Links der Woche

  • Fantastic Beasts and How to Rank Them:

    “One of the strangest things about the human mind is that it can reason about unreasonable things. It is possible, for example, to calculate the speed at which the sleigh would have to travel for Santa Claus to deliver all those gifts on Christmas Eve. It is possible to assess the ratio of a dragon’s wings to its body to determine if it could fly. And it is possible to decide that a yeti is more likely to exist than a leprechaun, even if you think that the likelihood of either of them existing is precisely zero.”

  • On Unread Books:

    “How to Talk About Books You Haven’t Read, by Pierre Bayard, a psychoanalyst and professor of literature, is not about how you might know not to read a book but how you can happily talk about a book you haven’t read, even to your students, even when it’s a book of extraordinary importance.”

  • Sexismus, jeden Tag:

    “Das ist Sexismus. Die bewusste oder unbewusste Überzeugung, jemand könne aufgrund des biologischen Geschlechts irgendetwas nicht oder sei für gewisse Dinge besonders gut qualifiziert. Frauen können doch gut dies. Männer können doch gut das. Oder eben nicht.”

  • Opinion | Glasses Are Cool. Why Aren’t Hearing Aids?:

    “Why, I wonder, is it that devices to keep you from being blind are celebrated as fashion, but devices to keep you from being deaf are embarrassing and uncool? Why is it that the biggest compliment someone can give you about your hearing aids is “I can hardly see them”?”

  • Warum so wenige Mädchen Fußball spielen oder das Wissen 8-jähriger Mädchen über Sexismus und Männlichkeit:

    “Ich erinnere mich, wie ich vor einiger Zeit auf dem Schulhof ein Fußballspiel beobachten konnte, als ich meine Tochter abholen wollte. Jungs gegen Mädchen, schlug irgendwer vor. Es waren etwa 6 oder 7 Mädchen und 4 oder 5 Jungs. Die Jungs waren sich sicher, trotz Unterzahl gewinnen zu können. Das Spiel war eine Zeit lang ausgeglichen. Nach wenigen Minuten waren die Jungs frustriert, dass sie noch kein Tor geschossen hatten. Als dann ein Tor für die Mädchen fiel, fingen – ungelogen – zwei Jungs an zu weinen, beschwerten sich bei der Erzieherin und verlangten unter Tränen eine neue Aufteilung der Teams. Jungs gegen Mädchen: ok, aber nur, solange die Jungs gewinnen. Ansonsten ist es unfair.”

  • Unicode Consortium fights over sad Shit:

    “Das Unicode Consortium streitet über Emoji-Scheiße und die Pläne für einen traurigen Kackhaufen. Nicht lachen, die Lage ist ernst!”

  • Digitale Bildungspolitik: Der Staat kommt seinen Aufgaben und Pflichten nicht nach:

    “Panikmache, Halbwahrheiten und die Vermeidung der tatsächlichen Themen, es ist langsam wirklich nicht mehr auszuhalten. Da wird die Sorge geäußert, Google könne über den Calliope Einfluss auf Schüler_innen nehmen (wie das genau passieren könnte, bleibt offen), während eben diese Schüler_innen seit Jahren quasi täglich vor Googles YouTube sitzen, denn die Medienwelt ihrer Eltern hat ihnen nichts mehr zu bieten. Auf YouTube wiederum holen sie sich unter anderem Lerninhalte oder Nachhilfe und Erklärungen, welche ihnen die Schule nicht liefern, und nicht wenige Lehrkräfte greifen ebenfalls auf den Videokanal zu, um sich Material für den Unterricht abzuholen.”

  • Über Löhne, Bürgergeld und warum sich nichts ändert:

    “Vor allem in großen Dienstleistungsunternehmen sei das normal. Man würde immer nur mit der minimalen Personaldecke arbeiten, bzw. bewusst darunter. Ausfälle würden zunächst auf die anderen Mitarbeiter abgewälzt. Bei längeren Ausfällen von Mitarbeitern, die man nicht kündigen könnte, würden dann Leiharbeiter geholt. Im übrigen, so der sehr gut gekleidete Gesprächspartner, sei diese Art mittlerweile fast überall normal.”

Meine alten weißen Mitmänner

Foto: Jakob Weber

Ich bekenne mich schuldig, gerne die Phrase „alte weiße Männer“ zu gebrauchen. Und damit meine ich meinesgleichen. Ich bin zwar nicht ganz so alt, wie viele Leute aufgrund meines ergrauenden Bartes und der fortgeschrittenen Glatzenbildung glauben könnten, aber ich bin schon Teil einer Kohorte. Und ich beobachte oben, unten, links und rechts von mir, wie Typen, die sich ihrer Privilegien kein Stück bewusst sind, nicht einmal einen Funken gedanklicher Beweglichkeit mitbringen, Perspektiven ihrer Mitmenschen zu reflektieren. Oft fehlt ganz einfach der Wille, Empathie zu zeigen und sich in die Lage von anderen Menschen, Gruppen und Minderheiten zu versetzen. In Diskussionen, Debattenbeiträgen und Feuilletontexten posaunen sie mit unerschütterlicher Selbstgewissheit die Perspektive derjenigen hinaus, die sowieso gesellschaftlich die Norm definieren. Sobald wer dran kratzt, fühlen sie sich selbst angegriffen und gar diskriminiert, statt sich auch mal selbst zu hinterfragen. Warum auch: Man ist mit irgendwas irgendwie erfolgreich, findet sich toll, muss also objektiv toll sein und recht haben. Egal ob es um Sexismus, Rassimus, Inklusion oder die vielen anderen Debattenschlachtfelder geht. Wegen der vielen Biase, die auch ich mit mir herumtrage und nur langsam abbaue, benutze ich diese Formulierung so gerne: Es ist eine Provokation an meine alten weißen Mitmänner, wenn ausgerechnet ein anderer alter weißer Mann sie „alte weiße Männer“ nennt. Wie sehr, sehe ich daran, dass es mich jedesmal etliche Follower auf Twitter kostet, wenn ich diese Formulierung verwende.

Warum Refind derzeit noch unbrauchbar ist

tl;dr: Refind ist in der derzeitigen Form nicht für professionelles Recherchieren, Sammeln und Archivieren von Texten im Netz geeignet.

Symbolbild: Käseauswahl

Bei meinen Studien und Recherchen begegnen mir bergeweise Links zu Artikeln, Blogposts, Videos oder interessanten Webseiten, die ich irgendwie verwalten muss. Das mache ich bisher mit Pocket (früher bekannt als „Read it Later“) das nebenbei auch noch wie ein soziales Netz funktioniert. Ich hatte meine Leser, Freunde und Bekannten schonmal dazu aufgefordert, sich über Pocket mit mir zu vernetzen.

Das next big Thing in dieser Richtung ist Refind, eine App zur teilautomatisierten Verwaltung von Links und Bookmarks, die viele Funktionen mitbringt, die Pocket nicht kennt. Auf den ersten Blick sieht Refind sehr interessant aus, weshalb ich es einige Zeit intensiv (Web und iOS-App, jedoch noch nicht Android) getestet habe. Ergebnis: Für meine Zwecke ist Refind in der jetzigen Form unbrauchbar. Das hängt natürlich vom jeweiligen Use Case ab. Meiner ist so:

Startpunkt meines Workflows ist, dass ich alle Links, die via RSS-Feed, in Mails, auf Webseiten, Twitter usw. mein Interesse wecken, auf meinem Telefon oder in meinem Desktop-Browser zu Pocket hinzufüge und regelmäßig die so gesammelten Artikel lese, oftmals abends im Bett. Pocket verwöhnt mich hier mit einer Lese-Ansicht, die das Drumherum der jeweiligen Webseite samt Werbung weglässt, einen augenfreundlich invertierten Nachtmodus hat und auch offline funktioniert. Ich habe auch im Funkloch oder wenn mein Telefon im Flugmodus ist, immer etwas zu lesen.

Einen Text lesen in Pocket
Einen Text lesen in Pocket
...und in Refind
…und in Refind

All das funktioniert in Refind nicht. Per Default öffnet Refind die Artikel im Browser mitsamt Werbung, Grafiken und typografischen Sünden, die üblicherweise verhindern, dass man eine Webseite auch liest. Refind kennt zwar einen Offline-Modus, aber in diesen gelange ich nur, wenn ich manuell über die Settings umschalte. Solange ich mich in diesem Modus befinde, bekomme ich zwar tatsächlich eine lesefreundliche Ansicht eines Teils der gesammelten Texte, aber es ist es nicht möglich, Artikel zu taggen oder zu sharen. Gefühlte 80% der Funktionalität von Refind liegen im Offline-Modus brach, während sich Pocket ganz normal weiternutzen lässt und sich synchronisiert, sobald es wieder online ist. Einen Nachtmodus gibt es in Refind auch nicht: Im Bett möchte man diese App nicht nutzen. Außerdem ist das Ablegen in Refind unpraktischer. Wo bei Pocket ein Tap/Klick reicht, brauche ich bei Refind immer zwei, weil ich mich entscheiden soll, ob ich den jeweiligen Link erstmal nur der „Read“-Liste hinzufügen will oder mit „Save“ öffentlich teilen möchte, was nicht nur unpraktisch ist sondern auch unintuitiv. Klingt nach Meckerei, aber es sind solche Kleinigkeiten, die mit darüber entscheiden, wie gerne ich eine bestimmte App nutze.

Teil zwei meines Workflows: Taggen. Die meisten Texte lösche ich direkt nach dem (an)Lesen, einige poste ich auf Twitter und Facebook oder empfehle sie meinen Pocket-Followern. Wichtige Links tagge ich allerdings, um sie für Recherchen zu sammeln. Das können thematische Tags für längerfristige Studien sein oder für Artikel oder Radiobeiträge, die ich demnächst schreibe. Wenn ich mich dann dransetze, einen Text zu Thema XY zu schreiben, kann ich mir in Pocket alle Links mit dem Tag „XY“ anzeigen lassen. Zugleich dient mir das als Archiv. Ich habe mittlerweile eine große Sammlung von Texten zu bestimmten Themen, die mich interessieren und die ich leicht auffinden kann. Oder ich setze Tags wie „TODO“, weil es auf der Webseite etwas gibt, das ich erledigen möchte, z.B. ein Video auf dem großen Bildschirm und mit Ton ansehen. All das funktioniert in Refind nicht. Ich kann Tags setzen. Wenn ich anschließend in der iOS-App nach dem betreffenden Tag suche, bekomme ich eine leere Liste. In der Web-Version findet Refind zwar den Begriff in allen möglichen Webseiten, jedoch nicht das von mir selbst gesetzte Tag. Ich vermute, dass es sich um einen Bug handelt bzw. die App hier einfach noch nicht zuende programmiert wurde.

Bei den beiden wichtigsten Aufgaben, die eine Link-/Bookmark-Verwaltung meiner Meinung nach haben sollte, versagt Refind also völlig. Bleibt die Funktion als soziales Netzwerk: In Pocket kann man sich gegenseitig folgen. Dabei bekommt man aber nicht alle Bookmarks der Freunde und Bekannten zu sehen, sondern nur diejenigen, bei denen jemand explizit auf „empfehlen“ geklickt hat. Das Durchsehen dieser Empfehlungen ist in der Pocket-App leider ziemlich schlecht gelöst. Das Handling ist bei Refind tatsächlich wesentlich praktischer, allerdings bekomme ich keine handverlesene Auswahl explizit empfohlener Texte, sondern eine Flut von Links, die per Algorithmus zusammenstellt wurden. Eine Link-Empfehlung einer bestimmten Person, die sich nicht groß im Netz verbreitet hat, für mich aber sehr relevant sein kann, geht in Refind völlig unter. Zum Austauschen von wirklich relevanten Links im kleinen Kreis taugt Refind deshalb nicht. Wer die Empfehlungsfunktion nicht mag, aber sich für gut kuratierte Links interessiert, sollte sich statt Refind besser mal piq.de ansehen. Dafür stellt Refind ein sehr gutes Summary dessen zusammen, was in meiner Filterblase die letzten Stunden so an Links auf Twitter & Co. gepostet wurde. Dafür hatte ich bisher Nuzzel benutzt, aber die Ergebnisse von Refind sind tatsächlich besser. Es ist die einzige Funktion von Refind, die ähnlichen Diensten nicht unterlegen ist.

Kommen wir zur namensgebenden Funktion: Nur bedingt  brauchbar ist Refind, wenn es darum geht, einen Link wiederzufinden, den man neulich auf Twitter o.ä. gesehen hatte aber nicht nicht mehr finden kann. Manchmal funktioniert das in Refind sehr ordentlich, oftmals jedoch nicht und dann führt eine Suche auf Twitter, Facebook oder einfach nur Google schneller ans Ziel. Egal ob Tags oder frei gewählte Suchbegriffe: Selbst seine namensgebende Funktion erfüllt Refind nur unvollkommen.

Allerdings hat Refind zwei echte Alleinstellungsmerkmale. Das eine ist die Newsletter-Funktion. Refind versendet täglich oder wöchentlich ein Summary der eigenen in sozialen Medien geposteten Links per E-Mail an Leute, die das als Newsletter abonnieren möchten. Wer Newsletter mag, findet das praktisch. Wer selbst Newsletter redaktionell betreut, wird jedoch die Möglichkeit vermissen, den Newsletter um eine Einleitung oder Kommentare zu ergänzen. Also auch wieder nicht für die professionelle Nutzung geeignet.

Das zweite Alleinstellungsmerkmal ist Reward-Funktion. Wer bei Refind aktiv ist, wird mit „Coins“ belohnt, die man irgendwann mal in eine Cryptowährung umtauschen können soll. Die meisten Coins gibt es dafür, neue Nutzer anzuwerben. Das ist mir eher unangenehm. Ich gehe nicht davon aus, dass diese Coins irgendwann mal einen signifikanten Wert haben. Das Belohnungssystem droht aber, Masse statt Klasse zu fördern. Ich brauche keine monetäre Belohnung für die Teilnahme an einem solchen sozialen Netz. Die Funktionalität von Pocket und die Links, die ich über dessen Empfehlungsfunktion reinbekomme sind meine eigentliche Belohnung. Ich möchte nicht, dass Leute anfangen, einen Dienst zu fluten, weil sie irgendwelche Coins dafür bekommen. Ich möchte Leuten folgen, die etwas posten, weil sie es relevant finden und dazu was zu sagen haben.

Der Vollständigkeit halber: Pocket hat auch noch eine algorithmische Empfehlungsfunktion dessen, was weltweit auf Pocket gerade besonders beliebt ist. Den Bereiche meide ich, weil darüber fast nur Unsinn der Sorte „Was die Manager der größten IT-Konzerne zum Frühstück essen“ verbreitet wird. Hier ist der Algorithmus von Refind besser. Wer also eine Art automatisch zusammengestellte Zeitung möchte und mit den Ergebnissen von Instapaper oder Flipboard nicht so recht zufrieden war, sollte sich Refind ansehen. Eine weitere Stärke von Refind ist, dass dort im deutschsprachigen Raum derzeit wesentlich mehr Leute aktiv sind als auf Pocket.

Fazit: Refind hat eine Fülle von Funktionen, kann sehr viel, aber fast nichts davon gut. Für bestimmte Use Cases mag Refind sehr nützlich sein, wer aber professionell Links und Texte zu Recherche- und Studienzwecken sammelt, kommt weiterhin um Pocket nicht herum. Refind ist hierfür in der derzeitigen Form ungeeignet. Wer Nuzzel nutzt, findet in Refind einen besseren Ersatz. Ob das auch für Instapaper oder Flipboard gilt, ist Geschmacksache.

P.S.: Mein Refind wird nur automatisiert vor sich hintuckern und Links aus Tweets einsammeln, während ich Pocket weiterhin aktiv nutzen und darin auch Links empfehlen werde. Ich freue mich immer sehr über Leute mit interessanten Links, die sich auf Pocket mit mir vernetzen möchten.

Links der Woche

  • Why Futurism Has a Cultural Blindspot:

    «“When we think of information technology we forget about postal systems, the telegraph, the telephone, radio, and television,” writes Edgerton. “When we celebrate on-line shopping, the mail order catalogue goes missing.” To read, for instance, that the film The Net boldly anticipated online pizza delivery decades ahead of its arrival7 ignores the question of how much of an advance it is: Using an electronic communication medium to order a real-time, customizable pizza has been going on since the 1960s. And when I took a subway to a café to write this article and electronically transmit it to a distant editor, I was doing something I could have done in New York City in the 1920s, using that same subway, the Roosevelt Brothers coffee shop, and the telegram, albeit less efficiently. (Whether all that efficiency has helped me personally, or just made me work more for declining wages, is an open question). We expect more change than actually happens in the future because we imagine our lives have changed more than they actually have.»

  • Vom Tempelberg nach Tempelhof:

    “An die Templer hingegen erinnern nur noch einige Burgen, Kirchen und Ruinen in Europa und im »Heiligen Land«. Und Straßen- und Ortsnamen wie zum Beispiel Tempelhof. Der heutige Berliner Bezirk gehörte ebenso wie die Ortschaften Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf zu den Besitztümern des Templerordens. Die Siedlungen gingen nach deren Verbot in den Besitz der Johanniter über, die sie 1435 dann an die Stadt Berlin verkauften. Auch die heutige Tempelherren-Grundschule in Tempelhof ist nach den Mönchsrittern benannt, ein Templerkreuz ziert das Gebäude. Die Bürgerzeitung der CDU-Tempelhof nennt sich Der Templer und ist ebenfalls mit einem Templerkreuz dekoriert.”

Links der Woche

  • Nazis bei Frankfurter Buchmesse: “Jeder hasst die Antifa!”:

    “Die Veranstalter der Frankfurter Buchmesse geben rechtsextremen Gedankengut eine Plattform und schützet diese Tribüne auch. Am vorletzten Tag der Messe lud Götz Kubitscheks rechtsextremer Verlag Antaios zum gemeinsamen Austausch mit Björn Höcke über die “Folgen einer linksdominierten Politik” ein.”

  • Vergessen am Rande Europas:

    “Menschen stehen Schlange und warten darauf, sich unter einem alten Schlauch mit eiskaltem Wasser zu duschen. Sie leben in schlecht befestigten Zelten inmitten eines Olivenhains, denn das Auffanglager Moria ist hoffnungslos überfüllt. Abfälle und Fäkalien liegen herum, Toiletten gibt es kaum. Neben den Zelten ragt ein hoher Zaun mit Nato-Stacheldraht empor, dahinter ist Militär stationiert und sind weitere Flüchtlinge untergebracht. Es sieht aus, als handle es sich um ein Hochsicherheitsgefängnis.”

  • Nudging oder nicht Nudging – ist das überhaupt die Frage?:

    “Dass dieses Prinzip nicht unproblematisch ist und zu allerlei Manipulationen einlädt, ist ja offen sichtlich. Die gängigen Gefahren und Vorbehalte hat Sascha Lobo kürzlich in seiner Spiegelkolumne noch einmal notiert. Allerdings wundert mich ein bisschen die Ausrichtung der Debatte, die sich nämlich irgendwie um „pro und contra“ Nudging zu drehen scheint, um die Frage, ob Nudging gut oder schlecht ist, ob man das machen darf oder nicht. Aber stellt sich diese Frage denn überhaupt?”

  • Hard-wired: The brain’s circuitry for political belief:

    “Political beliefs are like religious beliefs in the respect that both are part of who you are and important for the social circle to which you belong,” said lead author Jonas Kaplan, an assistant research professor of psychology at the Brain and Creativity Institute at USC Dornsife College of Letters, Arts and Sciences. “To consider an alternative view, you would have to consider an alternative version of yourself.”

  • MARIMBA MIX – Selektor Nuttendorf:

    “MARIMBA MIX is the finest Collection of Songs based on the pre-installed iphone ringtone, worlds most famous ringtone now a days, selected by Selektor NUTTENDORF. The Marimba ringtones’ origin is based on a percussion instrument called Marimba, similar to a Xylophon. It is the national instrument of Guatemala. MARIMBA MIX is developed in the Presence of Aram Bartholl’s artwork ‘Obsolet Presence’ as seen in the cover. The art piece was installed @Humboldthafen in Berlin for one month in September 2017. The MARIMBA MIX released on the 21.09.2017 as an irl CD.”

  • „Postpostfaktisch“ Urbane Interventionen gegen falsche Behauptungen der AfD in Mannheim:

    “Studierende der Hochschule Mannheim haben für einen Tag den öffentlichen Raum ihrer Stadt übernommen und sich in Urban-Hacking-Installationen mit falschen Behauptungen im Dienste populistischer Meinungsmache beschäftigt.”

  • Here’s How Breitbart And Milo Smuggled Nazi and White Nationalist Ideas Into The Mainstream:

    “These new emails and documents, however, clearly show that Breitbart does more than tolerate the most hate-filled, racist voices of the alt-right. It thrives on them, fueling and being fueled by some of the most toxic beliefs on the political spectrum — and clearing the way for them to enter the American mainstream.”

Links der Woche

  • Heimat – Anatol Stefanowitsch – Medium:

    “Wenn Heimat zu einem politischen Begriff wird, wird er gefährlich, denn dann ist die Heimat derjenigen, die eine Heimat haben, bedroht durch die, die ein Zuhause suchen.”

  • Digitaler Tribalismus und Fake News | ctrl+verlust:

    “Auf der Suche nach einer Erklärung für dieses Phänomen bin ich immer wieder auf den Zusammenhang von Identität und Wahrheit gestoßen. Die Menschen, die daran glauben, dass Hillary und Bill Clinton eine Reihe von Menschen ermorden ließen und die Demokratische Partei einen Kindesmissbrauchs-Ring im Keller einer Pizzafiliale in Washington betreibt, sind nicht einfach dumm oder unaufgeklärt. Sie verbreiten diese Nachricht, weil sie damit die Zugehörigkeit zu ihrer Gruppe signalisieren.”

  • When filters fail: These cases show we can’t trust algorithms to clean up the internet:

    “When the animated sitcom Family Guy needed a clip from an old computer game, they just took it from someone’s YouTube channel. Can you already guess what happened next? The original YouTube video was removed after being detected as supposedly infringing on Family Guy‘s copyright.”

  • Die Sächsische Schweiz und die AfD #fckAfD:

    “Dass es in Deutschland Orte gibt, an die man nicht geht, wenn man scheinbar kein Deutscher ist, dass wusste ich schon länger. Spätestens, seit damals, als ich im Pizzaladen um die Ecke arbeitete und die dortige Bäckerin rief: Hey, guckt mal der Schwarze (sie sagte ein anderes Wort) da draußen. Holt den mal rein, ich wollte schon immer einen dressierten Affen, der mir mein Bier bringt.”

  • Von Trollen — UARRR.org:

    “Irgendein Heiopei sagt irgendeine rassistische Sache, alle Publikationen berichten darüber. Heiopei lernt: Rassist sein macht mich berühmt und erfolgreich. Heiopei ist beim nächsten Mal etwas mehr Rassist. Da kann man auch schon mal öffentlich sagen, dass man die Regierung jagen will, klingt mittlerweile ganz normal. Obwohl 200 Artikel darüber geschrieben wurden, wie schlecht das doch ist.“

Links der Woche

  • Chronik des Überwachungsstaates:

    “Jedoch finden sich keine Beweise, inwiefern sogenannte Sicherheitsmaßnahmen ihrem Titel gerecht werden: Sie verhindern keine Taten, sondern „[gaukeln] dies nur vor“, wie Kai Biermann im neusprech.org-Blog argumentiert. Vielmehr stellen die hier genannten Gesetze Bürger unter Generalverdacht und beeinflussen die Dynamiken einer Demokratie: Menschen verändern ihr Verhalten, wenn sie sich beobachtet fühlen. Freie Lebensentfaltung ist daraufhin weder im privaten noch öffentlichen Raum gewährleistet.“

  • Why Capitalism Creates Pointless Jobs – Evonomics:

    “In the year 1930, John Maynard Keynes predicted that technology would have advanced sufficiently by century’s end that countries like Great Britain or the United States would achieve a 15-hour work week. There’s every reason to believe he was right. In technological terms, we are quite capable of this. And yet it didn’t happen. Instead, technology has been marshaled, if anything, to figure out ways to make us all work more. In order to achieve this, jobs have had to be created that are, effectively, pointless. Huge swathes of people, in Europe and North America in particular, spend their entire working lives performing tasks they secretly believe do not really need to be performed.“

  • The Seven Deadly Sins of Predicting the Future of AI:

    “A lot of AI researchers and pundits imagine that the world is already digital, and that simply introducing new AI systems will immediately trickle down to operational changes in the field, in the supply chain, on the factory floor, in the design of products. Nothing could be further from the truth.”

Links der Woche

  • Wie zerstören wir die Alternative für Deutschland?:

    “Es gilt also: 1. die Wäh­ler der AfD zu de­mo­ti­vie­ren und einen Keil zwi­schen sie und die Par­tei­funk­tio­nä­re zu trei­ben und 2. die Spal­tun­gen zwi­schen den ver­schie­de­nen Flü­geln und Frak­tio­nen in­ner­halb der AfD zu ver­tie­fen. Das aber be­deu­tet: Es ist mög­lichst alles zu ver­mei­den, was zur wei­te­ren So­li­da­ri­sie­rung der Wäh­ler und der Mit­glie­der der AfD bei­trägt. Diese Stra­te­gie ist eine Zu­mu­tung, aber die Al­ter­na­ti­ve ist der bis­he­ri­ge Weg, der un­wei­ger­lich zu einer dau­er­haf­ten Ver­fes­ti­gung der AfD führt.“

  • Demokratie in Bewegung (DiB): Warum wir keine neue Partei brauchen:

    “Nur die DiB ist echt demokratisch, behauptet sie. Und das sieht dann so aus: Abgeordnete heißen bei der DiB nicht mehr Abgeordnete, sondern „Fürsprecher/innen“. Und die müssen unterschreiben, dass sie sich bei ihrem Abstimmungsverhalten immer ans Wahlprogramm halten. Bei Zuwiderhandlung erfolgt Parteiausschluss. Das ist nicht mehr nur die bekannte Fraktionsdisziplin; das ist Fraktionszwang hoch zehn. Das ist schon hart an der Grenze zur Verfassungswidrigkeit, denn es gilt laut Grundgesetz das freie Mandat.“

  • Der stille Wahlkampf vor dem Sturm | H I E R:

    “Hinzu kommt, dass es Deutschland als ökonomisch-politische Entität objektiv und vor allem auch relativ zu den meisten Staaten in und außerhalb der EU erstaunlich gut geht. Es ist doch irgendwie alles relativ okay. Es gab jedenfalls schon schlechtere Zeiten. Ich kann die Politik irgendwie verstehen. Warum soll man die Leute also mit großen Veränderungen erschrecken? Das ist keine gute Wahlkampfstrategie.

    Es ist also ein bisschen wie die Stille vor dem Sturm. Und doch bin ich überzeugt, dass der Sturm die nächste Legislaturperiode kommen wird. Und ich habe nicht das Gefühl, dass wir gut gerüstet sind oder dass irgendeine der Parteien auf diese Fragen überzeugende Antworten hat.”

  • Das Europaparlament will den Weltraumaufzug!:

    “Ich konnte meine Kolleginnen und Kollegen im Parlament überzeugen, dass Raketen allein den künftig nötigen Zugang zum Weltraum nicht bringen werden. Alternative Trägertechnologien wie der Weltraumaufzug können die Effizienz von Weltraummissionen massiv steigern.“

Links der Woche

  • Perspektivlosigkeiten:

    “Und so ist diese Wahl in Sachen „meine Wünsche“ wohl gelaufen. Ich habe keine Partei, die ich wählen kann, weil ich die will oder will was die will. Somit bleibt mir dieses Jahr nur, zur Wahl zu gehen, um mit meiner Stimme eine rechtsextreme Stimme auszugleichen. So wie ich als Ami Hillary gewählt hätte, um Trump zu verhindern.“

  • Perspektiven:

    “Und die fast 50% Nichtwähler? Die gehen nicht zur Wahl, um einen Rassisten zu verhindern oder eine Frau ins Amt zu wählen. Das ist für zu wenige Menschen ein ausreichend sie persönlich betreffender Grund für eine Wahl. Und offenbar haben sie keine weiteren Gründe sehen können als nur diese. In der Türkei wurde keine (ansonsten haltlos verstrittene) Opposition gewählt, deren einziger kommunizierter Programmpunkt war, eine AKP-Mehrheit zu verhindern. Dito in Ungarn.“

  • V-Partei³ – Esoterische Querfrontspitzen und Rassismus:

    “Die V-Partei machte in der letzten Woche bereits durch ihre Einflussnahme auf die Berichterstattung von Vegan-News.de sowie mit dem spontanen Rücktritt ihres gerade erst angetretenen Bundesgeschäftsführers Florian Harzmann auf sich aufmerksam. Dies war der Anlass für uns, die Parteispitze einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Dabei stießen wir auf völkischen Rassismus, Holocaust-Relativierung, Verschwörungsideologien, jede Menge Esoterik und rechte Medien.”

  • Early electric cars were so easy to use, they were considered ‚ladylike‘:

    “With top speeds of only about 20 miles per hour and a limited range, they were primarily used by affluent drivers to get around cities. They were marketed to women in particular, as a quiet, clean car without fumes or a hand crank. Some even came disguised with fake radiators to make them more palatable to the male market.“

  • Diesel vs. Elektromotor – Und jetzt holen wir alle mal tief Luft:

    “Das Ende des Verbrennungsmotors wird nicht auf einen Schlag kommen. Das will auch niemand. Aber das Ende wird kommen. Und mit Privatfahrzeugen zu beginnen ist keine schlechte Idee. Denn bis man LKWs oder Flugzeuge auf Wasserstoffantriebe oder ähnliches umrüsten kann, werden noch einige Jahre oder Jahrzehnte vergehen. Um die globalen Lieferketten aufrechterhalten zu können, wird man noch lange auf Öl setzen müssen.

    Je früher man Alternativen zum Verbrennungsmotor sucht, desto besser. Und irgendwann muss halt mal damit anfangen. Jetzt ist kein schlechter Zeitpunkt, denn verschiedene Technologien sind langsam so weit.”

Links der Woche

  • Warum sind Frauen kleiner als Männer? | ARTE MEDIATHEK | ARTE:

    “Überall auf der Welt sind Frauen im Durchschnitt kleiner als Männer. (…) Dabei gibt es durchaus Tierarten, bei denen die Weibchen größer sind als die Männchen. Auch hat der Geschlechtsdimorphismus – so der wissenschaftliche Fachausdruck – einige Überraschungen zu bieten: Zum Beispiel sind Blauwalweibchen größer als ihre männlichen Artgenossen. (…) Warum also sind seine menschlichen Verwandten so klein? Wissenschaftler aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland und den USA sind dieser höchst interessanten Frage nachgegangen. Sie erzählen eine faszinierende Evolutionsgeschichte, in der Biologie, Medizin, Paläoanthropologie, Ernährungswissenschaft, Soziologie sowie Geburtsmedizin und Frauenheilkunde zusammenspielen und in der die Frau ganz groß herauskommt.”

  • Welche Gerechtigkeit?:

    “Was hat das eine jetzt mit dem anderen zu tun? Es zeigt, wie Staat und Politik einmal mit Konzernen und einmal mit Menschen umgehen. Es gibt das Wort „Hartz IV Betrüger“, das Wort „Konzernbetrüger“ ist zwar möglich, aber nicht wirklich gebräuchlich. Einem bedürftigen Menschen wird pauschal und von vornherein Betrugsabsicht unterstellt, ein Autokonzern und seine Verantwortlichen haben selbst dann nichts zu fürchten, wenn sie mehr oder weniger öffentlich des Betruges überführt worden sind.“

  • Krank genug für Heroin auf Rezept, nicht aber für Gras – Über meinen Kampf für Cannabis als Medizin:

    “Mit dem Ablehnungsbescheid ging ich wieder zu meinem Arzt, der ebenso fassungslos wie ich von der Entscheidung war. Wir lasen uns gemeinsam das Gutachten durch und verfielen gemeinsam zwischendurch in verzweifeltes Lachen. Dort standen überwiegend Maßnahmen drin, die ich bereits alle wahrgenommen habe, bzw. wahr nehme. Und beim Punkt, er könne mir ja noch immer weiterhin leichte bis starke Opiate verschreiben, schlug dies tatsächlich dem Faß den Boden aus. Dort stand also ernsthaft, dass ich weiterhin Medikamente nehmen solle, die ich nachweislich nicht mehr vertrage, meine Organe ruinieren und mich zwar schmerzfrei machen, aber aufgrund der Nebenwirkung eine Arbeitsunfähigkeit wieder vorprogrammiert wäre. Laut diesem Gutachten bin ich also nicht krank genug für Cannabis, Opiate, wegen derer ich ja schon bereits einen harten Entzug hinter mir hatte, gehen aber voll in Ordnung.”