Autonome Fahrzeuge: Lieber Passanten oder einen Kinderwagen überfahren?

Am 19. März 2018 starb eine 49-jährige Frau in einem Krankenhaus in Tempe, Arizona. Sie hatte versucht, eine Straße zu überqueren und wurde dabei von einem selbstlenkenden Auto des Fahrdienstvermittlers Uber erfasst, das sich auf Testfahrt befand. Der Testfahrer hatte Polizeiberichten zufolge keine Chance einzugreifen, da die Frau nachts um 22 Uhr plötzlich aus dem Schatten auf die Fahrbahn getreten sei. Offen ist die Frage, warum das Roboterauto nicht versucht hat, zu bremsen oder auszuweichen und was dessen Sensoren vor dem Unfall wahrgenommen haben. Uber will Hergang und Ursachen genau untersuchen und hat einstweilen alle Testfahrten gestoppt. Die Frau aus Tempe ist bereits der zweite Mensch, der bei einem Unfall mit einem autonomen Fahrzeug tödlich verunglückte. Allerdings hätte beim Zusammenstoß eines Tesla mit einem Lkw im Frühjahr 2016 der Fahrer eingreifen müssen, weil Teslas Autopilot-Software ausdrücklich nicht für vollständig autonomes Fahren gedacht war.

Natürlich hat das tragische Unglück in Arizona die Debatte um künstliche Intelligenz am Steuer erneut angeheizt. Wer trägt bei solchen Unfällen die Verantwortung? Wie könnte ein Robo Law aussehen, das Verantwortlichkeiten und Strafen in solchen Fällen regelt? Welche Mindestanforderungen müssen autonome Fahrzeuge erfüllen, damit sie auf die Straße gelassen werden? Wenn diese Fragen diskutiert werden, kommt früher oder später das Trolley-Problem ins Spiel. Es handelt sich um ein philosophisches Gedankenexperiment: Eine Straßenbahn rast auf eine Gruppe von Menschen zu. Du hast die Chance, sie zu retten, indem du schnell eine Weiche umlegst, allerdings zu dem Preis, dass jemand anderes überfahren wird. Wie wirst du dich entscheiden?

Weiterlesen bei t3n

Kurzer Rant, den ich nicht auf Facebook vergammeln lassen wollte

Dem Sportunterricht verdanken zahllose Menschen das eine oder andere Kindheitstrauma. Falls du weiblich bist, wird in TV-Shows dein optimaler Thigh-Gap diskutiert. Dir wird gesagt, wieviel Wasser du täglich trinken sollst und in welchem Bereich dein BMI zu liegen habe. Denn nur in einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist. Letzteren in vielerlei Hinsicht zu bilden ist seit Jahrhunderten höchstes Ideal des Humanismus. Gemessen wird das in Pisa-Tests und Creditpoints, die in einem stromlinienförmigen Bologna-Studium erworben werden, deren Inhalte sich an den Bedürfnissen von Unternehmen orientieren, die ihrerseits die korrekte Messung der Abgase ihrer Produkte mittels digitaler Fälschungseinrichtungen verhindern. In etlichen Berufen rauben bürokratische Dokumentationspflichten den Mitarbeiter_innen die Zeit, sich um ihren eigentlichen Job zu kümmern. Und wenn alle paar Monate eine Kennzahlenkritik in Form eines „Feedbackgesprächs“ droht, fragt eins sich, ob es nur stattfindet, weil die feedbackenden Vorgesetzten anderweitig jeglichen Kontakt zu ihren Untergebenen verloren haben. In Schulen gibt der Lehrkörper das totale Handyverbot bekannt und gleich anschließend die (Kopf-)Noten. Das ist alles normal. Aber wehe, du schnallst dir ein „smartes Armband“ um, weil du dich für deine Körperwerte interessierst. Dann bist du quasi ein Verrückter und gefährdest mit deinem Selbstoptimierungswahn den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wehe du schaust auf dein Smartphone, weil eine Nachricht deiner Familie/Freunde/Mitmenschen eintrudelt oder du Zeitung lesen möchtest oder wissen willst, wie das Wetter wird. Dann bist du gefangen in der „Filterblase“ und produzierst im Minutentakt die gesellschaftszersetzenden „Fake News“ statt mal wieder was mit „echten Menschen“ zu machen. Ihr merkt es selber oder? (Nein, tut ihr nicht.)

Links der Woche

  • EU wants to require platforms to filter uploaded content (including code):

    “The EU is considering a copyright proposal that would require code-sharing platforms to monitor all content that users upload for potential copyright infringement (see the EU Commission’s proposed Article 13 of the Copyright Directive). The proposal is aimed at music and videos on streaming platforms, based on a theory of a “value gap” between the profits those platforms make from uploaded works and what copyright holders of some uploaded works receive. However, the way it’s written captures many other types of content, including code.”

  • Vorurteile zum Thema Inklusion – Raul Krauthausen – Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit.:

    „Schon als Kind hatte ich viel Kontakt zu Menschen ohne Behinderung. Mich hat immer inspiriert, wie viel Lebensfreude sie ausstrahlen und wie gut sie ihr Leben meistern. Seitdem ist es für mich ganz normal, dass es auch Nichtbehinderte gibt.“

  • Internet-Law » Schränkt die Datenschutzgrundverordnung Meinungsäußerungen im Internet ein?:

    “Die Meinungsfreiheit umfasst insbesondere das Recht, sich kritisch zu
    bestimmten Personen und ihrem Verhalten und Wirken zu äußern. Speziell
    die DSGVO postuliert das Verbot, konkrete Personen im Internet überhaupt
    namentlich zu nennen. Das mag für den juristischen Laien absurd
    klingen, entspricht aber der Rechtslage, die in Deutschland ab dem
    25.05.2018 gelten wird.“

  • Sprache: Es geht nicht um das „Mitgemeintsein“ von Frauen:

    “Ich glaube, von Luise Pusch, die ja Pionierin in diesen Dingen ist,
    stammt bereits der  Vorschlag, neben der weiblichen Endung „-in“
    zusätzlich eine männliche Endung, zum Beispiel „-ich“ einzuführen und
    die neutrale Variante konsequenterweise zum Neutrum zu machen: Das
    Lehrer, die Lehrerin, der Lehrerich.“

  • Ist YouTube der „große Radikalisierer“ weil es zu neutral ist?:

    “Themen wie Chemtrail oder Trump können nicht von einer neutralen
    Plattform in eine für uns „wünschenswerte“ Richtung gelenkt werden. Das
    kann nur eine wertende, eine sich zu diesen Themen positionierende
    Plattform tun. Und werden diese Positionen, dann immer wünschenswert
    sein? Ist es gut oder schlecht, wenn ein System an Vegetarismus
    interessierte Menschen graduell durch Empfehlungen an Veganismus
    heranführt?  Wer entscheidet das? Muss das überhaupt jemand entscheiden?
    Wer entscheidt darüber, bei welchen Themenfeldern überhaupt eine
    Positionierung/ein Eingriff der Plattform stattfinden muss?“

  • An Trennung denken, wie unromantisch | Das Nuf Advanced:

    “Deswegen hoffe ich einfach immer, dass die Entscheidung zum Einverdienermodell nicht aus einer zuversichtlichen rosaroten Brille getroffen wird, sondern mit unverstellten Blick auf die möglichen Konsequenzen. Denn es ist ja nicht so, dass man dieses Modell nicht guten Gewissens wählen könnte. Kann man natürlich – nur eben mit entsprechend schriftlich festgehaltenen Regelungen für den Fall einer Trennung und zwar im Zustand des gegenseitigen Wohlwollens und nicht im Zustand der Trennungsverletztheit.”

Links der Woche

  • „Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ George Orwell (angeblich):

    “Dieses weit verbreitete angebliche George-Orwell-Zitat, das besonders gerne Personen aus dem rechten Spektrum zitieren, ist noch keine 10 Jahre alt, wie Rechercheure von Wikiquote herausgefunden haben.”

  • Heimatschutz von links? Nein danke:

    “Die Leute wählen die AfD nicht, weil sie besonders oft Heimat sagt. Sie sagen, sie hätten das Gefühl, dass ihnen die Heimat verlorengeht, artikulieren damit aber ein Unbehagen an gesellschaftliche Liberalisierung und Einwanderung. Sie wollen nicht, das Ausländer kommen, sie wollen nicht, dass Homosexuelle heiraten, und sie wollen nicht, dass Frauen irgendwas zu melden haben. Der Thüringen-Monitor und andere sozialwissenschaftliche Untersuchungen bestätigen dies. Deshalb wollen die Wähler der AfD auch keinen wie auch immer links umgedeuteten Heimatbegriff. Sie wollen den guten, alten Heimatbegriff, der bei NPD, Freiwild, Thüringer Heimatschutz und Co. stets Chauvinismus, Ausgrenzung und Rückwärts­gewandtheit transportiert – wie auch bei der AfD.”

  • Women Philosophers Get No Agency: Elisabeth of Bohemia:

    “I was reminded of this mess when I came across a Google Scholar entry for an edition of the correspondence between Elisabeth of Bohemia (1618–1680) and René Descartes (1596–1650). They wrote each other during the mid-to-late 1640s. Yes, that correspondence in which Bohemia raised one of the most devastating objections that still plagues any form of Cartesian substance dualism today. The entry featured a massive omission. While the ‘Title’ field correctly lists both authors, the ‘Author’ field below brashly reduces this to simply ‘R Descartes’. Our friend Renatus.”

Ein Netz voller Bären und Schlangen

Ein anonymer Informant aus dem Bundesinnenministerium hatte das mo­natelang gehütete Geheimnis kürzlich den Medien verraten. Am 28. Februar bestätigte das Bundesinnenministerium, dass der »Informationsverbund Berlin-Bonn« (IVBB) gehackt worden sei. Dieses Netzwerk wird von dem Ministerium verwaltet und verbindet Bundesrat, Kanzleramt, Ministerien, Rechnungshof und verschiedene andere Institutionen miteinander. Zunächst klingt das wie der größte anzunehmende IT-Unfall, allerdings dient der IVBB nur dem Informationsaustausch der Behörden untereinander, wobei verschlüsselt kommuniziert wird. Jede ans IVBB angeschlossene Behörde verwendet intern ein eigenes Netz. Ob und in welchem Ausmaß die Hacker Daten einzelner Behörden erbeuten konnten, ist völlig unklar. Bisher bestätigte lediglich das Außenministerium, dass die Hacker Zugriff auf einige wenige Do­kumente gehabt hätten. Um welche Informationen es sich handelt, ist nicht bekannt.

Weiterlesen in der Jungle World

Das Ende einer Illusion

2016 hatte eine jugendliche Carrie Fisher einen Auftritt in dem Krieg-der-Sterne-Film „Rogue One“. Doch die damals 59-jährige Schauspielerin stand nicht selbst vor der Kamera, um eine fast 40 Jahre jüngere Prinzessin Leia zu spielen: Die Szene stammt aus dem Computer. Vor zwei Jahren war das noch millionenteure Tricktechnik aus Hollywood. Heute kann jeder diese Szene einigermaßen überzeugend mit einer App nachbilden.

Weiterlesen/hören bei Deutschlandfunk Kultur

 

Links der Woche

  • Inside Atomwaffen As It Celebrates a Member for Allegedly Killing a Gay Jewish College Student — ProPublica:

    “ProPublica obtained the chat logs of Atomwaffen, a notorious white supremacist group. When Samuel Woodward was charged with killing 19-year-old Blaze Bernstein last month in California, other Atomwaffen members cheered the death, concerned only that the group’s cover might have been blown.”

  • The Singular Pursuit of Comrade Bezos – Member Feature Stories – Medium:

    “In fact, to think of Amazon as a “market player” is a mischaracterization. The world’s biggest store doesn’t use suggested retail pricing; it sets its own. Book authors (to use a personal example) receive a distinctly lower royalty for Amazon sales because the site has the power to demand lower prices from publishers, who in turn pass on the tighter margins to writers. But for consumers, it works! Not only are books significantly cheaper on Amazon, the site also features a giant stock that can be shipped to you within two days, for free with Amazon Prime citizensh…er, membership. All 10 or so bookstores I frequented as a high school and college student have closed, yet our access to books has improved — at least as far as we seem to be able to measure. It’s hard to expect consumers to feel bad enough about that to change our behavior.”

  • Noch einige Missverständnisse zur Blockchain | Notizblog:

    “Dezentralität bedeutet aber generell nicht, dass die Macht eines Systems in die Hände der vielen übergehen. Nein. Für den einzelnen ohne Macht hat Dezentralität viele Nachteile. Wer jemals einen Joint mit Bitcoins gekauft hat, kann sich mittlerweile ziemlich sicher sein, dass eine staatliche Stelle davon Bescheid weiß. Dezentralität verhindert schnelle Updates, und die Sicherheitslücken müssen die Nutzer als erstes ausbaden. Dezentralität gibt den Leuten viel Macht, die die Imperfektionen des Ist-Zustands ausnutzen und die große Mehrheit übervorteilen wollen.”

Links der Woche

  • Jane Austen Used Pins to Edit Her Manuscripts: Before the Word Processor & White-Out:

    “With no calculated blank spaces and no obvious way of incorporating
    large revision or expansion she had to find other strategies – the three
    patches, small pieces of paper, each of which was filled closely and
    neatly with the new material, attached with straight pins to the precise
    spot where erased material was to be covered or where an insertion was
    required to expand the text.“

  • Gender-Pay-Gap: Ein Transgender-Experiment entlarvt diskriminierende Lohnungerechtigkeit:

    “Sie schickten drei Transgender, einmal als Mann und einmal als Frau, in das gleiche Bewerbungsgespräch. Das jetzt veröffentlichte Ergebnis zeigt, dass die weit klaffende Lohnlücke zwischen den Geschlechtern nicht zwangsläufig auf fehlender Durchsetzungskraft beruhen muss, sondern bisweilen eindeutig auf reine Diskriminierung zurückzuführen ist. Die Probanden teilen nämlich dieselbe Persönlichkeit mit denselben Fähigkeiten, eben nur mit einem anderen Geschlecht.”

  • Upload-Filter: Eine Gefahr für die Netzkultur:

    “Ein EU-Vorschlag zur Urheberrechtsreform schreibt Plattformen das Vorab-Filtern aller Inhalte vor. Kritiker befürchten den Missbrauch als Zensurinfrastruktur. Auch im Koalitionsvertrag kritisieren Union und SPD die Filter als „unverhältnismäßig“, doch ein führender EU-Politiker der CDU hält erst recht daran fest. Das Vorhaben könnte Wikipedia bremsen und viele Meme aus dem Netz fegen.”

  • Der letzte Kampf der Anthroposophen:

    “Als Redner sind neben dem enthusiastischen Antizionisten Elias Davidsson der Schweizer 9/11-»Friedens­forscher« Daniele Ganser und der Europäer-Chefredakteur Thomas Meyer angekündigt. Der bekannte Verschwörungsideologe Ken Jebsen soll moderieren.“