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Cebit-Depressionen

Immer wieder interessant: Microsoft im Wandel der Zeit. Der Stand war düster und abweisend wie in den Jahren zuvor. Microsoft selber stand trotz eines interessanten Portfolios von Windows 7 bis Surface im Hintergrund und hat das Feld weitgehend den Business-Partnern mit ihren Mini-Ständen nüberlassen. Ganz unabhängig von der Berichterstattung der letzten Monate hatte ich das ganz starke Gefühl, dass sie auf dem absteigenden Ast sitzen. Und dass auch Windows 7 nicht viel daran drehen wird. Frappierend auch die Ähnlichkeit zu IBM, was die Außendarstellung betrifft. Microsoft ist „the next big dino“, ein großer Player, ganz sicher weiterhin relevant, aber längst nicht mehr der Marktbeherrscher der 90er und Nullerjahre.

25% weniger Aussteller: Das fiel eigentlich weniger auf. Aber mein ganz persönlicher Eindruck: Noch viel weniger Besucher. Dass Vertreter mutterseelenallein auf kaum besuchten Ständen herumgammeln, gab es schon immer, aber noch nie waren da so viele betretene und besorgte Gesichter zu sehen. Trotzdem werden wohl alle diese Firmen hinterher wieder behaupten, wie wahnsinnig viel ihnen die Cebit auch dieses Jahr wieder gebracht habe, schon alleine um der Krisenstimmung entgegen zu wirken.

Zugleich traurig wie angenehm die Besucherstruktur: OK, ich war nur ganz kurz in der Gaming-Area, aber üblichen Nerds und Schnäppchejäger waren kaum mehr auszumachen. Liegt wohl daran, dass sich auch das Nerdtum und die Schnäppchenjägerei längst ins Web verlagert haben. Diese Cebit war eine reine Business-Veranstaltung. Anzugträger unter sich. Einerseits ein Verlust von Cebit-Kultur, andererseits wohl auch ganz gut so und eine Art Konsolidierung. Messe ist nunmal Business. Bestürzend geschrumpft: Der Career & Job Market.

Ein wahres Highlight war die Webciety: Nur war sie viel viel zu klein, dafür wie sehr sie beworben wurde, und dann auch dem Besucherandrang zeitweise kaum gewachsen. Hier kann, soll und muss die Cebit ausbauen, will sie so etwas wie Relevanz bewahren. Für irgendwelche Taiwan-Tastaturen und Shenzhen-USB-Sticks braucht es einfach keine Cebit.

Dieser Messebesuch war anders: einen richtigen Rundgang wie früher habe ich mir gespart. Genützt hat es wenig: Auch dieses Jahr sind meine Füße jetzt arg lädiert und die Hacken blutig gelatscht… Der Messetag verlief für mich mit meiner ganz persönlichen Agenda zwar sehr erfolgreich, aber dennoch wird mir diese Cebit als depressiv in Erinnerung bleiben. Ironischerweise hatte ich meinen evtl. wichtigsten Kontakt schon am Vorabend auf einer Standparty…