American Pie 2

Astoria, Zwickau

Ein Jahr nach Teil 1 trifft sich die Teenie-Truppe wieder, noch immer mit Hochdruck auf der Suche nach Frauen, Sex und der eigenen Männlichkeit. Der titelspendende Kuchen wurde jedoch durch eine Alleskleber-Nummer ersetzt und statt Sperma spielt diesmal Urin seine ekelig-komische Rolle. Vollkommen geschmacklos?

Die derben Zoten schaffen es ein weiteres mal, wirklich zu amüsieren. Wenn sich die alte Clique nach einem Jahr der schulischen Trennung in einem Strandhaus trifft und dort abfeiert, macht es einfach Spaß, den katastrophalen Kopulationsversuchen zuzusehen. Sicher, das Script ist heillos konstruiert und hat nur den einen Zweck: So viele haarsträubend wie extrem peinliche Situationen wie nur irgend möglich herbeizurufen. Außerdem hat es einige Durchhänger.

Selbstverständlich reicht der zweite Aufguss lange nicht an den ersten Teil heran: Der hatte einfach zu viele tolle Gag-Ideen, die man so ohne weiteres mit dem gleichen Thema nicht steigern kann. Dabei ist „American Pie 2“ durchaus gar nicht so derb, auch wenn wieder einige Pointen ganz klar auf abartigste anatomische Regionen zielen. Aber mit einem gewissen Erfolg wurde dem Film dieses mal sowas wie eine Message verpasst, die in etwa lautet: Liebe und Freundschaft zählen mehr als die reine Kopulationsfrequenz.

Es handelt sich eigentich um nichts anderes als einen zeitgemäßen Neuaufguss der „Eis am Stil“-Filme. Und diese werden auch weit übertroffen. Sicher kein anspruchsvolles Kino, aber Lacher und Unterhaltung auf Herrenwitz-Niveau sind genügend vorhanden. Die Darsteller jedenfalls mache ihre Sache sehr ordentlich und man sieht dem Ergebnis an, dass sie am Dreh einen Heidenspaß gehabt haben müssen. Jeder Zuschauer dürfte so seine eigenen Unsicherheiten haben oder sich gruselnd an seine Pubertät zurückerinnern – umso befreiender kann ein herzaftes Lachen über diese Dinge sein. Eigentlich gar nicht so furchtbar geschmacklos, sondern ein durchaus sympathischer Film.

USA 2001, 105 min
mit Jason Biggs, Alyson Hannigan, Mena Suvari, Seann William Scott, Eddie Kaye Thomas
Regie: James B. Rogers

A.I. – Künstliche Intelligenz

Astoria, Zwickau

Ein kleines Geschöpf: hinreißender Blondschopf, Stupsnase, artig, folgsam. Und ausgestattet mit diesem Blick, mit dem es sagen kann: „Ich hab dich lieb, Mami.“ – welche Gefühle hätte man, egal ob männlich oder weiblich – gegenüber diesem Geschöpf? Wenn es wie ein süßer Fratz aussieht? Wenn man wüsste, dass es eine Maschine wäre? Und was, wenn es vielleicht mehr als eine Maschine wäre?

Solche Maschinen werden vielleicht existieren. Nicht in naher Zukunft, aber es gibt keinen Grund, warum das technisch langfristig unmöglich sein sollte. Und es wirft eine Menge Fragen auf. In einem Amerika nach der Klimakatastrophe existieren sie – Roboter, die wie Menschen aussehen, ihnen Arbeit abnehmen. Z.B. künstliche Gigolos, mit denen man „besseren Sex“ erleben kann, als mit einem echten Mann. Diese Maschinen machen natürlich auch wieder Menschen überflüssig. Und werden dafür von nicht wenigen gehasst, sogar gejagt.

Besonders perfide ist die Idee, künstliche Kinder herzustellen, für Eltern, denen echte Kinder versagt bleiben. Kinder mit einem Ausschalter, für die man keinen Babysitter braucht, wenn man ausgehen will, aber Kinder, die einen liebevoll ansehen, wenn man ihnen Märchen vorliest. Monica und Henry sind solche Eltern. Ihr Sohn liegt im Koma, so bekommen sie David ins Haus. David ist zunächst einfach nur eine Maschine. Aber man kann ihn zu rückhaltloser Liebe konditionieren, indem man ein Programm startet. Ein Programm, dass sich nicht rückgängig machen lässt. Entgegen allen Warnungen, es nur zu tun, wenn sie sich ganz, ganz sicher sei, setzt Monica es in emotionaler Verwirrung in Gang.

Natürlich ist David nur ein „Supertoy“, ein Ersatz. Als sein „Bruder“ aus dem Koma erwacht, ist David nicht nur überflüssig, er setzt auch Konflikte frei, wie sie sich stärker oder schwächer immer unter „Geschwistern“ abspielen – die Konkurrenz um die Mutterliebe. Und es wirkt schon hier beängstigend, wie David von seinem Programm abweicht und immer deutlicher menschliche Züge entwickelt. Eine Frage der Zeit, wann sich die Situation so zuspitzt, dass man ihn aussetzt. In einer abgrundtief traurigen Szene lässt Monica ihn in einem Waldstück zurück, und die Maschine David kann nichts weiter, als seine „Mutter“ programmgemäß zu lieben, eine entsetzliche Angst vor Trennung und Alleinsein zu haben.

Allein im Wald zurückgelassen begibt David sich auf eine Odyssee. Er sucht seine „Mutter“ – und er sucht wie ein High-Tech-Pinocchio nach der „blauen Fee“, die ihn vielleicht in ein richtiges Menschenkind verwandeln kann. Dabei gerät er in die Fänge von Menschen, die Jagd auf Maschinen machen, lernt alte, abgewrackte Modelle kennen, die einerseits wie zombiehafte, kaputte Maschinen wirken, doch andererseit wieder beängstigend lebendig. Eine „Liebesmaschine“ und ein intelligenter Teddy helfen ihm auf seiner Suche, und wenn er ans Ziel gelangt und hinter das Geheimnis seines Daseins kommt, schließt der Film nur seinen zweiten Akt, wendet die Handlung vollends ins Märchenhafte und steuert in psychedelischen Bildern auf ein grandioses Ende zu.

Tiefe, existenzielle Fragen sind es, die der Film aufwirft. Wenn wir einer Maschine Bewusstsein einprogrammieren. Wenn wir ihr die Möglichkeit geben, ihr eigenes Ich zu reflektieren, wenn wir sie so programmieren, dass sie lieben kann, was die Fähigkeit zu Hassen und Schmerzen zu empfinden zwangsläufig einschließt – was unterscheidet diese Maschine noch von einem menschlichen Wesen?

Selbst wenn man ausklammert, dass es sich um eine Maschine handelt, so wird David trotzdem knallhart mit so ziemlich allem konfrontiert, was einem Menschen seelisch weh tun kann. Geschwisterkonkurrenz, Entzug der Mutterliebe, Einsamkeit, die Feststellung, dass man ein Individumm ist, später die Feststellung, dass man keinesfalls einzigartig ist – hier verstörend gezeigt in der grandiosen Szene, in der David völlig identische Replikationen seiner selbst findet, die schon komplett verpackt für die Ladentheke bereitstehen.

„A.I.“ rührt an die tiefsten Traumata und Ängste eines Menschen. Er tut dies bisweilen mit brutaler Kälte, bisweilen einfühlsam doch tief traurig. Ein amibitioniertes Projekt, für das Stanley Kubrik 1982 die Rechte erworben hat, das er jedoch nie verwirklichen konnte. An seiner Stelle übernahm Steven Spielberg – auf Kubriks Wunsch hin – den Part. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Meisterwerk. Spielberg muss einen Haufen Dokumente aus dem Nachlass von Kubrik gesichtet haben: Texte und Designskizzen. Und Spielberg scheint Kubriks Stil sehr genau analysiert zu haben. Jedenfalls sieht der Zuschauer über lange Strecken vor allem eines: einen Kubrik-Film.

Dennoch ist Spielbergs Handschrift – speziell im letzten Drittel es Filmes unübersehbar. Spielberg kann nocheinmal der Magier sein, in großartigen Bildern an Filme wie „E.T.“ erinnern. Und ich glaube nicht, dass „A.I.“ nur aus Zufall eine ähnliche Abkürzung als Titel verpasst bekommen hat. Scheinbar, aber auch nur scheinbar, steuert Spielberg den Film massiv in Richtung Kitsch. Dennoch ist jederzeit klar, dass das, was er zeigt, nichts anderes ist, als Kubriks Vision.

Schade, dass es einige Unschönheiten wie kleinere Logikfehler gibt, z.B. der Tatsache, dass wohl kaum das Eis der Polkappen ausreicht, um in der Klimakatastrophe den Meerespiegel um geschätzte 100 m steigen zu lassen. Vielleicht ist der Druck auf die Tränendrüsen zeitweise übertrieben, vielleicht mag der herumwackelnde Robo-Teddy einige Zuschauer nerven. Vielleicht ist der Film insgesamt zu lang geraten.

Das spielt alles kaum eine Rolle, denn bis zuletzt strotzt die Storyline von intelligenten Einfällen. Kubrik liefert er nochmal das Fazit seines Schaffens, und es spricht für die Stärke seiner Vision, dass Spielberg trotz einiger Schnitzer dem Film nicht wirklich schaden konnte. Er unterhält – bisweilen mit angemessenem Humor -, er bietet erstklassige Effekte und Animationen und die berauschende visuelle Umsetzung einer Welt, wie sie in Zukunft wirklich sein könnte. Wie jede gute Science Fiction, ist er eine Parabel und beschäftigt sich mit philosophischen und ethischen Fragen. Er bietet eine überaus intelligente Storyline, eine stringente Handlung und vor allem: erstklassige Darsteller. Neben Jude Law als Gigolo-Roboter spielt vor allem Haley Joel Osment auf absolut faszinierende Weise den menschlich wirkenden Automaten – für den Kinderstar eine Leistung, die weit über „Sixth Sense“ hinausgeht.

Man genieße „A.I.“ wie jemand der keine Schmalzbrote mag: Die dicke Schmalzschicht abstreifen und den Rest genüsslich verinnerlichen. Szenen, die zu Tränen rühren, hat der Film auch dann noch. Und zwar authentische. Dies ist eines der größten Meisterwerke Spielbergs wie Kubriks, ja eine Synthese zweier völlig verschiedenen Stile zu etwas völlig Einzigartigem.

USA 2001, 145 min
mit Harley Joel Osment, Jude Law, Frances O’Connor
Regie: Steven Spielberg

Welt steht still

Nine/ElevenEines der sichersten Gebäude der Welt hat sich heute als ein tödlicher Aufenthaltsort erwiesen. Daherhinter steckt mutmaßlich ein Terroristenführer, der in Saudi Arabien mit Öl- und Waffengeschäften extrem reich geworden ist: Bin Laden. Zwei seiner ehemaligen Geschäftspartner und Förderer im Afghanistan-Konflikt der 80er Jahre: George Bush sen. und George W. Bush. Globalisierungsgegner müssen nun fürchten, mit Terroristen auf eine Stufe gestellt zu werden. Friedenswillige in aller Welt dürfen nun in Deckung gehen, da die verbliebene Supermacht jetzt für einige Zeit tun kann, was sie will, ohne auf Wider-spruch bei den Verbündeten zu stoßen. Palästinenser tanzen auf den Straßen, anstatt zu trauern. Und das obwohl ihr Friede nun erst recht für lange Zeit begraben sein wird. Und falls der Terroranschlag nicht mit Bin Laden sondern mehr mit den Palästinensern zu tun hat, dann ist ausgerechnet Israel, der treue Verbündete der USA durch seine Verhinderungs-, später Eskalationspolitik einer der Mitschuldigen. Die Welt steht kopf. Hoffentlich wird dies kein zweiter Reichstagsbrand. Die dumpfe Angst ist da.

Internet Explorer 6

Wirklich erstaunlich: Endlich bin ich mal dazu gekommen, mir den Internet Explorer 6.0 herunterzuladen und zu installieren – für einen Webworker ja sowieso ein Muss. Die neuen Features kennt man ja schon aus der Beta, speziell das Klauen von Bildern wird nun stark vereinfacht. Aber was ich wirklich überraschend finde: Bei oft längeren Flatrate-Surf-Sessions wurde meine Win98-Kiste nach häufigem Öffnen und Schließen von Browserfenstern im IE5.5 richtig langsam, ich musste den Rechner neu starten. Dasselbe bei vielen Reloads, wenn man dabei ist, HTML zu coden. Und das hat sich wirklich stark verbessert. Sollte da Microsoft tatsächlich mal was mit Hand und Fuß hinbekommen haben?

Für den zweitschönsten Monat des Jahres

Der Garten trauert, Kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert Still seinem Ende entgegen.
Golden tropft Blatt um Blatt
Nieder vom hohen Akazienbaum
Sommer lächelt erstaunt und matt
In den sterbenden Gartentraum.
Lange noch bei den Rosen
Bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh.
Langsam tut er die großen,
Müdgewordenen Augen zu.

Hermann Hesse

Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück

Astoria, Zwickau

Pfunde sind sexy. Die Texanerin Renée Zellweger hat sich nicht nur den passenden Dialekt eingeübt, sondern auch ein hübsches Sümmchen Pfunde angefuttert, um eine leicht übergewichtige Londonerin zu verkörpern, die ihr Leben mit zu viel Süßigkeiten, Alkohol und Zigaretten verbringt – mit mehr als ansehnlichem Ergebnis.

Zumindest ist das Ergebnis ausgesprochen ansehnlich, was die Zellweger betrifft. Selten waren Pausbäckchen und ein rundlicher Hintern im Kino niedlicher zu betrachten. Ob der Film als ganzes ansehnlich ist, daran scheiden sich die Geister, auch wenn das Lob stark überwiegt. „Bridget Jones“ ist ein „Frauenfilm“, eine typische romantische Komödie. Und sie ist pseudo-britisch. So einen Film gibt es so ziemlich jeden Sommer. Er spielt in London, zeigt eine romantische Liebeskomödie, für Kurzweil sorgen die Zoten einiger spleeniger Engländer. Und der Film stammt ansonsten aus den USA, ist ein stromlinienförmiges Marktprodukt und hat wenig mit dem britischen Kino als solchem zu tun. Die berühmtesten Beispiele sind „Notting Hill“ und „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“.

Die Story ist einfach wie nett. Bridget Jones ist eine Verlagsangestellte, die mit ihrem Leben nicht so recht klarkommt: zuviele Pfunde, zuviel Alkohol, zu viele Zigaretten, ein zu loses Mundwerk und einen zielsicheren Instikt für peinliche Situationen, sowie die Gabe, sich exakt die falschen Männer auszusuchen. Der Rest der Handlung besteht aus einem Parcours aufgereiter Fettnäppchen, den die Titelhelden meisterlich abarbeitet, in Verbindung mit einigen Turbulenzen sowie zwei Männern: dem Schönling (hier mal angenehm: Hugh Grand), der sich als Arsch entpuppt, und dem biederen, hölzernen Anwalt, der sich als der richtige erweisen wird.

Besonders erfreulich ist das Thema und die Umsetzung: Endlich mal ein Pummelchen in der Hauptrolle, das auch endlich mal im Happy End so aktzeptiert wird, wie es ist. Endlich mal ein Film, der vielleicht die eine oder andere Frau dazu bringt, sich selber nicht zu dick zu finden. Die Botschaft bleibt fraglich. Die reale Zellweger hat die Pfunde leider wieder abgestrampelt, und die fiktive Jones wird streckenweise als derart trottelig und peinlich dargestellt, dass wohl kaum eine Frau sich so recht mit ihr identifizieren mag – besonders an der Stelle, wo sich der Film über ihren breiten Hintern lustig macht. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. Aber vielleicht merkt die Industrie noch, dass Frauen vielleicht weniger schlankheitswahnmäßig terrorisiert werden wollen und dass es durchaus viele Männer gibt, die nicht immer nur Klappgestelle der Marke Gwyneth Paltrow im Kino sehen möchten.

Wer diese Art Film mag, bekommt auf jeden Fall sehr gute Unterhaltung geboten. Ein frisches Drehbuch gepaart mit guten Darstellern und einer flotten Inszenierung ohne grobe Fehler ist vorhanden – an Tiefe mangelt es natürlich etwas. Ein paar Blätter muss ich aber aus dem Lorbeerkranz rupfen, den die Medien dem Film vorab verpasst haben. Renée Zellweger (die hier stark an Doris Day erinnert) und ihre Kollegen spielen ordentlich – mehr nicht! Der Film ist unterhaltsam, nicht genial. Größter Wermutstropfen: Gelegentlich werden die Situationen, die komisch sein wollen, so peinlich, dass man sich als Zuschauer am liebsten verstecken mag. Gelegenglicht übertreibt Zellweger ihr Spiel auch maßlos. Beides zum Glück wirklich nur gelegentlich. Und man muss dem Film eines lassen: Er verzichtet darauf, das (weibliche) Pubklikum mit einer übermäßigen Menge an Schmalz und Tränentreiberei zu bombardieren, was sehr löblich ist.

England/USA 2001, 97 min
mit Renée Zellweger, Hugh Grant, Colin Firth
Regie: Sharon Maguire

Final Fantasy

Astoria, Zwickau

Es sind die Augen. In diese Augen kann man wirklich blicken. Sie drücken Empfindungen aus, haben Tiefe. Eine Seele. Dabei sind es die Augen einer Frau, die komplett im Computer generiert wurde.

Bei dieser Frau handelt es sich um Dr. Aki Ross. Zusammen mit mit ihrem Mentor Dr. Sid erforscht sie paraphysikalische Wellenformen als Unterstützung im Kampf gegen geisterhafte Phantome, die die Welt des Jahres 2065 außerhalb bestimmter Schutzzonen für nahezu alles Leben unbewohnbar gemacht haben.

Lose Vorlage für den Film liefern die gleichnamigen Konsolenspiele, und so ist es kein Wunder, dass die Handlung schlicht Abenteuer – zu lösende Aufgaben – aneinanderreiht, um ins große Finale zu münden. Und in guter Rollenspielmanier wird Aki von einem Trupp Kämpfer begleitet, die sich gelegentlich Feuergefechte liefern können. Hier wirds jedoch mit dem Klischee zuviel. Nicht nur äußerlich wurden die Figuren im Computer entworfen, genauso ist es mit ihren Charakteren. Natürlich gibt es einen Schwarzen, einen Schwerzkeks, den ernsthaften Helden und Liebhaber, den intigranten und faschistoiden Gegenspieler usw. Fade Suppe also, uninteressante Gestalten, die uns dort begegnen.

Und was tun diese Klischee-Gestalten? Sie schwingen dümmliche Reden auf Pearl-Harbor-Niveau, parlieren pseudowissen-schaftlichen Gedankenwust der billigsten Sorte, als wäre der Film eine schlechtes Remake eines drittklassigen Manga. „Akira“ oder „Ghost in the Shell“ sind Kunstwerke, haben philosophische Tiefe und eine psychedelische Handlung. Wer sich dieses von „Final Fantasy“ erhofft, wird herb enttäuscht.

Psychedelisch freilich sind die Bilder. Der Film schwelgt in finsteren Endzeitvisionen und zitiert dabei die komplette SF rauf und runter. Fantastisch zunächst, dieser Detailreichtum, herrlich gestaltet in opulenten Bildern, bis in ins letzte durchgestylt. Aber spätestens in der Mitte des Filmes einfach nur zu opulent. Die Bilderflut ermüdet. Die Errungenschaften der Computeranimation interessieren einfach nicht mehr, der Zuschauer will natürlich tolle Bilder sehen, aber er will auch Menschen, Gefühle, Konflikte – und all das doch vielleicht ein klein wenig niveauvoller als eine durchschnittliche „Captain Future“-Folge.

Was bleibt ist also „Final Fantasy“ als Technik-Studie, die zeigt, was machbar ist. Ob er wie der erste Farb- oder Tonfilm in die Annalen eingehen wird, bleibt fraglich, trotz aller Genialität in der grafischen Darstellung, entgegen jeden Hype, egal was der Spiegel schreibt: Auch die künstlichen Menschen sind noch lange, lange nicht perfekt. Gelegentlich wirkt es absolut echt, schimmert die perfekte Illusion hervor, zumeist jedoch wirken die Figuren, Szenen und Hintergründe genauso künstlich wie ein Computerspiel. Ein wenig wie „gemalt“. Selbst in dieser Hinsicht bleibt „Final Fantasy“ hinter den Erwartungen zurück, auch wenn die Augen der Aki Ross etwas besonderes sind. Schade.

USA 2001, 90 min
Regie: Hironobu Sakaguchi

Blow

Astoria, Zwickau

An Amerikas Pazifikstränden gibt es das wirklich: Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Und nie war diese Szene lebendiger als Ende der 60er Jahre in Kalifornien. Diese Welt betritt George Jung, das Vorbild seines konservativen Vaters vor Augen, der ehrlich schuftete und dennoch pleite ging.

George macht es anders. Eigentlich ist er eher ein netter Kerl, durchaus gutmütig und harmoniebedürftig, aber er hat auch eine Nase für gute Geschäfte, und die konnte man an besagten Stränden mit Gras machen. Zusammen mit seiner Freundin Barbara und dem Hinterzimmergastronom Derek zieht er einen kleinen Marihuana-Handel auf. Und die niedrigen Straßenumsätze reichen ihm schnell nicht mehr, also wird das Zeug gleich säckeweise direkt in Mexiko eingekauft und mit einem gestohlenen Flugzeug über die Grenze geschmuggelt.

Dass das ganze früher oder später ein böses Ende nehmen muss, ahnen wir nicht nur. George bekommt es mit der Polizei zu tun, wird flüchtig. Seine Freundin stirbt an einem Tumor, während er selber eingebuchtet wird. Alles könnte noch die richtige Wende nehmen, würde er nicht im Knast Diego kennenlernen, der ihn später mit dem berühmten kolumbianischen Drogenbaron Escobar zusammenbringt. George ist jetzt nicht nur ein kleiner Fisch, er handelt jetzt mit Bergen von Schnee, die sich schnell in noch größere Berge von Geld verwandeln. Und das kann erst recht nicht gutgehen.

Sehr stilecht wird diese Karriere durch Jahrzehnte der amerikanischen Geschichte erzählt. Georges Frisuren werden passend zum Soundtrack der Zeit immer entsetzlicher, die Sonnenbrillen immer cooler und das Vorstrafenregister immer länger. Obwohl man Johnny Depp mal wieder ein ausgezeichnetes Spiel attestieren muss, bleibt dieses kriminelle Gegenstück zu „Forrest Gump“ dennoch seltsam farblos. Zu vorhersehbar sind die Schicksalschläge, und wenn sie eintreten, werden Sie in der Handlung abgehakt wie eine Checkliste. Der Zuschauer verfolgt ein Geschehen, ohne dass besondere Spannung entsteht, ohne dass er mit George fühlen oder leiden könnte. Das Drehbuch hätte ganz sicher Raum für eine andere Inszenierung geboten, aber es wurde leider zu viel Wert auf epische Länge und Production Design gelegt, zu wenig Wert darauf, dass wir im Kino entweder Special-Effekte und Action-Orgien sehen wollen oder aber eines: wahre Menschen! Dass es stellenweise dennoch magische Momente in „Blow“ gibt, ist wohl weniger das Verdienst von Regisseur Ted Demme, als von Johnny Depp, der es noch immer versteht, 1000 Dialgozeilen in einen Blick zu legen.

Weil man nicht drumrum kommt: „Uns Franka“ hat hier ihre erste richtige Hollywood-Rolle. Franka Potente zeigt einmal mehr, dass ihre Wandelbarkeit keineswegs nur vom Schminktisch stammt. Gerade sie haucht dem Film im ersten Drittel ziemlich viel Menschlichkeit ein. Leider ist ihre Rolle zu sehr auf die im großen und ganzen wenig beteiligte Gefährtin reduziert, sodass sie wenig Gelegenheit bekommt, zu zeigen, was sie kann. Eines kann sie jedenfalls nicht: Ihr eigenes Englisch gut synchronisieren. Leider ist gerade ihre eigene Synchro meilenweit von der Lippenbewegung entfernt.

„Blow“ basiert übrigens auf einer wahren Geschichte. Der echte George Jung hat den Film im Gefängnis gesehen und – wenn man den Berichten Glauben schenken kann – hemmungslos geweint.

USA 2001, 124 min
mit Johnny Depp, Franka Potente, Ray Liotta, Penélope Cruz, Rachel Griffiths, Paul Reubens, Jordi Mollá
Regie: Ted Demme

Almost Famous

Capitol, Hohenstein-Ernstthal

Fast berühmt ist die Band „Stillwater“, folglich steht auf dem Tour-Bus „Almost Famous Tour 1973“. In diesem Bus befindet sich unter wilden Typen, Rockern und Groupies ein etwas schüchterner 15jähriger Junge, der als Musikjournalist für den „Rolling Stone“ dabei ist. Also Wahnsinn mit Methode.

Dieser 15jährige ist William, der die Platten seiner Schwester findet und fortan nur noch eines will: Rock’n’Roll. Quasi um die Ecke wohnt der Musikkritiker Lester und wird auf den talentierten Jungen aufmerksam. Er lässt ihn Berichte für das Detroiter Rock-Magazin „Creem“ schreiben. Dieses Magazin wiederum liegt auch beim berühmten „Rolling Stone“ herum, und so bekommt William den Auftrag, eine Tourreportage über die Band „Stillwater“ zu schreiben – und keiner seiner Auftraggeber ahnt, wen sie da eigentlich angeheuert haben.

William ist also bei allem dabei. Zwar in der beobachtenden Rolle des uncoolen Außenseiters, aber genau das ist es, was er braucht. Und Material für seine Reportage findet er genug, wird er doch unmittelbar Zeuge der Streitereien und tiefen Freundschaften, Zeuge von Eskapaden und Triumphen. Und auf interessante wie dennoch glaubhafte Weise ist er, der kleine junge, offenbar der einzige Erwachsene in diesem ganzen Zirkus. Seine Mutter (typischerweise eine leicht pedantische Lehrerin) macht sich also ganz umsonst Sorgen um ihn.

Das glatte Gegenteil ist das selbstsichere Groupie Penny Lane. Nur wenig älter als William, kennt sie sich scheinbar klasse im „Biz“ aus. Natürlich ist es Ehrensache, dass sie kein Groupie ist, sondern eine Muse. Sie will ganz und gar nicht wahrhaben, dass sie für die Band einfach nur eine süße Gespielin fürs Hotelbett ist. Beide werden sich also weiterentwickeln: Penny muss runter von ihrem Thron und lernen, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Und William, der trotz seiner 15 Jahre und seines naiven Dackelblicks schon den kühlen Reporter drauf hat, muss erwachsen werden, um kein Außenseiter in seiner Umgebung zu sein.

Nur einer von vielen angenehmen Punkten ist, dass sich der Film gottseidank zu schade ist, hieraus eine kitschige Love-Story zu drechseln. Kein Wunder, dass Regisseur und Autor Cameron Crowe für das Drehbuch einen Oscar bekam, denn er beweist mit seiner autobiographischen Geschichte, dass er vor allem eines kann: Erzählen, ohne wahnwitzige Wendungen oder einen riesigen Special-Effects-Etat zu benötigen. Er zeigt uns wahre Menschen und keine Abziehbilder und stellt direkt Gefühle dar, ganz ohne ein einziges Mal in Richtung Kitsch abzugleiten

Das wäre sicherlich nicht möglich gewesen ohne die hervorragende Darstellerriege, die er zur Verfügung hat. „Almost Famous“ legt auf jedes Detail Wert und ist bis in die letzte Nebenrolle perfekt besetzt. Besonders hervorzuheben sind jedoch die Newcomer Patrick Fugit, der William erstklassig verkörpert und einen Haley Joel Osment ganz schön alt aussehen lässt, sowie Kate Hudson, die schon jetzt mehr Talent zeigt, als ihre Mutter Goldie Hawn jemals hatte (um es mit den Worten von Carsten Baumgardt zu sagen).

Bleibt noch, den wunderbaren Soundtrack zu erwähnen, der den Film stimmig mit Klängen von Beach Boys bis Black Sabbath untermalt. Bemerkenswert der Sound der (fiktiven) Band „Stillwater“, der von Altrocker Peter Frampton stimmig wie hitverdächtig kreiert wurde. „Almost Famous“ ist also der feuchte Traum des typischen Filmkritikers: Nicht nur dass alles stimmt und auch noch nette Mucke aus alten Tagen vorhanden ist, nein wir dürfen William auch noch dabei zusehen, wie er als genialer Schreiberling schon mit 15 Jahren erfolgreich ist und uns insgeheim einbilden, dass wir auch schon immer so genial waren.

USA 2000, 123 min
Patrick Fugit, Kate Hudson, Billy Cudrup, Frances McDormand, Jason Lee, Philip Seymour Hoffman
Regie: Cameron Crowe