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Die Piratenpartei vs. Sascha Lobo

Derzeit ergießen sich Zorn und Entrüstung über Sascha Lobo: Mitglieder und Sympathisanten der Piratenpartei sind wütend auf ihn, weil er sich immer wieder im Fernsehen gegen die Piraten äußert. Ausgerechnet er: die Galionsfigur, der „Internetminister“. Sie empfinden das als Verrat, sie denken: „wie kann er nur“.

Dabei übersehen sie eine Kleinigkeit: Sascha Lobo ist nicht nur ein begnadeter Selbstvermarkter und Internet-Lobbyist, sondern ganz vor allem auch Werber und PR-Berater. Als solcher war er nicht nur für die SPD tätig, sondern angeblich auch für rund ein drittel der DAX-Unternehmen. Unter anderem ist er für die MTV-Kampagne für „Popetown“ verantwortlich und dergleichen mehr.

Das bedeutet zum einen: dass er als „Digitaler Bohemien“ durchaus viel „Piratiges“ von sich gibt. Zum anderen aber: dass er kein Pirat ist und auch nicht sein kann. Er würde seine eigenen Brötchengeber in die Hand beißen. Vielleicht ändert sich das in Zukunft, aber so lange Sascha Lobo u.a. von den Einnahmen seiner Bücher lebt und auf der Gehaltsliste diverser Medienhäuser steht, wird er die Piratenpartei vor allem in der Urheberrechtsfrage immer kritisieren und angreifen. Das ist sein gutes Recht.

Bei all dem ist sichtbar, dass er sich sichtlich müht, die Balance zu wahren. Sein ZDF-Interview steht unter dem Tenor, die Piratenpartei sei ein „Warnschuss an die Politik„. Nur in einem Teil des Interviews äußert er sich kritisch zur – Taddaaaa! – Urheberrechtsfrage und behauptet, die Piraten böten hier kein Konzept an. Wen eigentlich sollte das überaschen? Dass das ZDF dann nur genau diese Passage aus dem Interview in Berlin Direkt ausstrahlt, führt nur die Medienmaschine vor Augen. Sowas nennt man Gegenwind. Die Piraten wollten politischen Kampf. Jetzt haben sie ihn.

P.S.: Gerade Kulturschaffende haben Angst vor Filesharing und dem ganzen Zeugs. Gerade sie stehen unabhängig von irgendeiner Medienindustrie den Piraten sehr kritisch gegenüber. Gerade sie verdienen tragfähige Konzepte und Überzeugungsarbeit.

Update: Ich bin Mitglied der Piratenpartei, versuche aber Blog und Parteipolitik getrennt zu halten. Aber: Ganz im Gegenteil: Wir haben Konzepte. Sogar sehr gute. Wir agieren aber nicht im luftleeren Raum und müssen uns mit jeder Kritik auseinander setzen, egal ob sie polemisch oder ernsthaft gemeint ist. So ist nunmal Politik.

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