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Alles neu macht der September (2): Windows 7

Ihr dürft es erst nächsten Monat kaufen, wir haben es schon per MSDN bekommen: Windows 7. Ich verkneife mir einen ausführlichen Testbericht: Die Computerzeitschriften und das Internet sind sowieso voll davon. Hier nur ein kleiner Erfahrungsbericht:

Hardware: Installiert habe ich es auf einem schon etwas älteren IBM Thinkpad R52 mit 2 GB RAM, einem Pentium-M und einer mobilen ATI-Radeon. Installiert habe ich auf eine völlig leere Festplatte (alles andere halte ich sowieso für grob fahrlässig). Die Installation von DVD dauerte etwa 30 Minuten und verlief völlig problemlos. Die wenigen noch fehlenden Treiber besorgte Windows sich über das Internet, sobald Verbindung bestand. Das war das erste mal, dass ich jemals ein Betriebssystem frisch installiert habe und keinerlei Treiber nachinstallieren musste. (Mac OS X zählt nicht, schließlich läuft das ja nativ nur auf einer Handvoll Rechner.) Es fehlt lediglich die Software für den sowieso überflüssigen weil unsicheren Fingerprintreader (der Treiber selbst ist allerdings vorhanden).

Software: Die Anwendungen musste ich natürlich anschließend frisch installieren und meine Daten zurückkopieren. Das System ist hier seit einem Monat im produktiven Einsatz (Diplomarbeit schreiben, Mail, Internet, diverse Tools, IDE) und lief bis auf eine Kleinigkeit vollkommen stabil. Die Kleinigkeit: Ein einziges mal in diesen vier Wochen hinterließ ein Grafik-Effekt einen Schatten bis zum nächsten Neustart auf dem Display. Vermutlich irgendwas mit dem Grafik-Treiber.

Performance: Windows 7 ist schnell. Wie die c’t in ihren Testberichten schon mehrfach geschrieben hat, unterscheiden sich Windows XP, Vista und 7 nicht messbar voneinander. Wichtig ist jedoch nicht nur die Messung, sondern auch, wie schnell sich das System anfühlt. Hier hatte Vista vollkommen versagt und hier macht es Windows 7 vollständig wieder gut, meiner Meinung nach sogar noch einen Tick besser als Windows XP, dessen Multitasking etwas unrunder läuft, wenn man mehrere rechenintensive Dinge gleichzeitig auf einer Single-Core-CPU laufen lässt. Ansonsten: Kopieren geht schneller, booten geht schneller, Aufwachen aus dem Schlafmodus geht schneller und in beiden Fällen ist der Desktop sofort bedienbar. Die Windows-typische Gedenkminute scheint passé.

Die neue GUI: Immer noch für meinen Geschmack zuviel Bombast, obwohl Microsoft hier versucht hat, insgesamt einen Tick dezenter aufzutreten als mit Vista. Dialoge sind häufig immer noch überfrachtet und der ganze Grafikschnickschnack ist doch arg Geschmacksache. Hier sind mir Mac OS X und Gnome wesentlich lieber. Trotzdem ziehe ich die moderne GUI dem tristen Mausgrau von Windows XP vor (egal ob in Bonbon- oder Steinzeit-Optik).

Kompatiblität: Mir ist keine Anwendung untergekommen, die nicht laufen wollte (was ich allerdings auch nicht allzu intensiv getestet habe). Die eine oder andere Anwendung aus XP-Zeiten läuft sogar anstandslos, ohne irgend einen „Modus“ zu konfigurieren wie unter Vista, obwohl das natürlich weiterhin geht. Den auf einer virtuellen Maschine basierenden XP-Modus habe ich mangels Bedarf noch nicht benutzt. Dasselbe gilt für DOS-Programme.

Sicherheit: Glaubt man der c’t, ist sie genauso hoch wie bei Vista, wenn man die UAC auf die höchste Einstellung setzt. Direkt nach der Installation ist sie in mittlerer Einstellung. Auch in der höchsten Einstellung nervt Windows 7 erheblich weniger als Vista. Nachfrage-Screens sehe ich außer direkt nach der Installation nur noch sehr selten. Zugriffe auf Programme wie WAMP, die sich gerne außerhalb der gängigen Benutzerverzeichnisse auf C:\ installieren wollen, funkionieren problemlos wie unter XP (in Vista gab es immer entweder Fehlermeldungen oder Dateiänderungen standen wegen virtuell eingeblendeter Verzeichnisse im Nirvana). Und ja: die UAC ist wichtig. Wegen ihr hatte ich bisher gerade Menschen mit geringen Computerkenntnissen grundsätzlich zu Vista geraten.

Angenehme Kleinigkeiten: Fenster maximieren oder minimieren sich automatisch, wenn man mit der Maus am Titelbalken zieht. Oder sie nehme exakt den halben Bildschirm ein, wenn man sie an den rechten oder linken Rand zieht. Brauche ich eigentlich selten, aber wenn, ist das überaus praktisch. Das Tray ist jetzt nicht mehr so chaotisch zugemüllt. Die neue Taskleiste, die dem Dock von Mac OS X nachempfunden ist, ist wesentlich funkionaler. Das Startmenü hat bei mir weitestgehen ausgedient, aber wenn ich es benuzte, klappen die Unterverzeichnisse jetzt wieder in angemessener Geschwindigkeit auf. Laufende wie nicht laufende Programme passen in die Leiste und das Umschalten zwischen verschiedenen Fenstern ist ebenfalls sehr schlicht und praktisch gelöst.

Da muss ich – ein alter Microsoft-Basher vor dem Herrn – einmal anerkennen: Microsft hat hier einen sehr guten Job gemacht. (Und nein, ich kriege kein Geld von denen und werde auch nicht mit vorgehaltener Waffe gezwungen, das hier zu schreiben. Echt nicht.)

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