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Piratengeist

[Achtung, Pathoscontent!] Es stimmt ja: Programmatisch klaffen riesige Lücken und vieles ist schwammig. Die Piratenpartei hat noch viel vor sich. Dass es aber nicht schlimm ist und etwas ganz großartiges beginnt, erleben wir gerade:

  • In der heillos abgesoffenen FDP entzündet sich eine Diskussion, sie müsse sich mehr an der Piratenpartei orientieren. Tatsächlich stillt die Piratenpartei die Sehnsucht nach einer linksliberalen, bürgerrechtsorientieren Partei, die die FDP seit 1982 nicht einmal mehr als Flügel ist.
  • Angela Merkel sieht zwar nur die Proteststimmen, fühlt sich aber bemüßigt, „auf dem Sachgebiet Internet sehr entschieden weiter zu arbeiten„.
  • Jetzt gerade läuft der Stream der dritten Fraktionssitzung live. Man vernimmt Stimmen aus den anderen Fraktionen, die laut darüber nachdenken, das nachzumachen.
  • Und heute hielten die Grünen stur an ihrem Wahlversprechen zur A100 fest, dass die Koalitionsverhandlungen scheiterten. Natürlich mach das eine Lehre aus dem schwarzgrünen Fiasko in Hamburg und das Scheitern des konservativen Künast-Wahlkampfes sein, aber als ich auf Twitter fragte, „Bin ich der einzige, der gerade das Gefühl hat, die Grünen weht Piratengeist an, bei #A100 nicht umzufallen?„, bekam ich nur entsprechende Antworten: Bin ich nicht.

Das sind erste Anzeichen, dass es tatsächlich funktionieren könnte. Dass die Parteien den Bürger wiederentdecken und sich um mehr Glaubwürdigkeit bemühen. Dass Politik wieder ein Stück außerhalb heiliger (medialer) Hallen stattfindet und dass die beste unter allen schlechten Regierungsformen ein Stückchen weiterentwickelt wird. Dass Politiker wieder mehr Angst vor dem Wähler haben – und diese Angst nicht darin besteht, vor der Kamera eine schlechte Figur zu machen, sondern den Zorn der Wähler auf sich zu ziehen.

Die Piratenpartei hat in Berlin sämtlichen Parteien Wähler genommen, am wenigsten bei der CDU, am meisten bei den Grünen. Am allermeisten jedoch hat sie Nichtwähler wieder an die Wahlurne gebracht. Langsam merken wir: Die Wählerstimmen in Berlin waren nicht umsonst.

Ach ja, und es gibt jetzt Club Mate im Abgeordneten Haus, wobei mir ja 1337mate lieber wäre…

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