Wie ich heute in meinem Blog etwa 3000 Kommentare aus 17 Jahren löschte

Noch drei Tage bis die DSGVO gilt, da musste ich dringend mal mein Blog anpassen, schließlich werbe ich hier auch für meine Tätigkeit als Publizist, was keine „rein private“ Nutzung ist. Das geht aber alles ganz einfach, wie zahlreiche Datenschützer nicht müde werden zu versichern. Also erstmal brauchst du eine Datenschutzerklärung, in der du rechtssicher und zugleich verständlich erklärst, was für Daten du erhebst, speicherst und wie du sie verwendest. Außerdem schreibst du für eine deiner Schreibtischschubladen ein vollständiges Verzeichnis deiner Datenverarbeitungstätigkeiten. Da kommt ganz genau rein, welche Daten du auf welcher gesetzlichen Grundlage speicherst, wofür die sie verwenden willst und wer bei dir Ansprechpartner ist. Und an Stellen im Blog, wo du Daten erhebst, formulierst du Einwilligungserklärungen zur Datenerhebung. Und dann kommen wir zum Löschkonzept, zu den Verträgen zur Auftragsdatenverarbeitung, zur den technischen Änderungen, die du am Blog vornehmen musst, und… Ok, scheiß drauf. Dieses Blog erhebt einfach keine Daten mehr. Und setzt null Cookies bei euch. Radikalkur.

Was ich im einzelnen gemacht habe:

  • Unabhängig von WordPress sicherstellen, dass der Webserver keine IP-Adressen in seinen Logfiles speichert. Tut meiner eh nicht.
  • Backup nicht vergessen. Und wenn alles erledigt ist und weiterhin funktioniert, Backup löschen nicht vergessen. Stecken ja noch personenbezogene Daten drin. Das gilt übrigens auch für die ganzen alten Backups, die du früher mal von deiner WordPress-Installation gemacht hast. Herrlich, so ein Start bei Null.
  • Alle Plugins entfernen, die in irgend einer Form tracken. Adsense, Analytics… alles raus. Kein Problem: Hatte ich sowieso nicht.
  • Alle Social Buttons oder Flattr und was es so gibt, müssen auch raus. Auch kein Ding: Hatte ich schon vor Jahren abgeschafft.
  • Achte darauf, dass dein Theme keine Google Fonts nachlädt. Mein Theme basiert auf „Twenty Seventeen“, da musste ich zwei Code-Stellen aus der functions.php herausnehmen.
  • Die Kommentarfunktion erhebt personenbezogene Daten. Und setzt unter Umständen Cookies. Also die Kommentarfunktion abschalten. Kommentiert ihr halt in Zukunft bei Facebook. Facebook hat eine tolle Datenschutzerklärung. Ich nicht. Dort seid ihr also sicherer mit euren Daten.
  • Für die alten Kommentare, die Menschen mal in euren Blogs hinterlassen haben, braucht ihr streng genommen alte Einwilligungserklärungen. Sowas hat natürlich niemand. Also alle Kommentare löschen. War eh viel Haterei dabei. Zugehörige Meta-Daten nicht vergessen.
  • Doch halt: Die Login-Seite setzt immer noch ein Auth-Cookie. Ich bin zwar die einzige Person, die in meinem Blog einen Account hat, aber es könnte sich ja jemand auf die nicht verlinkte Login-Seite verirren und anschließend rufen „Mama, Mama, das böse Blog hat mir einen Cookie gesetzt!“. Also Login-Seite verstecken, damit außer mir niemand drankommt. Das ist auch sonst eine gute Idee, um es Angreifern schwerer zu machen. Geht mit dem Plugin WPS Hide Login.
  • Dumm nur: In einigen Blogposts sind Youtube-Filme eingebunden. Und Youtube setzt ja auch wieder böse Cookies. Da gibt es auch ein Plugin für. Es heißt „Embed Videos and respect Privacy“ und sorgt dafür, das die Videos nicht direkt eingebettet sondern erst nach entsprechendem Klick nachgeladen werden. Das ganze sieht dann so aus. Vorsicht: Auf sehr alten Blogposts werden Videos eventuell anders eingebettet. Das muss durchgearbeitet werden.
  • Falls ihr noch irgendwelches anderes Zeug eingebettet habt, zum Beispiel Tweets: Weg damit oder irgendwie durch was ersetzen, wo Leute erstmal draufklicken müssen, bevor es tracken kann oder Cookies setzt. Ich hab sowas nicht, kann also auch nicht sagen, was ihr da braucht.
  • So. Geschafft. Mein WordPress setzt jetzt von sich aus keine Cookies mehr bei euch. Außer der EU-Cookie-Warnung, die ein Cookie setzt, um sich zu merken, dass sie euch vor Cookies gewarnt hat. Die kann jetzt auch weg. Hurra, bei mir müsst ihr das nie wieder wegklicken. Dienst am Leser.
  • Klingt viel, ist aber alles schnell erledigt. Ok, wenn du dich ein wenig mit mySQL und phpMyAdmin auskennst vermeidest du bei großen, alten Blogs lange Klickorgien im WordPress-Backend. Jedenfalls: Dies ist Beton-Variante von DSGVO-konform in unter einer Stunde. \o/

Fertig. Mein Blog ist jetzt die datenschutzkonformste kommunikative Einbahnstraße ever. Siehe Datenschutzerklärung.

Links der Woche

  • Lösch Dich! Deutsche Trolle, die Alt-Right und die Piratenpartei | H I E R:

    “Bei meiner Beschäftigung mit der Alt-Right ist mir dieser schmale Grat immer wieder begegnet. 4chan war auch nicht von Anfang an rechts – als ich das erste mal damit in Berührung kam (so 2009) hatte ich ebenfalls nicht den Eindruck, obwohl sie schon damals mit Hakenkreuzen und KZ-Humor herumprovozierten. Ich verstand die Geste, wie sie wohl gemeint war, als anarchistische „Fuck You“ Botschaft an die Mainstream-Gesellschaft. Und doch ist es ja passiert, und doch kam der Schulterschluss mit den Nazis und doch haben sie politisch etwas bewegt und zwar nach rechts. Das ist vielleicht das Problem mit der Dauerironie: Aus Spaß wird Ernst und hinterher ist niemandem mehr klar, wo diese Grenze überschritten wurde.”

  • „Zum Zweck der Machterhaltung wird man die Weltbevölkerung auf ein Minimum reduzieren. Dies geschieht mittels künstlich erzeugter Krankheiten.“ Carl Friedrich von Weizsäcker (angeblich):

    “Aber diese Prophezeiungen stammen nicht von Carl Friedrich von Weizsäcker, sondern von einer unbekannten Autorin oder einem unbekannten Autor wahrscheinlich aus dem Jahr 2007.”

  • Ludwig Wittgenstein was one of the great 20th-century philosophers. He also invented the emoji:

    ““Such words as ‘pompous’ and ‘stately’ could be expressed by faces,” said Wittgenstein. “Doing this, our descriptions would be much more flexible and various than they are as expressed by adjectives.” For example, the emotional experience of hearing a piece by Schubert is better expressed through a sketch of a human face than through the term “melancholic.”“

  • Die Angst vor dem Feminismus:

    “»Der Aufstand der Incels hat bereits begonnen! Wir werden alle Chads und Stacys stürzen! Hoch lebe der höchste Gentleman Elliot Rodger!« Diese Worte schrieb Alek Minassian auf seiner Facebookseite, bevor er am 23. April im ­kanadischen Toronto mit einem gemieteten Kleinlastwagen in eine Menschenmenge fuhr, zehn Menschen tötete und 14 verletzte. Während die genauen Motive für die Tat des 25jährigen IT-Studenten noch ungeklärt sind, sind die Bezüge auf die sogenannte Manosphere offenkundig.”

  • We’re Building a World-Size Robot, and We Don’t Even Realize It:

    “The industry is filled with market failures that, until now, have been largely ignorable. As computers continue to permeate our homes, cars, businesses, these market failures will no longer be tolerable. Our only solution will be regulation, and that regulation will be foisted on us by a government desperate to “do something” in the face of disaster.”

  • Electronics-recycling innovator is going to prison for trying to extend computers‘ lives:

    “The appeals court upheld a federal district judge’s ruling that the discs Eric Lundgren made to restore Microsoft operating systems had a value of $25 apiece, even though the software they contained could be downloaded free and the discs could only be used on computers that already had a valid Microsoft license.”

Technik im Körper: Seitenwechsel per Implantation (Update)

Update: Der Talk ist jetzt bei Youtube online.

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https://www.youtube.com/watch?v=wcSRCPpnt34&feature=youtu.be

Bei Filterblasen denken wir an soziale Medien und Fakenews oder Hatespeech. Vielleicht hilft beim Entschlüsseln dieser Probleme ein Blick auf ganz andere, nicht digitale Filterblasen und die Erfahrungen, die ein Mensch macht, wenn er oder sie von einer Blase in die andere wechselt. Ein Beispiel sind Gehörlose und Schwerhörige. Während es für die meisten Menschen möglich ist, eine andere Kultur durch erlernen von Sprache und Codes zu „betreten“, ist dieses für Menschen der Gehörlosenkultur nicht möglich, schließlich sind sie von lautsprachlicher Kommunikation ausgeschlossen. Hierfür kennt die Digitalisierung eine technische Lösung: Das Cochlea-Implantat, eine elektronische Hörprothese. Ich trage so ein Implantat und habe die Implantation, das Wieder-Hören-Können, den Übertritt von einer Blase in die andere und den damit einhergehenden Perspektivenwechsel als großartige Zeit erlebt. Aber auch als Infragestellung meiner Identität. Es ist also keine Überraschung, dass das Cochlea-Implantat ähnlich wie viele andere digitale Errungenschaften als Bedrohung wahrgenommen und von Teilen der Gehörlosen-Community strikt abgelehnt wird. Das darf aber nicht mit Ignoranz und Technikfeindlichkeit verwechselt werden: Aus Perspektive der Gehörlosen gibt es legitime Gründe, das Cochlea-Implantat zu kritisieren. Gibt es wirklich technische Lösungen für soziale Probleme? Ist es Emanzipation oder eher die Normalisierung und Vereinheitlichung der Bevölkerung? Wer trägt die Verantwortung, etwa wenn Ärzte und Eltern entscheiden müssen, ob ihr Kind ein Implantat erhalten soll und unterschiedlicher Meinung sind? Und wie funktioniert hier der Austausch zwischen den verschiedenen Communities bzw. die Abgrenzung zwischen ihnen? In diesem Talk versuche ich, die Geschichte eines Konfliktes zu skizzieren, der seit mittlerweile Jahrzehnten fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ausgetragen wird und zugleich als Folie für die aktuellen Probleme der Digitalisierung dienen kann.

Darüber werde ich am Donnerstag auf der re:publica reden.

Links der Woche

  • Where do conspiracy theories come from?:

    “In his short essay The Conspiracy Theory of Society, Popper begins by describing the worldview of the ancient Greeks. For them, the Gods took an active interest in human affairs and anything that happened had their tacit approval. Events like the Trojan war were the direct result of divine meddling in human affairs. Popper believes that this belief never faded away and that now, instead of using God, conspiracy theorists suppose events are orchestrated by “various powerful men and groups—sinister pressure groups, who are to be blamed for having planned the Great Depression and all the evils from which we suffer.””

  • We’re in the midst of an apocalypse. And that’s a good thing.:

    “In Greek, the word apocalypse means to uncover, to peel away, to show what’s underneath. That’s what this country has been experiencing in the past six months. There has not been a sudden uptick in sexual misconduct and assault in our country, the #MeToo and #TimesUp movements are simply exposing what was already there. The reality that some men comment on, threaten, masturbate in front of, intimidate and assault female bodies is finally being brought out of the dark ubiquity of women’s personal experience and into the light of public discourse. The male domination at the center of the sexual harassment issue — how those in positions of power (usually, but not always, men) have used that power to sexually gratify themselves at the expense of those who are subordinate to them (usually, but not always, women) — is being revealed apocalyptically in prime time.”

  • „Junge Freiheit“, „Achse des Guten“, „Tichys Einblick“, AfD: Sprache & Vokabeln:

    “Auf Twitter aber sehe ich immer wieder eine Blase, einen politischen Kosmos, der mich abstößt und der mir Angst macht. Hier kurz gesammelt: die Phrasen, Codes, Signalworte, Floskeln und Stichworte, die dort IMMER wieder auftauchen.”

  • How Feminists in China Are Using Emoji to Avoid Censorship:

    “Take, for example, Chinese feminists’ embracing of #MeToo. The movement, which sought to show the volume of sexual misconduct against women by sharing stories of harassment and assault accompanied by the hashtag, came to prominence in China after a former doctoral student named Luo Xixi shared a letter on Weibo about being sexually harassed by a former professor. The story quickly went viral, sparking a huge debate about sexual misconduct and leading Weibo to block the #MeToo hashtag. But Chinese feminists found a way around it—they began using #RiceBunny in its place along with the rice bowl and bunny face emoji. When spoken aloud the words for “rice bunny” are pronounced “mi tu,” a homophone that cleverly evades detection.”

Links der Woche

  • Hackathons are dystopian events that dupe people into working for free, say sociologists:

    “The sociologists point out that at many large tech companies, employees may feel compelled to attend weekend internal hackathons that are only designed to squeeze the innovation out of [their workers], for free.”

  • Die Mogelpackung:

    “In der öffentlichen Debatte ist vielfach das Missverständnis entstanden, es gehe Müller um das Modell des bedingungslosen Grundeinkommens. Das bedingungslose Grundeinkommen bedeutet, allen Bürgern eine bestimmte Summe zukommen zu lassen, ohne dass dafür eine Gegenleistung erwartet wird. Müllers Modell dagegen erinnert eher an eine Zwangsmaßnahme als an die unterschiedlichen Modelle, die als bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert werden. Diese sollen Menschen vor prekärer Arbeit schützen, indem niemand aus finanziellen Gründen gezwungen wäre, sich für ­einen Hungerlohn zu verdingen.”

  • Hetze in Deutschland 4.0 – Frank Stauss:

    “Wir sind wieder dabei, uns zur Herrenrasse zu erklären. Diesmal zur Herrenrasse des gesellschaftlichen Fortschritts. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem wir in unsere dunkelsten Abgründe zurückzufallen.”

  • Goldman Sachs report: „Is curing patients a sustainable business model?“:

    “In Goldman Sachs’s April 10 report, “The Genome Revolution,” its
    analysts ponder the rise of biotech companies who believe they will
    develop “one-shot” cures for chronic illnesses; in a moment of rare
    public frankness, the report’s authors ask, “Is curing patients a
    sustainable business model?“”

  • Is mir egal – über Body-Egalness | Das Nuf Advanced:

    “Und „egal“ ist das Stichwort. Ich finde nämlich nicht, dass man seinen
    Körper unbedingt lieben und irre toll finden muss. Diese
    Love-your-Body-alle-Menschen-sind-schön-Apelle sind für mich irgendwie
    befremdlich. Warum sollen alle schön sein müssen? Wenn man ständig dazu
    aufruft, dass man seinen Körper lieben muss und dass alle Menschen schön
    sind, dann folgt man irgendwie auch einem Schönheitsparadigma. Denn es
    geht offenbar nicht, dass man nicht schön ist. Alle sind schön, nur
    divers schön oder individuell schön aber eben auf jeden Fall schön. Ohne
    das Schönsein geht es auf jeden Fall nicht. Die Dimension ist schön –
    häßlich. Was anderes kommt nicht in Frage.“

  • Facebook’s data lockdown is a disaster for academic researchers:

    “Facebook recently announced dramatic data access restrictions on its app and website. The company framed the lockdown as an attempt to protect user information, in response to the public outcry following the Cambridge Analytica scandal. But the decision is in line with growing restrictions imposed on researchers studying Facebook and its photo-sharing app Instagram, which also began immediately restricting access to its data on April 4.”

  • Warum ich die Grüne Gentechnik verlasse:

    “Dennoch – meine Beschäftigung mit der Gentechnik und der Herstellung virusresistenter Pflanzen bedeutete, dass ich beständig mit zum allergrößten Teil negativen Reaktionen umgehen musste, die dieses Thema bei so vielen Leuten auslöst. Diese reichen vom plötzlichen peinlichen Verstummen von Alltagsgesprächen, sobald das Thema meiner Arbeit erwähnt wird, über hasserfüllte Troll-Tweets bis zur gelegentlichen Angst, dass Gegner unsere Forschung durch Zerstörungen zunichte machen könnten.”

Links der Woche

  • Über die Piratisierung des öffentlichen Diskurses und was man dagegen tun kann:

    “Wichtiger wäre, den eigenen Standpunkt dazu klar zu machen, ohne die kritisierte Aussage direkt zu verlinken bzw. zu erwähnen. D.h. wenn Spahn sich wieder über Arbeitslosengeld zwei Empfängerinnen und Empfänger lustig macht, darlegen, warum Hartz IV abgeschafft werden sollte und nicht Spahn und seinen Aussagen Raum geben. Man muss sich solche polarisierenden Positionen wie Viren vorstellen, die sich sehr schnell verbreiten und dabei viel Schaden anrichten können. Man schützt sich mit Hygiene davor, man wäscht sich also die Hände, vermeidet Kontakt mit Menschen, von denen man weiß dass sie krank sind.“

  • Dutschke und das Attentat:

    “Bei dem Mordanschlag hatte Bachmann Seiten der rechtsextremen Deutschen National-Zeitung bei sich, darunter eine mit der Titelzeile »Stoppt den roten Rudi jetzt«. In seiner Wohnung wurde ein selbstgemaltes Porträt von Adolf Hitler gefunden. Soviel war schon kurz nach dem Attentat bekannt. Bachmann wurde als rechtsextremer Einzeltäter gesehen. Erst 2009 wurde durch Unterlagen der Stasi und der Westberliner Polizei bekannt, dass Bachmann über Jahre mit Nazis in Peine befreundet gewesen war.”

  • Wenn das Finanzamt Big Data entdeckt – Algorithmenethik:

    “Welche Algorithmen in den Computern der Finanzprüfer arbeiten, ist nicht nur in Deutschland ein sorgsam gehütetes Geheimnis. Auch ausländische Finanzministerien sind sehr darauf bedacht, potenziellen Steuerhinterziehern nicht allzu viele Einblicke zu geben.”

Links der Woche

  • Bayern als Vorbild: Polizei soll bald nach genetischer Herkunft fahnden dürfen:

    “Befürworter der Erweiterten DNA-Anlayse haben zwei Lieblingsargumente. Sie verweisen auf erfolgreiche Ermittlungen im Ausland. Dabei lassen sie aber gerne den katastrophal schief gelaufenen ersten, bisher einzigen Einsatz der DNA-Analyse in Deutschland unter den Tisch fallen. Die Polizei schloss im Fall der ermordeten Polizistin Michelle Kiesewetter aus dem Spurenmaterial vom Tatort auf die „biogeografische Herkunft“ der vermeintlichen Täterin. Die Ermittlungen richteten sich daraufhin „ausschließlich gegen Angehörige der Minderheit der Sinti und Roma“, sagt der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma.

    Später stellte sich jedoch heraus: Der rechtsextreme Nationalsozialistische Untergrund (NSU) verübte den Mord.”

  • Der Facebook-Skandal, aber sortiert – Dennis Horn – Medium:

    “Es gärt in mir, seit vor zwei Wochen der Skandal rund um Facebook, Cambridge Analytica und den Missbrauch von 50 Millionen Datensätzen ins Rollen gekommen ist. Denn ein gehöriger Teil der Berichterstattung zu dem Thema ist falsch — und ich glaube, man muss da einmal ein bisschen sortieren.”

  • Kuriere am Limit:

    »Wenn du Vollzeitfahrer bist, geht das meiste Geld für Verschleißkosten drauf, für neue Fahrradketten, Reifenmäntel und so weiter. Da sind schnell mal einige 100 Euro weg. Außerdem kannst du dir nichts leisten, weil du nicht weißt, ob der Lohn pünktlich bezahlt wird, ob du in einem Monat überhaupt noch beschäftigt bist oder das Geld dann für etwas anderes brauchst.«

  • SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin» Blog Archive » Destruktion als Programm:

    “Es gibt Debatten, die sind falsch, sinnlos und gefährlich. Prototyp dafür ist der Streit zwischen CSU und AfD auf der einen und CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke auf der anderen Seite, ob der Islam zu Deutschland gehöre.”

  • Was den Traditionshandel wirklich getötet hat und warum das nette kleine Geschäft gar nicht so tot ist wie man glaubt:

    “Das “Innenstadtsterben” – und vielleicht muss man dafür auch wieder älter sein, um das zu wissen – ist nämlich nicht neu und wurde schon in den Achtzigern thematisiert. Die immer gleichen Ketten und Kaufhäuser übernahmen mit den aggressivsten Methoden, die man sich vorstellen kann, die Fußgängerzonen so dass es heute keinen Unterschied macht ob man die Frankfurter Zeil oder die Kölner Schildergasse lang geht. Öffentliche Plätze, freie Sitzgelegenheiten und andere Möglichkeiten der nichtkommerziellen Nutzung der Innenstadtbereiche wurden rigoros abgebaut weil die Leute ja gefälligst ihr Geld ausgeben und nicht herumlungern sollten. (…) Der Online-Handel hat da nicht mehr viel ausrichten müssen.“

Links der Woche

  • #verlagegegenrechts:

    “In Halle 3 hängte eine junge Frau Plakate für #verlagegegenrechts und
    andere Bündnisse auf. Es geschah mit Erlaubnis der Messe. Sofort wurde
    sie von Männern, die offenbar zu einem Magazin mit verleumderischen,
    aufhetzenden, Fakten ignorierenden Inhalten gehörten, gefilmt und
    bedrängt, man drohte ihr mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung,
    versuchte, sie einzuschüchtern.“

  • Hogwarts Analytica:

    “Nun haben sich die Briten tatsächlich für den Brexit und die US-Amerikaner für Trump entschieden, was beides im Vorfeld als eher unwahrscheinlich galt. Hat Cambridge Analytica also doch Magie eingesetzt und den Willen der Wähler|innen (auf wissenschaftlich nicht nachvollziehbare Weise) beeinflusst, auf Geheiß von Bannon, den Mercers und irgendwelchen Russen? Es ist natürlich eine tolle Story und wir tendieren dazu, das Unerklärbare dunklen Mächten und Verschwörer|inne|n in die Schuhe zu schieben.”

  • Das größte Opfer des Cambridge-Analytica-Falls wird Datenportabilität sein, und Facebook wird weiter verfestigt:

    “Facebook mag künftig stärker reguliert und staatlich überwacht
    werden. Aber die Marktführerschaft von Facebook wird gleichzeitig noch
    sicherer sein, als sie es ohnehin bereits ist. Wir bekommen wieder mehr Reibung und ein (vielleicht?) verringertes1 Missbrauchspotenzial, aber wir verlieren auch noch mehr jedwede Möglichkeit für mehr Vielfalt und Wettbewerb unter Social Networks. Zum Glück sind wir alle glücklich mit Facebook.“

  • Ab Sommer in Bayern: Das härteste Polizeigesetz seit 1945:

    “Das Gesetz kommt einem Ausbau der Polizei zum Nachrichtendienst gleich. Die Exekutive darf künftig präventive Ermittlungen ohne konkrete Hinweise auf Straftaten führen – damit kann die Polizei nun wie der Verfassungsschutz agieren. Zudem dürfen die Beamten künftig in Ausnahmefällen Handgranaten einsetzen, Post von Verdächtigen beschlagnahmen, IT-Systeme durchsuchen, V-Leuten einsetzen und Bodycams tragen.”

Kurzer Rant, den ich nicht auf Facebook vergammeln lassen wollte

Dem Sportunterricht verdanken zahllose Menschen das eine oder andere Kindheitstrauma. Falls du weiblich bist, wird in TV-Shows dein optimaler Thigh-Gap diskutiert. Dir wird gesagt, wieviel Wasser du täglich trinken sollst und in welchem Bereich dein BMI zu liegen habe. Denn nur in einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist. Letzteren in vielerlei Hinsicht zu bilden ist seit Jahrhunderten höchstes Ideal des Humanismus. Gemessen wird das in Pisa-Tests und Creditpoints, die in einem stromlinienförmigen Bologna-Studium erworben werden, deren Inhalte sich an den Bedürfnissen von Unternehmen orientieren, die ihrerseits die korrekte Messung der Abgase ihrer Produkte mittels digitaler Fälschungseinrichtungen verhindern. In etlichen Berufen rauben bürokratische Dokumentationspflichten den Mitarbeiter_innen die Zeit, sich um ihren eigentlichen Job zu kümmern. Und wenn alle paar Monate eine Kennzahlenkritik in Form eines „Feedbackgesprächs“ droht, fragt eins sich, ob es nur stattfindet, weil die feedbackenden Vorgesetzten anderweitig jeglichen Kontakt zu ihren Untergebenen verloren haben. In Schulen gibt der Lehrkörper das totale Handyverbot bekannt und gleich anschließend die (Kopf-)Noten. Das ist alles normal. Aber wehe, du schnallst dir ein „smartes Armband“ um, weil du dich für deine Körperwerte interessierst. Dann bist du quasi ein Verrückter und gefährdest mit deinem Selbstoptimierungswahn den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wehe du schaust auf dein Smartphone, weil eine Nachricht deiner Familie/Freunde/Mitmenschen eintrudelt oder du Zeitung lesen möchtest oder wissen willst, wie das Wetter wird. Dann bist du gefangen in der „Filterblase“ und produzierst im Minutentakt die gesellschaftszersetzenden „Fake News“ statt mal wieder was mit „echten Menschen“ zu machen. Ihr merkt es selber oder? (Nein, tut ihr nicht.)

Links der Woche

  • EU wants to require platforms to filter uploaded content (including code):

    “The EU is considering a copyright proposal that would require code-sharing platforms to monitor all content that users upload for potential copyright infringement (see the EU Commission’s proposed Article 13 of the Copyright Directive). The proposal is aimed at music and videos on streaming platforms, based on a theory of a “value gap” between the profits those platforms make from uploaded works and what copyright holders of some uploaded works receive. However, the way it’s written captures many other types of content, including code.”

  • Vorurteile zum Thema Inklusion – Raul Krauthausen – Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit.:

    „Schon als Kind hatte ich viel Kontakt zu Menschen ohne Behinderung. Mich hat immer inspiriert, wie viel Lebensfreude sie ausstrahlen und wie gut sie ihr Leben meistern. Seitdem ist es für mich ganz normal, dass es auch Nichtbehinderte gibt.“

  • Internet-Law » Schränkt die Datenschutzgrundverordnung Meinungsäußerungen im Internet ein?:

    “Die Meinungsfreiheit umfasst insbesondere das Recht, sich kritisch zu
    bestimmten Personen und ihrem Verhalten und Wirken zu äußern. Speziell
    die DSGVO postuliert das Verbot, konkrete Personen im Internet überhaupt
    namentlich zu nennen. Das mag für den juristischen Laien absurd
    klingen, entspricht aber der Rechtslage, die in Deutschland ab dem
    25.05.2018 gelten wird.“

  • Sprache: Es geht nicht um das „Mitgemeintsein“ von Frauen:

    “Ich glaube, von Luise Pusch, die ja Pionierin in diesen Dingen ist,
    stammt bereits der  Vorschlag, neben der weiblichen Endung „-in“
    zusätzlich eine männliche Endung, zum Beispiel „-ich“ einzuführen und
    die neutrale Variante konsequenterweise zum Neutrum zu machen: Das
    Lehrer, die Lehrerin, der Lehrerich.“

  • Ist YouTube der „große Radikalisierer“ weil es zu neutral ist?:

    “Themen wie Chemtrail oder Trump können nicht von einer neutralen
    Plattform in eine für uns „wünschenswerte“ Richtung gelenkt werden. Das
    kann nur eine wertende, eine sich zu diesen Themen positionierende
    Plattform tun. Und werden diese Positionen, dann immer wünschenswert
    sein? Ist es gut oder schlecht, wenn ein System an Vegetarismus
    interessierte Menschen graduell durch Empfehlungen an Veganismus
    heranführt?  Wer entscheidet das? Muss das überhaupt jemand entscheiden?
    Wer entscheidt darüber, bei welchen Themenfeldern überhaupt eine
    Positionierung/ein Eingriff der Plattform stattfinden muss?“

  • An Trennung denken, wie unromantisch | Das Nuf Advanced:

    “Deswegen hoffe ich einfach immer, dass die Entscheidung zum Einverdienermodell nicht aus einer zuversichtlichen rosaroten Brille getroffen wird, sondern mit unverstellten Blick auf die möglichen Konsequenzen. Denn es ist ja nicht so, dass man dieses Modell nicht guten Gewissens wählen könnte. Kann man natürlich – nur eben mit entsprechend schriftlich festgehaltenen Regelungen für den Fall einer Trennung und zwar im Zustand des gegenseitigen Wohlwollens und nicht im Zustand der Trennungsverletztheit.”