Upgrade für mein elektrisches Ohr

Wer Cochlea-Implantate hat, kann grundsätzlich alle paar Jahre neue Prozessoren dafür beantragen. Bei meinen beiden Implantationen 2011 hatte ich das Nucleus N5 (CP810) von Cochlear bekommen. Mittlerweile bietet Hersteller den Nachfolger des Nachfolgers, also das N7 (CP1000), das mich unter anderem wegen der Möglichkeit, sich mit einem iPhone zu koppeln, interessierte. Um den Sprachprozessor zu wechseln, ist kein chirurgischer Eingriff nötig. Der auszutauschende Prozessor wird wie ein Hörgerät äußerlich getragen und versorgt das eigentliche Implantat, das nicht ausgetauscht wird, über eine Sendespule mit Signalen. Also machte ich letzten Herbst einen Termin mit meiner Klinik und durfte das neue Modell ein paar Wochen testen.

Nach der Testphase überprüften wir mein Sprachverständnis, wobei sich insbesondere das Hören in Störschall ein gutes Stück besserte. Mit den Messergebnissen stellte die Klinik einen Antrag auf Kostenübernahme. In der Wartezeit durfte ich auch noch das Vorgängermodell Nukleus N6 (CP910) testen. An das N7 lässt sich nämlich kein analoges Audiokabel mehr anschließen, weshalb ich unsicher war, ob ich wirklich direkt zum N7 oder doch erstmal nur zum N6 wechseln wollte, mit dem das noch geht. Denn das Implantat per Kabel mit einer analogen Klangquelle verbinden zu können, war mir schon sehr wichtig. Letztlich entschied ich mich dann aber doch für das N7.

Heute morgen kam das Paket per UPS zu mir nach Hause. Ich war etwas überrascht, dass ich gar nicht mehr in die Klinik musste, sondern die fertig programmierten Prozessoren direkt erhielt. Ein wenig war das wie ein Überraschungsei, denn in den Schachteln waren lauter Einzelteile, die ich erst einmal zusammenbauen musste. Das dauerte allerdings nur wenige Minuten, sodass ich an der Tagung, die heute auf dem Programm stand, gleich schon mit dem neuen Gehör teilnehmen konnte.

Das Ergebnis war großartig. Der Klang ist wesentlich plastischer, ich konnte den Vorträgen mühelos folgen und mich ebenso mühelos in den Vortragspausen verständingen, ohne ein einziges mal nachfragen zu müssen. An sich funktionierte das auch schon mit dem alten Prozessor ziemlich gut, allerdings nur bei sehr leisen und sehr lauten Störgeräuschen. Sprache aus mittellautem Stimmengewirr etwa in einem Restaurant heraushören war mit dem N5 eher schwierig und geht bei mir mit dem N7 erheblich besser.

Der Scan-Mode passt sich sehr gut an die Umgebung an, ohne ständig auf auffällig hörbare Weise die Lautstärke wegsacken zu lassen, kommt mir allerdings manchmal etwas zu leise vor. Besonders krass wirkt beim N7 der in allen Programmen zuschaltbare Forward-Focus, der radikal alle Geräusche wegschneidet, die von hinten kommen. Im Straßenverkehr womöglich gefährlich, auf Tagungen, in Kneipen und Restaurants ausgeprochen angenehm.

Der Nachteil des CP1000 ist wie gesagt, dass sich keine Audioquellen per Kabel mehr anschließen lassen. Dafür kann ich es drahtlos mit dem iPhone koppeln. Wann immer ich einen Anruf erhalte oder einen Podcast starte, höre ich einen kurzen Signalton und bekomme den Klang des Telefons für außenstehende unhörbar in meinen Hörnerv gestreamt. Die Qualität ist dabei allerdings minimal schlechter als bei einer analogen Kabelverbindung. Gelegentlich kommt es zu klanglichen Artefakten. Da ist also noch Luft nach oben, aber unterm Strich ist es dermaßen komfortabel, dass einem das Hantieren mit dem Audiokabel innerhalb kürzester Zeit als unglaublich fummelig und unpraktisch erscheint.

Ich kann mich also ohne weitere Hilfsmittel nur mit Smartphones oder Tablets verbinden, nicht jedoch mit PCs und analogen Klangquellen. Hierzu verwende ich das Minimic von Cochlear. Dessen Klangqualität lässt allerdings zu wünschen übrig. Gelegentlich rauscht es oder es kommt zu Störungen, die ähnlich klingen wie eingehende SMS in schlecht abgeschirmten Boxen. Außerdem ist der Frequenzbereich nochmal stark eingeschränkt, wie sich zum Beispiel auf Youtube leicht rausfinden lässt. Aber für den Schreibtisch reicht es. Eigentlich ist das schlecht, weil ich gelegentlich halt wirklich ein Audiokabel in guter Qualität benötige. Ich habe deshalb ein wenig damit gehadert, ob das CP1000 nicht ein Fortschritt mit eingebautem Rückschritt ist.

Allerdings war ich in der Testphase auch im Funkhaus und habe dort ganz normale Kopfhörer benutzt. Die verwende ich eigentlich nicht so gerne, weil sie nicht bequem sitzen, wenn sie statt der Ohrmuschel das Cochlea-Implantat beschallen sollen, dessen Mikrofone oberhalb des Ohres sitzen. Allerdings erwies sich die Klangqualität als so gut, dass ich dem Audiokabel nicht nachtrauern sondern mir große, weiche, gut klingende Kopfhörer besorgen werde, sobald ich sie für eine Audioproduktion benötige.

Kopfhörer brauche ich auch aus einem anderen Grund. Spätestens mit dem drahtlosen Streaming vom Telefon aufs Cochlea-Implantat ist für meine Mitmenschen völlig unsichtbar, dass ich gerade Musik oder einen Podcast höre. Das führt immer wieder zu Verwirrung, wenn sie mich ansprechen – etwa um nach dem Weg zu fragen – und ich natürlich nichts verstehe, weil ich gerade was anderes höre. Ich spiele deshalb schon lange mit dem Gedanken, mir möglichst große, weithin sichtbare „Laber mich nicht an“-Kopfhörer zu beschaffen. Attrappen sozusagen.

Die frustrierend falsche Berichterstattung zu Implantaten, Prothetik und Wissenschaftsthemen

Alle paar Tage das gleiche Spiel: Irgend eine Forschungsgruppe macht eine mehr oder weniger bahnbrechende Entdeckung, schreibt ein Paper und veröffentlicht es in einer renommierten Fachzeitschrift. Ist die Meldung sensationell genug, springen Publikumsmedien auf und berichten darüber. Leider in sehr vielen Fällen ohne das Paper verstanden oder überhaupt gelesen zu haben.

Das passiert auch regelmäßig mit „Cyborg-Themen“, wie sehr schön folgende Meldung aus dem Bereich Hirnimplantate illustriert. Forscher:innen der New Yorker Columbia University ist es gelungen, mit einem Implantat zu messen, was im Hörzentrum des Gehirns passiert, wenn Menschen gesprochener Sprache zuhören. Mit Hilfe von Machine Learning schufen sie ein KI-System, dass aus diesen Hirn-Signalen die gehörten Wörter rekonstruiert und wieder hörbar macht.

Das ist eine enorme wissenschaftliche Leistung. Allerdings sollte genau hingesehen werden, was dieses System kann und was nicht. Es kann gehörte Sprache während des Zuhörens aus dem Hörzentrum rekonstruieren. Was wir im Stillen für uns denken, kann das System hingegen nicht entschlüsseln. Das sagen die Forscher:innen in ihrem Paper auch ausdrücklich selbst, und diskutieren ausführlich, ob und wie auch nicht gerade gehörte Sprache aus dem Gehirn rekonstruiert werden könnte. Das Wort „Gedanke“ (thought) kommt im gesamtem Paper kein einziges mal vor.

In Zukunft also. Vielleicht. Aber nicht hier und heute. Kein Gedankenlesen. Doch was schreiben deutsche und internationale Medien?

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Manchmal sind die Artikel schlicht falsch, manchmal haben die Autor:innen völlig korrekt abgeliefert aber Redakteur:innen offenbar den Inhalt des Textes ignoriert und eine Clickbait-Überschrift drübergetackert. Der Verantwortung der Medien wird ein solches Vorgehen jedenfalls nicht gerecht, insbesondere auch, weil der weitaus größte Teil der Leser:innen Überschriften und Schlagzeilen scannt, ohne tiefer hineinzulesen. Eine vernünftige gesellschaftliche Debatte um technischen Fortschritt und seine Folgen für die Gesellschaft wird so unmöglich.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei cyborgs.cc

Wie aktuelle Digitalisierungsdebatten den Neoreaktionären zuarbeiten

Jürgen „Tante“ Geuter hat in einem bemerkenswerten Blogpost „sechs Unwahrheiten über die digitale Sphäre“ aufgeschrieben, der Misskonzeptionen gerade rückt, denen ungefähr alle schon einmal aufgesessen sind, die sich an derlei Debatten beteiligen – mich eingeschlossen.

Kurz zusammengefasst sind das:

  1. Technische Entscheidungssysteme (manchmal auch Algorithmen oder künstliche Intelligenz genannt) würden ethisch entscheiden, wenn man ihnen die Ethik nur korrekt einprogrammiert.
  2. Daten würden automatisch Wahrheit erzeugen, und wenn nicht, würden mehr Daten gebraucht.
  3. In 20 Jahren hätten wir eine künstliche Intelligenz vergleichbar mit dem menschlichen Gehirn.
  4. Diskriminierung durch Maschinen ist schlimmer als durch Menschen.
  5. Verträge und Gesetze würden sich sich ohne weiteres in Programmcode umsetzen lassen.
  6. Volle individuelle Autonomie ist der Inbegriff von Freiheit.

Eines oder mehrere dieser Muster werden regelmäßig benutzt, etwa bei so genannter künstlicher Intelligenz (Punkte 1, 2 und 3), Blockchain-Anwendungen (Punkte 2, 5 und 6), in der Hacker- und Nerdkultur (Punkte 4 und 6) und Einsatz algorithmischer Systeme durch den Staat oder große Unternehmen und den Widerstand dagegen (Punkte 1, 2, 5, und 6).

Über jeden einzelnen dieser Punkte ließe sich streiten und ganze Bücher verfassen, aber ich bin überzeugt, dass Jürgen weitgehend recht hat, auch wenn ich nicht so weit gehen würde, von „Falsehood“ zu sprechen, das immer auch die Konnotation von Lüge in sich trägt. Ich glaube durchaus, dass viele dieser Ansichten Misskonzeptionen sind, die manche Leute mit besten Intentionen pflegen. Oft haben sie den Charakter von Lebenslügen.

Die Frage ist jedoch: Was bringt uns diese Erkenntnis – außer diese Argumente in Debatten künftig nicht mehr zu verwenden? Bemerkenswert ist, dass Jürgens sechs Punkte alle (nicht nur aber auch) einen gemeinsamen Fluchtpunkt haben: Die Ausübung von Macht mittels technologischer Systeme und die Verschleierung derselben.

Betrachten wir die Punkte im einzelnen. Sie transportieren in etwa folgende Botschaft: Macht euch keine Sorgen, wenn wir Entscheidungsgewalt an Maschinen abgeben, dann wird das ethisch korrekt passieren, weil wir Ethik einprogrammiert haben werden (Punkt 1) genauso wie Gesetze und Verträge und deren strikte Einhaltung (Punkt 5). Fehlentscheidungen sind nicht möglich, weil Daten nicht Lügen können, und wenn es doch zu Fehlentscheidungen kommt, hatten wir noch nicht genug Daten (Punkt 2). Entscheidungen werden in 20 Jahren nicht mehr von Menschen getroffen werden, sondern von intelligenten Maschinen. Sie werden die Macht haben und das ist eine unausweichliche Entwicklung. (Punkt 3). Du findest das alles dystopisch und willst dabei nicht mitmachen? Dann bist du selber schuld, dass du [hier „bösen Internet-Konzern deiner Wahl einsetzen] mit Daten fütterst statt eigene Server zu pflegen und deine eigene Software zu programmieren (Punkt 6).

In Punkt 4 steckt meiner Meinung nach der springende Punkt. Er beschreibt Angst davor, dass Maschinen Menschen diskriminieren könnten. Als ob ein rassistischer Richterspruch zu Bewährungsauflagen weniger ungerecht wäre, wenn er durch einen menschlichen Richter ausgesprochen wird als durch ein algorithmisches System oder das Opfer eines Verkehrsunfalls mit einem selbstlenkenden Fahrzeug irgendwie toter sei als bei einem Unfall mit einem menschlichen Fahrer. Punkt 4 verschleiert die bereits heute in unseren Systemen vorhandenen Biase und praktizierten Diskriminierungen.

Anders gesagt: Die bereits heute bestehenden Biase und Diskriminierungen können fortgeschrieben werden, allerdings ohne dass es dann noch jemanden gibt, der die Verantwortung dafür trägt, ohne jedes demokratische Korrektiv. Denn die Maschine kann nicht falsch liegen, da ja Ethik, Gesetze und Verträge tadellos in sie hinein programmiert wurden und wenn es doch einen Fehler gab, lag es daran, dass es nicht genug Daten gab. Das ist ungemein praktisch, weil am Ende niemand Verantwortung trägt, spätestens mit Punkt 3 und der religiösen Überhöhung „künstlicher Intelligenz“ ins Gottgleiche bei den Singularitanern.

Der Punkt ist nur: Es wird gar keine Macht an Maschinen übertragen sondern weiterhin von Menschen und ihren Organisationen ausgeübt. Sie betreiben all die algorithmischen Systeme. Sie haben die Systeme so programmiert und trainiert, dass sie Ergebnisse in ihrem Sinne liefern. Und sie werden sie ganz schnell abschalten, sollten sie Entscheidungen treffen, die nicht in ihrem Sinne sind.

Perspektivisch weisen diese Narrative der Digitalisierung, auch wenn sie vielfach von gänzlich unverdächtigen Leuten und mit gegenteiliger Intention vertreten werden,  nahtlos in Richtung der Neoreaktionären, einer Bewegung, die Herrschaft durch eine neue (Tech-)Elite proklamiert und eine Art Techno-Feudalismus anstrebt bis hin zur Übernahme der Staatsgewalt durch Tech-Unternehmen. Gepaart mit dem religiösen Überbau des Transhumanismus und einem Human Enhancement, das nicht Inklusion, Vielfalt und Selbstverwirklichung dient sondern in seiner gegenwärtigen Form fast immer darauf abzielt, wie sie sich der relativ wohlhabende, weiße Mittelstand für eine komfortable Teilhabe an dieser technofeudalistischen Welt optimieren könne, bilden diese sechs Punkte das Narrativ einer Herrschaftsideologie.

Es geht also letztlich nicht darum, ob Technik gut oder böse ist (sie ist sowieso da und allzu menschlich) und die Antwort steckt auch nicht darin, dass wir alle künftig als eine Art Cyber-Mad-Max unsere eigene Technik programmieren können müssen, sondern die Frage ist: Wie kriegen wir algorithmische Entscheidungssysteme demokratisiert?

Automatisches Exzerpieren

Das ist die wohl unsexieste Überschrift für einen Blogpost aller Zeiten. Wer ernsthaft Literatur durcharbeitet, ist eigentlich ständig damit beschäftigt, Exzerpte zu schreiben, also beim Lesen einen Stapel Papier daneben zu legen und Zitate/Notizen mit Seitenzahl draufzuschreiben. Das geht natürlich auch wunderbar am Computer mit Copy&Paste. Und natürlich gibt es zu diesem Zweck die großen Literaturverwaltungen wie Citavi, Mendeley & Co. Einige von ihnen arbeiten sogar cloudbasiert, wenn auch die meisten noch klassische Programme sind, meistens für Windows. Für Mac-User wird da die Luft schon dünn. Für solche, die auch noch ein iPhone und ein iPad benutzen und ihre Exzerpte automatisch synchron halten wollen, wird die Luft noch dünner. Soweit ich sehen konnte, bieten die bekannten Literaturverwaltungen aber alle eines nicht: Eine ergonomische Reader-App mit automatischem Exzerpieren.

Ich lese ein PDF oder ein ePub in einer Reader-App auf dem Tablet, Telefon oder am PC. Interessante Stellen markiere ich und versehe sie direkt in der Reader-App mit einem Kommentar. Im Hintergrund legt die Reader-App automatisch für jedes gelesene Buch ein Dokument an, in dem alle markierten Zitate und Notizen nebst bibliografischen Angaben des betreffenden Buches völlig automatisch gesammelt werden, ohne dass ich mich noch um etwas kümmern muss. Wer schonmal nachts im Bett beim Lesen auf dem Telefon oder offline im Flugzeug oder ICE beim Lesen auf dem Tablet über wichtige Textstellen gestolpert ist, weiß was ich meine.

Es scheint genau einen Dienst zu geben, der das beherrscht: Google Play Books. (Hier steht, wie’s geht.) Der Google-Dienst hat eine Reihe von Vorteilen. Ich kann eigene ePubs hochladen und bin nicht auf das Google-eigene Angebot beschränkt. Die Arbeit ist fast vollkommen plattformunabhängig. Ich kann nahtlos zwischen Tablets, Telefonen und Computern wechseln. Es gibt Reader-Apps für Android und iOS und unter Windows/Linux/macOS kann ich im Browser arbeiten. Ich lande überall an der zuletzt gelesenen Stelle. Alle Exzerpte landen als Doc im Google Drive. Nur für PDFs ist Google Play Books noch kaum brauchbar, weil vielen PDFs die Meta-Angaben mit den bibliografischen Daten fehlen – von gescannten PDFs, wie sie typischerweise in Semesterapparaten vorliegen, ganz zu schweigen. Deshalb benutze ich Google Play Books nur für Bücher, die mir im Volltext als ePub vorliegen.

Was ich mich jetzt frage ist: Warum gibt es das in dieser Form nur von Google? In Apple Books kann ich auch cloudbasiert synchronisiert lesen, markieren und kommentieren, aber nicht automatisch exzerpieren. Jedenfalls konnte ich die Funktion nicht finden. Amazon Kindle scheint das zu können. Als ich das letzte mal geguckt habe, landeten allerdings alle Textstellen in einer Datei namens clipping.txt, die aufwändig weiter bearbeitet werden muss. Und wenn ich die Wahl zwischen Amazon und Google habe, kann ich auch gleich bei Google bleiben.

Mittlerweile gibt es dafür sogar einen offiziellen Standard namens Annotation, der hochgradig unterstützenswert aber noch noch nirgends für Endnutzer brauchbar implementiert zu sein scheint. Für Nextcloud gibt es einen Workflow für Notizen in GoodNotes. Das ist sehr interessant eben noch kein (automatisches) Exzerpieren wie oben beschrieben. Und die großen Literaturverwaltungen: Citavi kann Cloud hat aber keine Anbindung zu einem Reader und ist auf Windows beschränkt. Es ist stark beim Bilbiografieren, aber das Exzerpieren muss anderweitig stattfinden. Mendeley kann das hingegen und Cloud und und zig Plattformen, scheint aber offline nur sehr eingeschränkt nutzbar zu sein und nur mit Papers im PDF-Format aber nicht mit Bücher im ePub-Format umgehen zu können. Bei allen anderen sieht’s ähnlich aus, jedenfalls soweit ich sehen konnte.

Im Moment werde ich für Bücher weiterhin Google in Kombination mit Calibre zum Konvertieren benutzen. Beim Umgang mit Papers und beim Bibliografieren habe ich noch immer händisches Chaos. Hatte früher mal Citavi, die mich aber als Nicht-Windows-Nutzer offenbar nicht wollen. Ich tendiere dazu, als nächstes mit Mendeley zu experimentieren und werde schauen, wie gut/schlecht sich das mit Google kombinieren lässt. Dass Google das mit Play Books als einziger Anbieter elegant und ohne lange Einarbeitung nutzbar hinbekommt, will mir aber nicht recht in den Kopf. Gibt es da wirklich nichts anderes? Was habe ich übersehen?

Seenotrettung

Sammelschiffchen
Bild: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Sammelschiffchen#/media/File:DGzRS_Sammelschiffchen_2707.jpg

Längst sind es nicht nur originäre Nazis und Volkspfosten, die die Seenotrettung in Frage stellen. Denen ist es einmal mehr gelungen, eines ihrer menschenfeindlichen Meme in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Diese Mitte debattiert bereitwillig basale Menschenrechte und stellt sie so zur Disposition. Teil dieser unsäglichen Debatte ist die Frage, was denn private Organisationen überhaupt in der Seenotrettung verloren haben.

Ich bin in Ostfriesland aufgewachsen. Dort steht in gefühlt jeder Kneipe und auf den Tresen zahlloser Geschäfte, Büros und Wartezimmer ein so genanntes Sammelschiffchen, eine Spendendose der DGzRS. Das ist die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die in Nord- und Ostsee für die Seenotrettung zuständig ist. Sie hat zwar den Bundespräsidenten als Schirmherrn, ist aber nicht staatlich. Sie finanziert ihre Arbeit aus Spenden und bekommt fast keine öffentlichen Gelder. Die Seenotretter arbeiten ganz überwiegend ehrenamtlich. Nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts Kaufleute Geld für erste Rettungsstationen zusammenlegten, wurde die DGzRS 1865 gegründet – von Vertretern der Zivilgesellschaft wie einem Reeder, einem Zollbeamten, einem Navigationslehrer und einem Journalisten.

Die Seenotrettung mit unerwünschten Bürgerwehren zu vergleichen, ist absurd. Schließlich käme bei anderen Organisationen von ADAC bis Rotes Kreuz auch niemand auf die Idee, so zu argumentieren – außer vielleicht totalitäre Regime, die sich von NGOs gestört fühlen. Der Vergleich von Seenotrettung und Polizeiaufgaben ist dermaßen abwegig, dass sich der Eindruck aufdrängt, jemand suche verzweifelt nach Argumenten, Geflüchteten im Mittelmeer nicht helfen zu müssen.

Die Seenotrettung ist nicht nur seemännische Tradition sondern auch internationales Recht. Danach sind alle Schiffsführer verpflichtet, auf hoher See innerhalb ihrer Möglichkeiten Hilfe zu leisten, unabhängig von Nationalität, Status und sonstigen Umständen. Dies in Frage zu stellen – egal mit welchen Argumenten – ist ein zivilisatorischer Rückfall um 200 Jahre.

Statt Links der Woche: Tote Links der Woche

An dieser Stelle poste ich sonst sonntags punkt zwölf immer „Links der Woche“, die ich in den Vortagen gesammelt habe. Leider ist das Script kaputt, mit dem ich das mache. Deshalb gibt es zur Abwechselung mal ein paar tote Links.

Im Zuge der Reform der Datenschutzgesetze ging ein Gerücht um: Viele Blogger_innen würden ihre Blogs schließen. In meinem direkten Umfeld waren das nur sehr wenige, deshalb wollte ich es genauer wissen und fragte auf Twitter nach URLs von Blogs, Foren und ähnlichen Seiten, die wegen der DSGVO dicht gemacht haben.

Ehrlich gesagt habe ich selber nicht mit soviel Resonanz gerechnet. Manche machen ganz dicht, andere haben ihre Seiten erstmal offline geschaltet und wollen sie irgendwann demnächst wieder öffnen, wissen aber nicht wann und ob überhaupt. Die allermeisten sind kleine Blogs, manchmal auch Foren oder andere Projekte, darunter auch die Webseite einer kleinen freiwilligen Feuerwehr. Auch „Große“ sind dabei, wie die Los Angeles Times, die ihre Seiten einfach mal für Besucher aus der EU geschlossen haben, oder die WHOIS-Abfrage der DENIC.

Viele gaben an, dass ihr Blog sowieso eingeschlafen sei. Da ist das Offline-Nehmen trotzdem ein Verlust, schließlich ist es nicht nur bei Näh-Blogs oder Kochrezepten schade, wenn sie aus dem Netz verschwinden. Das ganze ist ein Stück Netzkulturgeschichte des frühen 21. Jahrunderts. Viele sagten auch, dass sie offline gegangen seien, weil sie nicht wüssten, wie sie ihre Blogs auf Plattformen wie Blogspot DGSVO-konform gestalten sollen und es deshalb erstmal einfach lassen.

Nicht mitgerzählt habe ich Blogs, die weiterhin online sind aber Kommentare abgeschaltet haben wie mein eigenes. Oder alle, die von geschlossenen Seiten berichteten aber keine URL nannten. Einige gaben mir URLs, baten mich aber explizit, sie nicht in die Liste aufzunehmen. Woran ich mich natürlich gehalten habe. Alle URLs habe ich zum Zeitpunkt der Sammlung überprüft. Bald finden sich unter den Adressen vielleicht auch ganz andere Seiten. Ebenfalls nicht hier gesammelt habe ich allerlei Skurrilitäten, die gerade anderswo dokumentiert werden.

Diese kleine Erhebung ist natürlich überhaupt nicht repräsentativ. Ich rechne mit einer Dunkelziffer mindestens um den Faktor 10. Bei den meisten wäre die Schließung so auch nicht nötig gewesen. Die Leute sind halt verunsichert.  Es wird spannend werden zu sehen, wieviele der Seiten in – sagen wir – vier Wochen wieder da sind.

Nach 24 Stunden umfasst die Liste 324 320* Einträge. Hier sind sie:

  1. www.denic.de/service/whois-service/anfragen-dritter-zu-inhaberdaten/
  2. latimes.com (für EU-Bürger)
  3. www.tronc.com/gdpr/chicagotribune.com/ (für EU-Bürger)
  4. www.malte-welding.com/
  5. obstgartentorte.com
  6. 360gametv.com/
  7. www.nurdertim.de/
  8. fettlogik.wordpress.com/
  9. fraupapa.com/2018/04/10/dsgvo-blog-geschlossen/
  10. fremdsprachenundwebzweinull.blogspot.de/
  11. annjabusch.de/
  12. www.amiga-news.de/de/news/AN-2018-05-00027-DE.html
  13. kueperpunk2012.blogspot.com
  14. brennendebuchstaben.blogspot.com
  15. translateordie.wordpress.com
  16. hinterhofderfantasie.wordpress.com
  17. zooerleben.blogspot.de
  18. taechl.blogspot.de
  19. salondufromage.wordpress.com
  20. hans-huett.de
  21. manfredholl.de
  22. anlasslos.de
  23. jurabilis.de
  24. dinlug.de
  25. bombasstard.de
  26. theoschreibt.blogspot.com/
  27. verwickeltes.wordpress.com/
  28. robert-rutkowski.de/
  29. dasfotobus.wordpress.com/
  30. insidex.de/
  31. dbr-design.de/
  32. bewusstekommunikation.wordpress.com
  33. www.around-christmas.com/
  34. www.www.bk-psychotherapie.de/
  35. www.pantomime-slapstick.de/
  36. www.captain-cook.at/
  37. www.beauty-und-wellness.info/
  38. www.koch-doch.eu/
  39. www.kunst-palast.com/
  40. www.landleben-lieben.eu/
  41. www.top-acts.com/
  42. www.rad-lager.eu/
  43. www.fotobuch-tips.de/
  44. blog.nz-online.de
  45. stadioncheck.de/
  46. wir-dienten-deutschland.de/
  47. nrw-stadien.de/
  48. www.pafnet.de/index.php (Community-Teil)
  49. oeffentlicher-dienst.info/forum/?f=3
  50. sonnenbeobachtung.blogspot.de/
  51. astroholl.blogspot.de/
  52. www.aidshilfe-wuppertal.de
  53. hnwatch.de/
  54. elbloggo.de/
  55. notizen.steingrau.de
  56. things.steingrau.de/
  57. otherland-group.com/
  58. blog.nugg.ad (leitet auf Firmenseite um)
  59. www.kinder-welten.eu/
  60. www.hartzloh.de/
  61. supercatcontent.com/ (leitet auf ein anderes um)
  62. viertelberliner.de/ (leitet auf ein anderes um)
  63. kobaltauge.de/
  64. www.koellerer.net/
  65. silkeburmester.de/
  66. bydrone.de/
  67. www.gasabzocke.de/
  68. www.gamers-corner.de/
  69. jena-spart.de/
  70. www.sv-biberach.de
  71. www.webmasterpark.net/ (Forum abgeschaltet)
  72. www.technikteam.de/forum/
  73. opalkatze.wordpress.com/
  74. david-jacob.de/blog
  75. tagesschauder.blogger.de
  76. amphibol.blogspot.de/
  77. www.pcwelt-forum.de/
  78. www.flickr.com/photos/124330160/
  79. www.andreas.de/wordpress/
  80. www.137b.org/
  81. Bardrei.wordpress.com
  82. Kinotrueffel.wordpress.com
  83. esteinhauer.tumblr.com/
  84. soziobloge.com
  85. sternenhimmelkirche.wordpress.com/
  86. kaiserkiwi.de/2018/04/das-wars-danke/
  87. www.yahoogroups.de/group/schloff
  88. jahrgangsgeraeusche.de/
  89. www.sprachlog.de/
  90. hnz.thueringen.de/hw2.0/benachrichtigungsdienst.html
  91. wertzeichen-bloggen.de
  92. forschungs-blog.de (umgeleitet)
  93. manipuliert.de
  94. wilderkaiserblog.de/
  95. lernmodule.net/
  96. www.kolumnistenschwein.de/
  97. petieskueche.blogspot.de/
  98. tortentante.blogspot.de/
  99. edchatde.wordpress.com/
  100. herrmess.wordpress.com/
  101. inquirywatch.berlin/
  102. daniel-luecking.berlin/
  103. blogbeuys.wordpress.com/
  104. www.kindundkittel.de/
  105. www.rechtsanwaltskammer-duesseldorf.de/
  106. www.kunsthandwerker-markt.de/
  107. ausdemlebeneinertaugenichts.de
  108. klangkreisthueringen.de/
  109. blog.2smart4u.de/
  110. kreativchannel.blogspot.de/
  111. kuechenplunder.blogspot.de/
  112. mychessline.blogspot.de/
  113. www.eyesaiditbefore.de/
  114. www.instapaper.com/gdpr (für EU-Bürger)
  115. meinglueck.wordpress.com/
  116. lilaweiss.de/index.php?include=treffpunkt_anz
  117. erzaehlmirnix.wordpress.com/
  118. salondufromage.wordpress.com
  119. www.pifpafindresden.com/
  120. tamarilla-naeht.blogspot.de/
  121. beate-sewing.blogspot.de/
  122. hotkontur.blogspot.de/
  123. schuhpeg.blogspot.de/
  124. nadelfein.blogspot.de/
  125. anneblog-reloaded.blogspot.de/
  126. www.kpopmagazin.de/
  127. kruegercousinen.wordpress.com/
  128. dani-ela-ist-kreativ.blogspot.de/
  129. nadelexperimente.wordpress.com/
  130. marabunte.wordpress.com/
  131. clauchichi.blogspot.de/
  132. pueppilottas-kinderland.blogspot.de/
  133. resize-genadelt.blogspot.de/
  134. kremplinghaus.wordpress.com/
  135. www.vogelbraeu.eu/
  136. fubacamp.de/
  137. elbbits.de/
  138. www.color-crusade.de/
  139. www.splendidbritain.com/
  140. mamasnaehen.blogspot.de/
  141. fraurauschnaeht.blogspot.de/
  142. naehte-von-kaethe.blogspot.de/
  143. meinekameraundich.wordpress.com/
  144. snoopers.bplaced.net/
  145. thomasullrich.de/
  146. notfelle.wordpress.com/
  147. geekpub.de/
  148. www.hertha-inside.de/index.html
  149. macig.de/
  150. www.jutima.at/
  151. sunnypug.com/
  152. seekrank.ohobby.de/
  153. translateordie.wordpress.com/
  154. www.schaubefehl.de/
  155. endemitschrecken.de/
  156. teacheridoo.wordpress.com/
  157. spurimsand.wordpress.com/
  158. landfamilie.net/
  159. daskleinemueff.wordpress.com/
  160. medialeprokrastination.wordpress.com/
  161. diesesinternet.de/
  162. moviroyal.de/
  163. jop.blogspot.de/
  164. ling60secs-blog.tumblr.com/
  165. RingFahndung.de (leitet auf about.me um)
  166. koenigsblog.net/
  167. shiftingreality.wordpress.com/
  168. verabunse.wordpress.com/
  169. melenvie.com/
  170. cybercrimeblog.fhpolbb.de/
  171. www.ninas-kleiner-food-blog.de/
  172. www.rehleinbackt.de/
  173. peho.typepad.com/chili_und_ciabatta/
  174. www.die-teigfabrik.de/
  175. www.s-kueche.com/
  176. kuechenvergnuegen.blogspot.de/
  177. www.thank-you-for-eating.com/
  178. zucker-und-salz.blogspot.de/
  179. scrap-ansichten.blogspot.de/
  180. translateordie.wordpress.com/
  181. justdisabled.wordpress.com/
  182. Kostuemstudio-sacher.de
  183. meike-misia.de
  184. carmour.de
  185. kraatzdesign.com
  186. yoganerd.de/
  187. taschenlampen-forum.de/
  188. www.reisen-fotografie.de/spotter-foren/
  189. www.jogmap.de/
  190. textwarts.wordpress.com
  191. meinwaerts.wordpress.com/
  192. autenrieths.de
  193. cdu-huelzweiler.de
  194. jenensair.org/
  195. schreibkasten.wordpress.com/
  196. feuerwehr-bss.de/index.php/ortsteil-feuerwehren/ahl.html
  197. www.adminblogger.de/blog/2018/05/25/time-to-say-goodbye/
  198. mobahner.com/
  199. 1zu45.wordpress.com/
  200. grafixmafia.net/
  201. www.ytrasse-buchholz.de/
  202. predictivebehavioraltargeting.com
  203. forum.devs-on.net/
  204. www.salomesdance.de/
  205. msk23ab.wordpress.com/
  206. www.bombasstard.de/
  207. miniextravaganz.blogspot.de/
  208. lyaundich.blogspot.de/
  209. nordendnaht.blogspot.de/
  210. heftstich.net
  211. rockgerda.blogspot.de/
  212. asurocks.blogspot.de/
  213. ruffs-hizzel.com/
  214. littlebubba.de/
  215. playworkandlearn.wordpress.com/
  216. formmailer.de/
  217. der-vampir-von-duesseldorf.blogspot.de/
  218. nalke.info/
  219. dokape.de/
  220. horebstadt.de/
  221. vorfahrensucher.wordpress.com/
  222. schmidtbarbara.wordpress.com/
  223. ahnenforschung-johne.de/
  224. www.firstresponder-ottersheim.de/
  225. therestlessmachine.de/
  226. codeascontrol.wordpress.com/
  227. anjalorenz.wordpress.com/
  228. socialwebpathologies.wordpress.com/
  229. chembows.wordpress.com/
  230. lehrlauf.wordpress.com/
  231. sooc13.wordpress.com/
  232. soopal.wordpress.com/
  233. www.kultpower.de/forum_offline.html?f=13&t=33267
  234. cygnusreviews.wordpress.com/
  235. vorweihnachtszeit.wordpress.com/
  236. guckblog.wordpress.com/
  237. geknipstblog.wordpress.com/
  238. literarisch.wordpress.com/
  239. klostertreffen.wordpress.com/
  240. vorweihnachtszeit.wordpress.com/
  241. matthias-andrasch.de/
  242. off-tv.de/
  243. jugendbuero-vgo.de/
  244. mikebourquin.de/
  245. moewenleak.wordpress.com/
  246. lindalink.de/blog/
  247. www.schrebergarteln.de/
  248. cmrcx.wordpress.com/
  249. www.iff-music.de/
  250. cmr.cx/
  251. zxr750.de/
  252. charlyandfriends.blogspot.de/
  253. vr-legion.de/
  254. www.vorstadtmaus.de/
  255. www.buntgestreifthuepfig.de/
  256. moechtegernschriftstellerin.wordpress.com/
  257. luckystrikes.me/
  258. peter-goldman.de/
  259. cbeuster.de/
  260. sonstigesblog.wordpress.com/
  261. jobcenteraktivistin.wordpress.com/
  262. maintenance.1-2-do.com/de.php
  263. kita-im-gewerbehof.de/
  264. onlineshop.swk.de/ticketshop/
  265. spektrallinie.de/
  266. schreibhandwerk.blogspot.de/
  267. igkrimis.wordpress.com/
  268. kuechenzaubereien.blogspot.de/
  269. www.footnoters.de/
  270. www.jobinspektor.de/
  271. weihnachtswunschliste.de
  272. wasbringtunsnichtweiterde.tumblr.com/
  273. stanislaw-lem.de/
  274. stalinwerke.de/
  275. woschod.de/
  276. preiselbauer.de/
  277. umrath.blog/
  278. weihnachtsmigration.de/ (leitet um)
  279. lorem.info
  280. zuspieler.de/ (Blog durch was anderes ersetzt)
  281. www.gearbuilder.de/
  282. marcusjohanus.wordpress.com/
  283. schmidtbaltimore.blogspot.de/
  284. bfgang.jimdo.com/
  285. boardgamebandit.de/
  286. daphotography.de/
  287. www.brettspielelabor.de/
  288. lichtteilchen.com/
  289. tialotta.de/
  290. financial.neuenberger.de/
  291. dasnachwachshaus.wordpress.com/
  292. angucken.wordpress.com/
  293. sarawesterhaus.wordpress.com/
  294. www.addict.de/
  295. www.klickibunti.org/
  296. rofl.habischlaptop.de/
  297. www.mindsdelight.de/
  298. www.seco-edv.de/
  299. www.michael-sessler.de/
  300. ShortestTechReview.com (leitet um)
  301. haascore.de/
  302. kassettenbox.de/
  303. yourssabrina.de/
  304. icantdeutsch.com (leitet um)
  305. thebenifitsofhangovers.com/
  306. kaliban.de/
  307. travelink4you.de/
  308. bloody-disgusting.com/ (blockiert in der EU)
  309. monstrula.de/
  310. www.zelluloid.de/
  311. cartoontomb.de/
  312. remebering.today/
  313. michaela-nikoleit.de/
  314. joergoyen.wordpress.org
  315. www.tattoo-guide.de/
  316. modernemythen.blogspot.de
  317. neuerspieler.blogspot.de
  318. googlefokus.blogspot.com
  319. stuffmorpork.blogspot.com
  320. zuckerschnute.family.blog/

*Update 28.05.2018: Vier Blogs aus der Liste genommen, die doppelt vorkamen oder sich wieder online gemeldet haben. In der Zwischenzeit kamen ca. 30 weitere Meldungen rein. Ich zähle aber nicht mehr mit und werde obige Liste nicht weiter pflegen.

Wie ich heute in meinem Blog etwa 3000 Kommentare aus 17 Jahren löschte

Noch drei Tage bis die DSGVO gilt, da musste ich dringend mal mein Blog anpassen, schließlich werbe ich hier auch für meine Tätigkeit als Publizist, was keine „rein private“ Nutzung ist. Das geht aber alles ganz einfach, wie zahlreiche Datenschützer nicht müde werden zu versichern. Also erstmal brauchst du eine Datenschutzerklärung, in der du rechtssicher und zugleich verständlich erklärst, was für Daten du erhebst, speicherst und wie du sie verwendest. Außerdem schreibst du für eine deiner Schreibtischschubladen ein vollständiges Verzeichnis deiner Datenverarbeitungstätigkeiten. Da kommt ganz genau rein, welche Daten du auf welcher gesetzlichen Grundlage speicherst, wofür die sie verwenden willst und wer bei dir Ansprechpartner ist. Und an Stellen im Blog, wo du Daten erhebst, formulierst du Einwilligungserklärungen zur Datenerhebung. Und dann kommen wir zum Löschkonzept, zu den Verträgen zur Auftragsdatenverarbeitung, zur den technischen Änderungen, die du am Blog vornehmen musst, und… Ok, scheiß drauf. Dieses Blog erhebt einfach keine Daten mehr. Und setzt null Cookies bei euch. Radikalkur.

Was ich im einzelnen gemacht habe:

  • Unabhängig von WordPress sicherstellen, dass der Webserver keine IP-Adressen in seinen Logfiles speichert. Tut meiner eh nicht.
  • Backup nicht vergessen. Und wenn alles erledigt ist und weiterhin funktioniert, Backup löschen nicht vergessen. Stecken ja noch personenbezogene Daten drin. Das gilt übrigens auch für die ganzen alten Backups, die du früher mal von deiner WordPress-Installation gemacht hast. Herrlich, so ein Start bei Null.
  • Alle Plugins entfernen, die in irgend einer Form tracken. Adsense, Analytics… alles raus. Kein Problem: Hatte ich sowieso nicht.
  • Alle Social Buttons oder Flattr und was es so gibt, müssen auch raus. Auch kein Ding: Hatte ich schon vor Jahren abgeschafft.
  • Achte darauf, dass dein Theme keine Google Fonts nachlädt. Mein Theme basiert auf „Twenty Seventeen“, da musste ich zwei Code-Stellen aus der functions.php herausnehmen.
  • Die Kommentarfunktion erhebt personenbezogene Daten. Und setzt unter Umständen Cookies. Also die Kommentarfunktion abschalten. Kommentiert ihr halt in Zukunft bei Facebook. Facebook hat eine tolle Datenschutzerklärung. Ich nicht. Dort seid ihr also sicherer mit euren Daten.
  • Für die alten Kommentare, die Menschen mal in euren Blogs hinterlassen haben, braucht ihr streng genommen alte Einwilligungserklärungen. Sowas hat natürlich niemand. Also alle Kommentare löschen. War eh viel Haterei dabei. Zugehörige Meta-Daten nicht vergessen.
  • Doch halt: Die Login-Seite setzt immer noch ein Auth-Cookie. Ich bin zwar die einzige Person, die in meinem Blog einen Account hat, aber es könnte sich ja jemand auf die nicht verlinkte Login-Seite verirren und anschließend rufen „Mama, Mama, das böse Blog hat mir einen Cookie gesetzt!“. Also Login-Seite verstecken, damit außer mir niemand drankommt. Das ist auch sonst eine gute Idee, um es Angreifern schwerer zu machen. Geht mit dem Plugin WPS Hide Login.
  • Dumm nur: In einigen Blogposts sind Youtube-Filme eingebunden. Und Youtube setzt ja auch wieder böse Cookies. Da gibt es auch ein Plugin für. Es heißt „Embed Videos and respect Privacy“ und sorgt dafür, das die Videos nicht direkt eingebettet sondern erst nach entsprechendem Klick nachgeladen werden. Das ganze sieht dann so aus. Vorsicht: Auf sehr alten Blogposts werden Videos eventuell anders eingebettet. Das muss durchgearbeitet werden.
  • Falls ihr noch irgendwelches anderes Zeug eingebettet habt, zum Beispiel Tweets: Weg damit oder irgendwie durch was ersetzen, wo Leute erstmal draufklicken müssen, bevor es tracken kann oder Cookies setzt. Ich hab sowas nicht, kann also auch nicht sagen, was ihr da braucht.
  • So. Geschafft. Mein WordPress setzt jetzt von sich aus keine Cookies mehr bei euch. Außer der EU-Cookie-Warnung, die ein Cookie setzt, um sich zu merken, dass ihr mal weggeklickt habt, dass sie euch vor Cookies gewarnt hat. Die kann jetzt auch weg. Hurra, bei mir müsst ihr das nie wieder wegklicken. Dienst am Leser.
  • Klingt viel, ist aber alles schnell erledigt. Ok, wenn du dich ein wenig mit mySQL und phpMyAdmin auskennst vermeidest du bei großen, alten Blogs lange Klickorgien im WordPress-Backend. Jedenfalls: Dies ist die Beton-Variante von DSGVO-konform in unter einer Stunde. \o/

Fertig. Mein Blog ist jetzt die datenschutzkonformste kommunikative Einbahnstraße ever. Siehe Datenschutzerklärung.

Links der Woche

  • Lösch Dich! Deutsche Trolle, die Alt-Right und die Piratenpartei | H I E R:

    “Bei meiner Beschäftigung mit der Alt-Right ist mir dieser schmale Grat immer wieder begegnet. 4chan war auch nicht von Anfang an rechts – als ich das erste mal damit in Berührung kam (so 2009) hatte ich ebenfalls nicht den Eindruck, obwohl sie schon damals mit Hakenkreuzen und KZ-Humor herumprovozierten. Ich verstand die Geste, wie sie wohl gemeint war, als anarchistische „Fuck You“ Botschaft an die Mainstream-Gesellschaft. Und doch ist es ja passiert, und doch kam der Schulterschluss mit den Nazis und doch haben sie politisch etwas bewegt und zwar nach rechts. Das ist vielleicht das Problem mit der Dauerironie: Aus Spaß wird Ernst und hinterher ist niemandem mehr klar, wo diese Grenze überschritten wurde.”

  • „Zum Zweck der Machterhaltung wird man die Weltbevölkerung auf ein Minimum reduzieren. Dies geschieht mittels künstlich erzeugter Krankheiten.“ Carl Friedrich von Weizsäcker (angeblich):

    “Aber diese Prophezeiungen stammen nicht von Carl Friedrich von Weizsäcker, sondern von einer unbekannten Autorin oder einem unbekannten Autor wahrscheinlich aus dem Jahr 2007.”

  • Ludwig Wittgenstein was one of the great 20th-century philosophers. He also invented the emoji:

    ““Such words as ‘pompous’ and ‘stately’ could be expressed by faces,” said Wittgenstein. “Doing this, our descriptions would be much more flexible and various than they are as expressed by adjectives.” For example, the emotional experience of hearing a piece by Schubert is better expressed through a sketch of a human face than through the term “melancholic.”“

  • Die Angst vor dem Feminismus:

    “»Der Aufstand der Incels hat bereits begonnen! Wir werden alle Chads und Stacys stürzen! Hoch lebe der höchste Gentleman Elliot Rodger!« Diese Worte schrieb Alek Minassian auf seiner Facebookseite, bevor er am 23. April im ­kanadischen Toronto mit einem gemieteten Kleinlastwagen in eine Menschenmenge fuhr, zehn Menschen tötete und 14 verletzte. Während die genauen Motive für die Tat des 25jährigen IT-Studenten noch ungeklärt sind, sind die Bezüge auf die sogenannte Manosphere offenkundig.”

  • We’re Building a World-Size Robot, and We Don’t Even Realize It:

    “The industry is filled with market failures that, until now, have been largely ignorable. As computers continue to permeate our homes, cars, businesses, these market failures will no longer be tolerable. Our only solution will be regulation, and that regulation will be foisted on us by a government desperate to “do something” in the face of disaster.”

  • Electronics-recycling innovator is going to prison for trying to extend computers‘ lives:

    “The appeals court upheld a federal district judge’s ruling that the discs Eric Lundgren made to restore Microsoft operating systems had a value of $25 apiece, even though the software they contained could be downloaded free and the discs could only be used on computers that already had a valid Microsoft license.”

Technik im Körper: Seitenwechsel per Implantation (Update)

Update: Der Talk ist jetzt bei Youtube online.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=wcSRCPpnt34&feature=youtu.be

Bei Filterblasen denken wir an soziale Medien und Fakenews oder Hatespeech. Vielleicht hilft beim Entschlüsseln dieser Probleme ein Blick auf ganz andere, nicht digitale Filterblasen und die Erfahrungen, die ein Mensch macht, wenn er oder sie von einer Blase in die andere wechselt. Ein Beispiel sind Gehörlose und Schwerhörige. Während es für die meisten Menschen möglich ist, eine andere Kultur durch erlernen von Sprache und Codes zu „betreten“, ist dieses für Menschen der Gehörlosenkultur nicht möglich, schließlich sind sie von lautsprachlicher Kommunikation ausgeschlossen. Hierfür kennt die Digitalisierung eine technische Lösung: Das Cochlea-Implantat, eine elektronische Hörprothese. Ich trage so ein Implantat und habe die Implantation, das Wieder-Hören-Können, den Übertritt von einer Blase in die andere und den damit einhergehenden Perspektivenwechsel als großartige Zeit erlebt. Aber auch als Infragestellung meiner Identität. Es ist also keine Überraschung, dass das Cochlea-Implantat ähnlich wie viele andere digitale Errungenschaften als Bedrohung wahrgenommen und von Teilen der Gehörlosen-Community strikt abgelehnt wird. Das darf aber nicht mit Ignoranz und Technikfeindlichkeit verwechselt werden: Aus Perspektive der Gehörlosen gibt es legitime Gründe, das Cochlea-Implantat zu kritisieren. Gibt es wirklich technische Lösungen für soziale Probleme? Ist es Emanzipation oder eher die Normalisierung und Vereinheitlichung der Bevölkerung? Wer trägt die Verantwortung, etwa wenn Ärzte und Eltern entscheiden müssen, ob ihr Kind ein Implantat erhalten soll und unterschiedlicher Meinung sind? Und wie funktioniert hier der Austausch zwischen den verschiedenen Communities bzw. die Abgrenzung zwischen ihnen? In diesem Talk versuche ich, die Geschichte eines Konfliktes zu skizzieren, der seit mittlerweile Jahrzehnten fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ausgetragen wird und zugleich als Folie für die aktuellen Probleme der Digitalisierung dienen kann.

Darüber werde ich am Donnerstag auf der re:publica reden.

Links der Woche

  • Where do conspiracy theories come from?:

    “In his short essay The Conspiracy Theory of Society, Popper begins by describing the worldview of the ancient Greeks. For them, the Gods took an active interest in human affairs and anything that happened had their tacit approval. Events like the Trojan war were the direct result of divine meddling in human affairs. Popper believes that this belief never faded away and that now, instead of using God, conspiracy theorists suppose events are orchestrated by “various powerful men and groups—sinister pressure groups, who are to be blamed for having planned the Great Depression and all the evils from which we suffer.””

  • We’re in the midst of an apocalypse. And that’s a good thing.:

    “In Greek, the word apocalypse means to uncover, to peel away, to show what’s underneath. That’s what this country has been experiencing in the past six months. There has not been a sudden uptick in sexual misconduct and assault in our country, the #MeToo and #TimesUp movements are simply exposing what was already there. The reality that some men comment on, threaten, masturbate in front of, intimidate and assault female bodies is finally being brought out of the dark ubiquity of women’s personal experience and into the light of public discourse. The male domination at the center of the sexual harassment issue — how those in positions of power (usually, but not always, men) have used that power to sexually gratify themselves at the expense of those who are subordinate to them (usually, but not always, women) — is being revealed apocalyptically in prime time.”

  • „Junge Freiheit“, „Achse des Guten“, „Tichys Einblick“, AfD: Sprache & Vokabeln:

    “Auf Twitter aber sehe ich immer wieder eine Blase, einen politischen Kosmos, der mich abstößt und der mir Angst macht. Hier kurz gesammelt: die Phrasen, Codes, Signalworte, Floskeln und Stichworte, die dort IMMER wieder auftauchen.”

  • How Feminists in China Are Using Emoji to Avoid Censorship:

    “Take, for example, Chinese feminists’ embracing of #MeToo. The movement, which sought to show the volume of sexual misconduct against women by sharing stories of harassment and assault accompanied by the hashtag, came to prominence in China after a former doctoral student named Luo Xixi shared a letter on Weibo about being sexually harassed by a former professor. The story quickly went viral, sparking a huge debate about sexual misconduct and leading Weibo to block the #MeToo hashtag. But Chinese feminists found a way around it—they began using #RiceBunny in its place along with the rice bowl and bunny face emoji. When spoken aloud the words for “rice bunny” are pronounced “mi tu,” a homophone that cleverly evades detection.”