ersatz. Ob das auch für Instapaper oder Flipboard gilt, ist Geschmacksache.

P.S.: Mein Refind wird nur automatisiert vor sich hintuckern und Links aus Tweets einsammeln, während ich Pocket weiterhin aktiv nutzen und darin auch Links empfehlen werde. Ich freue mich immer sehr über Leute mit interessanten Links, die sich auf Pocket mit mir vernetzen möchten.